Plakate
IMMER NOCH HÖCHST AKTUELL
von Klaus Steack
Steidl Verlag Göttingen 1988 ISBN 3-88243-093-1

1938 am 28. Februar in Pulsnitz/ Kreis Kamenz
bei Dresden geboren.
1939-56 aufgewachsen in der Industriestadt Bitterfeld (Bezirk Halle/Saale).
1956 unmittelbar nach dem Abitur Übersiedlung nach Heidelberg.
1957 Da in der Bundesrepublik die DDR-Reifezeugnisse nicht anerkannt wurden,
Wiederholung am BunsenGymnasium in Heidelberg. Anschließend Bauhilfsarbeiter.
1957-62 Jura-Studium in Heidelberg, Hamburg und Berlin.
1960 Es entstehen die ersten Postkarten, und erste Ausstellung im
Heidelberger Haus Bühl, veranstaltet vom AStA der Universität. Seit 1960 Plakate
und Flugblätter für den AStA und andere studentische Gruppen.
1960 Seit 1. April Mitglied der SPD.
1961 Gründung des »Politischen Arbeitskreises» der Studentenhochhäuser am
Klausenpfad.
1962 Referendarexamen; anschließend Referendardienst in Weinheim,
Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe und Pforzheim.
1963 Nach der Organisation eines Studentenaustausches zwischen den
Universitäten Heidelberg und Leipzig erste Besuche vom Verfassungsschutz, weil
die damalige Bundesregierung zwar verbal für Ostkontakte eintrat, jede
praktische Betätigung auf diesem Gebiet aber verfolgte.
1964 Erste Holzschnitte (bis 1967).
1965 Gründung des Produzentenverlags Edition Tangente (Jetzt: Edition Staeck).
1967 bis 1969 Kunsttutor der Studentenhochhäuser am Klausenpfad.
1967 Kandidatur für den Heidelberger Stadtrat auf der Liste der SPD.
Mitglied des Kreisvorstandes der Heidelberger SPD und der Jungsozialisten.
1968 Erste gemeinsame Arbeit mit Joseph Beuys.
1969 Assessorexamen in Stuttgart. Zulassung als Rechtsanwalt in Heidelberg
und Mannheim.
1969 Veranstaltet mit Jochen Götze in Heidelberg das Kulturfestival »intermedia
'69«.
1969 Vorsitzender des Ausschusses der SPD zur Untersuchung der
Studentenunruhen (mit Dieter Adelmann).
1970 1. Zille-Preis für sozialkritische Grafik in Berlin.
1970 Mitbegründer der IKI (Internationale Kunst- und Informationsmesse)
Düsseldorf/Köln (Heute: Art Cologne).
1970 Beginn der Zusammenarbeit mit Gerhard Steidl.
1971 Aufruf gegen die Exklusivität des Kölner Kunstmarkts (mit Joseph Beuys
und Erwin Heerich). Erste Plakataktion zum Dürer-Jahr in Nürnberg (»Würden Sie
dieser Frau ein Zimmer vermieten«).
1971 Gastdozentur an der Gesamthochschule Kassel.
1971 Teilnahme an der »experimenta 4« in Frankfurt.
1972 Kreiert das »Deutsche Kunstsiegel«.
1972 Produziert im Bundestagswahlkampf etwa 1 Million Plakate, Postkarten
und Aufkleber. Das Plakat »Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im
Tessin wegnehmen« erscheint allein in einer Auflage von 70 000 Exemplaren. Wird
von der CDU in die ersten Prozesse verwickelt (inzwischen ist 38mal vergeblich
versucht worden, ein Plakat verbieten zu lassen).
1973 Vorsitzender des mit Joseph Beuys gegründeten Vereins »Freie Hochschule
für Kreativität und interdisziplinäre Forschung«.
1973 Lehrauftrag an der Universität Gießen - Fachbereich Kunsterziehung.
1974 Zusammen mit Joseph Beuys in Amerika.
1974 Im November kommt es anläßlich einer Ausstellung im Londoner
Institute of Contemporary Art (ICA) unter Beteiligung des Goethe-Instituts im
Rahmen des Deutschen Monats zu einem Eklat, als ein CSU-Abgeordneter gegenüber
Bundesaußenminister Genscher Anstoß nimmt, worauf Genscher die Ausstellung der
Staeck-Plakate nachträglich offiziell mißbilligt. Breite Solidarität mit Staeck,
als sich Heinrich Böll für ihn einsetzt.
1976 Am 30. März kommt es zum »Bonner Bildersturm«, als aufgebrachte
Abgeordnete der CDU/CSU unter Führung des jetzigen Bundestagspräsidenten Philipp
Jenninger anläßlich einer Ausstellung von Staeck-Plakaten in der
Parlamentarischen Gesellschaft in Bonn einige Plakate von den Wänden reißen.
Der Vorgang wird in über 1 500 Presseberichten kommentiert, über 100
Ausstellungen schließen sich an, dabei kommt es aber auch zu über50
Ausstellungsverhinderungen.
1976 Förderpreis der »Intergrafik«, Berlin (DDR). 1977 Bronzemedaille der
Iba (Internationale Buchkunstausstellung Leipzig).
1977 100 Tage auf der Kasseler documenta 6.
Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller in der IG Druck+Papier.
1978 bis 1980 Erste umfassende Retrospektive »Rückblick in Sachen Kunst
und Politik« in den Kunstvereinen Frankfurt und Heidelberg, Kongreßhalle Berlin,
Künstlerhaus Wien, Haus der Jugend Graz, Rathaus Aarhus, Kunstverein Hannover.
1979 Nach einer von der Volkshochschule Rüsselsheim organisierten
Staeck-Ausstellung kommt es zu wochenlangen Auseinandersetzungen mit der CDU.
1979 Kritikerpreis in Berlin und Goldmedaille der 4. Biennale für
Fotomontage in Grudziadz/Polen.
1979 Gründung der Bürgerinitiative »Aktion für mehr Demokratie«.
1980 Gegen heftigen CSU-Protest wieder Ausstellungen in den
Goethe-Instituten Marseille, Paris, Tel Aviv, Brüssel, New York, Chicago, San
Francisco, Montreal, Toronto, Buenos Aires, Amsterdam u. a.
1980 Zusammen mit Günter Wallraff Plakataktionen in Hamburg, Frankfurt
und im Ruhrgebiet gegen die BILD-Zeitung.
1981 Beginn der Aktion »Wir schreiben nicht für Springer-Zeitungen« mit
Peter Rühmkorf, Günter Grass, Heinrich Böll und Walter Jens.
1981 bis 1982 Gastprofessur an der GHS Universität Essen.
1981 Die von der CDU geführte Niedersächsische Landesregierung untersagt
die Verwendung und Ausstellung von Staeck-Plakaten in allen Schulen. Die Zahl
der Ausstellungsverbote steigt auf über 100.
1981 1. Preis der Internationalen Poster-Biennale in Lahti/Finnland.
1982 Teilnahme an der documenta 7. Mitglied im P.E.N. Zentrum.
1983 Nimmt an der Blockade vor dem Raketendepot Mutlangen teil.
1983 Mitglied im Beirat der Humanistischen Union.
1983 Großveranstaltung »Verteidigt die Republik« in der Essener
GrugaHalle mit Heinrich Böll, Dieter Hildebrandt u.v.a.
1984 Begleitet zusammen mit Joseph Beuys den Sprayer von Zürich, Harald
Naegeli, vor seinem Strafantritt an die Schweizer Grenze.
1986 Preis der »3. Triennale Europeenne de l'Affiche politique« in Mons/
Belgien. Ehrenmedaille der 11. Internationalen Grafik-Biennale in Krakow/ Polen.
Seit 1986 Gastprofessor an der Kunstakademie Düsseldorf.
1987 Teilnahme an der documenta 8.
Klaus Staeck Bibliographie
»Pornografie« (Steidl Verlag 1971)
»Befragung der documenta« (Steidl Verlag 1972)
»Plakate abreißen verboten!«, herausgegeben von Ingeborg Karst (Steidl Verlag
1972)
»Die Reichen müssen noch reicher werden«, herausgegeben von Ingeborg Karst
(Rowohlt Verlag 1973)
»Der Fall Staeck«, herausgegeben von Ingeborg Karst (Steidl Verlag 1974)
»Die Kunst findet nicht im Saale statt«, mit Dieter Adelmann (Rowohlt Verlag
1976)
»Der Bonner Bildersturm« (Steidl Verlag 1976)
»Worte des Statthalters Kohl« (Steidl Verlag 1976)
»Eine Zensur findet gelegentlich statt« (Steidl Verlag 1977)
»Briefe zur Verteidigung der Republik« (Herausgeber zusammen mit Heinrich Böll
und Freimut Duve, Rowohlt Verlag 1977)
»Briefe zur Verteidigung der bürgerlichen Freiheit« (Herausgeber zusammen mit
Heinrich Böll und Freimut Duve, Rowohlt Verlag 1978)
»Einschlägige Worte des Kandidaten Strauß« (Steidl Verlag 1979)
»Gedichte/Collagen« (mit Heinrich Böll, Lamuv Verlag 1979)
»Rückblick in Sachen Kunst und Politik« (Steidl Verlag 1980)
»Kämpfen für die sanfte Republik« (Herausgeber zusammen mit Heinrich Böll und
Freimut Duve, Rowohlt Verlag 1980)
»Zuviel Pazifismus?« (Herausgeber zusammen mit Heinrich Böll und Freimut Duve,
Rowohlt Verlag 1981)
»Die Leiden des Axel Cäsar Springer« (Steidl Verlag 1981)
»Verantwortlich für Polen?« (Herausgeber zusammen mit Heinrich Böll und Freimut
Duve, Rowohlt Verlag 1982)
»Macht Ali deutsches Volk kaputt?« (mit Inge Karst, Steidl Verlag 1982)
»Die Gedanken sind frei« (Eulenspiegel Verlag 1982)
»Verteidigt die Republik« (Steidl Verlag 1983)
»Stell Dir vor, es ist Wahltag, und alles wird schwarz« (Steidl Verlag 1983)
»Alles unter Kontrolle?« (Steidl Verlag 1983)
»Im Mittelpunkt steht immer der Mensch« (dtv-Postkartenbuch 1984)
»Staecks Umwelt« (Steidl Verlag 1984)
»Verteidigt die Kultur« (mit Inge KarstStaeck, Steidl Verlag 1984)
»Bahnbrechende Wort von Kanzler Kohl« (Steidl Verlag 1984)
»Staeckbriefe« (Steidl Verlag 1985)
»Alt Heidelberg das Meine« (Eulen Verlag 1985)
»Die Bonner Laienspielschar« (Steidl Verlag 1986)
»Die Kreuzzüge des Heiner Geißler« (Steidl Verlag 1986)
»Wir kommen weit her« zusammen mit Heinrich Böll (Steidl Verlag 1986)
»Ohne die Rose tun wirs nicht« - für Joseph Beuys (Edition Staeck 1986)
»Beuys in Amerika« zusammen mit Gerhard Steidl (Edition Staeck 1987)
»Nazi-Kunst ins Museum?« (Steidl Verlag 1988)
Kopiert aus obigem Buch
Klaus Staeck hat 1971 den traditionellen Kunstbetrieb verlassen und gemeinsam mit seinem Freund und Partner, Gerhard Steidl, die Technik für eine neue Kunstpraxis entwickelt.

Die Kunst zielt nicht mehr darauf ab, das Auge innerhalb derjenigen Umgebung zu
erreichen, in der es auf die Begegnung mit einem Kunstwerk eingestellt ist,
sondern das Bild sucht den Betrachter dort, wo sich der Blick in den
alltäglichen Bildwelten befindet - durch das Plakat an der Litfaßsäule und an
der Anschlagfläche, durch die Postkarte im Medium der gewöhnlichen Mitteilung
zwischen Freunden und Bekannten, durch den Aufkleber in der Nähe des
Arbeitsplatzes oder am Auto.
Der Künstler stellt Bildobjekte her, die von politischen Gruppen in politischen
Auseinandersetzungen verwendet werden. Er verläßt den Raum der Kunsterwartung
und organisiert visuelle Strategien.
Seit seiner Nürnberger Plakat-Aktion im Dürer-Jahr 1971 mit dem Plakat »Würden
Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?« und dem Eingreifen in Bundes- und
Landtagswahlkämpfe (»Die Reichen müssen noch reicher werden«) hat Staeck viele
Erfahrungen in dieser Kunstpraxis gewonnen. Dabei vermochte er, den
Wirkungsbereich seiner Arbeit stetig auszuweiten. In der für jede konventionelle
künstlerische Graphik unvorstellbaren Größenordnung der Gesamtauflage von mehr
als 12 Millionen zeigt sich, daß Staecks künstlerische Technik in den Rang einer
neuen Form der Massenkunst gelangt ist.
Mehrere ausführliche Texte von Klaus Staeck geben Einblick in seine Kunstpraxis,
die Organisationsstruktur seines Selbstvertriebsmodells.
Kopiert aus obigem Buch