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Papst und Opus Dei

Auf dieser Webseite:
>Hier< zu einer kurzen Beschreibung des "Opus Dei" (des "Werkes
Gottes"),
mit Hinweis auf die "Pius-Bruderschaft" und auf getrennter
Webseite:
>hier< zur Papst-Laufbahn und seiner Beziehung
zum "Opus Dei"
Peter
Hertel: Das Opus
Dei will den nächsten Papst bestimmen
www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur/2001/imp010202.html
Langsam und fast unmerklich
hat das berüchtigte Opus Dei seinen Einfluss in allen kirchlichen Machtzentren
gesichert. Unser Autor zeigt, dass der nächste Papst nur mit Zustimmung des Opus
Dei bestimmt werden kann - oder sogar ein Opus Dei-Mann sein wird.
16 Jahre mußte das
selbsternannte "Werk Gottes" warten, bis der oberste römische Glaubenswächter
einer irrgläubigen Überzeugung abschwor. Er müsse die Macht des Opus Dei
einschränken, hatte Joseph Kardinal Ratzinger gedacht und 1982 mit dazu beigetragen,
daß das damalige Säkalarinstitut keine Personaldiözese wurde,
sondern nur eine Personalprälatur*. Aber am 31.Januar 1998 kehrte der
Glaubens-präfekt, der als einer der künftigen Papstmacher gilt, bußfertig um und
wurde öffentlich zum Sympathisanten des Werkes. Unter den Klängen von Bach,
Händel und Vivaldi begab er sich, umkränzt von einem farbenprächtigen Festzug
der Dozenten, in die Aula Magna der Opus-Dei-Universität im spanischen Pamplona.
Dort krönte ihn Opus-Dei-Chef Javier Echevarría Rodríguez mit dem weißen,
papstfarbenen Ehren-Doktorhut der Theologie. Seine Eminenz wurde in die
vornehmlich ältere, überdurchschnittlich stark zölibatäre Dozentenschar
aufgenommen, zu deren Auszug der akademische Hymnus erklang:
"Gaudeamus igitur, iuvenes dum sumus - Laßt uns froh sein, solange wir Jünglinge
sind".
* Prälat(us), aus dem mittellateinischen:
»Der Vorgezogene«, ist der Vorsteher
einer (katholischen) Teilkirche, und die Personalprälatur ist seit 1966 im
katholischen Kirchenrecht für Weltgeistliche (Priester und Diakone) verankert,
die der "Förderung einer angemessenen Verteilung der Priester oder für die
Durchführung besonderer seelsorglicher oder missionarischer Aufgaben dient, in
die auch Laien eingebunden werden können". (Zitat in "": © 2003 Bibliographisches
Institut & F. A. Brockhaus AG)
1989 war schon der französische
Kurienkardinal Roger Etchegaray in Pamplona dekoriert worden und 1994 der
deutsche Dogmatik-Professor Leo Scheffczyk (81), den Papst Johannes Paul II. im
Januar 2001 zum Kardinal erhoben hat. Er ist nun der prominenteste Kopf der
katholischen Fundis in Deutschland.
Eitles Lametta gegen
kirchlichen Zerfall
Zwar behauptet das Werk, seine
Methoden seien "rein religiös". Doch sofern seinen Zielen dienlich, winkt es mit
eitlem weltlichen Ruhm. Sein Gründer, der spanische Priester Josemaría Escrivá
de Balaguer y Albás, hat - laut der ehemaligen spanischen Opus-Dei-Leiterin
María Angustias Moreno - seiner Führungs-Crew anvertraut, mit Karrieren,
Doktortiteln und Ordenslametta, die "ohne Prüfungen" erhältlich seien, könne das
Werk "viele Menschen zu unserem Apostolat locken". Um Einfluß in Gesellschaft
und Kirche erringen zu können, sucht es, ebenfalls laut Escrivá, hohe Ämter und
Führungspersonen für sich zu gewinnen: Politiker, Erbadelige, Industriebosse,
Bankiers, Wissenschaftler, Kardinäle. Die Kurfürsten des katholischen Monarchen
hat es seit 1968 im Visier, seitdem es die römische Kirche durch "Irrlehren,
Theologenaufsässigkeit, Priesterflucht, Liturgiewillkür und allgemeinen
Disziplinverfall" bedroht sieht.
Im kompromißlosen Kampf gegen
den vermeintlichen Irrtum und für ihre glaubenstreue Kirche wurde jeder
Kirchenmann, der wichtig war oder es werden konnte, ins Zentrum der römischen
Opus-Dei-Priester eingeladen. Schon 1970 kam zum erstenmal Kardinal Karol
Wojtyla aus Krakau, der spätere Papst Johannes Paul II. Während seines
Pontifikats (Amtszeit, Regierung eines Papstes oder Bischofs) ist das Opus Dei, das sich 1979 dem Heiligen Stuhl als "Mobiles
Corps" andiente, zur mächtigsten kirchlichen Vereinigung aufgestiegen. In diesem
Sog hat sich der Zulauf aus dem kardinalen Oberhaus erheblich verstärkt.
Prälaten statt Propheten
Der Papalismus (Papalsystem,
das System der päpstlichen Kirchenhoheit im Gegensatz zum Episkopalismus [des
"Kollegiums der Bischöfe"]) der
Personalprälatur begann vor etwa 20 Jahren. Damals gehörte zu ihren Klerikern
nur gut ein Prozent der Mitglieder, heute sind es bereits 2.6 Prozent. Damals
stellte sie nur 3 Weihbischöfe und 1 Bischof; heute sind es 1 Kardinal, 4
Erzbischöfe, 7 Bischöfe, 3 Weihbischöfe und 2 emeritierte Bischöfe. Damals hatte
sie 2 päpstliche Präläten bzw. Kapläne; heute dagegen 71. Ihr Prälat wurde 1991
in den Bischofsrang versetzt. 92 der knapp 1800 Priester haben Ämter und Titel,
die der Papst verleiht. Mitglieder der Prälatur, und zwar Priester bis auf
einige Ausnahmen, bekleiden 48 Ämter in Kongregationen, Räten und Kommissionen
des römischen Kurienapparates, der - auch im Vorfeld von Kardinalsernennungen -
ein ausgezeichneter Horchposten ist: Wer exakte Informationen hat, kann um so
gezielter und frühzeitig versuchen, zu kontrollieren und zu kanalisieren.
Das Opus Dei, das sich gern als
prophetische Vereinigung moderner Laienspiritualität offeriert, aber im
Päpstlichen Rat für die Laien offenbar kein Mitglied stellt, hat statt dessen in
der vatikanischen Kleruskongregation eine hochkarätige Truppe: Kardinal Juan
Luis Cipriani Thorne (Lima), Kurien-Erzbischof Julián Herranz Casado,
Titular-Bischof Javier Echevarría Rodríguez (Leiter des Opus Dei), Bischof Klaus
Küng (Feldkirch) sowie den Priester Antonio Miralles von seiner römischen
"Päpstlichen Universität vom Hl. Kreuz". Diese Kongregation wacht u.a. über die
römische Ausrichtung des Klerus, die Verteidigung des Priesterstandes gegenüber
den Laien und die Festigung der Männerkirche.
Chef-Applaus für Meisner
Ein zweites großes Thema, das
die Zentrale der Weltkirche pflegt, ist - neben Klerus/-Laien - die Familie und
damit verbunden die Sexualität im weiten Sinne, von der Rolle der Frau bis hin
zur Abtreibung. Zuständig zeigt sich in erster Linie der Päpstliche Familienrat,
in dem das Werk durch mindestens sechs Mitglieder, darunter Bischof Küng, sowie
zahlreiche Sympathisanten vertreten ist und damit überdurchschnittlich starken
Einfluß hat. Präsident des Familienrates ist Kurienkardinal López Trujillo, ein
Außenseiter unter den Papstkandidaten. Die Kleruskongregation leitet
Kurienkardinal Darío Castrillón Hoyos, einer der Favoriten für die
Papst-Nachfolge. Beide zählten schon 1975, als sie noch Weihbischöfe in
Kolumbien waren, zu den Freunden des Opus Dei.
Castrillón Hoyos ist gern
gesehener Gast in der römischen Universität. Aber auch im Ausland erschien er
auf Werks-Veranstaltungen; u.a. mit Kardinal Adrianus Johannes Simonis, der wie
der Kölner Kardinal, Joachim Meisner, einer der Protektoren des von
Opus-Dei-Priestern gegründeten "Internationalen Mariologischen Arbeitskreises
Kevelaer (IMAK)" ist. Meisner gab bereits 1997 in der römischen Universität zu
erkennen, daß er aus der gemeinsamen Front der Deutschen Bischofskonferenz in
Sachen Schwangerenkonfliktberatung ausscheren werde: die deutsche Kirche müsse
"Opposition" betreiben gegen den deutschen Staat und seine "rechtliche Regelung
der Abtreibung", programmierte er unter dem Beifall der Opus-Dei-Führung.
Bischof Echevarría, der am Symposion persönlich teilnahm, hatte bereits 1994
einen "großen Verteidigungswall" gegen den "Hedonismus" (>hier<) gefordert, worin er auch
Meisners Thema einschließt. In Deutschland kämpften dann seit 1998 Mitglieder
der Prälatur in der ersten Reihe für den Ausstieg der Bischofskonferenz aus dem
staatlichen Konfliktberatungssystem.
Kirchlicher Sicherheits-Check
1999 outete sich in der
Universität, die das Priesterseminar des Opus Dei integriert, ein befreundeter
Kardinal, der manchen als Geheimtip für die Papst-Nachfolge gilt: Dionigi
Tettamanzi aus Genua. In Anwesenheit des Autors Andrés Vázquez präsentierte er
dessen Biografie Escrivás, den er mit dem Opus Dei zum "Vorbild" für das dritte
Jahrtausend emporstilisierte. Die Universität lud auch unbekanntere Kirchenleute
ein, beispielsweise Kurienbischof Jorge María Mejìa, einen Verbündeten
Ratzingers, der dann beim folgenden Konsistorium, im Januar 2001, zum Kardinal
erhoben wurde. Zufall oder Plan? In eine Institution der Opus-Dei-Priester,
nämlich in den deutschsprachigen "Internationalen Priesterkreis", wurden auch
der Regensburger Professor Kurt Krenn und der Wiener Weihbischof Christoph
Schönborn eingeladen, ehe Krenn zum Weihbischof in Wien und Schönborn zum
Koadjutor (>hier<) mit Aussicht auf das rote Kardinalsbarett befördert wurden.
Das Opus Dei, das die
Glaubenstreue selbst von Päpsten benotet und intern einen Index von mehr als
1000 verbotenen Büchern führt, sieht sich offenbar berufen, hierarchische
Nachwuchs-Kandidaten bei Einladungen auch gleich auf ihre Rechtsgläubigkeit zu
testen. Besteht ein Prüfling den Sicherheits-Check, wird er - wie es Vladimir
Felzmann, ehemals Opus-Dei-Priester und Mitarbeiter Escrivás weiß - als
vertrauenswürdig eingestuft. Von weiteren Auftritten im Opus Dei berichtet es
dann in, teils öffentlichen, Publikationen.
Gehütet wird indes ein Ergebnis
der "Apostolatswaffe", worunter Echevarrías Vorgänger, Bischof Alvaro del
Portillo, die "Verehrung Escrivàs" verstand: In den Achtziger Jahren schwärmten
zahlreiche Priester aus, um Kardinäle und Bischöfe, von denen einige inzwischen
Kardinäle sind, zur Unterschrift für die Seligsprechung ihres Gründers zu
bewegen. Nicht alle stimmten zu. Da schied sich die Spreu vom Weizen.
Von außen her ist es kaum
möglich, das reale Bild der ideologischen Bindungen und persönlichen Beziehungen
von Papstwählern im Umkreis des Opus Dei zu erstellen. Gleichwohl gibt es
Mosaiksteine (Stichtag: 25.Februar 2001), aus denen sich die Bildstruktur
bereits heute skizzieren lässt:
Geheimnisse der
Priestergesellschaft
I.
Juan Luis Cipriani Thorne, Erzbischof von Lima und Kardinal seit Januar 2001,
ist Priester der Personalprälatur und gehört deshalb auch zu seiner
"Priestergesellschaft vom Hl.Kreuz". Ihn macht das Päpstliche Jahrbuch als
Mitglied der Prälatur kenntlich. Geheim bleiben dagegen diejenigen Mitglieder
der Priestergesellschaft, die vielleicht Kardinäle sind, aber als Diözesanpriester
nicht in die Prälatur inkardiniert werden durften. Auch sie bindet "blinder"
(Escrivá) Gehorsam an ihren Generaloberen Echevarría. Gelegentlich werden die
Namen solcher Oberhirten im Opus-Dei-Bulletin "Romana" bekannt gegeben. Aber
erst nach ihrem Tode. Cipriani könnte deshalb nicht der erste und einzige
Kardinal des Opus Dei im nächsten Konklave sein. Bereits 1978 gehörten womöglich
die Kardinäle Silvio Oddi und/oder Pietro Palazzini dazu; denn sie haben sich
1984 als "Mitglieder des Opus Dei" bezeichnet.
II.
Einer zweiten Gruppe, nämlich Freunden des Opus Dei, sind 22 Kardinäle
zuzuordnen. Sie tragen u.a. Titel des Opus Dei oder waren mehrfach auf
Veranstaltungen der Organisation zu sehen, dienen ihr werbend oder finanziell,
ehren mit Mitgliedern den seligen Josephmaria und Portillo, den sie sich als
Seligen wünschen. Unter ihnen könnten am ehesten Mitglieder der
Priestergesellschaft sein:
Francisco Alvarez Martínez (75),
Toledo; Giacomo Biffi (72), Bologna; Louis-Marie Billé (62), Lyon; Ricardo Maria
Carles Gordó (74), Barcelona; Dario M. Castrillon Hoyos (71), Vatikan; Johannes
Joachim Degenhardt (75), Paderborn; Roger Etchegaray (78), Vatikan; Antonio José
González Zumárraga (75), Quito; Nicolás de Jesús López Rodríguez (65), Santo
Domingo; Alfonso López Trujillo (65), Vatikan; Eduardo Martínez Somalo (73),
Vatikan; Joachim Meisner (67), Köln; Lucas Moreira Neves (75) OP, Vatikan;
Maurice Michael Otunga (78), Nairobi; Paul Poupard (70), Vatikan; Joseph
Ratzinger (73), Vatikan; Antonio María Rouco Varela (64), Madrid; Camillo Ruini
(70), Generalvikar für die Diözese Rom; Johannes Adrianus Simonis (70), Utrecht;
Jaime Lachica Sin, (72), Manila; Dionigi Tettamanzi (67); Genua; Emmanuel Wamala
(74), Kampala.
Diskrete und Diplomaten: ...
Schönborn, Sodano, Sterzinsky...
III.
Auch auf 24 weitere Kardinäle treffen jeweils eins oder mehrere der genannten
Kriterien zu. Doch trotz grundsätzlichen Wohlwollens agieren sie vorsichtig oder
üben diplomatisch Diskretion und fördern deshalb das Opus Dei nur punktuell bzw.
wohl dosiert:
Luis Aponte Martínez (78), San
Juan de Puerto Rico; Edward Idris Cassidy (76), Vatikan; Godfried Danneels (67),
Mechelen/Brüssel; Salvatore de Giorgi (70), Palermo; Andrzej Maria Deskur (77),
Vatikan; Serafim Fernandes de Araújo (76), Belo Horizonte/Brasilien; Frédéric
Etsou-Nzabi-Bamungwabi (70) CICM, Kinshasa; Bernardin Gantin (78), Vatikan;
Michele Giordano (70), Neapel; William Henry Keeler (70), Baltimore; Bernard
Francis Law (69), Boston; Franciszek Macharski (73), Krakau; Theodore
E.McCarrick (70), Washington; Jorge María Mejía (77), Vatikan; Francois Xavier
Nguyen Van Thuan (72), Vatikan; Silvano Piovanelli (77), Florenz; Norberto
Rivera Carrera (58), Mexiko-Stadt; Christoph Schönborn (56) OP, Wien; Angelo
Sodano (73), Vatikan; James Francis Stafford (68), Vatikan; Georg Maximilian
Sterzinsky (65), Berlin; Adolfo Antonio Suárez Rivera (74), Monterry/Mexico;
Jean-Claude Turcotte (66), Montreal; Ricardo J.Vidal (70), Cebu/Philippinen.
IV.
13 Kardinäle haben sporadisch Kontakt zum Opus Dei oder zu seinen Mitgliedern in
ihren Diözesen. Deshalb können sie aber nicht einfach zu seinen Förderern
gerechnet werden. Dennoch könnten manche von ihnen zu den drei ersten Gruppen
gehören:
Aloysius Matthew Ambrozic (71),
Toronto; Audrys Juozas Backis (63), Wilna; Jorge Mario Bergoglio (64) SJ, Buenos
Aires; Edward Bede Clancy (77), Sidney; Jean-Marie Lustiger (74), Paris; Javier
Errázuriz Ossa (67), Schönstattbewegung, Santiago de Chile; Miguel Obando Bravo
(75) SDB, Managua; José da Cruz Policarpo (64), Lissabon; Pedro Rubiano Sáenz
(68), Bogotá; Giovanni Saldarini (76), Turin; Paul Shan Kuihsi (77), Kaohsiung/
Taiwan; Christian Wiyghan Tumi (70), Douala/Kamerun; John Baptist Wu Chenchung
(75), Hongkong.
Opus Dei als Graue Eminenz?
Freunde und Sympathisanten des
Opus Dei, vielleicht sogar einige Mitglieder, sitzen also in allen Gruppen und
Flügeln, die "Vaticanisti" derzeit in ihrem Papstlotto zu erkennen meinen. Der
übergreifende Einfluß kann für die Organisation zur Versuchung werden, sich im
Vorfeld eines Konklaves als Graue Eminenz zu etablieren. Zwar ist ungewiß, wie
groß die Nähe einer neuen Nummer eins zum Opus Dei sein wird. Aber sicher ist,
daß sich das Mobile Corps ihrer Zustimmung oder gar erneut ihrer Zuneigung
erfreuen wird.
Denn selbst unter den liberalen
Mitgliedern des Wahl-Männergremiums sind Kritiker des Opus Dei, beispielsweise
der Brasilianer Aloisio Lorscheider (76) OFM, nur wie Stecknadeln im Heuhaufen
zu finden. Der Belgier Danneels dagegen hat sich offen vor die "vom Papst
anerkannte Personalprälatur" gestellt. Der Franzose Lustiger zeigte sich
gegenüber Eltern, die ihn wegen ihres vom Opus Dei indoktrinierten und ihnen
entfremdeten Kindes um Unterstützung baten, eher abweisend. Vom Italiener Carlo
Maria Martini (74) SJ, dem Papst-Favoriten des liberalen Flügels, ist immerhin
bekannt, daß er intern Solidarität mit Eltern übe. Aber aus dem Fenster mag er
sich nicht hängen. Hilfe suchenden Opfern der Organisation gibt er, sofern er
sie nicht näher kennt, nur einen frommen Rat:
"Wir müssen darum beten, jede Situation im Glauben sehen zu können. Innerer
Friede eröffnet viele Wege."
Der vorstehende Beitrag erschien
in Kirche intern, Wien.
Peter Hertel ist freier
Journalist in Hannover.
Fünf seiner Bücher
empfehlen wir besonders:
- Ich verspreche euch den Himmel -
Geistlicher Anspruch, gesellschaftliche Ziele und kirchliche Bedeutung des
Opus Dei.
Düsseldorf, 4. Auflage 1991
- Geheimnisse des Opus -
Verschlusssachen, Hintergründe, Strategien.
Freiburg-Basel-Wien, 3. Auflage 1995
- I segreti
dell` Opus Dei-Documenti e retroscena. Turin, 1997
- Les secrets de
L'Opus Dei - Enquête & documents, Villeurbanne Cedex (F), 1998
- Glaubenswächter, Katholische
Traditionalisten im deutschsprachigen Raum, S. 42-51, 81-82, 169-172,
201-204, Würzburg 2000
Vom Opus Dei empfohlen:
- Josemaria Escrivá de Balaguer:
Der Weg. 10. Auflage, Köln 1982
- Peter Berglar: Opus Dei - Leben
und Werk des Gründers Josemaria Escrivá, Salzburg 1983
- Vittorio Messori: Der "Fall" Opus
Dei, Aachen 1995
Ehemalige Mitglieder des Opus
Dei:
- Maria del Carmen Tapia:
Hinter der Schwelle - Der schockierende Bericht einer Frau. Zürich 1993
- Klaus Steigleder:
Das Opus Dei - eine Innenansicht, Zürich 1983
Elternführer durch das Opus
Dei:
- Von Joseph J. M. Garvey (New
York) und Willibald Feinig (Altach),
in: Javier Ropero: Im Bann des Opus Dei - Familien in der Zerreißprobe, S.
265-344, Düsseldorf 1995
© imprimatur März 2001
Beschreibung des "Opus Dei", der einzigen
(katholischen) sehr rechts gerichteten Personalprälatur mit Sitz in Rom
seit 1982. Gegründet 1928 in Madrid vom (2002 heilig gesprochenen) spanischen Priester Josemaría
Escrivá de Balaguer y Albas vereinigt es Priester
und vorwiegend Laien, darunter auch Frauen, da es seit 1930 mit einer weiblichen
Abteilung gibt. Das Selbstverständnis des Opus Dei ist durch ein Ideal
geprägt, das unter Berufung auf die Lehre und Praxis der katholischen Kirche das
geistliche Leben mit der Heiligung des Alltags verbindet. Die Laienmitglieder
binden sich vertraglich an das "Werk" (Opus), bleiben jedoch Gläubige ihrer Diözese
als gewöhnliche Bürger in allen sozialen und beruflichen Stellungen. "Als ein
theologisch und kirchlich konservative Positionen vertretendes Werk ist das Opus
Dei auch der Kritik ausgesetzt; diese stellt in erster Linie nicht den selbst
gesetzten Auftrag der Heiligung des Alltags infrage, sondern wirft ihm besonders
die Förderung restaurativer Tendenzen in der katholischen Kirche vor. Das Opus
Dei hat weltweit (2003) über 82000 Mitglieder (darunter rund 1800 Priester)".
Einzelheiten zum Opus Dei:
www.de.wikipedia.org/wiki/Opus_Dei
Piusbruderschaft
Diese Priesterbruderschaft St. Pius X (lat.:Fraternitas
Sacerdotalis St. Pii X; FSSPX) ist eine von der
(katholischen) Kirche nicht anerkannte "Priestervereinigung mit
Gemeinschaftsleben ohne Gelübde" nach dem Vorbild der
Missionsgesellschaften. Derzeitiger Generaloberer ist
Bernard Fellay, Oberer des deutschen Distrikts Franz
Schmidberger.
Geschichte und Bewertung
Marcel Lefebvre war Gründer und erster Generalobere der 1970
gegründeten und sich seit 1975 in offenem Konflikt mit Rom
befindenden „Priesterbruderschaft St. Pius X.“, die zunächst vor
allem als Trägerin eines Priesterseminars traditioneller Prägung
in Ecône (Schweiz) wirkte. Anlaß des Konflikts der Bruderschaft
zunächst mit vielen Diözesanbischöfen, dann auch mit Rom, waren
einige Lehrpunkte des 2. Vat. Konzils sowie verschiedene
nachkonziliare Reformen, die von Erzbf. Lefebvre als mit der
gesamten kirchlichen Tradition unvereinbar kritisiert wurden.
Bekannt wurde Lefebvre vor allem durch seine massive Ablehnung
der Liturgiereform. In seiner Grundsatzerklärung vom 21.
November 1974 stellte er die These auf, dass kein Katholik, wenn
ihm an seinem Seelenheil liege, diese Reform billigen könne, da
sie nicht-katholische [vor allem protestantisierende] Tendenzen
hätte. Rom reagierte darauf mit der umso forcierteren
Durchsetzung des
Missale Romanum von 1970. Papst
Paul VI. sah sich 1976 wegen unerlaubter Priesterweihen dazu
gezwungen, Lefebvre von seinen Ämtern zu suspendieren. Dieser
leistete keinen Gehorsam, obwohl ihn der Papst abermals im
September 1976 in Privataudienz empfing.
Mit Schreiben vom 11. Oktober 1976 stellte der Papst
definitiv fest, dass sich Lefebvre angesichts des von ihm neu
eingeführten, absolut falschen Traditionsbegriffs im Irrtum
befinde. Durch vier gegen den ausdrücklichen Willen des Papstes
vollzogene und damit unerlaubte Bischofsweihen im Jahr 1988 zog
sich Lefebvre gemäß einer Erklärung der Kongregation für die
Bischöfe vom 1. Juli 1988 als Tatstrafe die Exkommunikation zu.
Papst
Johannes Paul II. hat am 2. Juli im Apostolischen Schreiben
Ecclesia Dei die Bischofsweihen als schismatischen Akt
verurteilt und die Exkommunikation Lefebvres offiziell
festgestellt.
Da die Feier der so gen. tridentinischen Liturgie bereits
seit 1984 im Falle eines pastoralen Bedürfnisses gestattet wird,
also ihre Zelebration nur von 1974 bis 1984 auf persönlich
begründete Ausnahmen beschränkt war, ist längst nicht mehr die
"alte Messe" der zentrale Streitpunkt zwischen dem Heiligen
Stuhl und den fast 500 Priestern der Lefebvre-Bruderschaft (vgl.
auch das
Motu proprio
Summorum Pontificum). Diese sieht das 2. Vatikanum als
historischen Bruch an und verlangt die "Rückkehr" Roms zur einer
postulierten vorkonziliaren Tradition und die Revision des 2.
Vatikanums im Sinne dieser Tradition. Tatsächlich verbreitet die
Bruderschaft eine Lesart der katholischen Tradition, die nicht
dem kirchlichen Selbstverständnis entspricht.
Dem halten Vertreter der Priesterbruderschaft wie der 1988
zum Bischof geweihte Richard Williamson entgegen, dass eine
Anerkennung des II. Vatikanischen Konzils im Sinne gerade der
richtig verstandenen Tradition nicht möglich sei, zumindest
nicht bezüglich aller Dokumente.
Als Beispiele für die Unvereinbarkeit mit der Tradition
werden einige nach Ansicht der Piusbrüder zweideutige Aussagen
über die Ökumene und Religionsfreiheit in den entsprechenden
Konzilsdokumenten genannt.
Kirchliche Stellungnahme zur
Piusbruderschaft
Dekret der Bischofskongregation und Kardinal Gantin vom 1.
Juli 1988, veröffentlicht am 3. Juli im
Osservatore Romano:
Msgr. Marcel Lefebvre, ermeritierter Erzbischof von Tulle,
hat - trotz des ausdrücklichen Monitums vom 17. Juni und der
wiederholten Bitten, er möge von seinem Vorhaben absehen - durch
die Bischofsweihen von vier Priestern ohne päpstlichen Auftrag
und gegen den Willen des Papstes einen Akt schismatischer Natur
gesetzt und sich damit die von can. 1364 par. 1 und can. 1382
des Codex des kanonischen Rechtes vorgesehene Strafe zugezogen.
Ich erkläre mit allen rechtlichen Folgen, dass sowohl der
obengenannte Msgr. Marcel Lefebvre als auch
Bernard Fellay, Bernard Tissier de Mallerais, Richard
Williamson und Alfonso de Galarreta "ipso facto" sich die dem
Apostolischen Stuhl vorbehaltene Exkommunikation als Tatstrafe
zugezogen haben.
Weiter erkläre ich, dass Msgr. Antonio de Castro Mayer,
emeritierter Bischof von Campos, indem er direkt an der
Liturgiefeier als Konzelebrant teilnahm und öffentlich dem
schismatischen Akt zustimmte, sich die von ca. 1364 par. 1
vorgesehene Exkommunikation als Tatstrafe zugezogen hat.
Die Priester und Gläubigen werden ermahnt, dem Schisma von
Msgr. Lefebvre nicht zuzustimmen, weil sie sich "ipso facto" die
schwere Strafe der Exkommunikation zuziehen würden.
Gegeben von der Kongregation für die Bischöfe, am 1. Juli
1988
gez. Kardinal
Bernardin Gantin Präfekt der Kongregation für die Bischöfe
(Orig. lat. in O.R. 3.7.88)
Jüngst hat Kardinal Castrillón Hoyos (Kommision Ecclesia Dei)
bei einem Interview gemeint, dass die Priesterbruderschaft St.
Pius X zwar einen kanonisch irregulären Status habe, nicht aber
schismatisch sei, so z.B. auf einer Pressekonferenz am 30. Mai
2008. Im Gegensatz dazu gibt es auch etliche Stellungnahmen, die
klar von einem Schisma sprechen. Unter anderem hat die
Erzdiözese Salzburg festgestellt, dass die Priesterbruderschaft
Pius X. sich 1988 durch die Bischofsweihe definitiv von der
römisch-katholischen Kirche getrennt habe.
Mehr bei:
http://de.wikipedia.org/wiki/Priesterbruderschaft_St._Pius_X.
Bernard Schmid
veröffentlichte am 26.01.2009 (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29602/1.html)
unter dem Titel Papst
rehabilitiert Holocaustleugner:
Benedikt XVI. lässt die Exkommunikation von
vier fundamentalistischen Bischöfen, die der extremen Rechten
nahe stehen, annullieren. Einer von ihn entpuppt sich zudem als
Propagandist der Auschwitz-Lüge.
Es ist nicht die erste kontroverse
Entscheidung, die der seit vier Jahren amtierende Papst Benedikt
XVI. trifft. In seiner Amtszeit als Kardinal wurde er von
manchen Stimmen auch "Panzerkardinal" genannt. Aber diese
Entscheidung
ist wohl die umstrittenste von allen. Und zugleich die
vielleicht folgenreichste, beispielsweise im Hinblick auf die
christlich-jüdische Aussöhnung. Am Samstag hob das Oberhaupt der
Römisch-katholischen Kirche die Exkommunierung von vier als
fundamentalistisch geltenden "Bischöfen" auf, die im Jahr 1988
ohne Mitwirkung seines damaligen Amtsvorgängers geweiht worden
waren...
Um den dritten unter den Aufgezählten rankt
sich seitdem ein handfester Skandal. Denn das schwedische
Fernsehen (SVT) strahlte am Mittwoch zuvor ein (früher
aufgezeichnetes)
Interview mit Richard Williamson
aus, in welchem dieser die historische Existenz des
Holocaust offen bestreitet: "Ich glaube, dass es keine
Gaskammern gegeben hat. (...) Deutschland hat Milliarden und
Abermilliarden DM – und jetzt Euros – bezahlt, weil die
Deutschen unter einem Schuldkomplex leiden, sechs Millionen
Juden vergast zu haben. Aber ich glaube nicht, dass sechs
Millionen Juden vergast worden sind." Er bezifferte die Anzahl
der in NS-Konzentrationslagern umgekommenen Juden auf rund
200.000, "aber nicht ein einziger in Gaskammern".
Die Staatsanwaltschaft Regensburg hat
strafrechtliche Ermittlungen gegen Williamson wegen Verbreitung
der sog. Auschwitzlüge
aufgenommen. Es werde
überprüft, ob der Beitrag nicht bei
einem Besuch des angeblichen "Bischofs" in einem Priesterseminar
der "Bruderschaft Pius X." in Zaitzkofen in der Nähe von
Regensburg aufgenommen worden ist. Wäre dies Fäll, und hätte
Williamson seine Äußerungen auf deutschem Boden getätigt, so
wäre die Staatsanwaltschaft unzweifelhaft für die
Strafverfolgung zuständig...
Eine weitere Meldung über die
"Priesterbrüderschaft St. Pius X":
Der Papst hat mit seinen jüngsten
Entscheidungen viele Gläubige verunsichert.
Kritiker werfen ihm vor, die Kirche zurück
ins Mittelalter zu führen. Nach dem Eklat um
den Holocaust-Leugner Richard Williamson
gibt es jetzt neuen Ärger um die
erzkonservative Piusbruderschaft, die der
Papst wieder in die katholische Kirche
zurückholen will. In Deutschland etwa
verbreitet die Priestervereinigung islam-
und türkenfeindliche Positionen.