Wirtschaftsformen

 

Aus meinem Seminar beim "Eastern and Southern Africa Management Institute in Arusha, United Republic of Tanzania (ESAMI)" (ursprünglich in Englisch aus den 1980ern Jahren) - bzw. aus meinem Buch-Entwurf: "Die Zeitbombe tickt. Kann sie noch entschärft werden?":

 

Inhalt

 

    1. Wirtschaft und Gesellschaft

          a) Kurze Einführung in die Wirtschaftswissenschaft

><      b) Fachbereiche und Theorien im Rahmen der Wirtschaftswissenschaften

><2. Die freie Marktwirtschaft

><     a) Definition

><     b) Konjunktur und Wirtschaftspolitik

><     c) Geldwirtschaft

><     d) Inflation (Geldentwertung)

><     e) Wirtschaftswachstum

><     f) Wirtschaftsflaute und Kostensenkung (Kommentar)

><3. Planwirtschaft

><4. Subsistenzwirtschaft

><5. Wirtschaftsethik (aus Gabler "Wirtschaftslexikon, 12. Auflage 1988 ISBN 3-409-30374-7 später, d.h. 2009 hinzugefügt)

 

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1. Wirtschaft und Gesellschaft

 

In seinem Hauptwerk: „Wirtschaft und Gesellschaft - Grundriss der verstehenden Soziologie" von 1921/1922 beschreibt der bereits erwähnte Max Weber den Entwicklungsprozeß der Indu­striegesellschaft, die dem Menschen einerseits die Möglichkeit gibt, seine Umwelt besser zu beherrschen, aber andererseits „Gehäuse neuer Hörig­keit“ schafft, was oben schon diskutiert worden ist.

 

a) Kurze Einführung in die Wirtschaftswissenschaft

 

Der Mensch hat Bedürfnisse an Sachgütern und Dienstleistun­gen, die jedoch nicht alle befriedigt werden können, ganz einfach, weil das nötige Kleingeld fehlt auch demjenigen, der im Überfluß zu leben scheint; denn „je mehr er hat, je mehr er will“. (Die Wirtschaftswissenschaftler reden aber nicht so banal. Bei ihnen herrscht immer einfach nur Güterknappheit und ein „Spannungsverhältnis zwischen gewünschter und verfügbarer Menge“.)

 

Der Wirtschaftsprozeß läuft als Wechselwirkung zwischen Konsum (Verbrauch) und Produktion (Herstellung) in einem stän­digen Kreislauf:

 

Nun sieht dieser Geld- und Waren-Kreislauf um die beiden Wirtschaftssektoren (Produktion und Konsum, also Herstellung und Verbrauch) ein bißchen ein­fach aus natür­lich; denn da bekommt der „Verbraucher“ nicht den vollen Lohn für seine Arbeit. Der Unternehmer kalkuliert Gewinn und Rück­lagen für neue Investitionen. Er muß Steuern und Versicherungs­prämien  bezahlen und andere Dinge und der soge­nannte Arbeit­nehmer auch.

 

Die Verbrauchsgüter, die nach dem Be- oder Verbrauch im Müll gelandet sind, können nicht wieder voll als Rohstoffe bereit­gestellt werden. Mehr oder weniger bleibt schließlich im Ab­fall.

 

Doch weiter mit ein paar Definitionen:

 

Die Rohstoffe können ja nicht so verwendet werden, wie sie aus dem Boden oder sonst wo her kommen. Sie werden „veredelt“ und umgeformt durch verschiedene Produktionsprozesse. Dabei müssen jedesmal bei jedem Umformungsprozeß Produktionsfakto­ren, als da sind Arbeit, Räumlichkeiten und Sachgüter, wozu die Maschinen zählen, zusammengefaßt als Kapi­tal aufgewendet werden.

 

Das Kapital entstammt zu Beginn einer Investition und später aus vorangegangenen Produk­tionsprozessen, welches sich durch die Produktion vermehrt hat. Produkterzeugung erfolgt also durch das Zusammenwirken der Produktionsfaktoren (Arbeit und Kapital).

 

In Form von Arbeitsteilung und Spezialisierung, d.h. Ar­beitssteigerung wird auf die Pro­duktion nur für den eigenen Bedarf verzichtet. Der Produzent produziert vorwiegend für andere.

 

Unter Mikroökonomie wird das Zusammenspiel zwischen Unter­nehmen und Haushalten, was sich (nach Bedarfsanalyse) auf eine Vielzahl von Güter-, Finanzmärkten und Produktions­faktoren niederschlägt, verstanden.

 

Wird nun noch die Rolle des Staates und des Auslandsmarktes dazu betrachtet, kommen wir zur Makroökonomie.

 

Da nie alle Wünsche (der Bedarf) gedeckt werden kann, denn die Augen sind größer als der Mund, müssen wir immer Kompro­misse eingehen, ein kleineres Auto kaufen und ein billigeres Fernsehgerät als wir gerne möchten. Wir sind ständig gezwungen zu wirtschaften, ein anvisiertes Ziel mit möglichst geringem Mitteleinsatz zu er­reichen. Wir müssen planen. Dem wirtschaft­lichen Geschehen ist eine Planungsphase vorgeschaltet.

 

Es sollte eigentlich zwischen Konsum und Produktion ein Gleichgewicht bestehen.

 

Obwohl die Volkswirtschaftler immer von einer „Güterknapp­heit“ ausgehen, besteht dieses Gleichgewicht in den Industrie­nationen nicht: Im Gegenteil, es wird meistens mehr produziert als konsumiert. Alles herrscht im Überfluß. Die notwendigen Anpassungsprozes­se, um ein solches Gleichgewicht zu erreichen, gelingen den Steuerungsorganen, verantwortlich für die wirt­schaftlichen Vorgänge, nicht.

 

b) Fachbereiche und Theorien im Rahmen der Wirtschaftswissenschaften

 

     Hier sollen nur ein paar Stichworte aufgezählt werden:

 

-  Natürlich kann man die wirtschaftlichen Abläufe sich nicht völlig unbeeinflußt überlassen, obwohl Befürworter der „freien Marktwirtschaft“ an ein Selbstregulativ glauben, wonach sich ein Gleichgewicht von alleine einstellt. In diesem Zusammenhang ist die allgemeine Theorie der binnen­wirtschaftlichen und außenwirtschaftlichen Steuerung im makroökonomi­schen Bereich zu nennen.

 

-  Während sich die Geldtheorie mit den Geldmärkten und damit den Banken beschäftigt,

 

-  kümmern sich die Finanzwissenschaftler um staatliche Aktio­nen.

 

-  Die Ordnungstheoretiker sollten sich langfristig gesehen um die Koordinationsmechanismen und -notwendigkeiten zwischen den einzelnen Märkten mit einem zentralen Plan kümmern und

 

-  die Wettbewerbstheoretiker um Abläufe und Bedingungen für Märkte.

 

-  Die Wirtschaftssystemforscher sollten endlich eine Analyse der bestehenden Systeme vorle­gen und Vorschläge für notwen­dige internationale, zentrale Planung, günstigste Wirt­schafts­for­men (Unternehmensart, Eigentumsverhältnisse, Kapi­talaufteilung, Rohstoffverteilung) machen. Es sieht so aus, als kämen sie über eine Ist-Analyse nicht hinaus.

 

Natürlich haben sie mit den Undurchsichtigkeiten der Wirt­schaftsverflechtungen, der mehr oder weniger starken Ge­heimhaltung der Firmenpolitik und des Kapitalflusses zu kämpfen, und es scheint unmöglich, die dezentralen Entschei­dungsbausteine zu einem Gesamtplan zusammenzufügen.

 

Kritik:  Können wir es uns wirklich noch leisten, alle Ent­scheidungen dezentral, also nur bei den Firmeneignern zu belassen über:

 

- Was soll, wie und wo produziert werden? d.h. welche Produkte überhaupt?

 

- Gibt es nicht einfachere, langlebigere, sicherere, weniger umweltbelastende, alternative Produkte?

 

- Nach welchen weniger umweltbe­lastenden Verfahren kann produziert werden? (Nur billig muß es sein für die Unternehmer, um dann die angerichteten Schäden auf Allge­meinkosten zu beseitigen, wenn überhaupt möglich.)

 

- Wo soll hergestellt werden, also in Län­dern, wo die, durch keine Gewerkschaften ge­schützten Arbeiter für praktisch nichts schuften, die auf grund ihrer ge­ringen Kaufkraft kaum zum Wirtschaftskreislauf bei­tragen können? Aber andererseits sollten Energie­erzeugungsstätten in die Städte integriert werden, um ihre Abfallwärme als Fernheizung und warmes Wasser ausnutzen zu können.

 

-  Wer entscheidet über die zu produzierenden Sachen und deren Mengen, der Staat, der Konsument, der Produzent? warum nicht alle?

 

-  Für wen soll eigentlich produziert werden (noch mehr Waffen für die Landesbesitzer)?

 

-  Wie sollen das produzierte Zeug und die Rohstoffe verteilt werden (Rohöl nach wie vor in unsicheren Schiffen)?

 

Leider hat sich die ausschließliche Planwirtschaft nicht bewährt. Was gibt es für Alter­nativen, eventuel­le Mischformen?

 

(Die oben aufgelisteten Fragen werden später im Kapitel E. ausführlich diskutiert.)

 

2. Die freie Marktwirtschaft

 

a) Definition

 

  Bei einer oberflächlichen Betrachtung des Marktgeschehens gewinnt man den Eindruck, daß die (dezentralen) Entscheidungen in der freien Marktwirtschaft, also beim Zusammenspiel zwi­schen Verbraucher und Hersteller in chaotischer Form ablau­fen, was im Prinzip auch stimmt; denn die modernen Chaos­theorien können das Geschehen tatsächlich gut beschreiben, so wie das Gerangel auf einer noch nicht zu sehr von Menschen beein­flußten buntgrünen Wiese, wo Ameisen die Blattläuse mel­ken, die Marienkäfer und die Vögel diesen aber den Garaus machen, wo Kräuter und Unkräuter miteinander im Wettstreit stehen, aber schließlich alles, im Einzelnen chaotisch zwar, sich zu einem Gleichgewicht ausbalanciert (hat).

 

Im dezentralen Marktgeschehen (also nicht zentral gesteuert) versuchen initiative (ersten Anstoß gebende) Unter­nehmer, angeregt durch neue wissen­schaftliche Erkenntnisse und technische Möglichkeiten, neue Produkte mit Hilfe von risiko­freudigen Geldgebern zu vermark­ten. Da werden die Pro­dukte geschickt angepriesen, die Käufer in eine Falle gelockt, weil sie psychologischen Gesetzen un­terliegen, in diese aber nicht mehrmals purzeln; denn sie lernen aus Erfahrung. Produkte verschwinden wieder, weil sie nicht marktgerecht waren, andere halten sich, neue kommen hinzu. Schließlich stellt sich, wie nach der Darwin'schen Selek­tionstheorie, also dem Aus­lese­prinzip ein Gleichge­wicht ein mit einer Vielzahl von Produk­ten, mit „für jeden Bedarf etwas“.

 

Auch in der freien Marktwirtschaft spielt also der Kon­kur­renzkampf eine große Rolle. Es kommt zu einer natürlichen Auslese und es bleiben nur diejenigen Wirtschaftsunternehmen am Leben, die den jeweils gegebenen, auch eventuell geänderten Bedingungen am besten angepaßt sind oder sich schnell genug anpassen können. Im Marktgeschehen spielt natürlich auch der Zufall eine wichtige Rolle, wie immer und überall in unserem Leben.

 

Der geschichtliche Verlauf hat gezeigt, daß die freie Markt­wirtschaft, im Gegensatz zur so­zialistischen zentra­len Plan­wirtschaft, sich behaupten und den Menschen als breite Masse zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse dienen konnte, obwohl oder vielleicht deshalb, wie Adam Smith, der von 1923 bis 1990 lebte, bereits erkannte, daß „keine menschliche Weisheit oder Kenntnis“ die Bedürfnisse  „je zu überblicken fähig sein könn­te“.

 

Die Motivation und auch die Fähigkeit „guter“ Unternehmer ist, Umstände und Gelegenheiten zu nutzen, um für das, was auch immer sie produzieren und auf dem Markt anbieten, ein bißchen mehr zu bekommen als ursprünglich erwartet. Dieses Bißchen mehr kann der Unternehmer dann als Gewinn verbuchen.

 

Während große Unternehmer bei der Produktentwicklung sich auf eine Marktforschung ab­stützen, sich also die Absatzchancen vorher ausrechnen, handeln kleinere Unternehmen oft erfolgrei­cher auf grund ihrer „guten Nase“. Sie erkennen ein Marktlücke und sind wegen ihrer flexibleren Verwaltungsstruktur gegenüber Großunternehmen, auch wegen ihrer größeren Risi­kobereitschaft rasch in der Lage, eine Marktlücke zu füllen.

 

Allerdings wird es immer schwerer werden, in dem unüber­schau­baren Gestrüpp der Produk­te noch ohne präzise Marktfor­schung eine solche Lücke zu erkennen. Aus diesem Grunde werden klei­nere Un­ternehmen mehr und mehr vom Markt verdrängt, obwohl sie meistens von „schöpferischen und initiativen“ Leuten ge­führt werden.

 

Das große Rennen machen die eigentlich „konservativen und immobilen“ Großunternehmen, die sich Spezialisten für alles, die Verwaltung und die Produktion eines Betriebes betreffend, halten können, als da sind:

 

- Finanz- und Steuerfachleute,

- Organisationsfachleute,

- Marktforscher,

- Werbefachleute,

- Preiskalkulatoren, die den Echtpreis eines Produktes ermit­teln, einschließlich aller Kosten und Gewinn, der dann von den Werbefachleuten auf 299,99 DM erhöht wird (Es kostet keine 300 Mark, würde meine Mutter sagen. Ja, die Tankstellen bieten sogar in einer nicht existierenden Währung an: 128,9 Pfennige. Aber 0,9 Pfennige gibt es nicht),

- Betriebspsychologen, die den Arbeitsplatz so gestalten, daß die Beschäftigten sich „wohl“ fühlen,

- Betriebsmediziner,

- Lobbybüros, wo ihre Interessen auf Regierungsebene ver­tre­ten werden,

- Produktions- und Verfahrensfachleute,

- Lagerverwalter,

- geschulte Einkäufer, Verkäufer und Verkaufsagenturen,

- Transportunternehmen,

- Kundendiensteinrichtungen,

- Forschungslabors,

- Kommunikationsfachleute, die mit Büromaschinen, dem Telefon,   Telex, Telefax umgehen können,

- Fremdsprachenkorrespondenten,

- Patentsachbearbeiter und Juristen für Verträge und Rechts­strei­tigkeiten und viele mehr.

 

Auf grund ihrer finanziellen Möglichkeiten sind sie oft in der Lage, die Konkurrenz einfach zu schlucken, um marktbe­herr­schend zu werden oder zu bleiben. Sie sind wie ein „Schwarzes Loch“ im Weltall, das alle Materie und alle Energie in sich hin­einsaugt.

 

Da wird zwischen vier Formen der wirtschaftlichen Konzentra­tion unterschieden:

 

- Die horizontale Konzentration bedeutet einen Zusammenschluß von Unternehmen, die auf ein und demselben Markt tätig sind. Typi­sche Zusammenschlüsse sind die Medienkonzerne, die ver­schiedene Tageszeitungen, Wochenblätter usw. herausgeben.

 

- Bei der vertikalen Konzentration schließen sich Unternehmen zusammen, die alle unabhängig an einer Kette von Teilen von Produkten bis zum Gesamtprodukt beteiligt waren. Also da gab es für die Herstellung eines Fernsehgerätes den Halbleiterher­steller, der die Transistoren und integrierten Schaltkreise machte, den Bildröhrenhersteller, den Hersteller der Kabel, den Chas­sispro­duzenten, der das Gehäuse preßte und rot, weiß oder anthrazitfarben anstrich. Nach der Konzentration befin­den sich alle unter einem „Dach“.

 

- Bei der diagonalen oder Mischkonzentration schließen sich Firmen zusammen, die auf verschiedenen Märkten tätig waren, also verschiedenes produzierten. Der neue Konzern baut jetzt Fernsehgeräte und Radios, Rechner, Fernsehkameras, Telefone, Funkgeräte, elektronische Musikinstrumente,  Waschmaschinen und andere Haushaltsgeräte, Motorräder und Autos, Lebensmit­telkonserven und - weiß der Kuckuck - was alles noch, zu denen die früheren un­abhängigen, jedoch inzwischen einver­leibten Zulieferer die Bauteile beitragen.

 

 

Die Viehproduktunternehmen haben den Vorteil, daß sie nicht ins Wanken geraten, wenn man ein Produkt nicht mehr so gut „geht“.

 

- Schließlich schluckt ein mächtiges Schwarzes Loch mehrere kleine, und dann sprechen wir von der multinationalen Kon­zentration.

 

(Unter einem Schwarzen Loch verstehen die Astronomen, die Erforscher des Weltalls, Mate­riekonzentrationen, die alles, was in ihre Nähe kommt, durch ihre ungeheuere Massenanzie­hungskraft in sich hineinsaugen. Dabei werden sie so schwer, daß nicht einmal Licht- oder an­dere Energiewellen entweichen können. Daher bleiben sie „schwarz“, unsichtbar. Niemand weiß, wie es im Inneren aussieht, was da abläuft, so wie in einem Großkonzern.)

 

Den wichtigsten Aspekt in Form von Steuerung des Marktge­schehens stellt der Gewinn dar; denn ohne Gewinn ist niemand in der freien Marktwirtschaft an einer Aktivität interessiert.

 

Daher hat einmal ein Rundfunkkommentator vorgeschlagen (den Namen habe ich verges­sen), daß zur Vermeidung eines Krieges alle Firmen, die Kriegswerk­zeuge herstellen und herstellen können, dazu jedoch zu Selbst­kosten­preisen, also ohne jegli­chen Gewinn verpflich­tet werden müßten, nachdem es ja auch die Wehrpflicht in vielen Ländern gibt. Da werden junge Männer zum Kriegsdienst gezwungen auch praktisch ohne Verdienstmöglich­keit. Da es sich meistens um Firmen handelt, die eine enorme wirtschaftliche Macht haben, also viel Geld, würden sie alles in die Werbung stecken, um nachzu­weisen, daß Konflikte mit militäri­schen Mitteln nicht zu lösen seien, ja sogar Lösungen aufzeigen, wie solche Konflikte tat­säch­lich auf dem Verhand­lungs­wege ausgeräumt werden könnten.

 

Gar kein schlechter Vorschlag oder?

 

Am Gewinn mißt der Unternehmer seinen einzelwirtschaftli­chen Erfolg, also pro Produkt. Der Gewinn beherrscht und kon­trol­liert das Produktionsgeschehen. Der Unternehmer muß also stän­dig den Markt, die Absatzmöglichkeiten im Auge behalten. Be­steht ausrei­chend Konkurrenz, so sind auch die Konkurrenz­akti­vitäten zu beob­achten, deren Produktauf­machung, was mit der Verpackung bereits beginnt, ob käuferanziehend oder weni­ger. Die Preisgestaltung wird er weitgehend nach der Nachfrage orientieren.

 

Tritt eine Marktsättigung für ein bestimmtes Produkt ein oder tummeln sich zu viele Konkur­renten auf dem Markt, so ist besondere Vorsicht geboten. Da sind die Gründe zu erforschen, warum die ersten Konkurrenten ausgeschieden sind, weil sie wahr­scheinlich das Produkt nicht mehr kostendeckend anbieten konnten. Bei Marktsättigung kann auch die Preisreduzierung knapp an die Kostendeckungsgrenze den Umsatz nicht mehr garan­tieren.

 

Der Produzent gerät in die „Verlustzone“ und irgendwann laufen die Gläubiger zusammen (Konkurs). Die Firma wird ge­zwungen, ihre Aktivitäten einzustellen, und das Inventar kommt unter den Hammer (wird versteigert, wobei der Versteigerer dem Meistbietenden mit einem Schlag vermittels eines kleines Ham­mers den angebotenen Gegenstand als nun ihm gehörend anzeigt).

 

Ein Konkurs (eine Pleite) läuft folgendermaßen ab: Ein Gläu­biger (die Bank, das Finanzamt, eine Versicherung, ein Zulieferant) bekommt kein Geld mehr, mahnt, setzt einen letzten Termin zur Zahlung, bekommt immer noch nichts. Er beantragt ein Konkursverfahren beim Konkurs­gericht. Das muß eigentlich der Schuldner (also der Firmenverantwortliche) selbst beantra­gen, wenn er genau weiß, daß er zahlungsunfähig und überschul­det ist (also mehr Schulden als Ver­mögen hat. Das sagt ihm die „ordnungsgemäß zu führende“ Buchhaltung). Sonst kann ihm pas­sieren, daß er wegen betrügerischen Konkurses eingebuchtet wird. (Er wird es in der Regel dar­auf ankommen lassen.) Das Vermögen, das er noch hat, wird als Kon­kurs­masse bezeichnet. Doch wird er klugerweise längst einiges auf seine Ehe­frau oder sonst jemanden übertragen (geschenkt) haben. Dabei ist  jedoch zu beachten, daß diese Übertragung oder wie man es nennt, mindestens vor zwei Jahren zum Stich­tag der Konkurseröffnung erfolgt sein muß (um korrekt zu sein - allerdings nur ein Jahr bei einer nicht-{Ehe-}Frau).

 

Ist diese Konkursmasse ausreichend zum Bezahlen ei­nes, dem Gericht unterstehenden Konkursverwalters (meistens ein Rechtsanwalt, der ja zur Gruppe der Alleskönner gehört – ohne Verantwortung), wickelt der den Konkurs ab, macht zuerst eine Inventur, hält also alles wertmäßig fest, was vor­handen ist. Dann stellt er eine Rangliste zum Bezahlen der Schulden auf. Zuerst müssen ausstehende Löhn und Gehälter, dann Steuer­schulden „befriedigt“ werden. Die Rangliste geht weiter: For­derungen von Kirchen und Schu­len, danach Heil­kosten, gefolgt von Forderungen von Kindern, „Mündeln“ und „Pflegebefohlenen“. (Die Kirchen stehen immerhin als Dritte im Rang, nicht schlecht.) Was dann noch übrig bleibt, wenn überhaupt, bekom­men die übri­gen Gläubiger, die sich beim Konkurs­gericht in eine Konkursta­belle eingetragen haben, allerdings erst einmal in Form einer Ab­schlagsverteilung. Dann schaut der Konkursver­walter noch einmal nach, ob für ihn selbst genug Geld geblie­ben ist (denn er kann ja nicht umsonst arbeiten; sonst macht er Schluß). Ist noch ein wenig da, geht es um die Ab­schlußver­teilung, für die Konkursquoten festgelegt bzw. be­rechnet wer­den. Das war's; ach so – noch nicht ganz: Da muß noch ein Beschluß des Konkurs­gerichtes veröffentlicht werden.

 

Nach einer Veröffentlichung von „Wirtschaft und Statistik“ aus dem Jahre 1986, sah die Lage in der „alten“ Bundesrepublik Deutschland so aus (wie fast gewohnt auf der nächsten Seite):

 

   Jahr

Konkurse

 davon:

 

    

       

eröffnet

abgelehnt (weil kaum Masse vorhanden)

  1970

  3 943

 2 081

  1 862              =    47%

  1975

  8 942

 3 056

  5 886              =    66%

  1980

  9 059

 2 420

  6 639              =    72%

  1983

15 999

 3 747

12 252              =    77%

  1985

18 804

 4 292

14 512              =    77,2%

 

Aus dieser Tabelle sieht man, daß die vom Konkurs betroffe­nen Firmen es mehr und mehr darauf ankommen lassen und sich nicht darum kümmern, ob da gemachte Schulden bezahlt werden können. (Diese Zahlen sind ein eindeutiges Anzeichen für sin­kende Ehrenhaftigkeit im Wirtschaftsleben. Es würde mich interessieren, wie viele also wegen betrügerischem Konkurs einge­locht worden sind.)

 

Oft verfälscht der Staat die freie Wettbewerbssituation, indem er besonders bei Unternehmen oder bei ganzen Unterneh­menszweigen (Kohle, Stahl, Landwirtschaft) mit hoher Beschäf­tigungszahl eingreift, was den schleichenden Tod der sich in Schwierigkeiten befindlichen Be­triebe in der Regel nur verlän­gert, insbesondere weil sich der oder die Unternehmer nun über­haupt kaum noch um eine notwendige Anpassung oder Umstel­lung auf die veränderte Markt­situation kümmern. Da springt der Staat ein mit:

 

- Bürgschaften,

- Preis- und Absatzgarantien (Landwirtschaft),

- Verlustübernahmen,

- billigen Krediten und Subventionen (z.B. für den sozialen Woh­nungsbau oder verbilligtem Kraftstoff für die landwirt­schaftli­chen Traktoren),

- Schutzzöllen,

- Lieferaufträgen,

- Beteiligungen,

- Übernahme von Produktionsfolgekosten, wie Gesundheits- und Umweltschäden, deren Milde­rung oder Beseitigung aus der Staats­kasse finanziert werden,

- Prämien für Betriebsstill-Legungen (Landwirtschaft),

- Prämien an ausländische Arbeitnehmer, damit sie wieder in ihre Heimat verschwinden,

- Prämien für Schlachtungen, dann wieder für Tieraufzucht,

- Prämien für Nichtbenutzung von landwirtschaftlicher Nut­zungsfläche,

- Prämien für hundert andere Dinge (Exportprämien usw.),

- Zusatzsteuern (z.B. „Kohlepfennig“, damit die deutsche Steinkohle gegenüber dem Öl konkur­rieren kann).

 

Weitere Eingriffe oder Unterlassungen des Staates, die eine Wettbewerbsverzerrung (zumindest international) hervorru­fen, sind:

 

- Gestatten von marktbeherrschenden Unternehmenszusammen­schlüs­sen,

- Zulassung von Monopolgesellschaften (Stromversorgungsunter­neh­men, Post, Verkehrs­betriebe) mit festgesetzten Preisen,

- Festsetzung von Höchst- und Mindestpreisen oder Preisstopp,

- Festsetzung von Mindestlöhnen oder Lohnstopp.

 

Wenn schon freie Marktwirtschaft, dann sollte sich der Staat zurückhalten, ist die fast über­einstimmende Meinung der Wirt­schaftsfachleute (sonst gibt es ein Schrecken ohne Ende).

 

An dieser Stelle ist kurz der Begriff Kartell zu erwähnen, der (vertragliche) Zusammenschluss von Unternehmen (meistens gleicher Firmenziele), die rechtlich und wirtschaftlich weitgehend selbstständig bleiben. Damit soll der Wettbewerb auf einem Markt ganz oder teilweise ausgeschaltet werden. Nicht vertraglich geregelte, mündliche Absprachen über Verhaltenskoordinierung werden als Bierthekenkartell bezeichnet.
 

Natürlich hat der Staat die Aufgabe, beispielsweise dafür zu sorgen, daß

 

- das Geld stabil bleibt,

- keine Billigarbeitskräfte „schwarz“ beschäftigt werden ohne soziale Absicherung und mit Steuerausfällen für den Staat,

- Gesundheits- und Umweltschäden vermieden werden, indem end­lich das Verursacherprinzip durchgesetzt wird, wonach eben der Ver­ursacher für Folgekosten aufzukommen hat,

- Sicherheit an einem humanen Arbeitsplatz besteht,

- der Wettbewerb garantiert ist usw.

 

b) Konjunktur und Wirtschaftspolitik

 

  Da sollte zuerst etwas weiter ausgeholt werden, und im Rah­men der staatlichen Wirt­schaftspolitik wären folgende Begriffe zu erläutern:

 

Das magische Vieleck

 

Die Wirtschaftspolitik des Staates hat zum Ziel, Vollbe­schäftigung zu erreichen, das Geld stabil zu halten und zu einem außenwirtschaftlichen Gleichgewicht zu kommen (Einfuhr etwa gleich oder besser etwas kleiner als Ausfuhr). Diese 3 Dinge werden als „magisches Dreieck“ bezeichnet. Kommt nun noch ein angemessenes und stetiges Wirtschaftswachstum dazu bei gerechter Einkommens- und Vermögensverteilung, so wird vom „magischen Fünfeck“ gespro­chen.

 Am nebenstehenden Bild kann leicht erklärt werden, daß die Elemente: schön in der Mitte der Vielecke liegen sollten, um gegeneinan­der ausgewogen zu sein. Be­kommt eine Ecke mehr Ge­wicht, sind die übrigen Elemente benachteiligt; denn wir ent­fernen uns von ihnen.

 

Nur in der Mitte der Drei- bzw. Fünfecke haben wir die ideale Stabili­tät, ideale Ausgewogenheit.

 

Das alles wird als „magisch“ bezeichnet, weil da etwas er­reicht werden soll, was eigentlich allen naturwissenschaftli­chen Gesetzen widerspricht und irrational ist (Definition der Magie). Also können auch die Ziele des „magischen Fünfecks“ nie vollständig erreicht werden. Gelingt das eine oder andere, hapert es bei den übrigen, was ja die Praxis zeigt.

 

Die Konjunktur, „die sich aus der Verbindung (lateinisch conjungere = verbinden) ver­schiedener Erscheinungen ergebende Lage“, ist Schwankungen unterworfen, wie Wirtschafts­wissen­schaftler herausgefunden haben (Konjunkturzyklen).

 

Also als Konjunktur wird das Zusammenwirken "sämtlicher ökonomischer Bewegungsvorgänge zu einer von ihrer Richtung und Intensität bestimmten wirtschaftlichen Gesamtlage" bezeichnet:


1. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff Konjunktur als Aufschwung bzw. Aufschwungphase verwendet.

2. In der Konjunkturtheorie wird der Konjunktur-Begriff verwendet, um die Existenz von zyklischen Bewegungen anzuzeigen und die wirtschaftliche Lage eines Sektors oder der gesamten Wirtschaft im Verlauf eines solchen Zyklus zu beschreiben. Die Konjunkturtheorie ist bestrebt, Erklärungsansätze für die Existenz von Konjunktur-Zyklen zu liefern.

3. die Konjunkturpolitik ist die Gesamtheit aller wirtschaftspolitischen Maßnahmen zur Dämpfung der (theoretisch unvermeidbaren) Konjunkturschwankungen. In diesem Zusammenhang muß man die Konjunkturausgleichsrücklage bei der Deutschen Bandesbank erwähnen. Weitere Stichworte sind: .Mengenkonjunktur, Preiskonjunktur, Konjunkturbarometer (Verfahren zur Vorhersage des konjunkturellen Verlaufs als Ergebnis der Konjunkturforschung), Konjunkturdiagnose (Bestimmung des Ist-Zustandes), Konjunkturdienst (wirtschaftliche Berichterstattung), Konjunkturindikatoren, Konjunkturkartelle (über Kartellgesetz - Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen sollen künstlich herbeigeführte Schwankungen vermieden werden), Konjunkturpolitik und, und, und.
 

Da sei mal eine Gleichung untersucht, nach der das Volksein­kommen (VE) abhängt von:

 

- privatem Verbrauch (Verb),

- den Realausgaben des Staates (Aus), - den Nettoinvestitionen (Inv),

- der Ausfuhr (Exp) und

- der Einfuhr (Imp).

 

Der Zusammenhang ist wie folgt gegeben:

VE = Verb + Aus + Inv + (Exp - Imp)

 

Das Volkseinkommen (VE) steigt, wenn die Variablen: privater Verbrauch (Verb), Realaus­gaben des Staates (Aus), Nettoin­vestitionen (Inv) einzeln oder insgesamt hoch sind und dazu noch ein Exportüberschuß erzielt wird (Export weniger Import größer Null). Sinkt der private Verbrauch oder wird mehr im­portiert als exportiert, geht das Volkseinkommen zurück. So eignet sich die Formel zum Spielen (zur Simulation).

 

Da gibt es für die Konjunktur kleine Schwankungen im Rhyth­mus von etwas mehr als 3 Jah­ren (40 Monaten), etwas größere alle 7 bis 10 Jahre und ganz große alle 50 bis 60 Jahre.

 

Klei­ne Schwankung (Kitchin-Wellen) bedeuten: Der Wirtschaft geht es gut, 3 Jahre ein bißchen gut und dann genau so lange nicht mehr ganz so gut.

 

Bei den größeren Schwankungen (Juglar-Wellen) geht es der Wirtschaft recht merklich gut, um die sieben bis zehn Jahre lang, und dann von etwa der gleichen Dauer recht mies.

 

Aber die lang­fristigen Schwankun­gen (Kondratjeff-Wellen) sind fast kata­stro­phal: erst so etwa 28 Jahre sehr gut, aber dann um die 28 Jahre ganz-ganz schlecht. Nun überlagern sich die Wellen zu einer Summe. Das Bild soll das mal zeigen, wobei die Schwingungsweiten (Amplituden) nach oberhalb der Jahreszahlenlinie: das Wohlergehen der Wirtschaft und  nach unten: die Magerzeit bedeuten:

 

  Kitchin, Juglar und Kondratjeff (1930 nach Sibirien verbannt, was er nur ein paar Wochen überlebt hat) sind die Namen der Wirtschaftsfachleute, die das alles herausgefunden haben. (Steht ja alles nochmal im Bild selbst.)

 

  Da gibt es einige Theorien (oder eher Hypothesen, also An­nahmen, denn be­wiesen ist nichts), die diese Schwankungen erklären sollen, z. B. die von Karl Marx, nach der die Profit­rate fällt, nachdem der Konsum der Arbeiter sinkt. Die Unter­nehmer wollen diesem Ge­winn­verlust dadurch begegnen, daß sie noch mehr auf den Markt werfen (Warenakkumulation), also ein Über­angebot der Produkte schaffen, schließlich den Markt zu­stopfen.

 

Kommentar:   Meiner Meinung nach sind die Konjunkturschwankungen aber nichts anderes als die aus der Technik bekann­ten Regelschwin­gungen. Da läuft die Konjunktur auf vollen Touren, die Unter­nehmer investieren und produzieren. Nur die beginnende Markt­sättigung kann sie bremsen. Aber die Unternehmer haben das nicht so rich­tig gemerkt und reagieren nicht. Sie lassen die Produktion schön weiterlaufen. Dann stoppen sie zu spät, wer­fen die Arbeiter raus, die damit kein Geld mehr haben, etwas zu kaufen. Es geht weiter bergab. Dann ent­decken Unternehmer neue Marktlücken und wagen sich an die Produktion, stellen die Ar­beiter wieder ein, die auch wieder kaufen können, und es geht langsam und dann schneller berg­auf. Die verschiedenen Zyklen können sicher branchenspezi­fisch erklärt werden. Jeder hat z. B. ein Fernseh­gerät und ein Radio. Der Markt ist voll. Dann wer­den neue Systeme mit viel besserer Qualität erfun­den: Wie zur Zeit die digitale Über­tragung der Fernsehbilder und der Hörfunkfre­quenzen, womit Übertragungs­schwankungen vermie­den werden können und ein viel breiteres Wellensprektrum uns ins Haus kommt. Die Bilder sind klarer und der Ton natürli­cher. Also kann bald eine Neuproduktion wieder losgehen. Die alten Geräte landen im Schrott.)

 

Es ist aber nicht Ziel dieses Buches, sich im Ein­zelnen über die Konjunk­turzyklen ausführlich auszu­lassen, obwohl diese Zyklen eine wichtige Rolle spielen. Zyklen können beeinflußt werden dadurch,  welche Sorgen bei den Menschen vorrangig sind oder ob wieder einmal Wirtschaftsweise vom Konjunkturaufschwung oder von einer drohenden Flaute reden, um zum Beispiel Lohnforderungen abzubiegen. (Diese Zyklusschwankungen folgen oft dem Gesetz der "self-full-filling prophecy" - sich selbst erfüllende Vorhersage).

 

Etwas ganz anderes: Geht es uns schlecht, dann den­ken wir nicht daran, billige Warenangebote nur deshalb nicht zu kaufen (zu boy­kottieren), weil sie das Ergebnis von Kinderarbeit sind. Da werden vor allem die Eier gekauft, die aus den Hühnerkonzentrationslägern stammen. Marx - eigent­lich schon ein sehr kluger Kopf - hat mal gesagt, daß Sozialismus ein Luxus ist. Nur wenn es uns ausreichend gut geht, denken wir nicht nur an uns selbst, sondern vielleicht auch ein wenig über unsere hinaus. (Ist aber nur ein Wunschgedanke. Sonst müßten die Superreichen die besten sozial Denkenden sein.)

 


Die Konjunkturpolitik versucht, den Konjunkturzyklen gegen­zusteuern und sie zu dämp­fen, indem der Staat beispielsweise bei Hochkonjunk­tur seine eigenen Ausgaben mindert, die Zinsen heraufsetzt, um weitere Investitionen zu erschweren und das alles umgekehrt bei einer Flaute.

 

Kommentar:  Da aber der Staat auch träge ist, seine Politiker erst ein­mal wild diskutieren, greift er meistens zu spät ein. Es gibt aus der Technik bekannte Möglichkeiten und Formeln, nach denen die Regelschwingung gut beherrscht werden kann. (Die Politiker wissen das nicht.)

 


Ein weiteres Bild soll die Möglichkeiten der Konjunktursteue­rung aufzeigen:

 

Zur Dämpfung von Konjunkturschwankungen, genauer gesagt zur Verhinderung einer wirtschaftlichen Talfahrt, gibt es in der Bundesrepublik Deutschland das Gesetz zur Förderung der Stabi­lität und des Wachstums der Wirtschaft, kurz Stabilitätsgesetz genannt (StabG von 1967).

 

Das wichtigste Mittel im Rahmen dieses Gesetzes ist die Kon­junkturausgleichsrücklage. Damit kann Geld in die Wirtschaft fließen, um ein Abwärts zu bremsen.

 

Das Stabilitätsgesetz versucht das „magische Vieleck“ zu optimieren, z.B. durch die „konzertierte Aktion“, das Aufeinan­derabstimmen der Interessen der Gewerkschaften, der Unterneh­merverbände und anderer Körperschaften. Doch genug damit. (Das Beispiel ist nur erwähnt worden, um zu zeigen, daß auch in einem kapitalistischen System Ansätze vorhanden sind, die „Klassengegensätze“ aufeinander abzustimmen.)

 

c) Geldwirtschaft

 

„Über Geld spricht man nicht. Das hat man!“ wird gesagt. Aber dennoch müssen wir mal dar­über reden; denn es spielt ja eine bedeutungsvolle Rolle in unserem Leben, und „Geld ist nicht Geld“, d.h. in anderen Ländern hat unser europäisches Geld einen anderen Wert zum Beispiel. Da kosten in Syrien ein Kilo des besten Fisches umgerechnet „nur“ 7 Deutsche Mark und ein Ei weniger als 10 Pfennige, ein paar Schuhe von annehmbarer Qualität zwischen 10 und 20 Mark, eine Dose Katzenfutter jedoch 2 Mark und 80 Pfennige. Ein syrischer Professor bekommt etwa 250 Deutsche Mark im Monat und kann davon kaum leben, muß sich also eine Nebenbeschäfti­gung suchen.

 

Geld oder zur Zeit des althochdeutschen „gelt“ bedeutet „Zahlung, Vergütung“ (Entgelt), ist ein Tauschmittel gegen jegliche Ware (sogar im „Freudenhaus“) und in diesem Sinne heute allgemein anerkannt, obwohl man in Afrika immer noch in manchen Bereichen Ware gegen Ware tauscht, z. B. sich eine Frau vermit­teln läßt, die dann mit Ziegen, Schafen oder Rindern bezahlt wird. (Doch Bargeld, vor allem Devisen werden auch gerne angenommen heutzutage.)

 

Geld ist ein gesetzliches Zahlungsmittel geworden und dient als Recheneinheit, womit eine Ware bemessen wird: Eine Schachtel Zigaretten 4 Mark und 2 Schachteln also folglich 8. (Da gibt’s noch keinen Mengenrabatt.)

 

Ich wollte einmal in Kenia einem Händler 10 Schächtelchen dieser Sargnägel abkaufen. Er begann zu rechnen: 1 Schachtel soundso viel (ich glaube 2 Schillinge), 2 Schachteln das Dop­pelte, 4 Schachteln davon das Doppelte, 8 Schachteln noch mal Verdopplung des Preises. Nun blieben 2 Schachteln übrig. Er war nicht in der Lage, nun den Endpreis zu bestimmen. Meine Rechnerei, einfach mal zehn, war ihm völlig undurchsichtig. Ich verzichtete auf die beiden Schachteln. Nun hatte er Pro­bleme, mir das Wechselgeld rauszugeben; denn ich hatte ihm (wahrscheinlich) eine Zwanzig-Schilling-Banknote hingehalten. Schließlich bin ich davon ge­gangen, nachdem ich ihm 20 Prozent Trinkgeld hinterlassen hatte, wodurch er sich aber in seiner Ehre gekränkt fühlte.

 

Ohne die normierte Recheneinheit wäre eine Kostenkalkulation nicht möglich, z. B. für ein Radio:

   x Widerstände zu a Pfen­nige

       + y Kondensatoren zu b Pfennige

       + z Transistoren zu c Pfennigen usw.

       + n Arbeitsminuten zu m Mark ergibt Herstel­lungspreis

       + Verpackung

       + Transport

       + Verwaltungskosten

       + Gewinn

   + Händlerkosten und -gewinn ... Das müssen wir dann bezahlen, wenn wir das Gerät haben wollen. (Oh, die Umsatzsteuer habe ich vergessen.)

 

Geld ist auch ein Wertspeichermittel, das man aufbewahren kann, um es zu irgend einem Zeitpunkt gegen Ware zu tauschen.

 

Nun gibt es heutzutage viele Arten von Geldmitteln und Zahlungsmitteln bzw. Zahlungsmöglichkeiten: Das Bargeld, die Schecks, die Kreditkarten, Reiseschecks und vieles mehr.

 

Dann gibt es Währungseinheiten: Mark, Schillinge, Pfund, Franken, Lire, Gulden, Rubel, Drachmen, Peseten, Dollar (eine Wortprägung der Schwaben oder Sachsen, die Taler als Dollar aussprachen). Die Umwandlung von einer Währung in eine andere ist schon schwierig; denn die Wechselkurse schwanken je nach „Volkseinkommen“, oft von einem Tag zum anderen.

 

Alles, was mit Geld zusammenhängt, ist mit den Geldtheorien erklärt.

 

Die Geldpolitik ist für die Maßnahmen verantwortlich, die das Geldvolumen (Geldmenge) und die Zinsen beeinflussen und kontrollieren. In Deutschland macht das die (von den übri­gen Regierungsorganen unabhängige) Bundesbank, in anderen Ländern die Zentralbanken mehr oder weniger direkt. Die Bun­desbank muß Mindestreserven für schlechte Zeiten halten, die bei ihr unverzinslich von den Kreditinstituten gelagert wer­den. Sie macht die Diskontpolitik und beeinflußt manchmal sogar die Wechsel­kurse (z.B. durch Aufkauf und Abstoßen von Fremdwährung).

 

Schauen wir uns einmal an, wieviel Geld Deutschland in Jahre 1987 hatte

 und wo es war (was nichts mit Vermögen und Warenwerten zu tun hat):

 

 Über die Diskontpolitik (im Rahmen der Stabilitätspolitik) steht der Bundesbank ein wichtiges Steuerungsmittel zur Beeinflussung der Wirtschaft zur Verfügung. Sie legt den Diskontsatz (die Leitzinsen) und die Höhe des den Banken einge­räumten Diskontkredits fest, womit die der Wirtschaft zur Verfügung stehende Geldmenge beeinflußt wird. Hoher Diskont­satz und Beschränkung des Diskontkredits verteuert die Kredi­te. Es wird weniger investiert und weniger auf Pump gekauft. Vermindert die Bundesbank den Diskontsatz und lockert sie die Kreditbeschränkungen, bekommen die Bürger Mut zu kaufen. Die Konjunktur wird „angeheizt“.

 

Der Diskont (aus dem Lateinischen „discomputare“, also „ab­rechnen, abziehen“) ist der bei einem Verkauf vom Nominalwert (Nennwert) abgezogene Zinssatz, wenn die Forderung erst zu einem späteren Zeitpunkt fällig wird. Das Diskontgeschäft der Banken betrifft vor allem den Ankauf von Handelswechseln, unverzinslichen Schatzanweisungen und Währungsschecks.

 

Wenn erforderlich, kann auch neues Geld gedruckt werden, z.B. wegen inflationärem Geldwertverlust, also Sinken der Kaufkraft des Geldes.

 

Doch ehe wir die Inflation erklären können, sollten wir erst noch den Begriff der Geld­chöpfung definieren. Danach kann durch die Zentralbanken (in Deutschland: durch die Bundes­bank), durch den Staat und die Privatbanken zusätzliches Geld beschafft werden in Form von Buchgeld. Das ist Geld, was nir­gends wirklich existiert, weder in einem Tresor noch im Geld­beutel.

 

Das Buchgeld (auch Giralgeld genannt, eher ein italienischer Begriff) ist ein Guthaben bei einem Kreditinstitut, über das der Inhaber des Guthabens verfügen kann. Er kann davon Über­weisungen auf ein anderes Konto machen oder einen Scheck aus­stellen, was also bargeldloser Zahlungsverkehr genannt wird. Da jedoch Buchgeld (Giralgeld) jederzeit auch in Bargeld umge­wandelt werden kann, muß die Bank über entsprechende Mindest­reserven an Bargeld verfü­gen, d.h. Liquiditätsvorsorge (zum „Geldflüssigmachen“) tref­fen.

 

Viele Leute haben heute einen Überziehungskredit, ein typi­scher Fall von Geldschöpfung; denn es steht mehr Geld zur Verfügung als der „Buchgeldinhaber“ eigentlich hat, also eine Aus­gabemöglichkeit über sein Einkommen hinaus. Er kann es nutzen oder auch nicht. Jedenfalls hat er ein zusätzliches „Polster“. Für ihn ist zusätzliches Geld „geschöpft“ worden.

 

Die Kreditmöglichkeit, die Geldschöpfung ist nicht unbedingt gleich einem normalen Kredit, der für bestimmte Zwecke ge­braucht wird: Hauskauf, Autoanschaffung, Produktionsmaschinen. Da gibt die Bank das Geld und nimmt als Sicherheit eben das Haus, das Auto usw. Sie hat die Wertgegenstände eigentlich für den Kunden erworben (finanziert), der für diese „Dienstlei­stung“ natürlich  bezahlen muß (Zinsen), und wenn er nicht zahlen kann, ja dann verkauft oder versteigert die Bank den Gegenstand an wen auch immer.

 

Wird das „geschöpfte“ Geld zurückgezahlt und auf eine weite­re Inanspruchnahme verzichtet, sprechen die Finanzfachleute fol­gerichtig von Geldvernichtung. Denn die Geldschöpfung ist gegenstandslos geworden.

 

d) Inflation (Geldentwertung)

 

Unter Inflation versteht man eine mehr oder weniger starke Preissteigerung. Alles wird teu­rer. Dabei wird unterschieden zwischen:

 

- schleichender und

 

- galoppierender oder trabender Inflation (bei über 20% jähr­licher Preissteigerung).

 

- Zurückgeschraubte Inflation durch staatliche Zwangmaßnahmen verhindert zwar, oberflächlich gesehen, die Preissteigerung, kann sogar eine Preisminderung bewirken. Da die staatlichen Eingriffe jedoch nur an den Symptomen rumdoktoren und nicht die Ursachen wirklich bekämpfen, ist entweder der Erfolg nur vorübergehend oder es bildet sich ein Schwarzer Markt, was in der Regel in allen Ländern mit starker Einflußnahme des Staates auf die Wirtschaft beobachtet werden kann (in fast allen Entwicklungsländern mit schwarzen Märkten für die Wohlhaben­den).

 

Eine der Ursachen der Inflation wird in einem Übergewicht der Nachfrage (Einkommenstheorie) über das Warenangebot gese­hen durch übermäßige Bereitstellung der Geldmenge (Geldschöp­fung) des Staates, was den Banken Kreditgewährung ermöglicht, um dem Käufer zu ermöglichen, sich etwas zu leisten, was er sich eigentlich nicht leisten kann. Autos, Häuser, alle recht teuren Güter werden ja in der Regel auf Pump gekauft. Die Banken sind manchmal recht großzügig mit „Anschaffungskredi­ten“. Da in der freien Marktwirtschaft die Nachfrage den Preis bestimmt (und umgekehrt), ziehen bei überhöhter Nachfrage die Preise an.

 

Da wird weiter unterschieden zwischen der vom Produzenten verursachten Angebotsinflation (meistens auf grund einer Kosteninflation), der bereits erwähnten Nachfrageinflation und der Einkommensinflation, wobei leicht einzusehen ist, daß alle irgendwie zusammenhängen. Da die Lohnkosten steigen, steigen die Preise (Angebotsinflation). Da das erzielte Ein­kommen ge­wachsen ist (Einkommensinflation), vergrößert sich die Nachfrage (Nachfrageinflation). Das ist jedoch eine ver­einfachte Argumentation der Produzenten; denn der ursächliche Zusammenhang ist in der Regel umgekehrt: Die Preise sind ge­stiegen. Die Löhne und Gehälter sollten angepaßt werden. Das ist dann die Gegenargumentation der Gewerkschaften.

 

Doch wie alles, ist dieser Zusammenhang viel komplexer und soll weiter unten noch einmal beleuchtet werden.

 

Eine wichtige Rolle spielt mehr und mehr die importierte Inflation wegen der internationalen Verflechtungen. Dabei ist besonders hervorzuheben, daß es ein riesiges Wirtschaftsgefäl­le, ja oft Wirtschaftssystemgefälle, insbesondere Lohn- und Einkommensgefälle zwischen Industriena­tionen und den übrigen Ländern gibt, was einen unbeschreiblichen Einfluß auf die Produktions­kosten hat.

 

Ferner wird unterschieden zwischen vorübergehender und chronischer Inflation.

 

Nachdem ein ständiger Preisanstieg überall auf der Welt zu verzeichnen ist bei nachhinken­dem Lohn- und Einkommensanstieg (vor allem in Ländern mit „billiger“ Arbeitskraft), geht die Kaufkraft zurück. Es kann nicht mehr soviel produziert werden. Damit werden Arbeitskräfte eingespart mit einem weiteren Kauf­kraftverlust. Die Wirtschaft gerät in eine Stagnation, ins Stocken und kommt zum Stillstand (das bedeutet das Wort „Stagnation“). Die Stagnation als Verbin­dung von Inflation mit hoher oder sogar steigender Arbeitslo­sigkeit wird gerne als die „englische Krankheit bezeichnet“, da sie in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zuerst in Großbritannien und dann den USA beobachtet wurde. Inzwischen sind alle Industrienationen davon infiziert (bereits chro­nisch).

 

Die Auswirkungen der Inflation sind unterschiedlich:

 

- Am meisten betroffen sind diejenigen, die auf Konsumgüter ständig angewiesen sind und sich keine Vermögenswerte schaf­fen können, also die „armen Leute“. In der Regel wird ihr Ein­kommen erst viel später angepaßt, wenn überhaupt, nachdem die Konsumgüter sich verteuert haben. Sie erleiden einen Kaufkraftverlust.

 

Der Unternehmer profitiert davon, weil die Arbeitskraft billiger geworden ist. (Langfristig schlägt er sich jedoch ins eigene Gesicht, weil er wegen der gesunkenen Kaufkraft seine Pro­dukte nicht mehr loswird.)

 

- Besitzer von Sachwerten, also Grundstücken und Produktions­mitteln sind nicht betroffen, da ihre Werte meistens sogar unverhältnismäßig steigen, z. B.

 

1 ha landwirtschaftlichen Bodens (10 Tausend Quadratmeter) kostete im Durchschnitt in der „alten“ Bundesrepublik Deutschland:

 

                 1975      17.193 DM

                 1990      33.639 DM  (fast eine Verdoppelung in 15 Jahren)

 

1 Quadratmeter Bauland im Durchschnitt 1991:      1. Vierteljahr 87,29 DM

                                                                             4. Vierteljahr 95,41 DM (Steigerung um 9,3%).

 

Kommentar:          Ich meine, daß die Ursachen der Inflation weitge­hend in der in­ternationalen wirtschaftlichen Verflechtung zu sehen sind. Der Konsument will alles nur zum mög­lichst billigen Preis haben. Er kauft Hemden, die von Billigstarbeiterinnen in Asien hergestellt werden. Der Produktionszweig, die Tex­tilindustrie in den Indu­strienatio­nen ging Pleite und ist weg vom Fenster.

 

Der Konsument kauft von Kindern geknüpfte Teppiche aus Indien. Nur billig müs­sen sie sein, egal ob da Kinder 10 bis 12 Stunden am Tag für ein paar Groschen in einer Hundehütte eingesperrt für ihn gewerkelt haben. (Indien ist ja weit genug weg. Das berührt den Konsumenten nicht.)

 

So geht es auf vielen Märkten: Da kommen die Wurst­konserven aus der vom ehemaligen Bayrischen Mini­sterpräsidenten F. J. Strauß in Togo errichteten Fabrik wesentlich kostengünstiger nach Europa als sie eben in diesem Europa hergestellt werden können.

 

Es sei aber gesagt, daß die Arbeiterinnen und die Arbeiter in den asiatischen Hem­denfabriken und in der Strauß'schen Wurstfabrik die in ihren Fabriken hergestellten Produkte nicht kaufen können. So viel verdienen sie gar nicht. Sie können kaum zum Wirt­schaftsprozeß beisteuern.

 

Nun wird in den Industrienationen versucht, das Lohnniveau zu drücken, möglichst auf Entwicklungs­landsniveau, damit die Produktionskosten gesenkt und die Kon­kurrenzfähigkeit gesteigert werden kön­nen. Für wen denn nun, etwa die unter­bezahlten Arbeiter, das wachsende Herr der Arbeitslosen?

 

Dieses kurzfristige Denken und die kurzsichtige Profitgier ruinieren die Wirtschaft vollkommen. Die freie Marktwirtschaft wirtschaftet sich ihrem Ende entgegen. (Ich würde gerne sagen: Gott sei Dank! Aber das noch ein Weilchen dauern und noch sehr viel Schaden anrichten.)

 

Der freie Welthandel, der prinzipiell sicher sehr zu begrüßen ist, dürfte dann aber nicht nur eine Einbahnstraße sein.

 

Viele Entwicklungsländer mit Zwangswirt­schaft, mit Devisenbeschränkungen, Einfuhrverboten, Lohn- und Preiskontrollen, galoppierender Inflation, totaler Ab­schöpfung des Bruttosozialprodukts für Militär­ausgaben und Geheimdienst­aktivitäten, die keine Mittel für Investitionen übriglassen, zieht die Weltwirtschaft immer weiter nach unten.

 

e) Wirtschaftswachstum

 

Ich muß doch noch auf den verschwommenen Begriff des Wirtschaftswachstums eingehen, der ein gleichberechtigtes Ziel im „magischen Fünfeck“ (>hier<)ist.

 

Im Grunde genommen schadet der Wirtschaft insgesamt gesehen nicht, wenn Profit abge­schöpft wird, obwohl das oft behauptet wird. Der Profitkassierer hat nur die Kaufkraft zusätzlich zu dem, was sich sonst viele Menschen teilen müssen. Aus dem Profit werden vielleicht Lu­xusgegenstände, wie z. B. Schmuck, Bilder und andere Kunstge­genstände, zwar ohne realen Pro­duktwert gekauft, aber die Verkäufer bekommen Kaufkraft. Diese Kaufkraft wird anders ver­teilt. Wir können höch­stens von ungerech­ter Vertei­lung reden, aber nicht von Schwund. Geld verschwindet nicht. Doch Werte können sich ändern, z.B. durch Inflation (lateinisch "inflatio" =  Aufblähung [aber auch Entzündung]) ist ein Prozess der Geldentwertung mit der Folge eines Anstieg des Preisniveaus).

 

Einen Teil des Geldes kassiert der Staat, der dafür Rü­stungsgegen­stände kauft, der es einem Entwick­lungslandesin­haber schenkt, Subventionen* zahlt oder sonstwohin verschleudert. Dennoch, es bleibt schließlich alles im Wirtschaftskreislauf; denn auch der Inhaber eines Entwicklungslandes schafft das Geld zu einer Bank, die davon Gehälter ihrer Mitarbeiter bezahlt und es ausleiht, damit andere damit "arbeiten" können. Das Geld kreist. Selbst wenn die Zerstörer, die Beherrscher der Kriegskunst alles vernichten, dann ist das ein belebendes Geschäft (nicht einmal in Anführungszeichen). Die Zerstörung kostet Geld und der Wiederaufbau nicht minder.

* zweckgebundenes Geld an öffentliche Körperschaften, an Unternehmen oder Wirtschaftszweige, auch an private Haushalte (z.B. Sparförderung) ohne marktübliche Gegenleistung
 

Der in der Herstellung beschäftigte Arbeiter bekommt zwar nicht den "Reallohn". Er kann also nicht das, was er bekommt, in die Produkte umtauschen, die seine Firma herstellt. Der Gegenwert der Produkte ist viel höher als das, was nur er ausgezahlt bekommen hat, wie die nachfolgende Tabelle zur Kostenkalkulation zeigt. Wäre seine Firma also ausschließlich darauf angewiesen, daß die eigenen Mitarbeiter die hergestell­ten Produkte konsumieren, würde sie keinen Gewinn abwerfen, überhaupt nicht einmal die Gestehungs­kosten der Produkte decken können. Die Firma ist also darauf angewiesen, zusätzliche Käufer zu finden. Das sind dann diejenigen, die aktiv in der Firma selbst an der Produktion nicht beteiligt waren, aber die produzierenden Rohstoffzubereiter, die Transporteure, und diejeni­gen, die aus Steuergeldern be­zahlt werden, aus dem Profit profitieren usw., können auch die zu­sätzlich (zu einem Eigenbedarf) hergestellten Produkte kaufen.

 

Wirtschaftswachstum dient also nur dem Zweck, den individu­ellen Umsatz und damit den Profit durch mehr Pro­dukte zu erhöhen. (Das ist so, sollte aber nicht so sein.) Ein sich erhöhen­der Absatz kann jedoch nur dann garantiert werden, wenn immer mehr zusätzliche Käufer an den Wirtschafts­kreislauf herange­führt werden, ja werden müssen, sollte man besser sagen:

 

-    durch Erhöhung der Geburtenrate, d.h. Schaffung von noch mehr Käufern,

 

-    Herausnehmen von Menschen aus selbstgenügenden Wirt­schaftsformen (z.B. die später in Kapitel 4 beschriebene Subsistenzwirt­schaft (>hier<), bei der nur soviel der Natur entnommen wird, wie auch wieder zurückgegeben werden kann – was zum Beispiel alle Tiere machen.),

 

-    Beschäftigung von mehr Menschen, wodurch sich auch das Steueraufkommen und die Menge der Sozialabgaben sich vermehrt; also insgesamt Erhöhung der Kauf­kraft aller.

 

An dieser letzten Aufzählung sehen wir, warum Wirtschafts­wachstum von Wirtschaftsfachleuten als sinnvoll angenommen wird: Es erfor­dert stärkere Beteiligung an aktiver Produktion. Wachstum sollte ein gutes Anzeichen dafür sein, daß mehr Menschen an der industriellen Entwicklung teil­nehmen. Daher hängen Bestreben nach Vollbeschäftigung und Wirtschaftswachstum eng zusammen. So war das auch gemeint, als der Begriff des Wirtschaftswachstums sogar im das, im Grundgesetz verankerte Stabilitätsgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankert worden war.

 

Die freie Wirtschaft ist jedoch wie eine Pflanze, also un­koordiniert. Sie wächst um des Wachsens Willen (motiviert analog einer Profitgier). Sie ist aber nicht alleine im „Ökosystem“, und wenn sie zu sehr wuchert, muß sie beschnitten werden; denn Wirt­schaftswachstum bedeutet ja auch erhöhte Umweltbelastung, stärkere Versklavung von Mensch und Tier. (Wir haben gesehen, daß die Menschen im Arbeitsprozeß nicht unbedingt zufrieden sind. Immer mehr Tiere werden in den land­wirtschaftlichen Konzentrationslagern gehalten.)

 

Falls jedoch alle Menschen zu einem industriellen Wohlstand gebracht werden sollen (was ein wünschenswertes Ziel ist), dann muß tatsächlich die Wirtschaft, d.h. die industrielle Produktion noch ordentlich wachsen.

 

Nach dem derzeitigen Wirtschaftskonzept wachsen jedoch die Profite ins Unerträgliche, wo­von Luxusgüter beschafft werden, Luxusyachten, Paläste, Privatflugzeuge, die unverhältnis­mäßig die Rohstoffquellen ausschöpfen. Die Schere zwischen Profit­empfän­gern, d.h. ihrem Anwachsen der Kaufkraft und dem der wirkli­chen Produzenten, nämlich der Arbeitenden, wird immer größer. Eine Profitbegrenzung ist die einzige Möglichkeit zu einer gerechteren Wohl­standsverteilung und vor allem zu einem „vernünftigen“ Wirtschaftssystem.

 

Kommentar:    Da wird oft gesagt, daß die Profite von etwa 6 bis 10 Prozent den Braten nicht fett machen. Aber es geht auch um die gerechtere Entlohnung. Da verdient ein Doktor José Ignacio Lopez de Arriortua als „Kostenkiller“ bei der Volkswagen Aktiengesell­schaft etwa 10 Millionen pro Jahr (wahrscheinlich wegen eines gewissen kriminellen Potentials, nicht weil er geheime Dokumente von seinem früheren Ar­beitgeber geklaut haben soll, nein, weil er Zu­lie­ferer in die Pleite treibt.) Würde ein Einkommen, wie das des Herrn Lopez - auf eine Millionen begrenzt, können 9 Tausend Ar­beiter jährlich eine Prämie von je Tausend Mark bekommen. Die würden sich riesig freuen. Der Herr Doktor Lopez de Arriortua ist aber nur eine einzige Person im Vorstands- und Direk­torengestrüpp.

 

Ein Bild von ihm schadet wohl nichts

 (nicht unsympathisch oder?):

 

  

Nach einer Schätzung des deutschen Bundes der Steu­erzahler werden dem Staat zwischen 100 und 200 Milliarden Mark vorenthalten durch geschickte Mani­pula­tionen der Steuererklärungen. Daran sind be­stimmt die Arbeiter zu einem ganz geringen Teil beteiligt. Im Gegenteil. Sie kümmern sich um ihre Möglichkeiten nicht und zahlen daher sogar (nach­weislich) zu viel, als sie auf grund der Steuer­ge­setze müßten. Es wäre ja nichts gegen diese Steuerhinterziehungen einzuwen­den, wenn die ermöglichten zusätzlichen Ausgaben „sinnvoll“ gemacht werden würden (Privatschulen in einem Entwicklungsland z.B., die dann zum Ruhme der Spen­der deren Namen tragen sollten).

 

 

 

Wie wir im Diagramm links sehen, ist die Arbeitseffizienz gestiegen.

Das heißt aber, daß weniger Leute bei verkürzter Arbeitszeit ar­beiten.

 

 

 

Es sei eine Liste aufgestellt (wieder mal auf der nächsten Seite), die zeigt, was alles bei der Kalkulation eines Produktes zu berücksichtigen ist, um auf den Endpreis zu kommen.

 

Eine solche (grobe) Liste kann nicht vollständig sein, da sie auch von Produkt zu Produkt verschieden ausfallen wird.

 

Aus dieser Liste wird nicht erkennbar, wer auch immer an den Ko­sten zu einem Produkt beteiligt ist, wer von einer Produkther­stellung lebt. (Ich muß betonen, daß es sich  um Menschen han­delt, um Buchhalter, Lagerverwalter, Datenverarbeitungs­fachleute und nicht um von Robotern besetze Einrichtungen.)

P r o d u k t k a l k u l a t i o n :

 

Rohstoffe (Einkaufspreis, einschließlich Transport)

 

Produktionsmittel

- Maschinen, Gebäude

- Abschreibungen

- Energie (Strom, Wasser, Elektrizität, Öl, Gas usw.)

- Lohnkosten

·         direkte Produktionskosten

·         Ausfall bei Urlaub und Krankheit

·         Sozialversicherungsanteil

·         Qualitätskontrolle

- Transport- (Verteilungskosten)

 

Verwaltungskosten

- Finanzbuchhaltung

- Personalverwaltung (einschlich soziale Betreuung)

·         Lohn- und Gehaltsabrechung

·         Speisen und Getränke

·         Weiterbildung, Schulungen

- Lagerverwaltung

·         Rohstofflager

·         Ersatzteillager

·         Fertigwarenlager

·         Büroartikellager

·         allgemeine Ablage (Korrespondenz usw.)

 

 

- Einkaufsabteilung

- Rechnungs- und Mahnabteilung

- Werbung und Vertrieb

·                    Prospekte, Annoncen, Bedienungsanleitungen

·                    Käuferschulung

·                    (Schmiergelder)

·                    Versandabteilung (einschließlich Verpackungskosten)

- Kommunikation

·                    Telefon, Telefax, Telex

·                    Fotokopiereinrichtung

·                    Korrespondenz (Postgebühren)

- Sekretariat

- Reisebüro

- Automatisierte Datenverarbeitung

- Rechts-, Patent- und Vertragsabteilung

- Planungs- und Forschungsabteilung (Konstruktionsbüro)

- Bücherei und Dokumentation

- Nachbesserung im Garantiefall

 

Groß- und Kleinhändler

 

Steuern, Abgaben, Versicherungsprämien, Bankverkehrskosten

 

Investitionsrücklagen und Gewinn

 

 

Es geht also nicht ohne Wachstum, ohne Erschließung zusätz­licher Märkte. Aber es geht auch nicht ohne die unermeßlich große Verantwortung, die den Wirtschaftsführern zufällt, näm­lich ihre Produkte so wenig umweltbelastend wie nur eben mög­lich zu planen und herzustellen. Darüber sollten wir uns einig sein.

 

Es muß endlich der Unsinn aufhören, als wirtschaftliche Ergebnissen Gebrauchsgegenstände auf den Markt zu werfen, wie Waffen, landschaftszerstörende Bauwerke, wie noch mehr Ver­kehrwege, Luxusschiffe, Privatflugzeuge, Schlösser für die wenigen Landes- und Fabrik­besit­zer. Gegen Beschaffung von objektiv völlig wertlosen Schmuck, Originalbildern zum Preise von mehreren Millionen ist nicht einzuwenden; denn da werden keine Rohstoffquellen stark belastet und keine Umwelt zerstört. Aber die Rohstoffquellen, die uns noch auf nunmehr klar abzu­sehende Dauer zur Verfügung stehen, können nicht mehr sinnlos ausgeschöpft werden, und Umweltbelastung durch riesige Luxus­schiffe und Privatflugzeuge gehen in Richtung auf verbre­cheri­sche Handlungen.

Die Übersicht rechts braucht wohl nicht näher erläutert zu werden .

 

 

Kommentar:   Aber auch für das Wirtschaftswachstum gibt es eine Grenze, wenn schließlich alle Märkte voll sind. Was dann?

 

Da also die Wirtschaft nicht in den Himmel wachsen kann, ergeht es ihr wie dem Turmbau von Babel (Babylonischer Turm: Die Bibel, 1. Buch Moses, Kapitel 11). Sie bricht kurz vor Erreichen des Himmels - meistens schon lange vorher - zusam­men, um dann (eventuell in geläuterter Form) wie der Phönix wieder aus der Asche aufzusteigen. (Dieser Phönix, der sich nach 972 Menschenaltern selbst ver­brennt, soll sich aus der Asche erneuern, was auf den Tod dieses Christus und seine Wiederauferstehung übertragen worden ist. Die christliche Religion enthält ja sowieso viele „heid­nische“ Komponenten, z. B. den dreigeteilten Gott in Anlehnung an die ägyptische Reli­gion: Osiris mit seiner Schwester und Gemahlin Isis und deren Sohn Horus. Das nur nebenbei. Ich kann es nicht lassen, ein wenig zu lästern.)

 

Aber wir haben keine Zeit, auf einen Selbstheilungsprozeß des „Ökosystems“, in das die Wirt­schaft einbezogen ist, zu warten, wie Erschöpfung der Rohstoffe, Seuchen, die sich in den Tierkonzentrationslagern explosionsartig ausbreiten und (mutiert) auf Menschen übergreifen, Kriege mit Massenvernichtungswaffen mit erheblicher Reduktion der Konsumenten...  Daher müssen der freien Marktwirtschaft Zügel angelegt wer­den, aber auch dem sinnlosen Konsum.

 

Es gibt seltene und sehr wertvolle Rohstoff. Werden solche Rohstoffe vergeudet, bekommen manche Industriezweige unlösbare Probleme.

 


  

f) Wirtschaftsflaute und Kostensenkung (Kommentar)

 

Viele Wirtschaftsfachleute sind der Meinung, daß Wirtschafts­flauten (sogar Krisen) absolut notwendig sind für eine gesunde Wirtschaft oder, besser gesagt, zur Gesundung der Wirtschaft; denn eine Flaute tritt dann natürlich ein, wenn der Markt gesättigt ist. Die Produzenten, denen nichts Neues einfällt, die also ihre alten Hüte weiter verkaufen wollen, tun sich dann schwer, wenn jeder schon einen Hut hat. In unserer Welt herrscht nun mal das Prinzip, daß das Alte (wir alle) ab­stirbt, um etwas Neuem Platz zu machen. Althergebrachte Pro­duktionsmethoden und Produkte müssen irgendwann durch neue ersetzt werden. Der Überlebenskampf, als Prinzip allen Lebens auf der Erde, führt schließlich zu einer ständigen Verbesse­rung eines Systems. Neue Arten, besser angepaßt an die Lebens­bedingungen, setzen sich durch. Nur durch den Druck dieses Existenzkampfes haben wir doch heute die Vielzahl hochkompli­zierter Industrie­produkte. Wenn da einige Politiker meinen, daß ein Wirtschaftssystem vor dem Absterben bewahrt werden kann durch Subventionen, finanziert aus den Einsparungen an Wissenschaft und Forschung (um die Subventionsmittel irgendwo her zu bekommen), dann wird dieses Absterben nur hinausgescho­ben, aber niemals verhindert.

 

Nun ist aber die Wirtschaft selbst nicht etwas Naturgegebe­nes, wie Sommer und Winter, wie das Wetter, sondern Teil und Ergebnis der menschlichen Aktivitäten.

 

Die Denkungsart ist den Verantwortlichen "artfremd", daß also die Wirtschaft wie ein Ökosystem anzusehen ist, bestehend aus Pflanzen und Tieren in einem Umfeld von begrenzten Rohstoffen, das sich in seiner Viel­artig­keit in einer Gleichgewichtslage befindet, ja befinden muß.

 

Dazu ein Beispiel: Bei zu vielen Hasen (Konsumenten) vermehren sich die Füchse (Wirtschafts­unternehmer). Haben die Füchse zu viele Hasen gefressen, dann entspricht das der Verarmung, besser Ausdünnung von durch Arbeit erwerbsfähigen Konsumenten. Es gehen die Füchse ein, d.h. Firmen machen Pleite. Die Hasen nehmen wieder zu usw. (Wirt­schaftszyklen). Vermehren sich die Hasen zu schnell, ehe die Füchse nachhalten können, so kann das Weideland sie nicht mehr ernähren (Bevölkerungsexplosion). Die Hasen verhungern. So mag das in der Natur zugehen, aber von Menschen sollte man etwas mehr verlangen können, nämlich nicht zu warten, bis die Hasen gefressen oder verhungert sind.

 

Die Wirtschaft ist doch etwas von Menschen gemachtes und getragenes. Die Verantwortung der Wirtschaftsführer sollte sich nicht nur auf die Gewinnopti­mierung erstrecken, ansonsten wären sie viel besser durch moderne Großrechner zu ersetzen. Die können das viel besser. Die erwähnte Verantwor­tung muß sich auch auf die Befriedigung aller Bedürfnisse der am Wirt­schaftsprozeß teilnehmenden Menschen auswirken. Die Wirtschaftbosse benehmen sich aber wie Viren. Ohne Sinn und Verstand sind sie nur an ihrem eigenen Fortkommen, an Vermehrung ihres Profits interessiert bis zum Tod ihres Wirtes, der Konsumen­ten und der Umwelt. Offensichtlich findet man nur ganz wenige Ausnahmen.

 

Es gibt mächtige Unternehmerverbände, in denen die Verant­wortlichen aus den einzelnen In­dustrien sich durchaus einig werden könnten, um im Interesse der Allgemeinheit Alternativen zur Verhinderung von Flauten zu finden. Radikale Kostensenkun­gen durch Entlassungen und Lohnkostensenkung können verhindert werden durch eine gewisse Selbstbeschränkung der Einkommen eben der Bosse. Es ist doch wirklich nicht zu glauben, daß ein Doktor Lopez bei der Volkswagen AG hundert mal bessere Arbeit leistete als ein hervorragender Abteilungsleiter, der sich schwer tun wird, an 10 Tausend Mark im Monat heran zu kommen.

 

Der „soziale Friede“ muß das Oberziel sein. Aufgabe der Politi­ker, der gewählten Vertreter der breiten Masse der Be­völkerung und nicht nur der Wirtschaftsbosse, ist es daher, das Wohl des ganzen Volkes im Auge zu haben. (Es tut mir leid, wenn ich mehr und mehr zu der Über­zeugung komme, daß kaum ein Politiker seinen Wählerauftrag vordergründig sieht und oft bei Amtsantritt einen Meineid geleistet hat: ... dem Wohl des ganzen Volkes zu dienen und Schaden von ihm zu nehmen, so wahr ihm Gott helfe. Vielleicht ist dieser Zusatz die Entschuldi­gung, daß er oder sie keinen Meineid geleistet hat. Wenn er oder sie nicht an Gott glaubt, dann ist der Eid so unwahr wie eben ein nichtvorhandener Gott ja auch nicht helfen kann.)

 

Wegrationalisierung von Arbeitsplätzen und Arbeitsplatzver­lust, das sind die heute täglich zu hörenden Schlagworte, die Angst verbreiten (sollen). Gegen Automatisierung, Verbesserung und Rationalisierung der Produktion ist nichts einzuwenden, im Gegenteil. Aber da müssen die Arbeitsweise, die Ausbildung, die Arbeitszeit, die Lohnkostenfrage, die Freizeitgestaltung und vieles mehr an die neuen Gegebenheiten angepaßt werden. Das eine wird von den Politikern unterstützt, nämlich die Weg­rationalisierung von Arbeitsplätzen (z. B. durch die „Treu­hand“* in der deutschen Bundesrepublik). Aber an die sich dar­aus ergebende Notwendig­keit zur Milde­rung der Folgen wagen sie sich nicht (weil sie zu sehr freundschaftlich verflochten sind mit den Industrie­managern als Wahlspender?)

* Anstalt des öffentlichen Rechts aus den "alten Bundesländern Deutschlands zur treuhänderischen Verwaltung des volkseigenen Vermögens der untergegangenen DDR mit Sitz in Berlin.

 

Soziale Folgen:    Zu beobachten sind bereits: Allgemeine Unzufriedenheit in der Bevölkerung, vor allem Politi­kermüdigkeit, wachsende Groß- und Kleinkriminalität, vor al­lem gewalttätige Jugendkriminali­tät, Dro­gensucht und Alkoho­lismus, Aus­länderhaß, Trend zum Radika­lismus, verstärkte Flucht in Ideologien (Religionen, die dann schließlich jede Eigeninitiative hemmen). Insbesonde­re sind die Anteile krimineller Handlungen durch Ausländer im Steigen begriffen; denn da kom­men Menschen in die Industriena­tio­nen, die wohl gemeint hat­ten, daß es dort paradiesisch zugehe. Im Wirklichkeit werden sie als minderwer­tig angesehen, als Asylbewerber, die, tatsäch­lich oder nur vorgegeben, Unter­schlupf vor Verfolgung in ihrem Herkunftsland suchen, die im Gastland bis zur Anerkennung als Asylbewerber nicht zur Auf­nahme einer Arbeit zugelassen werden. Sie beherrschen die Sprache des „Gastlandes“ oft völ­lig unvollkom­men. Haß wird leider auch gegen Staatsbürger des „Gastlandes“ geschürt (z.B. in einigen türkischen Zeitungen, die in Deutschland gedruckt und verteilt wer­den.) Diese Art von Problemen, also Unzufrie­denheit, Nei­gung zu kriminellen Handlungen usw. werden mehr und mehr zu einer kaum noch zu bewälti­genden Gefahr für die Volks- und Völkergemeinschaften.

 

Es sollte endlich mit dieser unsinnigen Schwarz-Weißmalerei aufgehört werden: Für die einen sind die Ausländer die Nichtsnutze, die das Gastland ausbeuten, sich umhertreiben. Für die anderen sind es die besseren Menschen, die zu bemitleiden sind usw. Es sind aber Menschen wie wir alle, nicht schlech­ter, nicht besser.

 

  Damit ist eine Absicht dieses Buches erklärt und warum die vorher behandelten Kapitel so wichtig sind, nämlich eine sta­bile Wirtschaft zu haben, in der die Ziele einer sozialen Markt­wirtschaft mit

- Vollbeschäftigung,

- Geldstabilität,

- außenwirtschaftlichem Gleichgewicht und

- gerechter Einkommens- und Vermögensverteilung

zu verwirklichen ist (als „magisches Viereck“, wobei das stetige Wirtschaftswachstum mal ausgeklammert sein könnte; denn da kann ja sowieso schließlich nichts in den Himmel wachsen).

 

3. Planwirtschaft

 

Natürlich muß in jeder Wirtschaftsform eine gewisse Planung gemacht werden. Daher möchte ich anstelle des irrefüh­renden Be­griffs der Planwirtschaft lieber von zentral gelenk­ter Wirt­schaft sprechen. Der 1950 im Alter von 59 Jahren ver­stor­bene deutsche Wirtschafts­wissenschaftler und Verfechter der „ordnungs­politisch gelenkten“ freien Marktwirtschaft, Walter Eucken, ver­wendet Zentralverwaltungswirtschaft, was auch nicht schlecht ist, aber den - meiner Ansicht nach - wichtigen „Len­kungscharakter“ also den Eingriff in die Planung schlechthin nicht genug hervorhebt. (Irgendwie verwaltet wird ja auch die völlig freie Marktwirt­schaft, zumindest beschäftigen sich die staat­lichen Statistik­ämter damit.)

 

Die (allwissende und allmächtige) politische Führung eines Landes mit zentral gelenk­ter Wirt­schaft bestimmt die Zielvorga­ben für die Wirtschaft, für das, was benötigt wird. Die Versorgung der Bevölkerung muß dabei nicht immer vorrangig sein. So haben oft Schuluniformen und Kasernen­einrichtungen einen höheren Stellenwert als Hemd und Hose für jedermann. Leider werden in der Regel keine umfassen­den Bedarfs­analysen und Machbarkeits- oder Durchführbarkeitsstudien (die heute Feasi­bility Studien genannt werden) vorangestellt.

 

 

Eine Planungskommission wird von der politischen Führung beauftragt, die Zielvorgaben planerisch, in der Regel über mehrere Jahre hinweg umzusetzen (kurzfristige und langfristige Jahres­pläne). Natürlich ist es nicht einfach, solche Pläne auszuarbei­ten. Da gibt es aber „Werkzeuge“ (ein Instrumentari­um) für solche Planerstellung:

 

- Erfassung der Betriebe mit ihren technischen und „menschli­chen“ Kapazitäten und ihrer Spezialisierung, woraus sich Machbar- und Durchführbarkeiten ergeben.

 

- Aus einer Istanalyse, also eine Zergliederung von dem, was vorhanden ist, kann dann eine Sollanalyse (Zergliederung in das, was sein sollte) ausgearbei­tet werden, die neben Pro­duktionsmöglichkeiten, die Investitionskosten für Produkti­onsaus­weitung und/oder Produktionsumstellung ausweist, die notwendige Schulung bzw. Weiterbil­dung der Betriebsangehöri­gen.

 

- Natürlich ist die Statistik von großer Bedeutung, die beispielsweise Auskunft gibt über Lage (Standort) der Produkti­onsstätten, der Rohstoffquellen, um die Wege für notwendige Zuliefe­rung (von vorgefertigten Teilen und Rohstoffen) und für Endproduktverteilung optimieren zu können.

 

- Heutzutage sind Computer aus den Planungsstellen kaum noch wegzudenken.

 

Die Planungskommission oder besser gesagt die Planungsbehörde (auch Planungsamt ge­nannt) hat also eine Vielzahl von Fachab­tei­lungen, deren Zusammenarbeit zu koordinieren ist. Dabei besteht die Gefahr, daß eben die Pläne, die in einer Behörde langwierig ausgebrütet werden, bereits schon vor der Realisierungsabsicht veraltet sind und am geänderten Bedarf vorbeige­gangen sind, nein umgekehrt, daß der geän­derte Bedarf den Plänen davon geeilt ist. Jedenfalls ist die Planung dann allzu oft völlig wirklichkeits­fremd geworden.

 

     Es werden ein Gesamtplan und Einzelpläne ausgearbeitet. Da müssen Prioritäten gesetzt werden, also was wird zuerst ge­macht, welche Produktionsart und welche Dienstleistung hat Vorrang. Da werden Kosten kalkuliert und die Preise.

 

     Die Einzelpläne müssen miteinander korreliert, also verzahnt, aufeinander bezogen werden, wobei dann festgestellt wird, daß der Gesamtrahmen ge­sprengt wird. Also wird wieder in den Einzelplänen rumgefum­melt, bis alles so einigermaßen insgesamt stimmig geworden ist, aber - wie bereits gesagt - auf dem Stand von vorgestern. (Denn Staats­behörden arbeiten nun nicht so schnell, überall auf der Welt, leider.)

 

Abwägen der Vor- und Nachteile zentral gelenk­ter Wirtschaft:

 

Wegen der Unmöglichkeit einer raschen und dauernden Bedarfs­analyse und der Umsetzung in einen Gesamtplan hat sich eine nur- zentral gelenkte Wirtschaftsform nicht bewährt.

 

Daher ist das kapitalistische Wirtschaftssystem, das - ich wiederhole - sich ähnlich einem Ökosystem entwickelt hat, das beste aller bisher „erprobten“ Systeme. Allerdings muß da Un­kraut gejätet und höllisch aufgepaßt werden, daß da so eini­ges nicht überhand gewinnt und außer Kontrolle gerät. Da muß einer Heu­schreckenplage vorgebeugt und dafür gesorgt werden, daß die Zahl der Raubtiere in Grenzen bleibt.

 

Es gibt Befürworter für ein sich völlig selbst zu über­las­sendes System, das sich selb­ständig ausgleicht. Im Prinzip ist das richtig; denn die Heuschrecken gehen ein, wenn sie alles kahl gefressen haben und die Raubtiere auch. Nur sind wir alle mitbe­teiligt, und die Gefressenen sind wir selbst, die breite Masse der menschlichen Gemeinschaft. Daher müssen wir das kapitali­sti­sche System sorgfältig „kultivieren“.

 

So, wie immer im Leben und überall, sind Extreme zu vermei­den und eine vernünftige Mischform zwischen Planung und völlig freiem Lauf auch bei der Wirtschaft zu finden, was allerdings keine leichte Aufgabe ist.

 

Sowohl die kapitalistische, freie Marktwirtschaft als die zentral gelenkte Wirtschaft (Planwirtschaft) werden als Verkehrs­wirtschaft bezeichnet, da sie ja in ständigem Austausch mit Wirt­schaftseinheiten stehen.

 

4. Subsistenzwirtschaft

 

Unter Subsistenz verstehen die Philosophen das Sein und das Bestehen von Substanz in sich und für sich selbst oder wie es der Brockhaus etwas verständlicher definiert: Die Subsistenz ist das »durch sich und aus sich selbst Bestehen« der Substanz.

 

Subsistenzwirtschaft wird also die ursprünglichste und ein­fachste menschliche Wirtschafts­form gesehen, die selbstgenügsam, praktisch nicht im Verkehr mit anderen Wirtschaftseinheiten steht. In der Subsistenzwirtschaft werden alle produzierten Güter auch verbraucht, also nur für den Eigenbedarf etwas produziert.

 

Wenn Sie einen Garten haben, dort Obst und Gemüse anbauen, die Ernteprodukte nicht ver­kaufen, die Abfälle wieder verwenden als Düngemittel, dann wäre das eine selbstgenügsame Subsistenz­wirtschaftsform.

 

Nun können Sie noch Hühner halten, trockene Äste sammeln, um damit Feuer zu machen, ein Schaf anschaffen, das Sie scheren und die Wolle zu Kleidungsstücken verarbeiten. Wenn Sie in den nahe gelegenen Wald gehen, dort Pilze und Beeren suchen, aber möglichst keine Bäume fäl­len, wenigstens nicht, ohne der Natur die Möglichkeit zu geben, neue wachsen zu lassen, dann wird auch kein Schade angerichtet. Natürlich brauchen Sie noch einen Misthaufen und eine Jauchegrube, wenn Sie nicht immer in den Wald gehen wollen.  Der Regen wird aufgefangen und bevorratet. Wenn Sie dann noch an Solarzellen und Akkus (im Tausch natürlich) geraten usw., ja dann haben Sie ein wirklich ein die Natur schonendes Wirtschaftssystem.

 

Die Subsistenzwirtschaft wird heute noch von vielen, nicht nur von den sehr genügsamen Ureinwoh­nern in vielen Ländern ausgeführt und trägt zwar vom Prinzip her nicht zu  Umweltschäden bei. Fast die Hälfte der Welt­bevölkerung, vorwiegend in den Entwicklungsländern, lebt nach dieser Wirtschafts­form, aber leider oft auch mit großen Beiträ­gen zur Landschaftszerstörung, z.B. durch die ungeheuere Brandrodung bzw. den Glauben, daß die Asche nach dem Abbrennen den Boden befruchten würde. Die Ziegenhaltung und deren Radikalbeseitigung von Pflanzen läßt die Wüste sich ausbreiten.

 

Noch kurz zu erwähnen ist die Hauswirtschaft, ein von einem K. Bücher in Rahmen der Volkswirtschaftslehre geprägter Begriff für eine Wirtschaftsstufe, bei der die an dieser Wirtschaftsform Beteiligten (die Subjekte) im Rahmen einer Hausgemeinschaft (Wohngemeinschaft, Sippe, Familie)  nur für den Eigenbedarf produzieren. Man spricht auch von einer „geschlossenen Hauswirtschaft“.

 

Zum Schluß (nun aber endgültig) soll die "Robinson-Gesellschaft" kurz angeschnitten werden. Deren Mitglieder sind alle Selbstversorger. Jeder produziert und konsumiert ausschließlich für sich selbst. Wird die Selbstversorgung einer Gesellschaft aufgelöst und die Arbeitsleistung in Teilverrichtungen zerlegt, spricht man von Arbeitsteilung, die sich immer rasch entwickelt. (Der Mann geht auf die Jagd, die Frau kocht. Damit fing es an.) Einzelne Funktionen werden aus dem Haushalt ausgegliedert, Berufe bilden sich heraus. Spezialisierungen führen zu weiteren Berufsspaltungen, das heißt, komplexe Berufe werden immer weiter ausdifferenziert, ein Schmied wird zu einem Hufschmied und einem Nagelschmied. Im nächsten Schritt werden auch die einzelnen Arbeitsprozesse zerlegt. In der Hufschmiede etwa ist eine Person für das Erhitzen des Eisens zuständig, eine andere für das Bearbeiten des Eisens mit dem Schmiedehammer. Der gemeinsame Erfolg kann nur noch durch das Zusammenwirken der einzelnen, an sich unselbstständigen Arbeiten erzielt werden. Diese Form der Arbeitszerlegung findet sich bereits bei Jagdgemeinschaften und bis hin zur Fließbandfertigung. Auch räumlich kann Arbeit geteilt werden. Bestimmte Regionen spezialisieren sich auf die standortmäßig günstigste Produktion. Bei der internationalen Arbeitsteilung werden sogar Landesgrenzen überschritten. So kommen wir zur modernen Industriegesellschaft; denn durch die Arbeitsteilung, die Spezialisierung  erhöht sich zwar die Produktivität, da die Arbeitskraft beispielsweise aufgrund einer höheren Geschicklichkeit besser ausgenützt wird. Durch die Arbeitsteilung können auch spezialisierte Maschinen Verwendung finden. Menschen mit unterschiedlichsten Fähigkeiten können so im Produktionsprozess eingesetzt werden, dass ihre speziellen Fähigkeiten am besten ausgeschöpft werden. Damit wird eine kostengünstige Massenproduktion möglich. Allerdings schwingt aber sogleich bereits der Nachteil beim Wort „ausnützen“ mit: Der Mensch ermüdet schneller, die Arbeit wird eintöniger und „entseelt“, wie es die sozialistische Kritik formuliert. Da nur noch Teile gefertigt werden, geht die Beziehung zum Arbeitsprodukt verloren. Die Fließbandarbeiter wissen in der Regel überhaupt nicht, wofür sie was produzieren. Aus diesem Grund hat sich die Fließbandfertigung auch hin zu moderneren Gruppenarbeitsformen entwickelt. (Die letzten Sätze sind fast wörtlich der Brockhaus Enzyklopädie entnommen.)

 

Walter Rath, 1993



5. Wirtschaftsethik (aus Gabler "Wirtschaftslexikon, 12. Auflage 1988 ISBN 3-409-30374-7)

 

Begriff und Bezug:

 

1. Vielfach ist heute ein gravierender Wertewandel festzustellen, der sich nicht selten bei Mitarbeitern und Führungskräften von wirtschaftlichen Organisationen in einer Sinn- und Orientierungskrise manifestiert. Unternehmen geraten immer häufiger in Situationen, in denen ihr Handeln angesichts der verschiedenen Wertstandards einer internen und externen Öffentlichkeit entweder als illegal aber moralisch richtig oder als legal aber moralisch nicht vertretbar angesehen werden könnte. -

 

2. Mit solchen, zur Beurteilung herangezogenen Norm- und Wertstandards setzt sich die wissenschaftliche Ethik auseinander. Ganz allgemein kann man sagen, daß Ethik nach den normativ richtigen Entscheidungen bzw. dem richtigen Wollen und ihren/seinen Begründungen fragt, und zwar in dem Sinne, daß sie nach einer letzten, voraussetzungslosen Rechtfertigung sucht. - Wirtschaftliches Wollen und Handeln gewinnt immer dort ethische Qualität, wo eine normbezogene, fremd- oder eigenerzeugte Legitimations- und Rechtfertigungsnotwendigkeit entsteht. Dies wird im Gespräch zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter über eine „gerechte" Beurteilung der Leistung ebenso der Fall sein, wie in internen Managerdiskussionen über die „richtige" Beseitigung von schadstoffbelastetem Industriemüll oder durch die öffentliche Erklärung eines Verbandes, wie sich die Mitglieder gegenüber Apartheidstaaten verhalten sollen. -

 

3. Die Philosophie des -strategischen Managements bietet für derartige Fragenkomplexe einen geeigneten wissenschaftlichen Bezugsrahmen, in dem sie durch die Postulierung einer unternehmenspolitischen Rahmenplanung ein Forum zur Diskussion und einen wichtigen Ansatzpunkt zur Integration der häufig als unvereinbar angesehenen ökonomischen und ethisch-moralischen Denktraditionen liefert. Im Mittelpunkt dieser unternehmenspolitischen Rahmenplanung steht die Entwicklung und Begründung übergeordneter Unternehmensstrategien, -ziele und Verhaltensgrundsätze, die das Handeln und Verhalten des Unternehmens in seinem sozio-ökonomischen Feld bestimmen und die durch die regulative Idee einer fortschrittsfähigen Organisation geprägt sein sollen...