Lieder
>Hier< zum Lied von Peter
Rühmkorf: "Bleib erschütterbar und widersteh".
Er spricht über seine frühkindliche Prägung, die nie überwunden werden kann.
Der Rattenfänger von Hameln
(Bild rechts nach unten gehen unter Hannover)
ist eine Märchen-Erzählung:
Die Stadt Hameln war von einer Rattenplage* befallen. Die Verwaltung schrieb eine Belohnung demjenigen aus, der die Stadt von den "Plagegeistern" befreien würde. Ein Rattenfänger fand sich, der mit seiner Flöte alle Ratten in den anliegenden Fluss Weser lockte. Die Stadtverwaltung aber verweigerte ihm die Auszahlung der Belohnung, und er führte daraufhin alle Kinder weg.
*
damals nicht Besonderes. Der großartige Komponist Johann Sebastian Bach (1685 -
1750) beschwerte ich einmal; dass er in seinem Arbeitszimmer um die 80 Ratten
gezählt habe...
Hannes Wader* machte daraus das folgendes ungeheuer aktuelle und wahrscheinlich aktuell bleibende Lied:
* Hans Eckard Wader, geboren 1942, wurde bekannt als sozialkritischer Liedermacher (neben weiteren hervorragenden Größen der damaligen Zeit: Reinhard Mey, Franz Josef Degenhardt, Dieter Süverkrüp, Konstantin Wecker...
Fast jeder weiß, was in Hameln geschah
vor tausend und einem Jahr,
als die Ratten dort saßen und alles fraßen
was nicht aus Eisen war.
Zu dieser Zeit kam ich nach langer Fahrt
als Spielmann in diese Stadt
und ich hörte als erstes den Herold (germanisch: Heerverwalter)
schreien
als ich den Markt betrat:
Wer mit Gottes Hilfe oder allein
die Stadt von den Ratten befreit,
für den lägen ab nun beim Magistrat
Hundert Taler in Gold bereit.
Ich packte mein Bündel, die Flöte und Leier
und klopfte ans Rathaustor.
Kaum sah man mich, schlug man die Tür wieder zu
und legte den Riegel vor.
Und ich hörte, wie man den Herren sagte,
es stünde ein Mann vor dem Tor,
zerrissen und stinkend in bunten Lumpen,
mit einem Ring im Ohr.
Dieser Mann nun ließe den Herren sagen,
er käme von weit, weit her,
und er böte der Stadt seine Hilfe,
weil er ein Rattenfänger wär.
Ich wartete lange; dann rief eine Stimme,
durch die geschlossene Tür:
Vernichte die Ratten du Hund,
du bekommst die versprochenen Taler dafür.
Und ich ging und blies in der Nacht
die Flöte, immer nur einen einzigen Ton,
der so hoch war, dass nur die Ratten ihn hörten,
und keine kam davon.
Bis hinein in die Weser folgte mir bald die ganze quiekende Brut,
und am Morgen trieben dann hunderttausend Kadaver in der Flut.
Als die Hamelner Bürger hörten
was geschehen war in der Nacht,
tanzten sie auf den Strassen;
nur an mich hat keiner gedacht.
Und als ich dann wieder vorm Rathaus stand
und forderte meinen Lohn,
schlug man auch diesmal die Tür vor mir zu,
und erklärte mir voller Hohn:
Nur der Teufel könne bei meiner Arbeit
im Spiele gewesen sein.
Deshalb sei es gerecht,
ich triebe bei ihm meine hundert Taler ein.
Doch ich blieb und wartete Stunde um Stunde
bis zum Abend vor jenem Haus,
aber die Ratsherren, die drinnen saßen,
trauten sich nicht heraus.
Als es Nacht war, kamen bewaffnete Kerle,
ein Dutzend oder mehr,
die schlugen mir ihre Spieße ins Kreuz
und stießen mich vor sich her.
Vor der Stadt hetzten sie ihre Hunde auf mich,
und die Bestien schonten mich nicht.
Sie rissen mich um,
und pissten mir noch ins blutende Gesicht.
Als der Mond schien, flickte ich meine Lumpen,
wusch meine Wunden im Fluss.
Und weinte dabei vor Schwäche und Wut,
bis der Schlaf mir die Augen schloss.
Doch nocheinmal ging ich zurück in die Stadt,
und hatte dabei einen Plan;
denn es war Sonntag. Die Bürger traten eben zum Kirchgang an.
Nur die Kinder und die Alten blieben an diesem Morgen daheim,
und ich hoffte, die Kinder
würden gerechter als ihre Väter sein.
Ich hatte vorher mein zerfleischtes Gesicht
mit bunten Farben bedeckt,
und mein Wanst, damit man die Löcher nicht sah,
mit Hahnenfedern besteckt.
Und ich spielte und sang,
bald kamen die Kinder zu mir von überall her,
hörten, was ich sang mit Empörung und vergaßen es nie mehr.
Und die Kinder beschlossen, mir zu helfen,
und nicht mehr zuzusehen,
wo Unrecht geschieht,
sondern immer gemeinsam dagegen anzugehen.
Und die Hamelner Kinder hielten ihr Wort,
und bildeten ein Gericht,
zerrten die Bosheit und die Lügen
ihrer Väter ans Licht.
Und sie weckten damit in ihren Eltern
Betroffenheit und Scham,
und weil er sich schämte, schlug manch ein Vater sein Kind fast krumm und lahm.
Doch mit jeder Misshandlung wuchs der Mut der Kinder dieser Stadt,
und die hilflosen Bürger brachten die Sache vor den hohen Rat.
Es geschah, was heute noch immer geschieht, wo Ruhe mehr gilt als Recht;
denn wo die Herrschenden Ruhe wollen, geht's den Beherrschten schlecht.
So beschloss man die Vertreibung einer ganzen Generation.
In der Nacht desselben Tages begann die schmutzige Aktion.
Gefesselt und geknebelt, von den eigenen Vätern bewacht,
hat man die Kinder von Hameln ganz heimlich aus der Stadt gebracht.
Nun war wieder Ruhe in der Stadt Hameln, fast wie in einem Grab.
Doch die Niedertracht blühte.
Die Ratsherren fassten eilig ein Schreiben ab.
Das wurde der Stadtchronik beigefügt mit dem Stempel der Landesherren,
und besagt, dass die Kinder vom Rattenfänger ermordet worden wären.
Doch die Hamelner Kinder sind nicht tot. Zerstreut in alle Welt,
haben auch
sie wieder Kinder gezeugt, ihnen diese Geschichte erzählt.
Denn auch heute noch setzen sich Menschen für die Rechte Schwächerer ein.
Diese Menschen könnten wohl die Erben der Hamelner Kinder sein.
Doch noch
immer herrscht die Lüge über die Wahrheit in der Welt,
und solange die Gewalt und Angst die Macht in Händen hält,
solange kann ich nicht sterben, nicht ausruhen und nicht fliehen,
sondern muss als Spielmann und Rattenfänger immer weiter ziehen.
Denn noch nehmen Menschen Unrecht als Naturgewalt in Kauf,
und ich hetze noch heute die Kinder dagegen immer wieder auf.
Und ich hetze noch heute die Kinder dagegen immer wieder auf....
Peter Rühmkorf (Jahrgang 1929, ein Bild von ihm aus 2004 weiter unten):
"Das protestantische Kirchenlied, das habe ich mit Löffeln, wenn nicht Kellen gefressen, sodass ich auch vor allen Dingen die wunderbaren Sachen von Paul Gerhardt, dass ich mit denen sehr früh vertraut wurde, und dass diese frühen Strophen überhaupt nicht aus meinem Gedächtnis zu tilgen sind. 'Befiel du deine Wege und was dein Herze kränkt. Der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, wo dein Fuß gehen kann." Also: "Bleib erschütterbar und widersteh! Irgendwie kommt das dann doch wieder raus."
Bezug: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/religionen/1086281/
Ein Bild von Peter Rühmkorf >hier<
und ein wenig mehr z. T. von
ihm selbst über sich,
weiteren Gedichten und ein Literaturhinweis.
"Also heut: zum Ersten, Zweiten,
Letzten:
Allen Durchgedrehten, Umgehetzten,
was ich, kaum erhoben, wanken seh,
gestern an und morgen abgeschaltet:
Eh dein Kopf zum Totenkopf erkaltet:
Bleib erschütterbar - doch widersteh!
Die uns Erde, Wasser, Luft versauen
- Fortschritt marsch! Mit Gas und Gottvertrauen -
Ehe sie dich eingemeinden, eh
du im Strudel bist und schon im Solde,
wartend, dass die Kotze sich vergolde:
Bleib erschütterbar - doch widersteh!
Schön, wie sich die Sterblichen berühren -
Knüppel zielen schon auf Hirn und Nieren,
dass der Liebe gleich der Mut vergeh . . .
Wer geduckt steht, will auch andre biegen.
(Sorgen brauchst du dir nicht selber zuzufügen;
alles, was befürchtet wird, wird wahr!)
Bleib erschütterbar.
Bleib erschütterbar - doch widersteh!
Widersteht! Im Siegen Ungeübte,
zwischen Scylla* hier und dort Charybde**
schwankt der Wechselkurs der Odyssee . . .
Finsternis kommt reichlich nachgeflossen;
Aber du mit - such sie dir! - Genossen!
teilst das Dunkel, und es teilt sich die Gefahr,
leicht und jäh - - -
Bleib erschütterbar!
Bleib erschütterbar - doch widersteh!"
* ein Meeresungeheuer aus der griechischen Mythologie
mit dem Oberkörper einer jungen Frau und einem Unterleib, der aus sechs Hunden
bestand
** war der Sage nach eine Tochter des Neptun und der Erde, und wurde
ihrer Unersättlichkeit wegen von Jupiter in’s Meer gestürzt, wo sie jedes
Schiff, das sich ihr näherte, verschlang
Mit den Jazzmusikern Michael Naura und Wolfgang Schlüter trat
Rühmkorf häufig zusammen auf. Zwischen Choral und Jazz, zwischen
Tradition und Moderne - die gleichzeitig respektvolle und ironische
Auseinandersetzung mit Vorgängern, zeigt sich besonders gut in
Rühmkorfs Parodien und Variationen auf Gedichte großer Vorbilder.
"In einem edleren Sinne parodieren
kann ich nur, was mir lieb und teuer ist. Und die witzigen
Brechungstöne kommen dann doch heraus, und ich schmuggle sie ja mit
hinein, weil ich natürlich ganz und gar mit den Vorbildern nicht
mehr zur Deckung komme. Hier ist ein neuerer, ein modernerer Mensch,
und da ist eine alte Literaturvorlage, die ich sehr liebe, und ich
versuche mich, mit ihr mich annährend und Distanz nehmend, auf beide
Arten und Weisen, in Beziehung zu setzen.
Peter Rühmkorf, der auf eigenwillige und einzigartige Weise
literarische Traditionen aufnahm und erweiterte, war ein überaus
gebildeter Dichter. Der radikale Ich-Sager hatte schon früh auch die
Werke Sigmund Freuds gelesen.
"Alles wurzelt im Grunde in der
Biografie oder es wurzelt überhaupt nicht. Und auch die Literatur muss irgendwo unten ihre feinsten, feinen und verzweigtesten Wurzeln haben. Und auf dieser archaischen Basis baut sich dann alles auf."
Rühmkorfs Kindheit und Jugend waren geprägt von seiner unehelichen Geburt - damals, in den 1920er- und 30er-Jahren, ein soziales Drama.
"Meine Mutter war Lehrerin in einem
niedersächsischen Dorf, Warstade-Hemmoor, und verliebte sich in
einen durchreisenden Puppenspieler, bis sie eines Tages ein Kind
erwartete. Und als sie ihm das erzählte, hat er Abschied genommen,
denn es stellte sich da erst heraus, er war bereits verheiratet.
Und das war natürlich für meine Mutter, die unter anderem
Religionslehrerin war und auch in sehr frommen Verhältnissen
aufgewachsen war, weil mein Großvater Superintendent in
Otterndorf war, und es war eine sehr honorige Familie, der sie
entstammte. Und sie konnte nicht ein uneheliches Kind in ihrem
eigenen Dorf, wo sie unterrichtete, zur Welt bringen. Und da hat
meine Mutter sich Urlaub genommen und hat in Dortmund Unterkunft und
Arbeit in einem Krankenhaus, eigentlich in einer Gebärklinik,
gefunden.
Und da hat sie mich dann auch geboren. Meine Mutter war nicht doof.
Dann hat sie gedacht, dass Kind muss, wenn sie schon keinen Vater
hat, muss es wenigstens einen ordentlichen Paten haben. Und sie
neigte so der modernen Theologie zu, und eine große, besondere
Kapazität auf dem Gebiet war damals Karl Barth, der große Reformtor
der Reformation. Der lehrte an der Universität Münster, und sie bat
Karl Barth doch die Patenschaft über dieses Unglücksbündel zu
übernehmen.
Und Karl Barth war ein großzügiger Kerl und der tat das dann auch.
Und dann war meine Mutter schon, hatte schon die Gewissheit, dass
sie ihrem Pastoren- und Superintendentenvater wenigstens einen
wohlgeratenen, hoch gewachsenen, ja weltberühmten Patenonkel
vorführen konnte. Nun wird's aber erst richtig brenzlig. Ich bin
zwei Jahre lang in Dortmund bei Pflegeeltern aufgewachsen. Meine
Mutter hat dann weiter unterrichtet, mich da auch immer wieder
besucht und so, aber eines Tages wollte sie mich natürlich dann gern
zu sich nach Hause holen und hat mir so Persilscheine. Ich bin
praktisch adoptiert worden von ihr, und dann kam sie eines Tages mit
einem Adoptivkind an.
Meine Mutter dachte, das würde keiner merken. Das ganze Dorf wusste
es. Ich wurde Kasper genannt. Ich wurde gehänselt. Ich wurde immer
gefragt: Wo hast du denn deinen Papa gelassen. Meine Mutter glaubte
dies Geheimnis verborgen. Das war eine ungeheuerliche
Selbsttäuschung, und ich war selbst eigentlich gezwungen, weil ich
immer nach meinem Vater gefragt wurde von allen Seiten, mir immer
Väter neu zu erdenken, zu erdichten. Ja, ich musste mir ein Leben
selbst erdichten, weil diese zweite Hälfte fehlte. Und so bin ich
gleichzeitig ins Lügen und ins Dichten geraten."
Als Elisabeth Rühmkorf ihren Eltern und Geschwistern die Wahrheit
über ihren Sohn Peter sagte, half es auch nicht, dass sie
gleichzeitig Karl Barth als Paten präsentieren konnte.
Mein Großvater war entsetzt und
sagte: Das Kind kommt mir nicht ins Haus. Dann hat aber meine
Großmutter mich aber mal betrachtet und fand mich sehr niedlich und
hat mich dann meinem Großvater irgendwann vorgestellt, und der fand
immer mehr Gefallen an mir. Aus einem Grunde: Und nun kommen wir zu
der seltsamen Gnade Gottes, welche höher ist als alle Vernunft. Im
Ersten Weltkrieg waren seine beiden Söhne gefallen. Beide Söhne,
Onkel Gustav und Onkel Ernst, ganz kurz nacheinander waren ihm weg
geschossen.
Und es gibt ergreifende Szenen in Lebenserinnerungen meiner Mutter,
wo sie so etwas, wie ihr Vater weinend, schreiend durch das Haus
lief, sich den Talar zerriss, dass das Geschlecht, dieser Zweig der
Familie praktisch abgeschnitten war. Es gab keine Fortführung. Und
nun kam ich, Kind eines Fehltritts, in Haus, und nur kraft dieses
Fehltritts gab es einen Enkel, der den Namen Rühmkorf weiterführen
konnte. Das ist doch an sich eine sehr erbauliche Geschichte."
Vieles war keineswegs erbaulich, weder die Jugend in der Nazizeit,
noch die seelischen Lasten, die Peter Rühmkorf als jungen Mann in
eine Angst- und Zwangsneurose schickten.
"Meine Mutter war eine streitbare
Christin, ganz eigenartig. Aber sie hat natürlich auch viel
Schuldgefühle auf mich gewälzt, dass ich mein Leben lang ewig unter
Schuldsteinen geächzt habe. Eigentlich habe ich die Sünde meiner
Mutter abtragen müssen in Form von Schuldgefühlen. Denn meine Mutter
hatte aus dem einen Mal keinen Anlass zu weiteren Schuldgefühlen,
weil sie dann die Moral an die Stelle der Schuld gesetzt hat.
Und leider hat mich eben auch von diesem Christlich-Moralischen ein
furchtbarer Strahl mit erwischt. Aber, das große leuchtende Aber, da
die Kunst nun einmal aus Komplexen, Ressentiments und sonstigem
Dreck erwächst, ist das genau die richtige Disposition, um daraus
was zu machen."
Das Dunkle und das Helle, der Tod und die Liebe, Angst und
Lebensfreude - Peter Rühmkorfs Gedichte sprechen von der besonderen
Spannung, die durch die Widersprüche des Lebens, die Widersprüche
seines Lebens entstehen. Der Dichter sucht nach Balance.
Beispielhaft dafür ist sein Gedicht "Hochseil"
Hochseil
"Wir turnen in höchsten Höhen herum,
selbstredend und selbstreimend,
von einem I d i v i d u u m
aus nichts als Worten träumend.
Was uns bewegt - warum? Wozu? -
den Teppich zu verlassen?
Ein nie erforschtes Who-is-who
im Sturzflug zu erfassen.
Wer von so hoch zu Boden blickt,
der sieht nur Verarmtes/Verirrtes.
Ich sage: wer Lyrik schreibt, ist verrückt,
wer sie für wahr nimmt, wird es.
Ich spiel mit meinem Astralleib Klavier,
vierfüßig - v i e r z i g z ä h i g -
Ganz unten am Boden gelten wir
für nicht mehr ganz zurechnungsfähig.
Die Loreley entblößt ihr Haar
am umgekippten Rheine …
Ich schwebe graziös in Lebensgefahr
grad zwischen Freund Hein und Freund Heine."
Peter Rühmkorf bezeichnete sich als "gefasster Agnostiker". Aber als
Dichter, der in seiner Generation einzigartig und überragend
dasteht, hat er dennoch auf Unsterblichkeit setzen dürfen.
Frommer Wunsch
"Wünsch mir im Himmel einen Platz
(auch wenn die Balken brächen)
bei Bellmann, Benn und Ringelnatz
und wünschte, dass sie e i n e n Satz
in e i n e m Atem sprächen:
nimm Platz!"
* Dieter Bellmann bekannt für zahlreiche Kabarett-Produktionen (oder meinte Rühmkorf den schwedischer Dichter, Carl Michael Belman, (1740 - 1795), dessen oft selbst vertonte Liedern "virtuose Sprachkunst, Realistik, Daseinsfreude, burlesken Humor und Verzweiflung", nach © 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG)
Gottfried Benn (1886 - 1956) war praktizierender Arzt und später (auch) Schriftsteller, der mit mit expressionistischer Lyrik begann (»Morgue«, 1912; »Fleisch«, 1917). © 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG schriebt weiter: Er "zeichnete in seinem Frühwerk eine Welt von Krankheit und Verwesung und setzte der Rationalität das Streben nach dem Rauschhaft-Irrationalen entgegen; schrieb auch Essays unter dem Titel »Nach dem Nihilismus« (1932). Seine späteren Werke (»Der Ptolemäer«, 1949; »Drei alte Männer«, 1949; »Ausdruckswelt«, 1949; »Doppelleben«, 1950; »Altern als Problem für Künstler«, 1954) und besonders die sprachkünstlerisch bedeutenden Gedichte (»Statische Gedichte«, 1948; »Aprèslude«, 1955) sind ein Bekenntnis zu Form und Stil, in denen sich der Geist inmitten des Wertezerfalls behauptet; erster Preisträger des Georg-Büchner-Preises (1951)."
Der Kabarettist Joachim Ringelnatz (1883 - 1934) war sein Pseudonym für
Hans Bötticher. Außerdem war er Schiffsjunge und Matrose. Sehr bekannt wurde er
für, aus seinen tiefsinnigen aber vor allem absurden, grotesken, satirischen
Gedichten mit antibürgerlichem Protest. Zur Abwechselung malte er (naive)
Bilder.
Eines seiner Bücher: Peter Rühmkorf: Wenn - aber dann. Vorletzte Gedichte; Rowohlt Verlag, 1999