Asoziale Marktwirtschaft
>Hier< eine Stellungnahme des ttt-Moderators zu Subventionen,
>hier< die Neuauflage des "Das neue Schwarzbuch Markenfirmen. Die Machenschaften der Weltkonzerne"
von Klaus Werner und Hans Weiss
und
>hier< zum Buch von Hans Weiss: "Korrupte Medizin" auf einer getrennten Web-Seite.
Hans
Weiss / Ernst Schmiederer
Asoziale Marktwirtschaft
- Insider aus Politik und Wirtschaft enthüllen,
wie die Konzerne der Staat ausplündern - .
Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2004
Auf den Umschlagseiten:
Internationale Großkonzerne wie Daimler-Chrysler, Deutsche Telekom oder Siemens zahlen trotz immenser Gewinne kaum noch Steuern - und bereichern sich zusätzlich an Milliardensubventionen des Staates.
Nach dem Bestseller »Schwarzbuch Markenfirmen« enthüllt dieses neue Buch über
die Machenschaften der Multis, woher die Armut der Städte und Kommunen rührt,
wie die Konzerne den Staat ausplündern und welche Topmanager sich besonders
ungeniert bereichern.
www.asoziale-marktwirtschaft.com
Die hoch bezahlten Berater nennen es
»Steueroptimierung«: Internationale Großkonzerne wie DaimlerChrysler, Deutsche
Telekom oder Siemens zahlen trotz immenser Gewinne kaum noch Steuern - und
bereichern sich zusätzlich an Milliardensubventionen des Staates. Mehr und mehr
multinationale Konzerne verlagern ihre Betriebe ins Ausland - dorthin, wo sie
weniger Abgaben entrichten. Der Anteil des Kapitals am Gesamtsteueraufkommen in
Deutschland ist von 34,7 Prozent im Jahr 1960 auf 12,2 Prozent im Jahr 2002
gesunken. Die gesellschaftliche Infrastruktur - Schulen, Universitäten,
Krankenhäuser, Polizei, Straßen usw. - wird im Wesentlichen von Lohnabhängigen
und vom Mittelstand finanziert. In diesem Buch kommen hochrangige Insider zu
Wort, die ungeschminkt erzählen, wie die Welt hinter den dick gepolsterten Türen
aussieht. So schildern Konzernbetriebsprüfer, wie Multis ihre Gewinne
verschleiern und wie die Arbeit der Finanzbehörden von Politikern behindert
wird. Oder ein hochrangiger Konzernmanager und Wirtschaftsanwälte erläutern die
Steuertricks der Multis. Zusätzlich zeigen Tabellen und Grafiken, welche
Konzerne den Staat besonders schamlos ausplündern und welche Konzernchefs und
Spitzenmanager sich besonders ungeniert bereichern.
www.kiwi-koeln.de
Leseprobe aus dem Vorwort ein paar Ausschnitte:
... Schlechte Nachrichten, wohin man blickt: Nie zuvor haben Konzernmanager so viel und so hemmungslos und so selbstbewusst abkassiert. Schon lange nicht mehr haben die von ihnen geführten Unternehmen so wenig zum Gemeinwohl beigetragen. Nie zuvor waren diese Konzerne so mächtig wie heute.
Schon lange nicht mehr war die Kluft zwischen den wenigen da oben und den vielen
da unten so groß wie heute. Nie zuvor war eine so reiche Gesellschaft so
ungerecht den Schwächeren gegenüber. Inzwischen ist unübersehbar geworden, dass
das schöne Konzept der sozialen Marktwirtschaft durch die raue Wirklichkeit
unserer asozialen Marktwirtschaft ersetzt wurde. Zwar wird viel Geld ausgegeben,
um diesen Sachverhalt schöner zu reden. Die Konzerne scheuen weder Mühen noch
Ausgaben, um in der Öffentlichkeit gut dazustehen. Auf ihren Webseiten und in
ihren Geschäftsberichten kann man lesen, wie engagiert Konzerne im Sozialbereich
sind, dass sie faire Löhne zahlen, dass sie freiwillig viel Geld für kulturelle
Aktivitäten spenden, dass sie sich Sorgen um die Umwelt machen und so weiter.
...das wirklich Erschreckende: Alles, was die Konzerne tun, ist juristisch
erlaubt, kein Trick ist wirklich illegal. Schuld daran ist eine Politik, die
sich den Konzernen andient und ihnen all dies ermöglicht; häufig durchaus
gewollt, manchmal als Ergebnis »handwerklicher Fehler«, oft aber auch deshalb,
weil die Konzerne über die raffinierteren Berater und auch mehr Macht verfügen
als die Politik.
Das Ergebnis dieser Entwicklung lässt sich in volkswirtschaftlichen Zahlen
eindrucksvoll beschreiben: Von 1960 bis 2000 sank in (West-)Deutschland der
Anteil der Steuern auf Gewinn- und Vermögenseinkommen von 20 Prozent auf 6,7
Prozent. Im selben Zeitraum stieg der Anteil der Steuern auf Löhne und Gehälter
von 6,3 auf 19,4 Prozent.
Andere Zahlen, dieselbe Tendenz: 1983, zu Beginn der Ära Kohl, machten
Körperschafts- und Einkommenssteuer noch 14 Prozent der Gesamtsteuereinnahmen
aus, im Jahr 2002 aber nur noch 2,3 Prozent.
Der Staat holt sich das Geld also bei denen, die sich am wenigsten wehren
können. Unübersehbar wurde damit auch der Ausgleich zwischen Wirtschaft und
Gesellschaft neu definiert - weg von der sozialen, hin zur asozialen
Marktwirtschaft
Wenn die Politik aber, was gelegentlich vorkommt, dagegen ankämpfen und die
Steuerschraube für die Konzerne anziehen will, drohen diese mit Abwanderung in
Länder, die bessere Bedingungen bieten.
Eine geheime Studie der strategischen Planungsabteilung des Siemens-Konzerns in
München kam vor kurzem zu folgendem Ergebnis: Deutschland entwickelt sich in den
kommenden Jahren zu einer Gesellschaft, in der es keinen breiten Mittelstand
mehr gibt, sondern eine scharfe Unterteilung in Oben und Unten. ...
Zu den Autoren:
Hans Weiss, Dr. phil., Jahrgang 1950.
Studium der Psychologie und Soziologie in Innsbruck, Wien, Cambridge und London.
Freier Journalist (für ORF, Stern, Spiegel) und Buchautor in Wien. Mehr als ein
Dutzend Buchveröffentlichungen mit einer Gesamtauflage von vier Millionen und
zahlreichen Übersetzungen, u.a. »Bittere Pillen« (Erstauflage 1983), »Kriminelle
Geschichten - Ermittlungen über die Justiz« (1985), »Gift-Grün - Chemie in der
Landwirtschaft und die Folgen« (1986), »Kursbuch Gesundheit« (Erstauflage 1990),
»Schwarzbuch Markenfirmen - Die Machenschaften der Weltkonzerne« (2001,
Neuauflage 2003), »3 x täglich - Kritische Gebrauchsinformationen zu 11.000
Arzneimitteln« (2003).
Ernst Schmiederer, Dr. phil., Jahrgang 1959, ist seit zwanzig Jahren Journalist. Er veröffentlichte u.a. in den Magazinen "Die Zeit" und "Geo", war Ressortleiter beim Nachrichtenmagazin "profil" und berichtete als USA-Korrespondent aus New York für "profil" und das Schweizer Magazin "Facts". Zuletzt war er als Chefredakteur für das Wirtschaftsmagazin "Format" tätig.
Dieter Moor, 1958 in Zürich geboren, ist seit
2007 Moderator der ARD-Sendung (Allgemeine Deutsche Rundfunkanstalten) „ttt —
Titel, Thesen, Temperamente" (z.Z. sonntags).
Seine Bücher: „Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht (rororo,
8,95 Euro, Hörbuch: Universal/Deutsche Grammophon, 14,99 Euro - ein Bestseller).
„Ganz & einfach" (mit Sabine Schneider, 24,95 Euro), ein Kochbuch für saisonale, regionale Küche.
Er sagte einmal: "Ich bin generell nicht für Subventionen. Vor allem ärgert es mich, wenn ich lese, dass du, wenn du ein Opern-Abonnement hast, mehr Transferleistungen genießt als fünf Hartz-IV*-Empfänger, einfach nur, weil du diesen Sessel mit deinem wohlgepolsterten Hintern besetzt. Da heißt es zwei Jahrzehnte lang: Theater muss wehtun, es muss skandalisieren, es muss schmerzen – aber wir sollen es alle bezahlen. Das ist doch ein Widerspruch. Und dieses am Tropf hängen, diese Abhängigkeit von Gnaden des Staates, die ich auch bei den Bauern sehe – mal gibt es Subventionen, mal keine, mal lohnt sich eine Brachfläche, dann wieder nicht – das ist nicht gut, auch nicht für die Kultur."
* Peter Hartz (ehemaliger VW-Manager, in 44 Anklagepunkten wegen "Untreue" auf Bewährung verurteilt, was als skandalös gesehen wird), wurde wegen seiner Vorschläge zur "Arbeitsmarktreform" hoch dekoriert und wird als einziger in der gesamten Rechtssprechung namentlich für ein Gesetzesregelwerk genannt; er gesteht einem Arbeitslosen um die 600 € monatlich zu (während eine Person aus seinem Prostituiertenkreis in Brasilien monatlich über 7 Tausend € vertraglich bekam).
Neuauflage:
Das neue Schwarzbuch Markenfirmen. Die Machenschaften der Weltkonzerne
Broschiert: 407 Seiten
Verlag: Deuticke im Zsolnay Verlag (2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3216307158
Das Buch listet mehr als 50 der größten Weltkonzerne wie
adidas, Coca-Cola, McDonald’s, Daimler-Chrysler,
Nestlé, Procter & Gamble und
Siemens auf,
die laut Schwarzbuch Markenfirmen von Billigstlöhnen,
ausbeuterischer Kinderarbeit, Folter, Sklaverei,
illegalen Medikamentenversuchen an Menschen, politischer und sozialer
Diskriminierung, Tierquälerei, Ressourcenvernichtung und Umweltzerstörung* profitieren
sowie die Verfolgung von Gewerkschaftern und anderen Kritikern
unterstützen. Regierungen werden erpresst, Krisen und bewaffnete
Konflikte ungeniert ausgenützt oder sogar finanziert.
* man denke an die Umweltkatastrophe durch Shell in
Nigeria, die schlimmer sein soll als die Ölpest im Golf von Mexiko 2010
Autor Klaus Werner-Lobo behauptet, monatelang zum Schein als korrupter afrikanischer Rohstoffhändler agiert zu haben, um nachzuweisen, dass die Bayer AG den Krieg in der Demokratischen Republik Kongo, der über drei Millionen Todesopfer gefordert hat, mitfinanziere. Co-Autor Hans Weiss schreibt, er habe versucht, getarnt als Pharmaberater, zu beweisen, dass westliche Pharmaunternehmen in Osteuropa lebensgefährliche Medikamentenversuche an Menschen durchführen lassen.
Im allgemeinen Teil werden mögliche Zusammenhänge zwischen der neoliberalen Globalisierung und der systematischen Verletzung von Menschenrechten durch die Politik transnationaler Unternehmen erläutert, aber auch die Verflechtungen zwischen Politik, Konzernen und internationalen Organisationen wie der Welthandelsorganisation WTO, der internationale Währungsfond IWF oder die Weltbank. Werner untersucht wichtige Konsumbranchen (Lebensmittel, Erdöl, Bekleidung etc.) auf ihre Rolle im globalen Wirtschaftssystem, um schließlich mehr als 300 Markennamen kritisch zu analysieren."
Rezension einer Leserin, die nicht genannt werden will:
Ich hab das Buch in einer Nacht "gefressen" - konnte gar nicht mehr aufhören damit. Es ist ein Wahnsinn, was Firmen wie H&M, Donna Karan (!), MacDonalds und Shell aufführen! Das System von Kinderarbeit, Ausbeutung und Umweltzerstörung, von dem diese Firmen rücksichtslos profitieren, wird hier in einer Klarheit aufgezeigt, dass man es auch dann kapiert, wenn man sich bisher nicht allzu intensiv mit solchen Themen beschäftigt hat. Ich find's aber auch gut, dass einem trotzdem nicht der Konsum prinzipiell verdorben wird, weil es vor allem darum geht, bei den Firmen zu protestieren statt sie zu boykottieren. Die Adressen findet man im Buch, das eigentlich der wichtigste "Einkaufsführer" des 21. Jahrhunderts ist - ein absolutes Muss, vor allem in Zeiten der Globalisierung!