Die Grosse Gier
>Hier< ein Beispiel des scheinbaren Wertes von Edelsteinen

Hans Leyendecker
Die Grosse Gier
Korruption, Kartelle, Lustreisen:
Warum unsere Wirtschaft eine neue Moral braucht.
rororo
Berlin 2009
Auf der Rückseite des Buches:
VOLLSTÄNDIG ÜBERARBEITETE UND
AKTUALISIERTE AUSGABE!
In deutschen Firmen wird geschmiert und getrickst, was das Zeug hält. Da werden
Summen in die eigene Tasche und auf Liechtensteiner Konten umgelenkt, Verträge
erschlichen, Geschäftspartner bestochen, Betriebsräte umgarnt, Steuern
hinterzogen. Mit exklusivem Hintergrundmaterial zu den Skandalen bei Siemens, VW
und EADS deckt Hans Leyendecker das Netzwerk krimineller Machenschaften auf.
Außerdem beschreibt er die Gesetze der Gier, die dahinter stehen und nicht erst
mit der Bankenkrise offenbar geworden sind.
«Hans Leyendecker ist einer der profiliertesten investigativen Journalisten
unserer Zeit.» Frankfurter Allgemeine Zeitung
«Der deutsche Bob Woodward.» Wall Streeet Journal
www.rororo.de
Auf der Buchinnenseite ist zu lesen:
In deutschen Firmen wird geschmiert und getrickst, was das Zeug hält. Da werden Summen in die eigene Tasche umgelenkt, Verträge erschlichen, Geschäftspartner bestochen, Betriebsräte umgarnt, Steuern hinterzogen. Unlauteres Geschäftsgebaren, ob zum Nutzen habsüchtiger Manager oder zum vermeintlich Besten des Unternehmens, ist an der Tagesordnung.
Mit exklusivem Hintergrundmaterial zu den Skandalen bei Siemens, VW, Infineon,
Ikea und anderen deckt Hans Leyendecker das Netzwerk krimineller Machenschaften
auf. Er legt offen, wie Unternehmen versuchen, die Aufklärung der Affären zu
verhindern, aber auch, wie die Betrügereien durch das System noch gefördert
wurden und werden.
Profit und Ethik, heißt es oft, schlössen einander aus. Ohne Ethik kein Profit,
hält Leyendecker dem entgegen, denn der langfristige Schaden für die deutsche
Wirtschaft ist enorm. In einem einzigartigen Überblick fasst Leyendecker
zusammen, was die Justiz tun kann, und zeigt auch vor dem Hintergrund der
Liechtenstein-Steueraffäre und der Bankenkrise, wie Ethikregeln aussehen müssen,
die ihren Zweck erfüllen.
Leseprobe aus der Einleitung:
...
In der langen Geschichte der vielen Finanzkrisen könnte der 15. September 2008
ein solches Datum sein. An diesem Tag brach die US-Investmentbank Lehman
Brothers zusammen. Weltweit rauschten die Aktienkurse in den Keller. Andere
Geldhäuser waren schon vorher kollabiert. Innerhalb von sechs Monaten gingen
drei der fünf großen Investmenthäuser unter. Der Aufstieg und vor allem der Fall
der großen Investmentbanken zeigt, wohin Gier führen kann, die der Antrieb des
Turbokapitalismus ist. ... auch wer nie etwas an der Börse riskiert hatte, bekam
Angst um sein Erspartes, um die eigene Existenz. Der Finanzcrash stürzte den
Kapitalismus in eine Legitimationskrise und erschütterte den Glauben an den
Markt. Protagonisten des völlig freien Marktes riefen nach Regulierung, gesucht
wurde der starke Staat, der plötzlich Konjunktur hatte. Staatliche
Interventionen bekamen eine neue Qualität.
Es war nicht mehr länger nur eine Binsenweisheit aus dem
Gemeinschaftskundeunterricht, zu behaupten: Der Staat sind wir. Wir Bürger. Wir
Wähler. Wir Steuerzahler. Das von Neoliberalen oft verspottete Gemeinwohl war
keine Phrase mehr. Es gab eine Renaissance der Solidarität.
Der Staat lebt von dem Vertrauen, dass er seine Gesetze auch durchsetzt.
Steuerhinterziehung, oft als Kavaliersdelikt bezeichnet, war keine Bagatelle,
sondern kriminell.
Das Steuerflucht das Gemeinwohl schädigt, dämmerte vielen Bürgern am 14. Februar
2008. Frühmorgens erlebten sie im Fernsehen mit, wie Staatsanwälte und
Steuerfahnder den damaligen Chef der Deutschen Post World Net, Klaus Zumwinkel,
in seiner Kölner Villa heimsuchten. Er wurde verdächtigt, 1986 bei der
LGT-Gruppe in Liechtenstein einen Millionenschatz versteckt und die
Kapitalerträge der deutschen Steuer verschwiegen zu haben. Am Ende der
Durchsuchung wurde Zumwinkel festgenommen und zum Haftrichter nach Bochum
gebracht. Der setzte den Haftbefehl nach Zahlung einer Kaution in Höhe von vier
Millionen Euro außer Vollzug.
Im November 2008 klagten ihn die Bochumer Strafverfolger wegen
Steuerhinterziehung an und bescheinigten dem Manager kriminelle Energie. So soll
er bei Telefonaten mit der Bank Codewörter benutzt haben. Zwischen 2002 und 2007
hat er demnach Kapitalerträge in Höhe von 2,5 Millionen erzielt und dem Fiskus
1,2 Millionen Euro vorenthalten. Wegen Verjährung konnte die Staatsanwaltschaft
nur die letzten fünf Jahre anklagen. Beim Fiskus muss der Multimillionär aber
die Steuern für die letzten zehn Jahre begleichen. Nach dieser Rechnung war sein
Liechtenstein-Schatz zwölf Jahre in Deutschland steuerfrei.
Zumwinkel, dem Anfang 2009 der Prozess gemacht werden soll, sieht sich mit der
Drohung einer hohen Bewährungsstrafe konfrontiert. Er ist einerseits zwar
vorläufig der berühmteste deutsche Steuersünder, andererseits ist er nur einer
von rund 800 Gutbetuchten, die jetzt mit Aktenzeichen belegt wurden, weil sie
einen Teil ihres Vermögens an der Steuer vorbei nach Liechtenstein geschafft...
Der Autor:
Hans Leyendecker, geboren 1949, hat fast zwei Jahrzehnte für den Spiegel
geschrieben und ist heute Leitender Redakteur der Süddeutschen Zeitung. Er
brachte - allein oder im Team - unter anderem die Affären Flick, Lambsdorff,
Späth, Steffi Graf, Schreiber und Kohl ans Licht. Für seine Enthüllungen erhielt
er zahlreiche Auszeichnungen im In- und Ausland, darunter 2007 den Wächter-Preis
sowie den Henri-Nannen-Preis für investigative Leistungen (zusammen mit den
SZ-Kollegen Klaus Ott und Markus Baiser für die Berichterstattung über den
Siemens-Skandal). Zuletzt veröffentlichte er «Die Korruptionsfalle» (2003) und
«Die Lügen des Weißen Hauses» (2004).
Gier nach Edelsteinen (Schmuck überhaupt, aber auch Sammlerstücken, wie Bilder, sogar Exkremente der Leute, die - wahrscheinlich - als erste den Mond betreten haben):
Edelsteine und Halbedelsteine gibt es mit unzähligen Namen, zu unberechenbaren (unzurechnungsfähigen) Preisen, die von der Steinzusammensetzung, wie dem härtesten natürlichen Material, dem Diamant (von griechisch adámas, unbezwingbar), als einer (möglichst) reinen Kohlenstoff-Form (bei der in jeder Ecke von aneinanderliegenden Würfeln ein Kohlenstoffatom sitzt) bis hin zu nicht ganz reinen Edelsteinen, die sogar Verunreinigungen haben (sollen und drüfen), die aber durch eine ganz ungewöhnlich Farbgebung besitzgierig machen (können, je nach "Ruf").
Schmuck hat an und für sich keinen Wert. Der Wert ist als einfaches Massenphänomen überliefert, wobei ein seltenes Vorkommen eines Schmuckstücks die Habgier ganz besonders anstachelt. Technisch gesehen haben Edelsteine und Edelmetalle eine wichtige Bedeutung. Mit Edelsteinen, wie dem Diamant kann man Glas schneiden. Chemisch beständige Goldkontakte in der Elektrotechnik korrodieren* nicht, behalten also ihre Leitfähigkeit. Der Rummel um Schmuck ist vergleichbar mit ideologischem Wahn und sogar Teil davon, meistens nicht trennbar vom ideologischen Wahn (siehe die geschmückten Popen >hier< blättern).
* rosten und verändern sich durch andere chemische Umwandlungen nicht
Die Wochenzeitschrift "Der Spiegel" brachte in der Ausgabe 4/2010 einen Artikel (unter anderem) über das Umschleifen eines besonders kostbaren Edelsteins. Einige wenige Sätze seien zitiert: Die Geschichte der französischen Kronjuwelen liest sich noch brutaler. Der gelbe „Sancy" (55 Karat*, Bild unten rechts) befand sich zeitweise im Bauch eines ermordeten Boten. Den farblosen „Regent" (140 Karat) schmuggelte ein Hindu-Sklave in einer selbst geschlagenen Wunde aus der Fundmine.
* Karat (von
griechisch kerátion: kleines Horn) ist gesetzliche Einheit mit dem Zeichen Kt
oder ct zur Angabe der Masse von Edelsteinen: 1Kt = 0,2g.
Am meisten Blut klebt am blassrosafarbenen „Darya-i-Noor" (186 Karat, Bild
links), den die Perser 1739 bei einem Überfall auf Delhi erbeuteten und dabei
Hunderte niedermetzelten. Das Stück liegt heute in der Zentralbank von Teheran.
Zitat-Ende

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