Luzifer-Effekt

Was bringt gute
Menschen dazu, Böses zu tun? Wie können normale Menschen dazu verleitet werden,
unmoralisch zu handeln? Wo liegt die Grenze zwischen Gut und Böse, und wer läuft
Gefahr, sie zu überschreiten?
Der renommierte amerikanische Sozialpsychologe Philip Zimbardo erläutert in
seinem neuen Buch Der Luzifer-Effekt, wie wir alle für die Versuchungen "der
finsteren Seite" anfällig sind - und beleuchtet die vielfältigen Gründe dafür.
Anhand historischer Beispiele sowie seiner eigenen bahnbrechenden Forschungen
führt er detailliert aus, wie situative Kräfte und gruppendynamische Prozesse
zusammenwirken können, um aus anständigen Männern und Frauen Ungeheuer werden zu
lassen.
Zimbardo ist weltweit bekannt als der Kopf hinter dem Stanford Prison
Experiment*, einem Meilenstein der psychologischen Forschung. Hier erzählt er,
zum ersten Mal und in fesselndem Detail, die ganze Geschichte dieser Studie, in
der eine Gruppe freiwilliger Studenten zufällig in "Wärter" und "Häftlinge"
aufgeteilt wurde, um dann in einem simulierten Gefängnis zu arbeiten und zu
leben. innerhalb einer Woche musste das Experiment abgebrochen werden, da
normale Studenten sich in brutale, sadistische Wärter oder emotional gebrochene
Gefangene verwandelt hatten.
Indem er die psychischen Ursachen solcher verstörenden Metamorphosen analysiert,
versetzt Zimbardo den Leser in die Lage, vielerlei entsetzliche Phänomene besser
zu verstehen - von Straftaten der Wirtschaftskriminalität über organisierten
Völkermord bis hin zu den Misshandlungen und Folterungen, die ursprünglich
rechtschaffene US-amerikanische Soldaten in Abu Ghraib* begangen haben. Die
landläufige Vorstellung vom "faulen Apfel" (bad apple) ersetzt er durch das Bild
vom "bösen Fass" (bad barrel) - also der Hypothese, dass das soziale Umfeld und
das System das Individuum pervertieren, und nicht etwa umgekehrt.
* Näheres im Buch
"Luzifer, lateinisch: der
Lichtbringer, war ("ist") ein Engel, der sich gegen Gott auflehnte, dann vom
Erzengel Michael (dem Schutzengel von Israel) in die Hölle gestürzt wurde und
der (nach Lukas 10,18 "wie ein Blitz vom Himmel fallend") identisch ist mit dem
Teufel ("Verleumder"), Satan ("Widersacher" Gottes), Beelzebub ("Baal Zebul",
Stadtgott von Ekron im Land der Philister)... bis Ahri(mittelpersisch »arger
Geist) gleichgestellt.
Titel der Originalausgabe: The Lucifer Effect - Understanding How Good People Turn Evil
Aus dem Englischen
übersetzt von Karsten Petersen (www.translibri.com)
Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg 2008
Spektrum Akademischer Verlag ist ein Imprint von Springer
Springer ist ein Unternehmen von
Springer Science+Business Media springer.de
Planung und Lektorat: Frank Wigger, Martina Mechler
Herstellung: Katrin Frohberg
Redaktion: Jorunn Wissmann
Umschlaggestaltung: wsp design Werbeagentur GmbH. Heidelberg
Satz: Karsten Petersen,
www.translibri.com
Schriften: Photina und Visage
Druck und Bindung: Krips b.v., Meppel
Printed in The Netherlands
ISBN
978-3-8274-1990-3
Dieses Buch wagt es,
der Menschheit einen Spiegel vorzuhalten, der zeigt, dass man vielleicht nicht
der Mensch ist, für den man sich halten mag. Es zwingt uns zu hinterfragen,
welcher Untaten wir - gefangen im Faktorengeflecht der Verhaltensdynamik - fähig
sein mögen. Doch Zimbardo weckt auch neue Hoffnung: Er ist überzeugt, dass man
nicht nur dem Bösen widerstehen, sondern gar selbst heroisches Verhalten
entwickeln kann.
Der Luzifer-Effekt ist eine schockierende und fesselnde Studie, die unsere Sicht
des menschlichen Verhaltens verändern wird. Dieses bedeutende und brisante Buch
offenbart verstörende Wahrheiten: über physische und psychische Gewalt, über
Misshandlungen und Folter, über Kriegsverbrechen und Massenmorde - und über die
Menschen, die sie ausführen, anordnen, ermöglichen oder zulassen. Zimbardos
These: Nicht die Veranlagung bringt gute Menschen dazu, Böses zu tun, sondern
die Situation, in der sie sich befinden oder in die man sie versetzt. Die Macht
der Umstände schafft Täter und Opfer, und in oft diffusen
Verantwortungsgeflechten verlieren moralische Maßstäbe allzu leicht ihr
Fundament.
Damit hat Zimbardo einen Schlüssel in der Hand, der ein weites Panorama
unmenschlichen Verhaltens einer Erklärung zugänglich macht: vom berühmten
"Stanford Prison Experiment"* bis zu "Abu Ghraib"*, von Milgrams
Gehorsamkeitsstudie* bis zum Massenselbstmord in Jonestown*, von den Gräueln des
NS-Regimes bis zum Völkermord in Ruanda, von My Lai* bis zum Schrecken des 11.
September. Schonungslos arbeitet der Autor auch die Mittäterschaft politischer
und militärischer Entscheidungsträger heraus, und ebenso schonungslos stellt er
sich in der beeindruckenden Aufarbeitung des berühmten Gefängnisexperiments
seiner eigenen Verstrickung in Machtausübung und Rollenidentifikation.
* Näheres im Buch (z.B. "My-Lai" ab Seite 439)
Bei aller Beklemmung, die die Lektüre dieser ungemein
detailreichen Studie unweigerlich auslöst, öffnet das Buch aber auch ein Fenster
der Hoffnung: So wie man Situationen schaffen kann, die Menschen zum Bösen
verführen, so können auch Zivilcourage und heldenhaftes Verhalten durch
geeignete Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Weichenstellungen gefördert
werden. Der „Banalität des Bösen" setzt Zimbardo die „Banalität des Heldentums"
entgegen.
»Keine erfreuliche Lektüre für Menschen, die überzeugt sind, dass wir als
Individuen moralisch autonom sind ... Der Luzifer-Effekt ist ein wichtiges Buch«.
Sunday Times
»Pflichtlektüre nicht nur für Sozialwissenschaftler, Politiker,
Entscheidungsträger und Erzieher«. American
Scientist
»Ein beeindruckendes Stück Forschung zur Natur des Bösen und zu den den Systemen und Situationen, die es entfesseln«. Observer
»Professor Zimbardo
verdient einen tief empfundenen Dank für die Offenlegung und Beleuchtung der
dunklen, verborgenen Winkel der menschlichen Seele. Sein Buch ist eine nicht
immer ermutigende Lektüre. Doch der Autor zeigt sehr deutlich, dass es zu den
entscheidenden Herausforderungen der menschlichen Existenz gehört, sich selbst
kennenzulernen«. Vaclav Havel
Philip
Zimbardo ist Professor emeritus für Psychologie an der Stanford University
und Leiter des Stanford Center an Interdisciplinary Policy, Education, and
Research an Terrorism. Sein Lehrbuch Psychology and Life ist in zahlreiche
Sprachen übersetzt worden und hat sich millionenfach verkauft. Zimbardo hat auch
an der Yale University, der New York University sowie der Columbia University
gelehrt und war Präsident der American Psychological Association. Mit seinem
Namen ist unter anderem das berühmte Stanford Prison Experiment verbunden, zu
dem es die viel genutzte Website
www.prisonexperiment.org gibt. Im Jahr 2004 sagte Zimbardo als
Sachverständiger im Kriegsgerichtsverfahren gegen einen der US-Armeereservisten
aus, die angeklagt waren, im Abu-Ghraib-Gefängnis im Irak Gefangene misshandelt
und gefoltert zu haben.
Weitere Informationen zum Autor und zum Buch unter:
www.zimbardo.com und
www.lucifereffect.com.