Artikel: Papst und Opus Dei

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>Hier< zu einer kurzen Beschreibung des "Opus Dei" (des "Werkes Gottes"),

mit Hinweis auf die "Pius-Bruderschaft" und auf getrennter Webseite:

>hier< zur Papst-Laufbahn und seiner Beziehung zum "Opus Dei"


Peter Hertel: Das Opus Dei will den nächsten Papst bestimmen

www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur/2001/imp010202.html


Langsam und fast unmerklich hat das berüchtigte Opus Dei seinen Einfluss in allen kirchlichen Machtzentren gesichert. Unser Autor zeigt, dass der nächste Papst nur mit Zustimmung des Opus Dei bestimmt werden kann - oder sogar ein Opus Dei-Mann sein wird.

16 Jahre mußte das selbsternannte "Werk Gottes" warten, bis der oberste römische Glaubenswächter einer irrgläubigen Überzeugung abschwor. Er müsse die Macht des Opus Dei einschränken, hatte Joseph Kardinal Ratzinger gedacht und 1982 mit dazu beigetragen, daß das damalige Säkalarinstitut keine Personaldiözese wurde, sondern nur eine Personalprälatur*. Aber am 31.Januar 1998 kehrte der Glaubens-präfekt, der als einer der künftigen Papstmacher gilt, bußfertig um und wurde öffentlich zum Sympathisanten des Werkes. Unter den Klängen von Bach, Händel und Vivaldi begab er sich, umkränzt von einem farbenprächtigen Festzug der Dozenten, in die Aula Magna der Opus-Dei-Universität im spanischen Pamplona. Dort krönte ihn Opus-Dei-Chef Javier Echevarría Rodríguez mit dem weißen, papstfarbenen Ehren-Doktorhut der Theologie. Seine Eminenz wurde in die vornehmlich ältere, überdurchschnittlich stark zölibatäre Dozentenschar aufgenommen, zu deren Auszug der akademische Hymnus erklang: "Gaudeamus igitur, iuvenes dum sumus - Laßt uns froh sein, solange wir Jünglinge sind".

* Prälat(us), aus dem mittellateinischen: »Der Vorgezogene«, ist der Vorsteher einer (katholischen) Teilkirche, und die Personalprälatur ist seit 1966 im katholischen Kirchenrecht für Weltgeistliche (Priester und Diakone) verankert, die der "Förderung einer angemessenen Verteilung der Priester oder für die Durchführung besonderer seelsorglicher oder missionarischer Aufgaben dient, in die auch Laien eingebunden werden können". (Zitat in "": © 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG)

1989 war schon der französische Kurienkardinal Roger Etchegaray in Pamplona dekoriert worden und 1994 der deutsche Dogmatik-Professor Leo Scheffczyk (81), den Papst Johannes Paul II. im Januar 2001 zum Kardinal erhoben hat. Er ist nun der prominenteste Kopf der katholischen Fundis in Deutschland.

Eitles Lametta gegen kirchlichen Zerfall

Zwar behauptet das Werk, seine Methoden seien "rein religiös". Doch sofern seinen Zielen dienlich, winkt es mit eitlem weltlichen Ruhm. Sein Gründer, der spanische Priester Josemaría Escrivá de Balaguer y Albás, hat - laut der ehemaligen spanischen Opus-Dei-Leiterin María Angustias Moreno - seiner Führungs-Crew anvertraut, mit Karrieren, Doktortiteln und Ordenslametta, die "ohne Prüfungen" erhältlich seien, könne das Werk "viele Menschen zu unserem Apostolat locken". Um Einfluß in Gesellschaft und Kirche erringen zu können, sucht es, ebenfalls laut Escrivá, hohe Ämter und Führungspersonen für sich zu gewinnen: Politiker, Erbadelige, Industriebosse, Bankiers, Wissenschaftler, Kardinäle. Die Kurfürsten des katholischen Monarchen hat es seit 1968 im Visier, seitdem es die römische Kirche durch "Irrlehren, Theologenaufsässigkeit, Priesterflucht, Liturgiewillkür und allgemeinen Disziplinverfall" bedroht sieht.

Im kompromißlosen Kampf gegen den vermeintlichen Irrtum und für ihre glaubenstreue Kirche wurde jeder Kirchenmann, der wichtig war oder es werden konnte, ins Zentrum der römischen Opus-Dei-Priester eingeladen. Schon 1970 kam zum erstenmal Kardinal Karol Wojtyla aus Krakau, der spätere Papst Johannes Paul II. Während seines Pontifikats (Amtszeit, Regierung eines Papstes oder Bischofs) ist das Opus Dei, das sich 1979 dem Heiligen Stuhl als "Mobiles Corps" andiente, zur mächtigsten kirchlichen Vereinigung aufgestiegen. In diesem Sog hat sich der Zulauf aus dem kardinalen Oberhaus erheblich verstärkt.

Prälaten statt Propheten

Der Papalismus (Papalsystem, das System der päpstlichen Kirchenhoheit im Gegensatz zum Episkopalismus [des "Kollegiums der Bischöfe"]) der Personalprälatur begann vor etwa 20 Jahren. Damals gehörte zu ihren Klerikern nur gut ein Prozent der Mitglieder, heute sind es bereits 2.6 Prozent. Damals stellte sie nur 3 Weihbischöfe und 1 Bischof; heute sind es 1 Kardinal, 4 Erzbischöfe, 7 Bischöfe, 3 Weihbischöfe und 2 emeritierte Bischöfe. Damals hatte sie 2 päpstliche Präläten bzw. Kapläne; heute dagegen 71. Ihr Prälat wurde 1991 in den Bischofsrang versetzt. 92 der knapp 1800 Priester haben Ämter und Titel, die der Papst verleiht. Mitglieder der Prälatur, und zwar Priester bis auf einige Ausnahmen, bekleiden 48 Ämter in Kongregationen, Räten und Kommissionen des römischen Kurienapparates, der - auch im Vorfeld von Kardinalsernennungen - ein ausgezeichneter Horchposten ist: Wer exakte Informationen hat, kann um so gezielter und frühzeitig versuchen, zu kontrollieren und zu kanalisieren.

Das Opus Dei, das sich gern als prophetische Vereinigung moderner Laienspiritualität offeriert, aber im Päpstlichen Rat für die Laien offenbar kein Mitglied stellt, hat statt dessen in der vatikanischen Kleruskongregation eine hochkarätige Truppe: Kardinal Juan Luis Cipriani Thorne (Lima), Kurien-Erzbischof Julián Herranz Casado, Titular-Bischof Javier Echevarría Rodríguez (Leiter des Opus Dei), Bischof Klaus Küng (Feldkirch) sowie den Priester Antonio Miralles von seiner römischen "Päpstlichen Universität vom Hl. Kreuz". Diese Kongregation wacht u.a. über die römische Ausrichtung des Klerus, die Verteidigung des Priesterstandes gegenüber den Laien und die Festigung der Männerkirche.

Chef-Applaus für Meisner

Ein zweites großes Thema, das die Zentrale der Weltkirche pflegt, ist - neben Klerus/-Laien - die Familie und damit verbunden die Sexualität im weiten Sinne, von der Rolle der Frau bis hin zur Abtreibung. Zuständig zeigt sich in erster Linie der Päpstliche Familienrat, in dem das Werk durch mindestens sechs Mitglieder, darunter Bischof Küng, sowie zahlreiche Sympathisanten vertreten ist und damit überdurchschnittlich starken Einfluß hat. Präsident des Familienrates ist Kurienkardinal López Trujillo, ein Außenseiter unter den Papstkandidaten. Die Kleruskongregation leitet Kurienkardinal Darío Castrillón Hoyos, einer der Favoriten für die Papst-Nachfolge. Beide zählten schon 1975, als sie noch Weihbischöfe in Kolumbien waren, zu den Freunden des Opus Dei.

Castrillón Hoyos ist gern gesehener Gast in der römischen Universität. Aber auch im Ausland erschien er auf Werks-Veranstaltungen; u.a. mit Kardinal Adrianus Johannes Simonis, der wie der Kölner Kardinal, Joachim Meisner, einer der Protektoren des von Opus-Dei-Priestern gegründeten "Internationalen Mariologischen Arbeitskreises Kevelaer (IMAK)" ist. Meisner gab bereits 1997 in der römischen Universität zu erkennen, daß er aus der gemeinsamen Front der Deutschen Bischofskonferenz in Sachen Schwangerenkonfliktberatung ausscheren werde: die deutsche Kirche müsse "Opposition" betreiben gegen den deutschen Staat und seine "rechtliche Regelung der Abtreibung", programmierte er unter dem Beifall der Opus-Dei-Führung. Bischof Echevarría, der am Symposion persönlich teilnahm, hatte bereits 1994 einen "großen Verteidigungswall" gegen den "Hedonismus" (>hier<) gefordert, worin er auch Meisners Thema einschließt. In Deutschland kämpften dann seit 1998 Mitglieder der Prälatur in der ersten Reihe für den Ausstieg der Bischofskonferenz aus dem staatlichen Konfliktberatungssystem.

Kirchlicher Sicherheits-Check

1999 outete sich in der Universität, die das Priesterseminar des Opus Dei integriert, ein befreundeter Kardinal, der manchen als Geheimtip für die Papst-Nachfolge gilt: Dionigi Tettamanzi aus Genua. In Anwesenheit des Autors Andrés Vázquez präsentierte er dessen Biografie Escrivás, den er mit dem Opus Dei zum "Vorbild" für das dritte Jahrtausend emporstilisierte. Die Universität lud auch unbekanntere Kirchenleute ein, beispielsweise Kurienbischof Jorge María Mejìa, einen Verbündeten Ratzingers, der dann beim folgenden Konsistorium, im Januar 2001, zum Kardinal erhoben wurde. Zufall oder Plan? In eine Institution der Opus-Dei-Priester, nämlich in den deutschsprachigen "Internationalen Priesterkreis", wurden auch der Regensburger Professor Kurt Krenn und der Wiener Weihbischof Christoph Schönborn eingeladen, ehe Krenn zum Weihbischof in Wien und Schönborn zum Koadjutor (>hier<) mit Aussicht auf das rote Kardinalsbarett befördert wurden.

Das Opus Dei, das die Glaubenstreue selbst von Päpsten benotet und intern einen Index von mehr als 1000 verbotenen Büchern führt, sieht sich offenbar berufen, hierarchische Nachwuchs-Kandidaten bei Einladungen auch gleich auf ihre Rechtsgläubigkeit zu testen. Besteht ein Prüfling den Sicherheits-Check, wird er - wie es Vladimir Felzmann, ehemals Opus-Dei-Priester und Mitarbeiter Escrivás weiß - als vertrauenswürdig eingestuft. Von weiteren Auftritten im Opus Dei berichtet es dann in, teils öffentlichen, Publikationen.

Gehütet wird indes ein Ergebnis der "Apostolatswaffe", worunter Echevarrías Vorgänger, Bischof Alvaro del Portillo, die "Verehrung Escrivàs" verstand: In den Achtziger Jahren schwärmten zahlreiche Priester aus, um Kardinäle und Bischöfe, von denen einige inzwischen Kardinäle sind, zur Unterschrift für die Seligsprechung ihres Gründers zu bewegen. Nicht alle stimmten zu. Da schied sich die Spreu vom Weizen.

Von außen her ist es kaum möglich, das reale Bild der ideologischen Bindungen und persönlichen Beziehungen von Papstwählern im Umkreis des Opus Dei zu erstellen. Gleichwohl gibt es Mosaiksteine (Stichtag: 25.Februar 2001), aus denen sich die Bildstruktur bereits heute skizzieren lässt:

Geheimnisse der Priestergesellschaft

I.
Juan Luis Cipriani Thorne, Erzbischof von Lima und Kardinal seit Januar 2001, ist Priester der Personalprälatur und gehört deshalb auch zu seiner "Priestergesellschaft vom Hl.Kreuz". Ihn macht das Päpstliche Jahrbuch als Mitglied der Prälatur kenntlich. Geheim bleiben dagegen diejenigen Mitglieder der Priestergesellschaft, die vielleicht Kardinäle sind, aber als Diözesanpriester nicht in die Prälatur inkardiniert werden durften. Auch sie bindet "blinder" (Escrivá) Gehorsam an ihren Generaloberen Echevarría. Gelegentlich werden die Namen solcher Oberhirten im Opus-Dei-Bulletin "Romana" bekannt gegeben. Aber erst nach ihrem Tode. Cipriani könnte deshalb nicht der erste und einzige Kardinal des Opus Dei im nächsten Konklave sein. Bereits 1978 gehörten womöglich die Kardinäle Silvio Oddi und/oder Pietro Palazzini dazu; denn sie haben sich 1984 als "Mitglieder des Opus Dei" bezeichnet.

II.
Einer zweiten Gruppe, nämlich Freunden des Opus Dei, sind 22 Kardinäle zuzuordnen. Sie tragen u.a. Titel des Opus Dei oder waren mehrfach auf Veranstaltungen der Organisation zu sehen, dienen ihr werbend oder finanziell, ehren mit Mitgliedern den seligen Josephmaria und Portillo, den sie sich als Seligen wünschen. Unter ihnen könnten am ehesten Mitglieder der Priestergesellschaft sein:

Francisco Alvarez Martínez (75), Toledo; Giacomo Biffi (72), Bologna; Louis-Marie Billé (62), Lyon; Ricardo Maria Carles Gordó (74), Barcelona; Dario M. Castrillon Hoyos (71), Vatikan; Johannes Joachim Degenhardt (75), Paderborn; Roger Etchegaray (78), Vatikan; Antonio José González Zumárraga (75), Quito; Nicolás de Jesús López Rodríguez (65), Santo Domingo; Alfonso López Trujillo (65), Vatikan; Eduardo Martínez Somalo (73), Vatikan; Joachim Meisner (67), Köln; Lucas Moreira Neves (75) OP, Vatikan; Maurice Michael Otunga (78), Nairobi; Paul Poupard (70), Vatikan; Joseph Ratzinger (73), Vatikan; Antonio María Rouco Varela (64), Madrid; Camillo Ruini (70), Generalvikar für die Diözese Rom; Johannes Adrianus Simonis (70), Utrecht; Jaime Lachica Sin, (72), Manila; Dionigi Tettamanzi (67); Genua; Emmanuel Wamala (74), Kampala.

Diskrete und Diplomaten: ... Schönborn, Sodano, Sterzinsky...

III.
Auch auf 24 weitere Kardinäle treffen jeweils eins oder mehrere der genannten Kriterien zu. Doch trotz grundsätzlichen Wohlwollens agieren sie vorsichtig oder üben diplomatisch Diskretion und fördern deshalb das Opus Dei nur punktuell bzw. wohl dosiert:

Luis Aponte Martínez (78), San Juan de Puerto Rico; Edward Idris Cassidy (76), Vatikan; Godfried Danneels (67), Mechelen/Brüssel; Salvatore de Giorgi (70), Palermo; Andrzej Maria Deskur (77), Vatikan; Serafim Fernandes de Araújo (76), Belo Horizonte/Brasilien; Frédéric Etsou-Nzabi-Bamungwabi (70) CICM, Kinshasa; Bernardin Gantin (78), Vatikan; Michele Giordano (70), Neapel; William Henry Keeler (70), Baltimore; Bernard Francis Law (69), Boston; Franciszek Macharski (73), Krakau; Theodore E.McCarrick (70), Washington; Jorge María Mejía (77), Vatikan; Francois Xavier Nguyen Van Thuan (72), Vatikan; Silvano Piovanelli (77), Florenz; Norberto Rivera Carrera (58), Mexiko-Stadt; Christoph Schönborn (56) OP, Wien; Angelo Sodano (73), Vatikan; James Francis Stafford (68), Vatikan; Georg Maximilian Sterzinsky (65), Berlin; Adolfo Antonio Suárez Rivera (74), Monterry/Mexico; Jean-Claude Turcotte (66), Montreal; Ricardo J.Vidal (70), Cebu/Philippinen.

IV.
13 Kardinäle haben sporadisch Kontakt zum Opus Dei oder zu seinen Mitgliedern in ihren Diözesen. Deshalb können sie aber nicht einfach zu seinen Förderern gerechnet werden. Dennoch könnten manche von ihnen zu den drei ersten Gruppen gehören:

Aloysius Matthew Ambrozic (71), Toronto; Audrys Juozas Backis (63), Wilna; Jorge Mario Bergoglio (64) SJ, Buenos Aires; Edward Bede Clancy (77), Sidney; Jean-Marie Lustiger (74), Paris; Javier Errázuriz Ossa (67), Schönstattbewegung, Santiago de Chile; Miguel Obando Bravo (75) SDB, Managua; José da Cruz Policarpo (64), Lissabon; Pedro Rubiano Sáenz (68), Bogotá; Giovanni Saldarini (76), Turin; Paul Shan Kuihsi (77), Kaohsiung/ Taiwan; Christian Wiyghan Tumi (70), Douala/Kamerun; John Baptist Wu Chenchung (75), Hongkong.

Opus Dei als Graue Eminenz?

Freunde und Sympathisanten des Opus Dei, vielleicht sogar einige Mitglieder, sitzen also in allen Gruppen und Flügeln, die "Vaticanisti" derzeit in ihrem Papstlotto zu erkennen meinen. Der übergreifende Einfluß kann für die Organisation zur Versuchung werden, sich im Vorfeld eines Konklaves als Graue Eminenz zu etablieren. Zwar ist ungewiß, wie groß die Nähe einer neuen Nummer eins zum Opus Dei sein wird. Aber sicher ist, daß sich das Mobile Corps ihrer Zustimmung oder gar erneut ihrer Zuneigung erfreuen wird.

Denn selbst unter den liberalen Mitgliedern des Wahl-Männergremiums sind Kritiker des Opus Dei, beispielsweise der Brasilianer Aloisio Lorscheider (76) OFM, nur wie Stecknadeln im Heuhaufen zu finden. Der Belgier Danneels dagegen hat sich offen vor die "vom Papst anerkannte Personalprälatur" gestellt. Der Franzose Lustiger zeigte sich gegenüber Eltern, die ihn wegen ihres vom Opus Dei indoktrinierten und ihnen entfremdeten Kindes um Unterstützung baten, eher abweisend. Vom Italiener Carlo Maria Martini (74) SJ, dem Papst-Favoriten des liberalen Flügels, ist immerhin bekannt, daß er intern Solidarität mit Eltern übe. Aber aus dem Fenster mag er sich nicht hängen. Hilfe suchenden Opfern der Organisation gibt er, sofern er sie nicht näher kennt, nur einen frommen Rat:
"Wir müssen darum beten, jede Situation im Glauben sehen zu können. Innerer Friede eröffnet viele Wege."

Der vorstehende Beitrag erschien in Kirche intern, Wien.

Peter Hertel ist freier Journalist in Hannover.

Fünf seiner Bücher empfehlen wir besonders:


Vom Opus Dei empfohlen:

Ehemalige Mitglieder des Opus Dei:

Elternführer durch das Opus Dei:


© imprimatur März 2001


Beschreibung des "Opus Dei", der einzigen (katholischen) sehr rechts gerichteten  Personalprälatur mit Sitz in Rom seit 1982. Gegründet 1928 in Madrid vom (2002 heilig gesprochenen) spanischen Priester Josemaría Escrivá de Balaguer y Albas vereinigt es Priester und vorwiegend Laien, darunter auch Frauen, da es seit 1930 mit einer weiblichen Abteilung gibt. Das Selbstverständnis des Opus Dei ist durch ein Ideal geprägt, das unter Berufung auf die Lehre und Praxis der katholischen Kirche das geistliche Leben mit der Heiligung des Alltags verbindet. Die Laienmitglieder binden sich vertraglich an das "Werk" (Opus), bleiben jedoch Gläubige ihrer Diözese als gewöhnliche Bürger in allen sozialen und beruflichen Stellungen. "Als ein theologisch und kirchlich konservative Positionen vertretendes Werk ist das Opus Dei auch der Kritik ausgesetzt; diese stellt in erster Linie nicht den selbst gesetzten Auftrag der Heiligung des Alltags infrage, sondern wirft ihm besonders die Förderung restaurativer Tendenzen in der katholischen Kirche vor. Das Opus Dei hat weltweit (2003) über 82000 Mitglieder (darunter rund 1800 Priester)".

Einzelheiten zum Opus Dei: www.de.wikipedia.org/wiki/Opus_Dei


Piusbruderschaft

Aus Kathpedia (http://www.kathpedia.com/index.php?title=Piusbruderschaft) Ausschnitt eines Bildes von DPA, hinten rechts ein "Laie"

Diese Priesterbruderschaft St. Pius X (lat.:Fraternitas Sacerdotalis St. Pii X; FSSPX) ist eine von der (katholischen) Kirche nicht anerkannte "Priestervereinigung mit Gemeinschaftsleben ohne Gelübde" nach dem Vorbild der Missionsgesellschaften. Derzeitiger Generaloberer ist Bernard Fellay, Oberer des deutschen Distrikts Franz Schmidberger.

Geschichte und Bewertung

Marcel Lefebvre war Gründer und erster Generalobere der 1970 gegründeten und sich seit 1975 in offenem Konflikt mit Rom befindenden „Priesterbruderschaft St. Pius X.“, die zunächst vor allem als Trägerin eines Priesterseminars traditioneller Prägung in Ecône (Schweiz) wirkte. Anlaß des Konflikts der Bruderschaft zunächst mit vielen Diözesanbischöfen, dann auch mit Rom, waren einige Lehrpunkte des 2. Vat. Konzils sowie verschiedene nachkonziliare Reformen, die von Erzbf. Lefebvre als mit der gesamten kirchlichen Tradition unvereinbar kritisiert wurden. Bekannt wurde Lefebvre vor allem durch seine massive Ablehnung der Liturgiereform. In seiner Grundsatzerklärung vom 21. November 1974 stellte er die These auf, dass kein Katholik, wenn ihm an seinem Seelenheil liege, diese Reform billigen könne, da sie nicht-katholische [vor allem protestantisierende] Tendenzen hätte. Rom reagierte darauf mit der umso forcierteren Durchsetzung des Missale Romanum von 1970. Papst Paul VI. sah sich 1976 wegen unerlaubter Priesterweihen dazu gezwungen, Lefebvre von seinen Ämtern zu suspendieren. Dieser leistete keinen Gehorsam, obwohl ihn der Papst abermals im September 1976 in Privataudienz empfing.

Mit Schreiben vom 11. Oktober 1976 stellte der Papst definitiv fest, dass sich Lefebvre angesichts des von ihm neu eingeführten, absolut falschen Traditionsbegriffs im Irrtum befinde. Durch vier gegen den ausdrücklichen Willen des Papstes vollzogene und damit unerlaubte Bischofsweihen im Jahr 1988 zog sich Lefebvre gemäß einer Erklärung der Kongregation für die Bischöfe vom 1. Juli 1988 als Tatstrafe die Exkommunikation zu. Papst Johannes Paul II. hat am 2. Juli im Apostolischen Schreiben Ecclesia Dei die Bischofsweihen als schismatischen Akt verurteilt und die Exkommunikation Lefebvres offiziell festgestellt.

Da die Feier der so gen. tridentinischen Liturgie bereits seit 1984 im Falle eines pastoralen Bedürfnisses gestattet wird, also ihre Zelebration nur von 1974 bis 1984 auf persönlich begründete Ausnahmen beschränkt war, ist längst nicht mehr die "alte Messe" der zentrale Streitpunkt zwischen dem Heiligen Stuhl und den fast 500 Priestern der Lefebvre-Bruderschaft (vgl. auch das Motu proprio Summorum Pontificum). Diese sieht das 2. Vatikanum als historischen Bruch an und verlangt die "Rückkehr" Roms zur einer postulierten vorkonziliaren Tradition und die Revision des 2. Vatikanums im Sinne dieser Tradition. Tatsächlich verbreitet die Bruderschaft eine Lesart der katholischen Tradition, die nicht dem kirchlichen Selbstverständnis entspricht.

Dem halten Vertreter der Priesterbruderschaft wie der 1988 zum Bischof geweihte Richard Williamson entgegen, dass eine Anerkennung des II. Vatikanischen Konzils im Sinne gerade der richtig verstandenen Tradition nicht möglich sei, zumindest nicht bezüglich aller Dokumente.

Als Beispiele für die Unvereinbarkeit mit der Tradition werden einige nach Ansicht der Piusbrüder zweideutige Aussagen über die Ökumene und Religionsfreiheit in den entsprechenden Konzilsdokumenten genannt.

Kirchliche Stellungnahme zur Piusbruderschaft

Dekret der Bischofskongregation und Kardinal Gantin vom 1. Juli 1988, veröffentlicht am 3. Juli im Osservatore Romano:

Msgr. Marcel Lefebvre, ermeritierter Erzbischof von Tulle, hat - trotz des ausdrücklichen Monitums vom 17. Juni und der wiederholten Bitten, er möge von seinem Vorhaben absehen - durch die Bischofsweihen von vier Priestern ohne päpstlichen Auftrag und gegen den Willen des Papstes einen Akt schismatischer Natur gesetzt und sich damit die von can. 1364 par. 1 und can. 1382 des Codex des kanonischen Rechtes vorgesehene Strafe zugezogen.

Ich erkläre mit allen rechtlichen Folgen, dass sowohl der obengenannte Msgr. Marcel Lefebvre als auch Bernard Fellay, Bernard Tissier de Mallerais, Richard Williamson und Alfonso de Galarreta "ipso facto" sich die dem Apostolischen Stuhl vorbehaltene Exkommunikation als Tatstrafe zugezogen haben.

Weiter erkläre ich, dass Msgr. Antonio de Castro Mayer, emeritierter Bischof von Campos, indem er direkt an der Liturgiefeier als Konzelebrant teilnahm und öffentlich dem schismatischen Akt zustimmte, sich die von ca. 1364 par. 1 vorgesehene Exkommunikation als Tatstrafe zugezogen hat.

Die Priester und Gläubigen werden ermahnt, dem Schisma von Msgr. Lefebvre nicht zuzustimmen, weil sie sich "ipso facto" die schwere Strafe der Exkommunikation zuziehen würden.

Gegeben von der Kongregation für die Bischöfe, am 1. Juli 1988

gez. Kardinal Bernardin Gantin Präfekt der Kongregation für die Bischöfe

(Orig. lat. in O.R. 3.7.88)

Jüngst hat Kardinal Castrillón Hoyos (Kommision Ecclesia Dei) bei einem Interview gemeint, dass die Priesterbruderschaft St. Pius X zwar einen kanonisch irregulären Status habe, nicht aber schismatisch sei, so z.B. auf einer Pressekonferenz am 30. Mai 2008. Im Gegensatz dazu gibt es auch etliche Stellungnahmen, die klar von einem Schisma sprechen. Unter anderem hat die Erzdiözese Salzburg festgestellt, dass die Priesterbruderschaft Pius X. sich 1988 durch die Bischofsweihe definitiv von der römisch-katholischen Kirche getrennt habe.

Mehr bei: http://de.wikipedia.org/wiki/Priesterbruderschaft_St._Pius_X.


Bernard Schmid veröffentlichte am 26.01.2009 (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29602/1.html) unter dem Titel Papst rehabilitiert Holocaustleugner:

Benedikt XVI. lässt die Exkommunikation von vier fundamentalistischen Bischöfen, die der extremen Rechten nahe stehen, annullieren. Einer von ihn entpuppt sich zudem als Propagandist der Auschwitz-Lüge.

Es ist nicht die erste kontroverse Entscheidung, die der seit vier Jahren amtierende Papst Benedikt XVI. trifft. In seiner Amtszeit als Kardinal wurde er von manchen Stimmen auch "Panzerkardinal" genannt. Aber diese Entscheidung ist wohl die umstrittenste von allen. Und zugleich die vielleicht folgenreichste, beispielsweise im Hinblick auf die christlich-jüdische Aussöhnung. Am Samstag hob das Oberhaupt der Römisch-katholischen Kirche die Exkommunierung von vier als fundamentalistisch geltenden "Bischöfen" auf, die im Jahr 1988 ohne Mitwirkung seines damaligen Amtsvorgängers geweiht worden waren...

Um den dritten unter den Aufgezählten rankt sich seitdem ein handfester Skandal. Denn das schwedische Fernsehen (SVT) strahlte am Mittwoch zuvor ein (früher aufgezeichnetes) Interview mit Richard Williamson aus, in welchem dieser die historische Existenz des Holocaust offen bestreitet: "Ich glaube, dass es keine Gaskammern gegeben hat. (...) Deutschland hat Milliarden und Abermilliarden DM – und jetzt Euros – bezahlt, weil die Deutschen unter einem Schuldkomplex leiden, sechs Millionen Juden vergast zu haben. Aber ich glaube nicht, dass sechs Millionen Juden vergast worden sind." Er bezifferte die Anzahl der in NS-Konzentrationslagern umgekommenen Juden auf rund 200.000, "aber nicht ein einziger in Gaskammern".

Die Staatsanwaltschaft Regensburg hat strafrechtliche Ermittlungen gegen Williamson wegen Verbreitung der sog. Auschwitzlüge aufgenommen. Es werde überprüft, ob der Beitrag nicht bei einem Besuch des angeblichen "Bischofs" in einem Priesterseminar der "Bruderschaft Pius X." in Zaitzkofen in der Nähe von Regensburg aufgenommen worden ist. Wäre dies Fäll, und hätte Williamson seine Äußerungen auf deutschem Boden getätigt, so wäre die Staatsanwaltschaft unzweifelhaft für die Strafverfolgung zuständig...

Eine weitere Meldung über die "Priesterbrüderschaft St. Pius X":

Demonstrativ papsttreu und offen islamfeindlich, zu lesen unter http://www.tagesschau.de/inland/piusbruderschaft100.html

Der Papst hat mit seinen jüngsten Entscheidungen viele Gläubige verunsichert. Kritiker werfen ihm vor, die Kirche zurück ins Mittelalter zu führen. Nach dem Eklat um den Holocaust-Leugner Richard Williamson gibt es jetzt neuen Ärger um die erzkonservative Piusbruderschaft, die der Papst wieder in die katholische Kirche zurückholen will. In Deutschland etwa verbreitet die Priestervereinigung islam- und türkenfeindliche Positionen.