Kriminalgeschichte des Christentums
von
Karlheinz Deschner
Mitte des 16. Jahrhunderts feiert die Kirche den «Missionsfrühling» in der Neuen Welt: die völkermörderische Eroberung der Indianerreiche Lateinamerikas. In Europa liegen fast alle christlichen Mächte miteinander im Krieg. Dazu flammen neue Konflikte mit dem islamisch-osmanischen Imperium auf. Die Hexenverfolgungen erreichen ihren Höhepunkt, zu Tausenden lodern die Scheiterhaufen. Der Katholizismus festigt sich im Ringen mit der zweiten Generation der Reformatoren, mit Zwingli in Zürich und Calvi in Genf, dessen Terrorregiment oft schlimmer wütet als die Inquisition. Zur Stütze des Papsttums werden Ignatius von Loyola* und der Jesuitenorden Hauptakteure der Gegenreformation; zeitweise scheint ganz Europa «nur von Jesuiten beherrscht» (Cordara SJ).
* (baskischer Herkunft: Ínigo López Onaz y Loyola) 1491 - 1556, Stifter des Jesuiten-Ordens

Dieser vorletzte Band von Deschners Opus magnum (grosses Werk) schließt mit den großen Katastrophen des 17. Jahrhunderts: dem Dreißigjährigen Krieg (1618 –1648), dem bald ein zweiter (1667–1697) folgt – im gesamten Jahrhundert gibt es nur ein einziges gänzlich kriegsfreies Jahr.
2008 feierte Karlheinz Deschner seinen 84. Geburtstag. Und das, obwohl ihm Heerscharen fanatischer Rechtgläubiger seit Jahrzehnten schon Tod und Teufel auf den Leib wünschen. Seit er 1970, unterstützt von sein Freund und Mäzen Alfred Schwarz (und seit den frühen 90-er Jahren von Herbert Steffen), an seinem Lebenswerk, der auf zehn Bände angelegten Kriminalgeschichte des Christentums arbeitet, gilt der in Bamberg geborene Gelehrte als der bedeutendste Kirchenkritiker der Gegenwart – «ein Voltaire unserer Tage».
Gerade ist Band 9 erschienen, das den Zeitraum von der Mitte des 16. bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts behandelt.
Wider «Mörderpäpste und Lügentheologen»
«Von allen
Kirchenkritikern unseres Jahrhunderts ist Deschner der belesenste, radikalste
und leidenschaftlichste»», schreibt die Süddeutsche Zeitung. «Der Papst hat
Bataillone, Karlheinz Deschner kämpft ganz allein.» (konkret) Die
Kriminalgeschichte des Christentums, Deschners Opus magnum (großes Werk), ist die monumentale
aufklärerische Anstrengung des «einzigen Sektenbeauftragen der Welt, der keiner
Sekte angehört» (Gerhard Henschel).
Er bürstet Kirchengeschichte gegen den Strich, liest sie als
Kriminal- und Sexualgeschichte. Mit immenser Materialfülle und unerschrockener
Konsequenz setzt er sich mit den Verfehlungen und Verbrechen der Amtskirche,
stellt «Mörderpäpste und Lügentheologen» bloß. Dieser Autor wird in die
Schulbücher kommen», schrieb der Religionssoziologe Horst Herrmann bereits 1989
im Spiegel. «Deschner hat mehr Tages- und Nachtstunden drangegeben, als es jedem
einfällt, der für seine Arbeit im Weinberg des Herrn nach dem Tarif für
Lebenszeitbeamte entlohnt wird.»
«Sie Oberteufel!»
«Die ganze Geschichte des Christentums war in ihren hervorstechenden Zügen eine Geschichte des Krieges, eines einzigen Krieges nach außen und innen, des Angriffskriegs, des Bürgerkriegs, der Unterdrückung der eigenen Untertanen und Gläubigen.» Mit gnadenloser Schärfe dokumentiert Deschner die Verbrechen der Amtskirche: die Vernichtung der Wandalen und Goten, die Niedermetzelung der Slawen, Hexenverbrennung und Inquisition, die Legitimation von Folter und Sklaverei, die Duldung des Holocaust durch den Vatikan und andere «spezifisch klerikale Aktivitäten des Terrors.»
So macht man sich unter rabiaten Christen keine Freunde. Allein die Existenz eines 660 Seiten starken Bandes mit dem schönen Titel «‹Sie Oberteufel!› Briefe an Karlheinz Deschner» (1992) belegt, dass Glaubensfanatiker ihn, den «hysterischen Historiker», hassen, als sei er der Antichrist persönlich. «Man kann nicht verhindern, dass kranke Menschen so etwas von sich geben. Gesunde Menschen aber sollten verhindern, dass es verbreitet wird», heißt es in drohendem Ton. «Sie müssen doch vom Teufel durch und durch verarbeitet worden sein … Sie benötigen eine Gehirnwäsche.»
Kriminalgeschichte des Christentums, Band 9
Kapitel 1:
Amerikanischer Holocaust oder «Missionsfrühling zu Beginn der Neuzeit»
Kapitel 2: Die Reformation erfaßt die Schweiz. Zwingli und Calvin
Kapitel 3: Die Gegenreformation beginnt
Kapitel 4: Ignatius von Loyola (1491œ1556). Ein tränenreicher Visionär macht
Weltpolitik
Kapitel 5: Der Konfessionalismus beginnt
Kapitel 6: Weltweite Jesuitenagitation
Kapitel 7: Wittelsbacher und Habsburger als Träger der Gegenreformation und der
Kölner Krieg
Kapitel 8: Staatsterror im Westen. Die Niederlande, Frankreich, England und
Schottland im späteren 16. Jahrhundert
Kapitel 9: Die Schlammschlacht vor dem großen Krieg. Vom publizistischen
Schlachtfeld zum militärischen
Kapitel 10: Der Dreißigjährige Krieg beginnt
Kapitel 11: Worum kämpft man im Dreißigjährigen Krieg?
Kapitel 12: Pax Christiana oder «Christliche Lebensführung» nach dem
Jahrhundertkrieg