"Die Top
100 der deutschen Wirtschaft"

Rüdiger Liedtke:
Wem gehört die Republik?
Die Konzerne und ihre Verflechtungen
Namen • Zahlen • Fakten
'96
Eichhorn Verlag - Frankfurt am Main
1995.
ISBN 3-8218-1343-1
Dieses Buch
ist immer wieder neu aufgelegt und überarbeitet worden! Letzte Ausgabe 2007.
Weitere Veröffentlichungen von
Liedtke am Ende dieser Internetbuch-Seite
Auf der Rückseite des Einbandes
steht:
Deutsche Großkonzerne definieren sich
verstärkt als »Global players« - auf einem Weltmarkt, der von einer deutlichen
Verschärfung des Wettbewerbs gekennzeichnet ist. Damit - und zusätzlich durch
das Thema »Öko-Steuer« - erhält die Diskussion um die Standortpolitik neue
Brisanz. Gleichzeitig fordert die hinsichtlich Sicherheit und Umweltschutz hoch
sensibilisierte Öffentlichkeit verstärktes Engagement der Unternehmen in diesen
Bereichen.
»Wem gehört die Republik '96« trägt beiden Entwicklungen Rechnung und setzt,
über die aktualisierte, detaillierte Charakterisierung der größten und
wichtigsten deutschen Konzerne und ihrer Verflechtungen hinaus, zusätzliche
Akzente auf die Fragen nach dem »Standort Deutschland« und dem Umweltschutz.
Das unentbehrliche Standardwerk für alle, die in der Wirtschaft tätig sind, und
für Leser, die mehr wissen wollen, als in der Zeitung steht.
»Akribisch gibt er zu jedem Konzern
einen historischen Überblick, eine Beschreibung der Geschäfts- und
Forschungsfelder, Namen... Daten zu Investitionsvolumina,
Beschäftigungszahlen... Wer also auf der Suche nach kurzen, kritischen
Informationen über die hiesigen Multis ist, hat mit diesem Buch das Richtige
gefunden.«
Forum Wissenschaft
»Daß dieses Werk wenige Wochen nach Erscheinen bereits auf der Bestsellerliste
der Wirtschaftsliteratur gelandet ist, kann man wohl nur damit erklären, daß
hier nicht nur der typische Wirtschaftsinteressent zugreift. Das Buch ist
erstaunlich kompetent geschrieben.«
WirtschaftsWoche
Der aktuelle Führer durch den Wirtschaftsdschungel aus dem Verlag mit der
Fliege.
Anmerkung: Dieses Buch zeigt, dass sich in den letzten 14 Jahren
überhaupt nichts geändert hat. Im Gegenteil: Der "Rauptierkapitalismus" hat
seine Krallen geschärft...
W. Rath, September 2009
Aus dem Buch selbst:
Nach der vieldiskutierten Rezession
mit einschneidenden Restrukturierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen stehen die
Konzern-Manager vor neuen Herausforderungen. Zwei Themen bestimmen die
Diskussion und das strategische Verhalten der Großunternehmen für 1996: Zum
einen der sich verschärfende Wettbewerb auf dem Weltmarkt und das verstärkte
Auftreten der Konzerne als »Global players«, mit gravierenden Folgen für den
Standort Deutschland. Zum anderen die gestiegene Sensibilität der Kunden und
Verbraucher im Bereich Umweltschutz und Sicherheit und damit das immer offener
zutage tretende Spannungsverhältnis zwischen Ökonomie und Ökologie.
Nahezu alle großen Konzerne betreiben mit Hochdruck die Internationalisierung
ihrer Geschäfte. »Präsenz vor Ort« heißt die Devise. Dort produzieren, wo neue
und potente Märkte definiert, wo die Waren verkauft werden. Das gilt in erster
Linie für die Wachstumsregionen des asiatisch pazifischen Raums, aber auch für
die Schwellenländer Südamerikas und die Staaten Osteuropas. Deutsche Unternehmen
bauen in den jeweiligen Regionen neue Produktionsstandorte auf, gehen mit
Partnern am Ort sogenannte strategische Allianzen oder Joint-ventures ein, die
ihnen auf den jeweiligen ausländischen Märkten die Position »inländischer
Anbieter« verschaffen. Als größte Wachstumsmärkte mit den entsprechenden
Milliarden-Investitionen gelten auf Jahre hinaus China und Indien sowie
Südostasien. Nach den Erfahrungen mit dem Zerfall der Sowjetunion und den
chaotischen Strukturen der heutigen GUS-Staaten dürfte eine politische
Destabilisierung der Volksrepublik China sicher nicht im Interesse der deutschen
Wirtschaft liegen.
Joint-ventures gelten als geeignetes Instrument, auf bereits bestehenden Märkten
Fuß zu fassen und aus diesen Positionen heraus weiter zu expandieren.
Nebeneffekte der Kooperation mit inländischen Partnern: geringe Sprachbarrieren,
kulturelle Eingebundenheit, vorhandenes Management, Verbindungen zu staatlichen
Administrationen (besonders wichtig in Planwirtschaftsländern wie China oder
Vietnam), qualifizierte, meist billigere Arbeitskräfte, Unabhängigkeit von
Währungsschwankungen, geringere Transport- und Logistikprobleme. Ein
wesentlicher Teil der Wertschöpfungskette der Unternehmen verlagert sich in die
Wachstumsmärkte. Hinzu kommt, daß deutsche Unternehmen durch die Verbindung zu
»Niedriglohnstandorten« ihre Vormaterialien aus dem billigeren Ausland beziehen
oder neue Produktionsstätten gleich ins benachbarte Ausland verlegen (Mercedes
baut sein Swatch-Auto in Lothringen, Siemens seine neue Chip-Fabrik im
englischen Newcastle).
Der Trend ins Ausland wird sich noch beschleunigen. Für ein klassisches
Exportland wie Deutschland muß dieses »Global playing« zwangsläufig
einschneidende Folgen für den eigenen Standort haben.
Die Empörung und Empfindlichkeit der Menschen rund um die vom Shell-Konzern
geplante und schließlich abgesagte Versenkung der Öl-Plattform »Brent Spar« war
nur der äußere Ausdruck eines seit Jahren stärker gewordenen Umweltengagements
der Bevölkerung. Die Bürger sind wacher und mißtrauischer geworden gegenüber den
großen Konzernen, ihrer Anonymität, ihrem Einfluß als Investoren und Arbeitgeber
für ganze Regionen, ihren zum Teil umweltgefährdenden Produktionsverfahren (mit
zahlreichen Skandalen in der Vergangenheit). Diese neue Sensibilität hat
unmittelbare Auswirkungen auf das Verhalten der Konzerne. Umweltschutz wird
zunehmend zur »Chefsache«. Öko-Management, Öko-Bilanzen, Öko-Audits und
Umweltberichte sind in vielen Konzernen an der Tagesordnung. Aber vielfach wird
aus der Not ökologischer Auflagen auch eine ökonomische Tugend gemacht.
Umweltschutz ist zu einem entscheidenden neuen Produktionsfaktor geworden, in
einigen Bereichen zum »Jobmaker«. Die Bundesrepublik gilt als führend im Bereich
von Umweltschutztechnologie, besonders im Anlagenbau.
Die meisten Konzerne aber lassen keinen Zweifel daran, daß Ökologie da an
Grenzen stößt, wo sie wirtschaftlichen Erfolg bremst. Ökologisch motivierten
Steuern und Reglementierungen wird eine klare Absage erteilt. Eine »Öko-Steuer«
wird als zusätzliche Belastung des Standortes Deutschland empfunden.
Die vorliegende, vollkommen überarbeitete und ergänzte Neuausgabe von »Wem
gehört die Republik« skizziert und charakterisiert die 100 größten und
wichtigsten Konzerne, setzt sich mit den Strategien der »Global players« und den
Folgen für den »Standort Deutschland« auseinander und beleuchtet das
Umweltschutzverhalten und die Umwelt-Aktivitäten der großen Konzerne.
München, im September 1995
Beispiel:
Die Firma Siemens, am Ende von
10 Seiten ein paar Sätze zitiert:
Mitbewerber: ABB, Alcatel Alsthom, Amdahl, ATS+T, Bayer, Bosch, BCE,
British Aerospace, Copper Industries, Electrolux, Ericsson, Fujitsu, General
Electric, Hitachi, IBM, Kodak, Mannesmann, Matsushita, Maytag, NEC, Nokia, Oki,
Philips, Rolls-Royce, Samsung, Sanyo, Sharp, Thomson SA, Thorn EMI, Toshiba
...Ein Milliardengeschäft
erwartet der Geschäftsbereich KWU (Kraftwerks-Union - u.a. für Kernkraftwerke,
Anmerkung: W.Rath) im Bereich der thermischen Müllentsorgung. In den eigenen
Fabriken wurde ein Konzept des integrierten Umweltschutzes entwickelt, in dem
Grundmaterialien zurückgewonnen, Abwassermengen reduziert und Altgeräte
sachgerecht entsorgt werden können. So wurden in der Siemens AG 1994 die
Abfallmengen um mehr als ein Viertel verringert, die Abwasserbilanz um rund ein
Fünftel verbessert und der Energieverbrauch pro qm Nutzfläche um 4% reduziert.
Bei der Bosch-Siemens Hausgeräte GmbH ist Umweltschutz inzwischen
Unternehmensziel. Seit 1994 nimmt BSHG Altgeräte aller Marken gegen Bezahlung
vom Handel zurück und sorgt für ein fachgerechtes Recycling. Siemens selbst
sieht sich als erstes Unternehmen in Europa, das in verbindlichen Richtlinien
die umweltfreundliche Konstruktion von Produkten vorschreibt.
Umweltschutzverantwortlicher des Siemens-Konzerns und Mitglied des Vorstandes
ist Prof. Dr. Walter Kunerth.
KOMMENTAR (Liedtke).
Hochglanzbroschüren machen keinen
Sinn mehr. Was nutzen die teuersten Werbeagenturen, die spitzfindigsten
Kampagnen und alle öffentlichkeitsnahen Auftritte, wenn ein Unternehmen so in
die Schlagzeilen gerät wie Siemens, wenn reihenweise hohes Führungspersonal vor
Gericht und teilweise hinter Gitter muß, wenn von der Siemens-Connection die
Rede ist. Siemens geriet wegen hoher Schmiergeldzahlungen an vielen kommunalen
Fronten und massiver Korruptionsvorwürfe so gründlich in die Öffentlichkeit, daß
der Ruf erst einmal so richtig ramponiert wurde. Was anfänglich nach einer
Bagatelle aussah, entpuppte sich als systemimmanente Handhabung des
Technologiekonzerns, immerhin eine der feinsten Industrieadressen Deutschlands.
Siemens-Manager hatten Münchener Kommunalbeamte in Millionenhöhe geschmiert, um
bei der Vergabe zweier großer Klärwerk-Bauprojekte bedacht zu werden - mit
Erfolg. Acht Siemens-Angestellte vom unteren bis zum mittleren Konzernmanagement
standen wegen Bestechung vor Gericht und wurden zu hohen Gefängnis- und
Geldstrafen verurteilt. Fünf weitere Führungskräfte folgten im zweiten
Strafprozeß Anfang 1995. Doch von Reue keine Spur. Alles sei zum Wohle der
Wirtschaft allgemein und des Konzerns im besonderen geschehen, hieß es. Es wurde
im Laufe des Prozesses immer deutlicher, daß dieses Siemens-Denken und
-Verhalten in »Provisionsgeschäften« Teil einer gewissen Geschäftsstrategie zu
sein scheint. Was allerdings im Inland beim Millionenpoker um wirtschaftliche
Großaufträge und im Ausschalten der sich mitbewerbenden Konkurrenz mit Fug und
Recht als kriminell bewertet werden kann, scheint im Ausland gang und gäbe zu
sein. Da - so gab man unverblümt zu - werde bei vielen Projekten kräftig
nachgeholfen. Kein Wunder, wenn man hierzulande diese Art von »Provisionen« und
»Sonderausgaben« im Ausland auch noch als Werbungskosten von der Steuer absetzen
kann.
Anfang 1993 gerieten die Siemensianer wieder in die Schlagzeilen, diesmal in
Spanien, im Umfeld der sozialistischen Regierungspartei PSOE. Danach soll
Siemens über Scheinfirmen, die den spanischen Sozialisten nahestehen, kräftig
gezahlt haben, um beim Großprojekt des spanischen Hochgeschwindigkeitszuges AVE
sowie der Elektrifizierung und Signalisierung bedacht zu werden. Siemens war an
diesem Auftrag wesentlich beteiligt. Besonders ärgerlich für die
erfolgsverwöhnten Siemensianer: Im April 1994 verloren sie im Wettbewerb mit der
französischen Alcatel-Alsthom den wohl größten Technologie-Kampf der letzten
Jahre. Südkorea entschied sich anstatt für den unter Siemens-Führung fahrenden
ICE für das französische Pendant TGV. Frankreichs Industrieminister Gerard
Longuet: »Deutschland muß akzeptieren, daß es in Europa andere Industrieländer
gibt.« (Zeitschrift "Die Zeit" vom 22.4.1994)
Noch ein Beispiel (kleiner Auszug):
VOLKSWAGEN:
GESCHICHTE UND ENTWICKLUNG. 1937
erteilte die Nazi-Regierung der Deutschen Arbeitsfront den Auftrag für den Bau
des Volkswagens, des Volkswagenwerks und einer dazugehörigen Stadt. Die
»Gesellschaft zur Vorbereitung des Volkswagens« wurde im September 1938 in
Volkswagen GmbH umgewandelt und ins Handelsregister eingetragen. Der von
Ferdinand Porsche konstruierte »Volkswagen« sollte über ein besonderes
Sparsystem (bis Ende 1944 ca. 336.000 Sparer) zu niedrigen Preisen erworben
werden können. Sonderkonto: »KdF-Volkswagen«. Die im heutigen Wolfsburg
(ursprünglich »Stadt des KdF-Wagens« ) und in Braunschweig entstandenen
Werksanlagen wurden mit Kriegsbeginn zur Rüstungsproduktion eingesetzt.
Produktion von Kühelwagen und Schwimmfahrzeugen für die Wehrmacht. 1944 waren im
Werk Wolfsburg von 12.000 Arbeitern nur 4.000 Deutsche; Rekrutierung von
Zwangsarbeitern. Nach Kriegsende Beschlagnahme des Firmenvermögens durch die
Alliierten; Umbenennung der neuen Stadt in »Wolfsburg«; 1948 Verlegung des
Sitzes der Gesellschaft von Berlin nach Wolfsburg. 1949 übertrug die
Militärregierung die Verfügungsgewalt über die Volkswagen GmbH atif die
Bundesrepublik Deutschland, die ihre Rechte treuhänderisch auf das Land
Niedersachsen übertrug. Nachdem bereits ab 1945 im Auftrag der britischen
Militärregierung einige tausend VW-Käfer produziert worden waren, begann 1949
der steile Aufstieg von VW und sein weltweiter Erfolgsweg. 1955 der
einmillionste Käfer; 1965 der zehnmillionste Volkswagen. Gründung zahlreicher
Auslandsniederlassungen, Verkaufs- und Vertriebsgesellschaften. Erweiterung der
Produktpalette. 1960 Umwandlung in »Volkswagen AG«; Teilprivatisierung des
Unternehmens; die Bundesrepublik und Niedersachsen hielten jeweils nur noch 20%
des Grundkapitals. Verkaufserlös und Dividenden flossen vertragsgemäß der
»Stiftung Volkswagenwerk« zu, die dem Ziel verpflichtet wurde, Wissenschaft und
Technik in Forschung und Lehre zu fördern. 1961 Beendigung des
Volkswagen-Sparer-Prozesses. Gründung zahlreicher in- und ausländischer
Volkswagen-Werke, u.a. in Mexiko und Brasilien. Ende der 60er Jahre
Verschmelzung von Audi und NSU zur AUDI NSU AUTO UNION AG, an der die VW AG die
Mehrheit hält. 1972 wurde der Käfer das meistverkaufte Auto aller Zeiten; 1974
Produktionsbeginn des Golf. Expansionsphase der Wolfsburger in den 70er und 80er
Jahren; Einstieg beim spanischen Automobilhersteller SEAT; neue
Tochtergesellschaften und Produktionsstätten. 1987 Einbringung der
südamerikanischen Produktionsstätten in das mit Ford gegründete Unternehmen
Autolatina, Säo Paulo. 1989/90 Gründung der IFA-Pkw-GmbH und Beginn einer neuen
Expansionsphase. 1990 Einstieg bei SKODA in der Tschechischen Republik. Ende
1993 lief im Werk Wolfsburg der 65millionste Volkswagen vom Band.
Mitbewerber:
BMW, British Aerospace, Chrysler, Daimler-Benz, Fiat, Ford, General Motors,
Honda, Hyundai, Isuzu, MAN, Mazda, Nissan, Opel, Peugeot, Porsche, Renault,
Saab-Scania, Toyota, Volvo
Vorstand:
Piech, Ferdinand, Dr. h.c.
(Vorsitzender; Revision, Regierungsbeziehungen)
Adelt, Bruno
(Controlling und Finanzen)
Büchelhofer, Robert, Dr. (Vertrieb
und Marketing)
Hartz, Peter
(Personal/Arbeitsdirektor)
López de Arriortüa, Jose Ignacio, Dr.
(Produktionsoptimierung und Beschaffung)
Neumann, Jens, Dr. (Konzernstrategie, Treasury, Recht, Organisation)
Posth, Martin, Dr. (Asien-Pazifik)
Seiffert, Ulrich W., Prof. (Forschung
und Entwicklung; Konzern-Einkaufsstrategie und -koordination)
Vorstandsbezüge 1994: 10.419.279,- DM
Markenvorstand VW.
Piech, Ferdinand, Dr.h.c. (Vorsitzender)
Büchelhofer, Robert, Dr. (Vertrieb)
Hartz, Peter (Personal)
Neumann, Jens, Dr. (Organisation und
Systeme)
Sander, Lothar (Controlling und
Rechnungswesen)
Schuster, Herbert (Technische
Entwicklung)
Weißgerber, Folker (Produktion,
Logistik)
....
FERDINAND PIECH UND JOSE IGNACIO
LOPEZ*. Der starke Mann bei VW, der Porsche-Miteigentümer und frühere AUDI-Chef
Ferdinand Piëch, landete 1993 einen großen
und folgenschweren Coup: die Ernennung des früheren Chef-Einkäufers von General
Motors (GM) Europa, des Spaniers Jose Ignacio López de Arriortua, zum
Super-Vorstandsmitglied. Die ZEIT (19.3.1993) zum Mann mit dem
»Kostenkiller-Image«: »Dem 52jährigen aus dem Baskenland eilt ein Ruf wie
Donnerhall voraus. Mit ungewöhnlichen und ungewöhnlich rüden Methoden setzt er
seit 1987 die gesamte Zulieferindustrie in Angst und Schrecken. Damals wurde er
zum Einkaufschef der General-Motors-Tochter Opel in Rüsselsheim berufen, und
schon bald danach murrten selbst große Zulieferer wie Bosch und Teves über die
gnadenlose Härte des Spaniers.« Er wurde gern tituliert als »Würger von
Rüsselsheim« und »Großinquisitor«. Die ZEIT: »Seinen Mitarbeitern ('Meine
Krieger im Kampf gegen die Kosten') verlangt der strenggläubige Katholik, der
gern Heilige zitiert und die mystischen "Exerzitien" des Ignatius von Loyola
"gelesen und praktiziert" hat, ebenso das Letzte ab wie den Zulieferern. Das
kann bis zur Selbsthypnose gehen, deren Wert López schätzt - auch weil er ihn in
der Person Mahatma Gandhis erwiesen sieht... López hat in den vier Jahren bei
den GM-eigenen europäischen Zulieferfirmen die Lohnkosten um
65%, die Fabrikationsflächen um 40% und die Produktionszeiten um 75%
heruntergedrückt.« Der neue Wolfsburger wies seine Manager bei GM sogar an, daß
sie ihre Uhren am rechten Handgelenk zu tragen hätten - als Zeichen für eine
neue Ära bei General Motors. Gerüchte wollen nicht verstummen, wonach López ein
Streiter im Dienste des Opus Dei sei.
* >Hier< noch
ein paar Sätze zu Lopez mit einem Bild (mit [Strg][F] suchen).
OPEL VERSUS VOLKSWAGEN.
In einer Titelgeschichte unter der Überschrift »Der Skrupellose« veröffentlichte
der »Spiegel« (21/93) den Verdacht des früheren López-Arbeitgebers General
Motors (GM), der Spanier habe hochgradig Industrie-Spionage betrieben und
gemeinsam mit sieben seiner engsten Mitarbeiter, die er mit zu VW genommen
hatte, Geheimnisse von Opel und General Motors an die Wolfsburger verraten. Opel
stellte bei der Staatsanwalt Darmstadt gegen López und Co. Strafantrag wegen des
»Verrats von geheimen Betriebs- und Geschäftstatsachen«. So soll der einstige
GM-Chefeinkäufer sämtliche Lieferanten- und deren Preislisten,
Kostenberechnungen für Zulieferteile, geheime Konstruktionspläne,
Investitionsprojekte und Modellstudien von Opel und GM mitgenommen haben. López
freilich dementierte energisch. Gutachten, Beschuldigungen folgten, eine
Pressekonferenz des VW-Chefs, die einer Kriegserklärung an Opel glich. Das FBI
begann zu ermitteln, Detektive schwärmten aus. Im April 1994 gab dann die
Staatsanwaltschaft bekannt, daß auf bei VW beschlagnahmten Computern und
Disketten geheime Opel-Dokumente entdeckt worden seien. 1995 ermittelte die
Darmstädter Staatsanwaltschaft immer noch gegen López, hing über dem
VW-Vorstandsmitglied die Drohung einer Anklage wegen Industriespionage. Alle
Versuche einer Einigung zwischen VW und GM scheiterten. Eine Affäre ohne Ende.
Der Autor
Einige
Stationen von Rüdiger Liedtke auf dem Weg zum Publizisten,
Schriftsteller und Journalisten:
Ausbildung zum Industrie- und Verlagskaufmann in
der Verlagsgruppe Bertelsmann. Redakteur im Bertelsmann Ratgeberverlag.
Ausbildung zum Journalisten am Münchner
Presse-Lehr-Institut und Journalistenschule. Redakteur beim Heidelberger
Tageblatt/Mannheimer Morgen.
Studium der Politikwissenschaften an der
Hochschule für Politik, München, der Zeitungswissenschaften, Geschichte
und Pädagogik an der Ludwig-
Maximilians-Universität, München. Abschluß zum
Diplompolitologen (Dipl.sc.pol.).
Langjährige Tätigkeit (Reportagen, Features) für
verschiedene Radio- und Fernsehsender, u.a. Bayerischer Rundfunk,
Hessischer Rundfunk und Westdeutscher Rundfunk.
Publizistische Tätigkeit für Zeitungen,
Zeitschriften und Special-Interest-Magazine. Autor zahlreicher Bücher.
Rüdiger Liedtke lebt als Schriftsteller und
Journalist in Köln.
http://www.ruediger-liedtke.de
Zu den wichtigsten Büchern des Autors
gehören aktuell und in den zurückliegenden Jahren:
|
|
Wir privatisieren uns zu Tode
Wie uns der Staat an die
Wirtschaft verkauft
Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 2007 |
|
|
Wem gehört die Republik? 2007
Die Konzerne und ihre
Verflechtung in der globalisierten Wirtschaft
Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 2006 |
|
|
Das Energie-Kartell
Das lukrative Geschäft mit Strom,
Gas und Wasser
Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 2006 |
|
|
Das Energie-Kartell
Das lukrative Geschäft mit Strom,
Gas und Wasser
Radioropa Hörbuch, Daun 2006
|
|
|
Wem gehört die Republik? 2006
Die Konzerne und ihre
Verflechtungen in der globalisierten Wirtschaft
Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 2005
|
|
|
Wem gehört die Republik? 2005
Die Konzerne und ihre
Verflechtungen in der globalisierten Wirtschaft
Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 2004
|
|
|
Die Vertreibung der Stille
Leben mit der akustischen
Umweltverschmutzung
Deutscher Taschenbuch Verlag, München
2004 |
|
|
Wem gehört die Republik? 2004
Die Konzerne und ihre
Verflechtungen
Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 2003 |
|
|
Das Urlaubs-Kartell
Der Reisemarkt im Griff der
Konzerne
Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 2002 |
|
|
Wer beherrscht den DAX?
Name, Zahlen und Fakten für
Anleger
Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 1999 |
|
|
Die Vertreibung der Stille
Wie uns das Leben unter der
akustischen Glocke um unsere Sinne bringt
dtv/Bärenreiter, München 1996
(aktualisierte Neuausgabe) |
|
|
Konzerne
Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei
Hamburg 1995 |
|
|
Katastrophen-Kohl
Pleiten, Flops und Peinlichkeiten
eines genialen Kanzlers
Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 1994 |
|
|
Wem gehört die Republik? 1995
Die Konzerne und Ihre
Verflechtung
Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 1994 |
|
|
Saludos Amigos
Affären, Skandale und
Hinterfotzigkeiten im Freistaat Bayern
Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 1993 |
|
|
Die Treuhand und die zweite Enteignung der Ostdeutschen
Herausgegeben von Rüdiger Liedtke.
edition spangenberg, München 1993 |
|
|
Kohls Fettnäpfe
Stationen eines genialen Kanzlers
Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 1992 |
|
|
Wem gehört die Republik?
Die Konzerne und Ihre
Verflechtung
Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 1991
|
|
|
Kohl-Chronik
Die Flops und Fehlleistungen des
großen Aussitzers
Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 1990 |
|
|
Die neue Skandal-Chronik
40 Jahre Affären und Skandale in
der Bundesrepublik
Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 1989 |
|
|
Kriminal-Chronik
Die aufsehenerregendsten Fälle
der letzten 30 Jahre
Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 1989 |
|
|
Österreich
Menschen, Landschaften
Herausgegeben von Rüdiger Liedtke.
Elefanten Press, Berlin 1988 |
|
|
Wem gehört unsere Republik?
Hundert Konzerne und ihre
Verflechtungen
Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 1988 |
|
|
Skandal-Chronik
Das Lexikon der Affären und
Skandale in Wildwest-Deutschland
Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 1987 |
|
|
Cuba
Menschen, Landschaften
Herausgegeben von Dorothea Boyer, Rüdiger
Liedtke und Günter Mletzko. Elefanten Press, Berlin 1987 |
|
|
Raus in die Stadt
Ein Stadtführer für Kinder durch
München und seine Geschichte
Herausgegeben von Rüdiger Liedtke und dem
Schwabinger Kinderkino KiKo. Elefanten Press, Berlin 1987 |
|
|
Männer
Der eine kann's, der andere auch
Der Roman nach dem Film von Doris Dörrie.
Ullstein Verlag, Berlin 1986 |
|
|
Die Vertreibung der Stille
Wie uns das Leben unter der
akustischen Glocke um unsere Sinne bringt Schönbergers
Verlag, München 1985. Taschenbuch: dtv/Bärenreiter, München 1988 |
|
|
Helmuth K. Hohl: Schwimmen lernen im Wolfgangsee
Ein Kanzler geht baden
Reihe: Das Basiswissen der Deutschen.
Elefanten Press, Berlin 1985 |
|
|
Dr. Fritz Immermann: Richtig schwören vor Gericht
Reihe: Das Basiswissen der Deutschen.
Elefanten Press, Berlin 1984 |
|
|
Christian Bundes-Post: Richtig wählen von Eins bis Null
Reihe: Das Basiswissen der Deutschen.
Elefanten Press, Berlin 1984 |
|
|
Widerstand ist Bürgerpflicht
Macht und Ohnmacht des
Staatsbürgers
Kindler Verlag, München 1984 |
|
|
Die tun sowieso, was sie wollen
Warum wir so sauer auf unsere
Politiker sind, und wie wir verhindern können, daß sie weiterhin
tun, was sie wollen
Meyster Verlag, München 1983 |
|
|
Die verschenkte Presse
Die Geschichte der Lizenzierung
von Zeitungen nach 1945
Verlag für Ausbildung und Studien, Berlin
1982 |