Machtwahn

 

wobei man hier auch sprechen könnte von Kapitalismuswahn

oder westlichem Christlichen-Leitkultur-Wahn

Auf der Umschlagrückseite ist zu lesen:

Wir glauben, sie wollen das Beste für unser Land.

In Wahrheit verfolgen sie ihre eigenen Interessen.
Die Eliten aus Wirtschaft und Politik,

Wissenschaft und Publizistik sind fast am Ziel.

Unablässig haben sie uns eingeredet,

das Land stehe vor dem Ruin.

Im Glauben, dass alles besser wird,

wenn wir nur den Gürtel enger schnallen,

sind wir zu immer weiteren Abstrichen bereit.
Voller Vertrauen auf unsere Eliten.


Doch Albrecht Müller, Autor des Bestsellers Die Reformlüge,
zeigt: Wir sind Opfer einer Täuschung. Die Gesellschaft
wird umgebaut und wirtschaftlichen Interessen
untergeordnet, angeblich zum Nutzen aller. In Wahrheit ziehen
einige wenige für sich den Profit daraus. Fragt sich bloß:
Wissen es unsere Eliten einfach nicht besser? Oder sind sie
längst eine große Koalition mit den wahren Nutznießern
des Umbaus eingegangen?

 

Copyright © 2006 bei Droemer Verlag (www.droemer.de).
Ein Unternehmen der Droemerschen Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. GmbH & Co. KG, München
Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München
Reproduktion: Wilhelm Vornehm/Achim Norweg, München

Satz: Adobe InDesign im Verlag
Druck und Bindung: Ebner Et Spiegel, Ulm

Printed in Germany
ISBN-13: 978-3-426-27386-9

ISBN-10:3-426-27386-1
 

Wenn man dem deutschen Bundespräsidenten glaubt, steht unser Land vor dem Abgrund. »Unsere Zukunft und die unserer Kinder steht auf dem Spiel. [...] Wir müssen uns im weltweiten, scharfen Wettbewerb behaupten«, sagte Horst Köhler, als er den Bundestag auflöste, um Neuwahlen zu ermöglichen. Zwei Wochen später meldete das Statistische Bundesamt einen neuen Rekord beim Exportüberschuss. Offenkundig ist unsere Wirtschaft außerordentlich wettbewerbsfähig, unser Welthandelsanteil liegt über dem der USA.
Der Autor Albrecht Müller
Wie ist dieser Widerspruch zu erklären? Warum zeichnet der Bundespräsident ein so düsteres Bild von der Zukunft? Was treibt ihn und die große Mehrheit der Meinungsmacher aus Politik und Wirtschaft um? Wissen sie es einfach nicht besser? Oder malen sie die Lage womöglich bewusst schwarz?

Albrecht Müller wirft einen nüchternen Blick auf die Realitäten. Wie kommt es, fragt er sich, dass unablässig weitere Reformen gefordert und umgesetzt werden, obwohl deren Wirkungslosigkeit auf der Hand liegt? Es wurden die Steuern gesenkt und reformiert, es wurden soziale Leistungen abgebaut, es wurde privatisiert und dereguliert. Immer hieß es, dazu gebe es keine Alternative. Doch all diese Reformen haben nichts gebracht. Die Arbeitslosigkeit stieg, das Wachstum unserer Volkswirtschaft stagnierte, die Verschuldung wuchs genauso wie die Löcher in den Kassen der sozialen Sicherungssysteme.

Unsere Eliten ignorieren diese Tatsachen. Ungerührt schreiten sie auf dem einmal eingeschlagenen Weg voran - und führen das Land immer tiefer in den Sumpf. Das lässt nur zwei Erklärungen zu: Entweder durchschauen die Eliten viele Vorgänge nicht und bestätigen sich gegenseitig in ihren mittelmäßigen Diagnosen und falschen Therapien. Oder sie verfolgen ganz handfeste eigene Interessen. weil sie zu den Nutznießern dieses Systems gehören.

In seiner scharfsichtigen und provokanten Analyse kommt Albrecht Müller zu einem erschreckenden Befund: Unsere Eliten sind unteres Mittelmaß, und sie sind rücksichtslos zerstörerisch. Er beschreibt, wie das Netzwerk des Mittelmaßes funktioniert. benennt die Verantwortlichen, enthüllt ihre Motive und belegt die Strategie, der sie folgen. Damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben.


Albrecht Müller, geboren 1938, studierte Nationalökonomie und war Redenschreiber von Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller. Von 1973 bis 1982 Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt bei Willy Brandt und Helmut Schmidt, von 1987 bis 1994 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er lebt als Publizist in der Südpfalz und betreibt die Online-Veröffentlichung www.NachDenkSeiten.de

Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München


 

Der

       Inhalt


I.     Einführung

II.   Konkursverschleppung

Die Regierung wechselt, die Reformen gehen weiter
Die ausgeblendete Vorgeschichte: Eine Bilanz des Scheiterns
Schröders Befreiungsschlag
Ungebrochene Kontinuität: Die Eliten zeugen ihren eigenen Nachwuchs
Erfinderische Eliten: Erklärungen für den ausbleibenden Erfolg
Blinde Eliten: Erfahrungen anderer Länder werden ignoriert


III.  Die Ideologie der Eliten und ihr Versagen 

Gewinner und Verlierer
Der lange Marsch durch die Institutionen - Eine Lehre setzt sich durch
Das Glaubensbekenntnis der neoliberalen Eliten

IV  Die Totengräber und ihre Leichen

Das Ansehen unseres Landes wird systematisch beschädigt
Die neoliberale Ideologie birgt enorme Risiken
Privatisierung und Deregulierung kommen uns teuer zu stehen
Die Entwertung privaten Vermögens
Das Vertrauen in die sozialen Sicherungssysteme wird untergraben
Unser Sozialstaatsmodell steht auf dem Spiel
Die Gesellschaft wird gespalten
Die Folgen hoher und langer Arbeitslosigkeit werden unterschätzt
Angst als gesellschaftliches Steuerungsinstrument
Wer getreten wird, tritt nach unten weiter
Die psychischen und die gesundheitlichen Folgen
Ein neuer Bildungsnotstand: Verwahrlosung durch Kommerzialisierung
Gefahr für die Demokratie

V.   Der Fisch stinkt vom Kopf her

Die herrschende Ideologie ist von Teilen der Wirtschaft geprägt
Wer die Macht über die öffentliche Meinung hat, hat die politische Macht
Opfer, die zu Tätern werden
Exkurs: Die traurige Rolle der Intellektuellen und des kritischen Bürgertums

Vl.  Egoisten in einer Scheinwelt:

So funktionieren unsere Eliten
Man staunt jeden Tag neu
Regression oder Der Rückfall in undifferenziertes, naives Denken
Die Eliten und ihre Welt der geliehenen Gedanken
Mittelmaß in der Sache, aber Meister in der Kunst der Verführung
Fall 1: Chancengerechtigkeit
Fall 2: Die ideale Bevölkerungspyramide
Fall 3: Über 40 Prozent Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen
Fall 4: »Von den Weltmärkten verdrängt«
Fall 5: Ein Gespenst geht um: Implizite Schulden und die Verletzung der Generationengerechtigkeit
Egoismus statt Dienst für das Gemeinwesen
Dumm, arglos oder korrupt?
Exkurs: Politik, Wissenschaft und Publizistik als Werbeträger der Versicherungswirtschaft

VII. Die Netzwerke unserer Eliten

Vornehmer Klüngel Reforminitiativen - Stiftungen - Berater: Ein Überblick
Die Strategie: Verfilzung mit der Politik
Angepasste Medien im Netz
Medienkooperationen
Preise - Aktionen - Rankings: Ideologie statt Wissenschaft
Sie drehen - wir zahlen: Drittmittelfernsehen
Journalistenschulen
Sprachliche ideologische Korrumpierung

VIII. Erste Hilfe gegen Propaganda und mittelmäßige Eliten

Wir sind das Opfer von Fehlern, nicht von Umständen
Schauen wir den Eliten auf die Finger!

Nachwort

Dank

Anhang

Anmerkungen
Literaturhinweise
 


Eine Leseprobe aus: "Das Glaubensbekenntnis der neoliberalen Eliten

Unsere Eliten berufen sich zwar auf verschiedene Theorien, aber in den Kernglaubenssätzen sind sie sich weitgehend einig.


Sie glauben, es komme vor allem darauf an, Vertrauen bei den Unternehmern zu schaffen. Dazu müsse man die »Angebotsbedingungen«, wie sie sagen, verbessern. Gemeint ist: Löhne und Steuern niedrig halten beziehungsweise senken; kein Kündigungsschutz; flexible und mobile Arbeitnehmer; keine Betriebsräte; keine Streiks; gut ausgebildete und brave Arbeitnehmer, die mit sich machen lassen, was nach Meinung des Managements dem Betrieb nutzt; die Bürokratie und den Staatsanteil abbauen, dennoch gute Infrastruktur und Geld vom Staat für Forschung und Ansiedlung; und so weiter.


Sie glauben, die Löhne seien zu hoch, und wenn sie sinken, werde mehr investiert und produziert. Also sagen sie uns, die Löhne müssten weiter sinken, dann gehe es aufwärts, und die Arbeitslosigkeit werde sinken.


Sie sagen uns: Gewerkschaften sind von Übel. Und sie seien unglaublich mächtig. Das glauben noch nicht einmal die Funktionäre der Arbeitgeber.
Sie haben gelernt: Konjunkturprobleme gibt es eigentlich nicht mehr, alles ist strukturbedingt, und deshalb brauchen wir Strukturreformen wie die Privatisierung der sozialen Sicherungssysteme. Beschäftigungspolitik im traditionellen Sinn eines John Maynard Keynes gibt es nicht mehr. Die Zentralbank muss auf Preisstabilität achten. Das reicht und erledigt alles andere.


Sie glauben, der Staat sei zu fett; wenn man den Staatsanteil reduziert und wenn man entstaatlicht, würden die Unternehmen den gewonnenen Freiraum nutzen und sich entfalten, und schon wächst die Wirtschaft.


Sie haben gelernt: Der Staat muss sparen. Wie er sparen kann, darüber haben sie allerdings nicht nachgedacht. Deshalb versuchen sie, in Krisen hineinzusparen, und haben am Ende mehr Schulden als zuvor.


Sie glauben, man müsse die Kosten für die Unternehmen so minimieren, dass sie aus Freude darüber investieren und mehr produzieren. Der Begriff »Vertrauen« spielt dabei eine große Rolle.


Sie glauben, die Unternehmensleitungen sollten ihre Geschäftspolitik vor allem am sogenannten Shareholder-Value orientieren. Was dem Aktienwert des Unternehmens an der Börse dient, soll die Richtschnur unternehmerischer Entscheidungen sein, für Investitionen genauso wie für Entlassungen.
 


Kommentar: Das obige Buch gibt keinerlei Erklärung des menschlichen Verhaltens aus psychologischer und soziologischer Sicht. Zumindest Ansätze zu solchen Erklärungen sind aus meinem Internet-Buch "Gotteswahn.Info" anzuwenden.

Walter Rath, November 2008