Humanistische Grundsatzerklärung


Alibri Verlag Aschaffenburg
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2. korrigierte und erweiterte Auflage 2006

Copyright 2005 by Alibri Verlag,

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63703 Aschaffenburg


Umschlag: werner bohr, agentur für gestaltung, Trier

Druck und Verarbeitung: GuS Druck, Stuttgart

ISBN 3-86569-011-4
 


Auf der Buchrückseite ist zu lesen: Wir leben in einer Zeit der Ungleichzeitigkeit: Während wir technologisch im 21. Jahrhundert stehen, sind unsere Weltbilder mehrheitlich noch von Jahrtausende alten Mythen geprägt. In Auseinandersetzung mit den Gefahren, die hieraus resultieren, liefert das Manifest des evolutionären Humanismus eine kompakte Zusammenfassung der Grundpositionen einer „zeitgemäßen Aufklärung".

Es ist ein entschiedenes Plädoyer für eine „alternative politische Leitkultur", die auf die besten Traditionen von Wissenschaft, Philosophie und Kunst zurückgreift, um das unvollendete Projekt der aufgeklärten Gesellschaft gegen seine Feinde zu verteidigen.
 

Inhalt

Einleitung

Fundamentale Kränkungen
Warum die Wissenschaft trotz ihrer Erfolge als Störfaktor betrachtet wird
Der Affe in uns
Über den schwierigen Weg vom traditionellen zum evolutionären Humanismus
„Brot für die Welt - die Wurst bleibt aber hier!"
Die anthropologischen Fundamente einer evolutionär-humanistischen Ethik
Sinn und Sinnlichkeit
Warum uns der evolutionäre Humanismus nahe legt, aufgeklärte Hedonisten zu sein
Abschied von der „Traditionsblindheit"
Evolutionärer Humanismus als „offenes System"
Glaubst du noch oder denkst du schon?
Warum der rationale Glaube an die Wissenschaft nicht mit „Wissenschaftsgläubigkeit" zu verwechseln ist
Wissenschaft, Philosophie und Kunst
Die kulturellen Stützpfeiler des evolutionären Humanismus
„Wer Wissenschaft und Kunst besitzt, hat auch Religion"?
Über die notwendige Konversion des Religiösen
Dem „imaginären Alphamännchen" auf der Spur
Evolutionär-humanistische Antworten auf die Frage nach Gott
Ethik ohne Gott
Eine Entscheidung für den Menschen
Alte Werte - neue Scheiterhaufen?
Warum die Menschenrechte gegen den erbitterten Widerstand der Religionen erkämpft werden mussten ..
Kant versprach den „ewigen Frieden" - gekommen ist Auschwitz...
Das Problem der halbierten Aufklärung
„Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach"?
Warum eine naturalistische Ethik auf „Moral" getrost verzichten kann
Den Eigennutz in den Dienst der Humanität stellen!
Spielregeln für ein menschliches Miteinander
„Macht euch die Erde untertan"?
Warum wir uns vom Speziesismus verabschieden sollten
Leitkultur Humanismus und Aufklärung
Jenseits von Fundamentalismus und Beliebigkeit
Ein Tier, so klug und freundlich
Warum es doch ein „richtiges Leben im falschen" gibt

Anhang
Die Zehn Gebote der Bibel
Die zehn Angebote des evolutionären Humanismus
Nachwort zur zweiten Auflage
Anmerkungen
Dank und Aufruf zur Diskussion



Aus der Einleitung:
Wir leben in einer Zeit der Ungleichzeitigkeit: Während wir technologisch im 21. Jahrhundert stehen, sind unsere Weltbilder noch von Jahrtausende alten Legenden geprägt. Diese Kombination von höchstem technischen Know-how und naivstem Kinderglauben könnte auf Dauer fatale Konsequenzen haben. Wir verhalten uns wie Fünfjährige, denen die Verantwortung über einen Jumbojet übertragen wurde.

Eines der bedrückendsten Probleme der Gegenwart besteht darin, dass sich religiöse Fundamentalisten jeder Couleur in aller Selbstverständlichkeit der Früchte der Aufklärung (Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit, Wissenschaft, Technologie) bedienen, um auf diese Weise zu verhindern, dass die Prinzipien der Aufklärung auf den Geltungsbereich ihrer eigenen Weltanschauung angewandt werden. So benutzten die Terroristen des „11. September" Flugzeuge, die nur dank wissenschaftlicher Erkenntnisse konstruiert werden konnten, um eine Weltanschauung zu stützen, die wissenschaftlichen Überprüfungen niemals standhalten würde. Im Gegenzug führte der „Fundamentalist mit anderen Mitteln", George W. Bush, die Welt in einen verheerenden „Kreuzzug" gegen „den Terror" und die „Achse des Bösen", wobei er sich einer Technologie bediente, die niemals entwickelt worden wäre, wenn sich die Wissenschaftler mit dem Kinderglauben des amerikanischen Präsidenten zufrieden gegeben hätten, dass der Schöpfungsbericht der Bibel wahr sei.

Angesichts der Gefahren, die aus der Renaissance unaufgeklärten Denkens in einem technologisch hoch entwickelten Zeitalter erwachsen, ist es eine Pflicht der intellektuellen Redlichkeit, Klartext zu sprechen - gerade auch in Bezug auf Religion. Fest steht: Wer heute ein logisch konsistentes (= widerspruchsfreies), mit empirischen Erkenntnissen übereinstimmendes (= unserem systematischen Erfahrungswissen entsprechendes) und auch ethisch tragfähiges Menschen- und Weltbild entwickeln möchte, muss notwendigerweise auf die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung zurückgreifen. Die traditionellen Religionen, die bislang das menschliche Selbstverständnis prägten, können diese Aufgabe nicht mehr erfüllen. Sie sind nicht nur hinreichend theoretisch widerlegt, sie haben sich auch in ihrer Praxis als schlechte Ratgeber für die Menschheit erwiesen, wie nicht zuletzt der islamische Fundamentalismus oder die „Kriminalgeschichte" des Christentums (>hier<) belegen.

Das vorliegende „Manifest des evolutionären Humanismus" wurde im Auftrag der Giordano Bruno Stiftung verfasst. Es versucht, die Grundpositionen einer „zeitgemäßen Aufklärung" zu formulieren. Die Verbreitung des Manifests erfolgt in der Absicht, jene zu bestärken, die sich der Leitkultur von Humanismus und Aufklärung bereits verpflichtet fühlen, sowie in der Hoffnung, dass einige der hier dargelegten Argumente auch jene erreichen mögen, die heute noch meinen, ihre „Lebensgewissheiten" aus archaischen Mythen beziehen zu müssen...

Stellungnahme: Die in der Einleitung genannten Gedanken habe ich mit Freude gelesen; denn sie decken sich genau mit meiner Auffassung, wonach ich es immer als eine Unverschämtheit erlebt habe, eine Nonne in voller Ordenstracht am Steuer eines Autos zu sehen oder heute eine Burka-Trägerin oder einen Bärtigen mit Käppchen, dazu noch mit einem sogenannten Handy am Ohr. Diese Gattung Mensch hat jegliche wissenschaftliche Betätigung energisch abgelehnt, interessiert sich immer noch nicht dafür, wie ein Auto funktioniert und sucht schamlos eine Werkstatt auf, falls ein Problem aufgetreten ist. Es müsste gesetzlich festgelegt werden, dass jede Person aus dieser religiösen Gattung Mensch, insbesondere wenn sie sich auch noch als solche zu erkennen gibt, eine Sonderabgabe zu leisten hat als Schadensersatz wegen der Unterdrückung jeglicher wissenschaftlicher Regungen z.B. zu überweisen an die Giordano Bruno Stiftung. Aus einem stark religiös geprägten System kommt nichts heraus. (>Hier< am Beispiel der islamischen Kunst und d0ort - am Ende - weitere Verzweigungen, schließlich einer Mittelung des Deutschen Auswärtigen Amtes.)

Walter Rath, Januar 2008


Noch eine kritische Betrachtung über

"Die zehn Angebote des evolutionären Humanismus" (ab Seite 156)
Dr. Schmidt-Salomon schreibt dazu: »Diese zehn „Angebote" wurden von keinem Gott erlassen und auch nicht in Stein gemeißelt. Keine „dunkle Wolke" sollte uns auf der Suche nach angemessenen Leitlinien für unser Leben erschrecken, denn Furcht ist selten ein guter Ratgeber. Jedem Einzelnen ist es überlassen, diese Angebote angstfrei und rational zu überprüfen, sie anzunehmen, zu modifizieren oder gänzlich zu verwerfen.«

Damit wird ganz besonders deutlich die immer noch eng "christlich-atheistisch" geprägte Denkweise, aus der jemand - ehemals Messdiener - behaftet ist, so wie ich, der nach dem Verklingen des sogenannten Deutschlandliedes (der deutschen Nationalhymne) unvermeidlich an das Gegröle "Die Fahne hoch. Die Reihen fest geschlossen..." erinnert wird.

Im Folgenden die "überarbeiteten" 10 (AN-)GEBOTE:

1. Diene weder fremden noch heimischen „Göttern" (die bei genauerer Betrachtung nichts weiter als naive Primatenhirn-Konstruktionen sind), sondern dem großen Ideal der Ethik, das Leid in der Welt zu mindern! Diejenigen, die behaupteten, besonders nah ihrem „Gott" zu sein, waren meist jene, die dem Wohl und Wehe der realen Menschen besonders fern standen...

2. Verhalte dich fair gegenüber deinem Nächsten und deinem Fernsten! Du wirst nicht alle Menschen lieben können, aber du solltest respektieren, dass jeder Mensch - auch der von dir ungeliebte! - das Recht hat, seine individuellen Vorstellungen von „gutem Leben (und Sterben) im Diesseits" zu verwirklichen, sofern er dadurch nicht gegen die gleichberechtigten Interessen Anderer verstößt.

3. Habe keine Angst vor Autoritäten, sondern den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ... Wenn heute noch jemand mit „Gott an seiner Seite" argumentiert, sollte das keine Ehrfurcht, sondern Lachsalven auslösen.

4. Du sollst nicht lügen, betrügen, stehlen, töten - es sei denn, es gibt im Notfall keine anderen Möglichkeiten, die Ideale der Humanität durchzusetzen! Wer in der Nazidiktatur nicht log, sondern der Gestapo treuherzig den Aufenthaltsort jüdischer Familien verriet, verhielt sich im höchsten Maße unethisch - im Gegensatz zu jenen, die Hitler durch Attentate beseitigen wollten, um Millionen von Menschenleben zu retten. Ethisches Handeln bedeutet keineswegs, blind irgendwelchen moralischen Geboten oder Verboten zu folgen, sondern in der jeweiligen Situation abzuwägen, mit welchen positiven und negativen Konsequenzen eine Entscheidung verbunden wäre.

5. Befreie dich von der Unart des Moralisierens! Es gibt in der Welt nicht „das Gute" und „das Böse", sondern bloß Menschen mit unterschiedlichen Interessen, Bedürfnissen und Lernerfahrungen. ...

6. Immunisiere dich nicht gegen Kritik! ... Durch ... Kritik hast du nicht mehr zu verlieren als deine Irrtümer, von denen du dich besser heute als morgen verabschiedest. Habe Mitleid mit jenen Kritikunfähigen, die sich aus tiefer Angst heraus als „unfehlbar" und ihre Dogmen als „heilig" (unantastbar) darstellen müssen. Sie sollten in einer modernen Gesellschaft nicht mehr ernst genommen werden.

7. Sei dir deiner Sache nicht allzu sicher! ... Sei ... jederzeit offen für bessere Argumente...

8. Überwinde die Neigung zur Traditionsblindheit, indem du dich gründlich nach allen Seiten hin informierst, bevor du eine Entscheidung triffst! ...Eine Menschheit, die das Atom spaltet und über Satelliten kommuniziert, muss die dafür notwendige Reife besitzen.

9. Genieße dein Leben, denn dir ist höchstwahrscheinlich nur dieses eine gegeben! ...Indem du die Freiheiten genießt, die du heute besitzt, ehrst du jene, die in der Vergangenheit im Kampf für diese Freiheiten ihr Leben gelassen haben!

10. Stelle dein Leben in den Dienst einer „größeren Sache ", werde Teil der Tradition derer, die die Welt zu einem besseren, lebenswerteren Ort machen woll(t)en! ... Es scheint so, dass Altruisten (Selbstlosen, Uneigennützigen) die cleveren Egoisten sind, da die größte Erfüllung unseres Eigennutzes in seiner Ausdehnung auf Andere liegt. ...


Kommentar:  Gerade dieses letzte "(das 10.) Angebot" ist bisher immer von allen Ideologien genutzt worden, nämlich einer größeren Sache zu dienen usw. Jede Religion bietet ein Dasein zu einem besseren Leben usw. zur Machterhaltung und Stärkung der "Prediger". Da muss einiges umformuliert werden, um Missverständnisse zu vermeiden.


Das auf dieser Seite vorgestellte Buch: "Das Manifest des evolutionären Humanismus - Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur" ist eigentlich die Voraussetzung zum Verstehen des Buches von Michael Schmidt-Salomon: "Jenseits von GUT und BÖSE" >hier<