Der Kapitalismus

Auf dieser Webseite:   >Hier< zum Buch von Günter Ogger: "Die EGO-AG",

 >hier< Ulrich Wickert: "Der Ehrliche ist der Dumme"

und >hier< Buch von Edzard Reuter: Stunde der Heuchler,

Wie Manager und Politiker uns zum Narren halten.

 >Hier< zur Seite "Marktfundamentalismus", etwas tiefer dann 6 Bücher,

angefangen mit Hans Herbert von Arnim: "Der Staat als Beute".

 

Alle diese Bücher kritisieren heftig den "Marktfundamentalismus" als neue Religion,

jedoch ohne Vorschläge für Alternativen (>hier<).

>Hier< einiges über Wirtschaftswissenschaft, Wirtschaftsformen,

Wirtschaftsethik und einiges mehr dazu.


Ein Wort zum Kapitalismus (KStA 26.11.08 - Wirtschaft):

Jörg Hieber, ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender der Edeka-Zentrale

(genossenschaftlich orientierte Einkaufsorganisation des Lebensmitteleinzelhandels; gegründet 1907 in Leipzig; Sitz: Hamburg)

 plädierte für eine „emotionale Kundenbindung":

 „Wir müssen heute nicht mehr Hungrige satt,

sondern Satte hungrig machen".
 


 

Die sogenannte Bankenkrise: Dazu sagte der deutsche Bundespräsident, Horst Köhler, auf dem europäischen Banken-Kongress in der Alten Oper von Frankfurt am Main am 21. Nobember 2008: "An den Renditen hat sich eine ganze Branche berauscht", und fast alle hätten „die vielfältigen Warnungen in den Wind geschlagen und lieber mitgewettet, als gegen Fehlentwicklungen anzugehen".

 

      Bild: DPA

Im Hintergrund "Frankfurt E.B.C." (wahrscheinlich Frankfurt European Banking Co-operation) Bundespräsident Horst Köhler, der ehemalige Sparkassenpräsident und IWF-Chef (Internationaler Währungsfond) will damals schon in dieser Position Warnungen ausgesprochen haben, ohne Reaktion der Gewarnten. Im Gegenteil, er habe Kritik einstecken müssen und sei belächelt worden. Inzwischen ist aus den Turbulenzen auf den Finanzmärkten eine „tiefe, weltumspannende Krise" geworden, bestätigte Köhler, was auch die Finanzmanager inzwischen einsehen mussten.


Der Kölner Stadt-Anzeiger schreibt hierzu im Wirtschaftsteil seiner Ausgabe am folgenden Tag (also dem 22.11.08): „Die aktuelle Lage ist ernst", räumte Deutsche-Bank-Chef Ackermann ein. Und sein Kollege Cees Maas, der ehemalige Finanzchef der niederländischen ING, ist davon überzeugt, dass es noch bis zu drei Jahre dauern werde, bis die Finanzmärkte sich von diesem Schock erholt hätten. Der Bundespräsident ließ bei seiner Kritik keinen Verantwortlichen aus. Die Kette des Versagens schließe viele ein. Die Verursacher der Krise säßen in den Hauptstädten und Finanzzentren der größten Industrienationen. Sie verträten Finanzinstitutionen, Prüfer und Berater, Regierungen, Aufsichtsbehörden und Notenbanken. Auch Anleger und Aktionäre - große wie kleine - hätten die Renditejagd mitgemacht. „Markt und Staat: Beteiligt sind beide." Daher gehe es jetzt um die Glaubwürdigkeit des Systems der Freiheit... Von den Banken fordert er nun eine „grundlegende Erneuerung". Die Branche sollte sich schon aus Eigeninteresse selbst unangenehme Fragen stellen.

Solide kaufmännische Grundregeln seien missachtet worden, Teile der Finanzbranche hätten sich von der Realwirtschaft abgekoppelt. An den Renditen habe „sich eine ganze Branche offenbar so berauscht, dass sie blind wurde für die Risiken - oder sie bewusst ignoriert hat"... (Zitat Ende)
 

In diesem Zusammenhang sei an die uralte Tradition des Geldverleihens erinnert: Jemandem "ein X für ein U (=V) vormachen" bedeutete, dass der Kreditnehmer V ( =  5 in lateinisch) Währungsanteile bekam, der Kreditgeber dann die Balken des V nach unten verlängerte, so dass daraus ein X ( = lateinisch 10) wurde. Damit bekam er 10 Währungsanteile zurück. Die Benediktiner (des katholischen Mönchsordens) verliehen immer schon auf dem "Berge der Barmherzigkeit" Geld zu 1% Zinsen pro Monat... (P.M.-Ausgabe 12/08 und bestätigt durch WDR5-Hörfunk-Sendung am 26.11.08: "Errichtung des ersten Pfandhauses in Nürnberg")

>Hier< mehr von Hans G. Möntmann: "Raubritter in Glaspalästen"


 

Nun zum ganz oben hingewiesenen ersten Buch; auf dessen Rückseite: Das Geld wird knapp, das Wirtschaftsklima rauh. Überall wird getrickst und getäuscht, gelogen und betrogen. Der Handwerker verlangt Teuro*-Preise, Ärzte rechnen falsch ab, die Telekom schickt »aus Versehen« überhöhte Rechnungen, der Barcode zeigt an der Supermarkt-Kasse einen höheren Preis an als den am Regal. Vorstände kassieren Millionen und hintergehen ihre Aktionäre, Bilanzen werden gefälscht, Auftraggeber geschmiert. Jetzt geht es nur noch ums Durchkommen. Ob Angestellter oder Selbständiger, ob Anleger, Bauherr, Patient oder Konsument - jeder läuft Gefahr, um Hab und Gut gebracht zu werden.

* = teurer Euro (umgangssprachlich)


Günter Ogger nimmt sich nach den »Nieten in Nadelstreifen« und dem »Börsenschwindel« jetzt die EGO-AG vor. Wer wissen will, wie die Betrüger-Wirtschaft funktioniert und wie man ihr entkommen kann, muss dieses Buch lesen.
 

Günter Ogger:
Die Ego-AG
Überleben in der Betrüger-Wirtschaft
Umwelthinweis: Dieses Buch und der Schutzumschlag wurden auf chlorfrei gebleichtem Papier gedruckt.
Die Einschrumpffolie (zum Schutz vor Verschmutzung) ist aus umweltschonender und recyclingfähiger PE-Folie.
1. Auflage
2003 by C. Bertelsmann Verlag, München
einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH

Umschlaggestaltung: Christin Ogger

Satz: Uhl + Massopust, Aalen
Druck und Bindung: Clausen & Bosse, Leck

Printed in Germany
ISBN 3-570-00663-8
www.bertelsmann-verlag.de


Inhalt


1. Kapitel: Die Betrüger-Ökonomie . .

2. Kapitel: Der Gott der kleinen Diebe

3. Kapitel: Die Bananenrepublik
4. Kapitel: Die Bilanz-Fälscher
5. Kapitel: Die Egomanen
6. Kapitel: Verführungskräfte
7. Kapitel: Der betrogene König

Literaturverzeichnis

Register


Aus den Innenseiten des Buchumschlages:

 

Seit dem Zusammenbruch der Aktienmärkte nimmt der Verteilungskampf an Härte und Brutalität zu. Immer neue Korruptions- und Betrugsaffären erschrecken den Zeitungsleser. Politiker füllen sich die Taschen, lösen aber keine Probleme. Unternehmer und Manager kassieren Millionen und entlassen ihre Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit. Dabei handelt es sich längst nicht mehr um bedauerliche »Betriebsunfälle« einer im Kern gesunden Wirtschaftsordnung, sondern um die Normalität in der Betrüger-Ökonomie.


Jeder versucht, jeden irgendwie hereinzulegen. Bosse plündern ihre Aktionäre aus, der Führungsnachwuchs frisiert Bewerbungsunterlagen, Selbständige schummeln bei der Steuererklärung, Angestellte schädigen ihren Arbeitgeber, Patienten und Autofahrer leimen die Versicherung, Anbieter gehen mit immer rabiateren Methoden auf Dummenfang. Der schnelle Deal, das krumme Geschäft, der verwegene Steuertrick, die leistungslose Bereicherung - das ist es, wovon allzu viele "Westentaschen-Machiavellis" träumen.


Wer heute Täter ist, kann morgen Opfer sein, das Heer der Betrogenen wächst von Tag zu Tag. Jeder muss darauf gefasst sein, übers Ohr gehauen zu werden. Doch für den Kampf ums Eingemachte sind die Deutschen denkbar schlecht gerüstet. Niemand bringt ihnen bei, wie sie die Preistricks des Handels unterlaufen, Fallen im Kleingedruckten von Verträgen erkennen, Betrugsmanöver bei der Geldanlage durchschauen können.


Im Gedränge der Ellenbogengesellschaft überlebt nur, wer genügend Selbstbehauptungswillen besitzt. Der Wirtschaftspublizist Günter Ogger beschreibt anhand konkreter Fälle die Strukturen der Betrüger-Okonomie. Sein Ziel ist es, die Wehrhaftigkeit der Leser zu stärken und sie fit zu machen für den Überlebenskampf in einem außer Kontrolle geratenen Wirtschaftssystem. Nur wer die Maschen und Methoden der Akteure kennt, hat eine Chance, ihnen zu entgehen.
 


Günter Ogger, geboren 1941, ist einer der bekanntesten Wirtschaftspublizisten in Deutschland. Als Redakteur arbeitete er u.a. beim Wirtschaftsmagazin »Capital«, als Entwickler und Blattmacher bei »Wirtschaftswoche«, »Impulse«, »High-Tech« und dem Magazin der »Frankfurter Allgemeinen«. Seine Manager-Kritik »Nieten in Nadelstreifen« wurde mit einer Gesamtauflage von 1,2 Millionen-Exemplaren eines der erfolgreichsten Sachbücher der Nachkriegszeit. Auch die nachfolgenden Titel wie »Das Kartell der Kassierer«, »König Kunde - angeschmiert und abserviert«, »Absahnen und Abhauen«, »Macher im Machtrausch«eroberten die Bestseller-Listen. Zuletzt sorgte der bei C. Bertelsmann erschienene Erfolgstitel »Der Börsenschwindel« für Aufregung bei Banken und Aktionären.
 


Ein wenig Leseprobe:

 

Jeder ist des anderen Feind

... Gesetzestreue Bürger und Straftäter bilden seit jeher ein seltsames Paar. Der eine braucht den anderen, um sich zu definieren, und jeder ist vom jeweils anderen fasziniert. Die Weltliteratur erzählt seit Jahrhunderten von Schuld und Sühne, vom Auf- und Abstieg ehrgeiziger Männer und Frauen, und die Traumfabrik Hollywood fand bis heute kein dankbareres Motiv als das Verbrechen in allen seinen Variationen. Vor dem Fernseher ergötzen sich Ehrbare und Ruchlose am Schicksal der Gestrauchelten und ahnen nicht, wie eng sie schon beieinander sitzen. Das Leben in der Betrüger-Ökonomie macht alle zu Tätern und Opfern.
Im Feierabend-Krimi bekommen die Bösen fast immer ihr Fett weg; im richtigen Leben ist kaum mehr auszumachen, wer zu welcher Kategorie zählt. Beim kleinen Bürger stehen die Erfolgreichen unter Generalverdacht, denn es kann ja nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn es einer aus eigener Kraft zu einem Millionenvermögen bringt. Doch auch der Biedermann mit Eigentumswohnung und dem Golf in der Garage gilt dem, der weniger hat, als Raffke. In der Neidgesellschaft ist jeder des anderen Feind, und der Drang zum Vorwärtskommen schaltet nach und nach die Warnlampen aus. Wieso Rücksicht nehmen, warum verzichten, was kümmert mich das Ganze, wenn ich mir einen Vorteil verschaffen kann?


Schummeln lernt man in der Schule

Doch es gibt Unterschiede: Amateure handeln meistens spontan; sie wollen etwas haben, das in ihrer Reichweite liegt, und sind entweder zu geizig oder zu arm, um es sich auf ordentliche Weise zu besorgen. Eigentlich sind sie mehr Opfer als Täter, verführt von der Glitzerwelt der Marktwirtschaft, ohne Rückhalt in sozialen Konventionen und unfähig, den Erfolg systematisch zu planen. Ganz anders die Profis: Sie wollen dauerhaften Reichtum und richten ihr ganzes Leben darauf aus.


Zwischen den Extremen finden die Darsteller der postmodernen Leistungsgesellschaft ihren Platz. Auf der Besetzungsliste finden wir den ungetreuen Angestellten ebenso wie den bestechlichen Beamten, den käuflichen Politiker wie den schlitzohrigen Unternehmer. Der Anlageberater, der einer 70jährigen Kundin ohne jeden Skrupel eine weitere Lebensversicherung aufschwatzt, gehört genauso dazu wie der Fernsehtechniker, der uns ein Neugerät andreht, obwohl er eigentlich nur eine durchgebrannte Sicherung ersetzen sollte.


Zur Zunft zählen auch Wohnungsschnorrer wie jenes Münchner Paar, das es fertig brachte, in der Stadt der höchsten Wohnungsmieten drei Jahre lang komfortabel zu hausen, ohne auch nur einen Cent dafür auszugeben. Erst mieteten die beiden ein nettes Reihenhaus an, blieben aber vom ersten Tag an die Miete schuldig. Dank des großzügigen Mieterschutzes in Deutschland dauerte es fast zwei Jahre, bis der Vermieter, ein Pfarrer, die Zwangsräumung durchsetzen konnte. Sein - heruntergewirtschaftetes - Reihenhaus hatte er damit zwar wieder, aber noch lange nicht die ausstehende Miete von rund 17 000 Euro.

... Viele laben sich am unredlich verdienten Geld, und kaum einen plagt das schlechte Gewissen. Nur wenige aber schaffen es, auch in den Zeiten der Bilanzfälscher und Anlagebetrüger so viel abzusahnen, dass sie für den Rest ihrer Tage ausgesorgt haben. Ein ungetreuer Buchhalter mag vielleicht ein paar hunderttausend Euro beiseite schaffen, eventuell auch eine Million, aber was ist das schon? Irgendwann kommt man ihm auf die Schliche, er wird gefeuert - aus der Traum. Die wahren Gewinner mussten sich bis in den Vorstand vorkämpfen, ehe sie ihren großen Coup landen konnten. Nur von der Spitze aus lässt sich ein Unternehmen ausplündern, die Bank um Großkredite erleichtern, das Aktionärsvolk über den Tisch ziehen.
Der Weg ist lang, aber nicht immer beschwerlich. Spätestens an der Uni zeigt sich, wer das Zeug zum Chef hat. Abgesehen von den wenigen natürlichen Begabungen erkennt man die künftigen Stars der »Swindle Economics« sofort an ihrer Cleverness. Wo andere büffeln bis zum Umfallen, schütteln sie die Scheine aus dem Ärmel. Muss ja nicht jeder erfahren, dass die Arbeiten ein Kommilitone geschrieben hat. Für ein paar Euro kann man alles haben: Den ersten Hauptsatz der Wirtschaftsdynamik haben sie spätestens im zweiten Semester kapiert. Also kommt es nur darauf an, allezeit flüssig oder wenigstens kreditfähig zu sein. Statt im Hörsaal verbringen sie ihre Tage deshalb lieber mit Geschäften. Der eine dealt ...
 


 

ULRICH WICKERT:
Der Ehrliche ist der Dumme:
Über den Verlust der Werte/Ulrich Wickert.
1. Aufl. - Hamburg: Hoffmann und Campe, 1994 - ISBN 3-455-11033-9
Copyright © 1994 by Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg
Schutzumschlaggestaltung: Lo Breier unter Verwendung eines Fotos von Knut Müller/Magma
Satz: Dörlemann Satz, Lemförde
Druck und Bindung: Mohndruck, Gütersloh - Printed in Germany
 

Aus den Innenseiten des Buchumschlages:


An den Schulen klagen Lehrer über wachsende Gewalt unter Kindern, Jugendliche werden zu Mordbrennern, Versicherungen stellen fest, daß immer mehr Schadensmeldungen erschwindelt sind, deutsche Professoren verkaufen Doktortitel, Politiker handeln häufig nicht nach ethischen Maßstäben, sondern mit Blick auf Macht, Medienpräsenz oder gar Eigennutz. Parteien zweckentfremden Steuergelder. Betrug ist so alltäglich, dass der Ehrliche sich fragen muss, ob er nicht der Dumme ist.


Das Gefüge der Werte ist durcheinander geraten. Statt von ideellen lassen sich die Menschen zunehmend von materiellen Werten leiten. Doch darin, so meinen inzwischen viele, liegt nicht der ausschließliche Sinn des Lebens. Worin dann?


Die individuelle Freiheit wird überbewertet, Normen werden abgewertet und der Gemeinsinn vernachlässigt. Wo aber moralisches Wollen als Richtlinie des Handelns schwindet, gerät der Mensch in eine Krise. All das führt dazu, dass er schließlich die Welt nicht mehr versteht.


Immer häufiger erhebt sich die Frage: Was ist erlaubt, was verboten?


Den Bezug zur Wirklichkeit stören auch jene Massenmedien, die ausschließlich danach trachten, mit ihren Programmen Gewinn zu machen. Die meisten Menschen in den Industrieländern erfahren den Widerspruch zwischen ihrem Alltagstrott und dem vom Fernsehsessel aus wahrgenommenen Bösen, das sich tatsächlich ereignet hat, als verwirrenden Gegensatz. Die Folge ist ein Orientierungsdefizit in der westlichen Welt.


Ulrich Wickert, der als Moderator der Tagesthemen täglich mit schlechten Nachrichten konfrontiert ist, geht der Sinnkrise an Beispielen aus Politik, Medien und Gesellschaft nach. Wie belastet der Wertewandel oder gar der Werteverlust unsere Zeit? Welche Orientierungshilfe gibt es in einer Welt, die sich im Umbruch befindet?



Ulrich Wickert, 1942 in Tokio geboren, besuchte ein französisches Gymnasium, studierte in Deutschland Jura und in den USA Politische Wissenschaften. In den siebziger Jahren machte er sich mit kritischen Beiträgen einen Namen bei dem Fernsehmagazin »Monitor«. 1977 ging er als ARD-Korrespondent nach Washington, dann nach New York und Paris. Seit 1991 moderiert er die »Tagesthemen« und gilt - nicht zuletzt wegen seiner stilistisch geschliffenen, stets mit Ironie gespickten Texte - als beliebtester Nachrichtenmann des Deutschen Fernsehens.


Wichtigste Veröffentlichungen: »Frankreich. Die wunderbare Illusion« (1989 sowie »Und Gott schuf Paris« (1993). Beide Bücher waren Bestseller.


 

Reuter, Edzard: "Stunde der Heuchler"

Wie Manager und Politiker uns zum Narren halten

Econ, 207 Seiten, 18 Euro

ISBN-10: 3430200903
ISBN-13: 9783430200905

 

In seinem Buch rechnet der frühere Spitzenmanagers der Daimler AG* schonungslose mit seinen Kollegen und Nachfolgern ab. So sieht er seinen "wenig souveränen" Nachfolger Jürgen Schrempp als eine sich jedoch selbst überschätzende Person. Hilmar Kopper der Daimler-Aufsichtsratsvorsitzende sei der Meinung, "dass das Management zuerst das Wohl der Aktionäre, verbunden mit ins uferlose wachsenden Einkünften für die Vorstände, zu verfolgen habe" (was sich maßgeblich in Deutschland durchgesetzt habe). „War man früher hierzulande davon ausgegangen, die Leitung eines erfolgreichen Wirtschaftsunternehmens müsse sich nicht nur seinen Aktionären, sondern auch den darin beschäftigten Menschen wie sogar der Allgemeinheit gegenüber verantwortlich fühlen, galt es fortan als unumstößliche Wahrheit, dass die Leitungsgremien allein und ausschließlich im Interesse der Aktionäre als der angeblich alleinigen Eigentümer zu handeln hätten."

* Dazu gehören die Marken Mercedes-Benz, smart, Mercedes-AMG, Maybach, Freightliner, Mitsubishi Fuso, Western Star, Detroit Diesel, Setra, Orion und Thomas Built Buses mit insgesamt mehr als 250 Beschäftigten und einem Umsatz von etwa 80 Milliarden Euro.


Edzard Reuter gibt eine "kenntnis- und detailreichen Beschreibung des so fast zwangsläufigen Wegs in die weltweiten Finanzcrashs der letzten Jahre". Allerdings gibt er "konkrete Tipps zur globalen Eindämmung hemmungsloser Finanzspekulationen" und fordert, dass nationalstaatliche Kontrollen und neu einzurichtende internationale Behörden eng miteinander verzahnt werden müssten.

 

Dieses, von einem langjährigen Insider geschriebene Buch, also von jemandem, der also in alle Vorgänge in eine Welt-Firma Einblick hatte und in alle Vorgänge eingeweiht war, kann eines der besten "Aufklärungsbücher" über die moderne Politische Religion des Globalkapitalismus angesehen werden und sollte ein "Muss" sein für alle, die sich unter der Knute dieser Religion nicht wohl fühlen!

 

Der Econ Verlag (zu den Ullsteinbuchverlagen gehörend) erklärt zu dem von ihm aufgelegten Buch unter dem Titel Macher ohne Moral:

 

»Edzard Reuter malt das erschreckende Bild einer Gesellschaft, deren Verantwortliche nur noch auf Machtanhäufung und Bereicherung aus sind. Anstatt ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden, begehen sie in der aktuellen Wirtschaftskrise Steuerflucht, kassieren Bonuszahlungen bei Rekordverlusten, manipulieren Arbeitslosenzahlen und geben falsche Wahlversprechen. Reuter prangert das unehrliche und selbstsüchtige Verhalten unserer Führungskräfte an.«

Der frühere Daimler-Chef plädiert für eine Rückkehr zu alten Wertvorstellungen wie Anstand und Augenmaß. Ein längst fälliges Buch über die soziale Verantwortung unserer Eliten, aber auch über die Zukunft Deutschlands.

 

Ferner wird als Pressestimme der Rheinische Merkur zitiert:

 

»In unerhört scharfem Ton drischt der Autor auf die Verantwortlichen ein und fordert ein Umdenken in der Gesellschaft.«

 

Zwei Leser-Rezensionen des Internet-Buchhandels www.amazon.de sind nach folgendem kurzen Lebenslauf von Reuter zu finden.


 

Edzard Reuter wurde am 16. Febr. 1928 in Berlin geboren, wo sein Vater, Ernst Reuter, damals als Stadtrat für Verkehr wirkte. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte der Sozialdemokrat Ernst Reuter, inzwischen Oberbürgermeister von Magdeburg, mit seiner Familie in die Türkei und kehrte erst 1946 nach Berlin zurück, wo er 1951 - 1953 Regierender Bürgermeister war.

Edzard Reuter war ab 1953 in erster Ehe mit Christel, geb. Willner, verheiratet, Tochter des damaligen Finanzdirektors beim Berliner Ullstein Verlag. Seine zweite Frau wurde 1972 Helga, geb. Roeder, mit der er 1995 die "Helga-und-Edzard-Reuter-Stiftung" zur Förderung der Integration religiöser und ethnischer Minderheiten und für Völkerverständigung ins Leben gerufen hat. Er hat einen Sohn und ein Adoptivkind. R. ist leidenschaftlicher Reiter, Segler, Tennisspieler und Fußballfan (zeitweilig spielte er in der Daimler-Direktionsmannschaft mit). Bekannt geworden ist er auch als Sammler und Förderer moderner Kunst. Er lebt mit seiner Frau in Stuttgart-Schönberg und Berlin. (Quelle: www.Munzinger.de)


Rezension von Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland):

 

"Eine Polemik" nennt Edzard Reuter sein hier vorliegendes Buch über das Thema "wie Manager und Politiker uns zum Narren halten." Er hat selbst lange genug als Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG in der deutschen Wirtschaft Verantwortung getragen, um zu wissen, wovon er spricht.

Heuchelei wirft er den meisten Vertretern der gegenwärtigen Eliten in unserem Land vor, denen er eine nur vorgetäuschte und nicht aus wirklichen Werten und Normen gewachsene Bürgerlichkeit attestiert. Genau diese Heuchelei, dieses Wirtschaften ohne Wertebasis wirft er seit vielen Jahren als Kritiker dem Casinokapitalismus vor, der auf Kosten vieler wenige Menschen reich macht, ohne dass sie arbeiten.

Auf den fast 200 Seiten seines sehr empfehlenswerten Buches gibt er nicht nur zahlreiche Beispiele für dieses engstirnige Wirtschaften, sondern er plädiert engagiert und selbstbewusst für eine Wiederentdeckung von alten Wertvorstellungen. Etwa das Ideal des ehrbaren Kaufmannes oder die Haltungen von Anstand und Augenmaß"

Es ist ein Buch, das wesentlichen Teilen der "upper middle class" den Spiegel vorhält, in dem sie Menschen erblicken, die außer ihrem eigenen Vorteil nur wenig kennen. Menschen, die durch die Erziehung, die sie ab etwa 1970 genossen haben, gelernt haben, die alten Werte eher zu verachten und zu bekämpfen. Denen aber niemand in der grün-alternativen Multikulti-Kultur wirklich zeigen konnte, was die alten Werte ersetzen sollte. Und so haben wir heute nicht nur in unserer Wirtschaft, sondern auch in der politischen Klasse und weit hinein in die kulturellen Eliten ein anything goes, das sich seiner gewachsenen Werte, seine Herkunft und dem Schatz der Tradition nicht mehr versichern kann oder will.

Möge dieses Buch helfen, nicht nur den Eliten, sondern allen seinen Lesern vor Augen zu führen, was soziale Verantwortung heißt. Jeder von uns hat sie, gegenüber seinen Kindern, den Nachbarn und Vereinskamerad, gegenüber seiner direkten Umwelt. Doch Manager und Politiker tragen sie um ein Mehrfaches, weil ihr Handeln immer Folgen hat für viele Menschen. Die Forderung nach der Rückkehr zu alten Wertvorstellungen dürfen wir uns nicht länger mehr madig machen lassen von wem auch immer.

Ohne viele der alten Werte wird unsere Gesellschaft nicht die Kraft haben, die vor ihr liegenden großen Aufgaben zu lösen.

 

Eine weitere Rezension von einem, der sich als Happyx bezeichnet:

 

Oskar Lafontaine damals (1998) machte sich lächerlich. Alan Greenspan stutzte ihn ganz klein. Greenspan ist Geschichte und heute sind die Ideen von Lafontaine in USA der neueste Hit. Auch Edzard Reuter hatte ähnliche Erlebnisse und wurde in einem Aufsichtsgremium in Amerika verlacht, als er ähnliche Vorschläge unterbreitete. Reuter legitimiert sich so als jemand, der die Entwicklung voraussah, aber nichts an der Gier seiner Mitmenschen drehen konnte. Geld sieht er nie als eine Ware für sich, sondern als Hilfsmittel für die aktive Ökonomie. Dieses Buch ist keine ausschließliche Polemik, Reuter strukturiert auf Seite 60 die Maßnahmen, die zu ergreifen wären, um zu gierigen Finanzgeschäften Einhalt zu gebieten.

Reuter geißelt diese Gier: Mit Geldzocken konnte in den letzten 15 Jahren jeder sehr reich werden. Und es heißt seit fast drei Jahrzehnten, ausgehend von den USA und dem unseligen Geist des Neoliberalismus (der Markt regelt alles): Man muss, darf und soll gierig sein. Reuter erklärt, dass die dahinterstehende Behauptung, die Selbstbereicherung diene dem Allgemeinwohl, grundfalsch ist. Margret Thatcher und Ronald Reagan sind diesem Irrweg fast sklavisch gefolgt, wir alle hinterhergetrottelt. Soziale Marktwirtschaft aber braucht klare Regeln und verbindliche Vorschriften für Spekulationen mit Geld.

Reuter differenziert in Bürgerliche, die sich hemmungslos bereichern und jene, die sich ihren Anstand bewahrt haben, aber heute in die Abgründe der Armut blicken. Der daraus erwachsende Protest zeigt sich heute z.B. auch an Stuttgart 21, weil man der Kungelei und Selbstbereicherungsmentalität des gehobenen Bürgertums nicht mehr traut. Vgl. meine Rezension zu: Die Taschenspieler: Verraten und verkauft in Deutschland

Spannend zu lesen ist die Skizzierung des Bürgerlichen, des Mittelstandes vom ersten Welt-Krieg bis heute. Dabei treffen die vergleichenden Beschreibungen mit dem Bürgertum in Frankreich und England m.E. ins Schwarze. Reuter fordert zu Recht die Wiederkehr eines ehrbaren Kaufmannes, der mit Anstand wirtschaftet und niemand in die Armut abschiebt. Der Turbokapitalismus hat für ihn alle Werte unterhöhlt und die beiden letzten Generation sind in dem Bewusstsein erzogen worden, dass grenzenlose Gier nicht gemeingefährlich ist, sondern gut sei.

Nur wenn man sich ärgert, wird etwas verändert. Getreu diesem Motto ist dieses Buch ein Anstoß zur Korrektur. Allerdings sieht Reuter keine Anzeichen für einen Kurswechsel, die Banker tun so, als ob nichts geschehen sei. In London herrscht der Thatcherismus auch deswegen so kompromißlos, weil die dort ansässigen Finanzfirmen einen Kern britischen Wirtschaftens bzw. Incomes ausmachen.

Eine harte, aber notwendige Abrechnung. Niemand kann sagen, es hätte niemand gesagt: Die nächste, noch brutalere Finanz- bzw. Bankenkatastrophe kommt so sicher wie die Gier Menschen aushöhlt.