Machtwahn
wobei man hier auch sprechen könnte von Kapitalismuswahn
oder westlichem Christlichen-Leitkultur-Wahn
Auf der Umschlagrückseite ist zu lesen:
Wir glauben, sie wollen das Beste für unser Land.
In Wahrheit verfolgen sie
ihre eigenen Interessen.
Die Eliten aus Wirtschaft und Politik,
Wissenschaft und Publizistik sind fast am Ziel.
Unablässig haben sie uns eingeredet,
das Land stehe vor dem Ruin.
Im Glauben, dass alles besser wird,
wenn wir nur den Gürtel enger schnallen,
sind wir zu immer weiteren Abstrichen
bereit.
Voller Vertrauen auf unsere Eliten.
Doch Albrecht Müller, Autor des Bestsellers Die Reformlüge,
zeigt: Wir sind Opfer einer Täuschung. Die Gesellschaft
wird umgebaut und wirtschaftlichen Interessen
untergeordnet, angeblich zum Nutzen aller. In Wahrheit ziehen
einige wenige für sich den Profit daraus. Fragt sich bloß:
Wissen es unsere Eliten einfach nicht besser? Oder sind sie
längst eine große Koalition mit den wahren Nutznießern
des Umbaus eingegangen?
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Printed in Germany
ISBN-13: 978-3-426-27386-9
ISBN-10:3-426-27386-1
Wenn man dem deutschen
Bundespräsidenten glaubt, steht unser Land vor dem Abgrund. »Unsere Zukunft und
die unserer Kinder steht auf dem Spiel. [...] Wir müssen uns im weltweiten,
scharfen Wettbewerb behaupten«, sagte Horst Köhler, als er den Bundestag
auflöste, um Neuwahlen zu ermöglichen. Zwei Wochen später meldete das
Statistische Bundesamt einen neuen Rekord beim Exportüberschuss. Offenkundig ist
unsere Wirtschaft außerordentlich wettbewerbsfähig, unser Welthandelsanteil
liegt über dem der USA.

Wie ist dieser Widerspruch zu erklären? Warum zeichnet der Bundespräsident ein
so düsteres Bild von der Zukunft? Was treibt ihn und die große Mehrheit der
Meinungsmacher aus Politik und Wirtschaft um? Wissen sie es einfach nicht
besser? Oder malen sie die Lage womöglich bewusst schwarz?
Albrecht Müller wirft einen nüchternen Blick auf die Realitäten. Wie kommt es,
fragt er sich, dass unablässig weitere Reformen gefordert und umgesetzt werden,
obwohl deren Wirkungslosigkeit auf der Hand liegt? Es wurden die Steuern gesenkt
und reformiert, es wurden soziale Leistungen abgebaut, es wurde privatisiert und
dereguliert. Immer hieß es, dazu gebe es keine Alternative. Doch all diese
Reformen haben nichts gebracht. Die Arbeitslosigkeit stieg, das Wachstum unserer
Volkswirtschaft stagnierte, die Verschuldung wuchs genauso wie die Löcher in den
Kassen der sozialen Sicherungssysteme.
Unsere Eliten ignorieren diese Tatsachen. Ungerührt schreiten sie auf dem einmal
eingeschlagenen Weg voran - und führen das Land immer tiefer in den Sumpf. Das
lässt nur zwei Erklärungen zu: Entweder durchschauen die Eliten viele Vorgänge
nicht und bestätigen sich gegenseitig in ihren mittelmäßigen Diagnosen und
falschen Therapien. Oder sie verfolgen ganz handfeste eigene Interessen. weil
sie zu den Nutznießern dieses Systems gehören.
In seiner scharfsichtigen und provokanten Analyse kommt Albrecht Müller zu einem
erschreckenden Befund: Unsere Eliten sind unteres Mittelmaß, und sie sind
rücksichtslos zerstörerisch. Er beschreibt, wie das Netzwerk des Mittelmaßes
funktioniert. benennt die Verantwortlichen, enthüllt ihre Motive und belegt die
Strategie, der sie folgen. Damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben.
Albrecht Müller, geboren 1938, studierte Nationalökonomie und war Redenschreiber
von Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller. Von 1973 bis 1982 Leiter der
Planungsabteilung im Bundeskanzleramt bei Willy Brandt und Helmut Schmidt, von
1987 bis 1994 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er lebt als Publizist in der
Südpfalz und betreibt die Online-Veröffentlichung
www.NachDenkSeiten.de
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Der
Inhalt
I. Einführung
II. Konkursverschleppung
Die Regierung wechselt, die
Reformen gehen weiter
Die ausgeblendete Vorgeschichte: Eine Bilanz des Scheiterns
Schröders Befreiungsschlag
Ungebrochene Kontinuität: Die
Eliten zeugen ihren eigenen Nachwuchs
Erfinderische Eliten: Erklärungen
für den ausbleibenden Erfolg
Blinde Eliten: Erfahrungen anderer
Länder werden ignoriert
III. Die Ideologie der Eliten und ihr Versagen
Gewinner und Verlierer
Der lange Marsch durch die
Institutionen - Eine Lehre setzt sich durch
Das Glaubensbekenntnis der neoliberalen Eliten
IV Die Totengräber und ihre Leichen
Das Ansehen unseres Landes wird
systematisch beschädigt
Die neoliberale Ideologie birgt
enorme Risiken
Privatisierung und Deregulierung
kommen uns teuer zu stehen
Die Entwertung privaten Vermögens
Das Vertrauen in die sozialen Sicherungssysteme wird untergraben
Unser Sozialstaatsmodell steht auf dem Spiel
Die Gesellschaft wird gespalten
Die Folgen hoher und langer
Arbeitslosigkeit werden unterschätzt
Angst als gesellschaftliches Steuerungsinstrument
Wer getreten wird, tritt nach unten weiter
Die psychischen und die gesundheitlichen Folgen
Ein neuer Bildungsnotstand: Verwahrlosung durch Kommerzialisierung
Gefahr für die Demokratie
V. Der Fisch stinkt vom Kopf her
Die herrschende Ideologie ist von Teilen der Wirtschaft geprägt
Wer die Macht über die öffentliche Meinung hat, hat die politische Macht
Opfer, die zu Tätern werden
Exkurs: Die traurige Rolle der Intellektuellen und des kritischen Bürgertums
Vl. Egoisten in einer Scheinwelt:
So funktionieren unsere Eliten
Man staunt jeden Tag neu
Regression oder Der Rückfall in undifferenziertes, naives Denken
Die Eliten und ihre Welt der geliehenen Gedanken
Mittelmaß in der Sache, aber Meister in der Kunst der Verführung
Fall 1: Chancengerechtigkeit
Fall 2: Die ideale Bevölkerungspyramide
Fall 3: Über 40 Prozent
Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen
Fall 4: »Von den Weltmärkten verdrängt«
Fall 5: Ein Gespenst geht um: Implizite Schulden und die Verletzung der Generationengerechtigkeit
Egoismus statt Dienst für das Gemeinwesen
Dumm, arglos oder korrupt?
Exkurs: Politik, Wissenschaft und Publizistik als Werbeträger der Versicherungswirtschaft
VII. Die Netzwerke unserer Eliten
Vornehmer Klüngel Reforminitiativen - Stiftungen - Berater: Ein Überblick
Die Strategie: Verfilzung mit der Politik
Angepasste Medien im Netz
Medienkooperationen
Preise - Aktionen - Rankings: Ideologie statt Wissenschaft
Sie drehen - wir zahlen: Drittmittelfernsehen
Journalistenschulen
Sprachliche ideologische Korrumpierung
VIII. Erste Hilfe gegen Propaganda und mittelmäßige Eliten
Wir sind das
Opfer von Fehlern, nicht von Umständen
Schauen wir den Eliten auf die Finger!
Nachwort
Dank
Anhang
Anmerkungen
Literaturhinweise
Eine Leseprobe aus:
"Das Glaubensbekenntnis der neoliberalen Eliten
Unsere Eliten berufen sich zwar auf verschiedene Theorien, aber in den
Kernglaubenssätzen sind sie sich weitgehend einig.
Sie glauben, es komme vor allem darauf an, Vertrauen bei den Unternehmern zu
schaffen. Dazu müsse man die »Angebotsbedingungen«, wie sie sagen, verbessern.
Gemeint ist: Löhne und Steuern niedrig halten beziehungsweise senken; kein
Kündigungsschutz; flexible und mobile Arbeitnehmer; keine Betriebsräte; keine
Streiks; gut ausgebildete und brave Arbeitnehmer, die mit sich machen lassen,
was nach Meinung des Managements dem Betrieb nutzt; die Bürokratie und den
Staatsanteil abbauen, dennoch gute Infrastruktur und Geld vom Staat für
Forschung und Ansiedlung; und so weiter.
Sie glauben, die Löhne seien zu hoch, und wenn sie sinken, werde mehr investiert
und produziert. Also sagen sie uns, die Löhne müssten weiter sinken, dann gehe
es aufwärts, und die Arbeitslosigkeit werde sinken.
Sie sagen uns: Gewerkschaften sind von Übel. Und sie seien unglaublich mächtig.
Das glauben noch nicht einmal die Funktionäre der Arbeitgeber.
Sie haben gelernt: Konjunkturprobleme gibt es eigentlich nicht mehr, alles ist
strukturbedingt, und deshalb brauchen wir Strukturreformen wie die
Privatisierung der sozialen Sicherungssysteme. Beschäftigungspolitik im
traditionellen Sinn eines John Maynard Keynes gibt es nicht mehr. Die
Zentralbank muss auf Preisstabilität achten. Das reicht und erledigt alles
andere.
Sie glauben, der Staat sei zu fett; wenn man den Staatsanteil reduziert und wenn
man entstaatlicht, würden die Unternehmen den gewonnenen Freiraum nutzen und
sich entfalten, und schon wächst die Wirtschaft.
Sie haben gelernt: Der Staat muss sparen. Wie er sparen kann, darüber haben sie
allerdings nicht nachgedacht. Deshalb versuchen sie, in Krisen hineinzusparen,
und haben am Ende mehr Schulden als zuvor.
Sie glauben, man müsse die Kosten für die Unternehmen so minimieren, dass sie
aus Freude darüber investieren und mehr produzieren. Der Begriff »Vertrauen«
spielt dabei eine große Rolle.
Sie glauben, die Unternehmensleitungen sollten ihre Geschäftspolitik vor allem
am sogenannten Shareholder-Value orientieren. Was dem Aktienwert des
Unternehmens an der Börse dient, soll die Richtschnur unternehmerischer
Entscheidungen sein, für Investitionen genauso wie für Entlassungen.
Kommentar: Das obige Buch gibt keinerlei Erklärung des menschlichen Verhaltens aus psychologischer und soziologischer Sicht. Zumindest Ansätze zu solchen Erklärungen sind aus meinem Internet-Buch "Gotteswahn.Info" anzuwenden.
Walter Rath, November 2008