Bücher: Thora
>Hier< Definitionen und ein kleiner Überblick, auch zum Begriff des Talmud,
ferner
>hier< einiges über Israel,
>hier< die Weiterführung der »Gebote«, »Verbote«, Vorschriften
und vieles mehr im Koran, dem »Heiligen Buch des Islam«.
Die Bibel - >hier< - darf natürlich auch nicht fehlen.
Nicht viel anders ist die »religiöse« Weltanschauung des Buddhismus >hier<.
>Hier< eine Untersuchung auf »Weltlichkeit« (Unstimmigkeit, Verlogenheit usw.)
insbesondere des Alten Testamentes (und damit der Thora und des Talmuds):
»Die Unheilige Schrift« von Erhard Zauner, wonach das Gesicht von Jahwe,
einem "pervertierten abartigen kranken Wesen entspricht.
Doch der Autor zitiert nur die Bibel!!!"
Die fünf Bücher der Weisung (Thora)
Verdeutscht von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig
Verlag Lambert Schneider GmbH, Heidelberg
Die fünf Bücher
der Weisung Pentateuch - Die fünf Bücher des Moses
Verdeutscht von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig
Inhalt:
Das Buch Im Anfang
[Genesis].
Das Buch Namen [Exodus].
Das Buch Er rief [Leviticus].
Das Buch In der Wüste [Numeri].
Das Buch Reden [Deuteronomium].
Ziele der Übersetzung
»Buber selbst bezeichnet seine Arbeit nicht als Übersetzung, sondern
"Verdeutschung"; er meint damit mehr als eine stärkere Vokabel. Und seine Arbeit
zeigt auf den ersten Blick, daß er die Aufgabe des Übersetzens entschieden
tiefer ansetzt, als das gewöhnlich geschieht.
Die Übersetzung von Buber und Rosenzweig ist eine Begegnung mit der Ursprache
des Alten Testaments, Begegnung, die neu entdeckt. Die Entdeckungen spiegeln
sich in der Übersetzung. Deswegen ist sie so wenig glatt und eingängig, deswegen
mutet uns viel in ihr so fremd an. Die Übersetzer sind ... darauf gestoßen, daß
sich ein Satz, ein Wort, ein Zusammenhang nicht in der uns geläufigen Wort- und
Satzfügung wiedergeben ließen, sie sind ständig auf der Suche nach einer gemäßen
Wiedergabe, ... wollen in der deutschen Wortgestalt die andere, fremde, mächtige
Wortgestalt zu Wort kommen lassen ... Diese Sorgfalt und Strenge in der
Wiedergabe des Urtextes findet sich so ausgeprägt kaum in einer modernen
Übersetzung des Alten Testaments.«
Claus Westermann
»Diese Bibelübersetzung will nicht gelesen, sondern gesprochen werden ... Die Übersetzer haben dieser Tatsache Rechnung getragen, indem sie den Rhythmus anglichen an die Interpunktion der masoretischen Tonzeichen, die Worte auswählten nach den Klanggesetzen ihrer Vokale. Die Buber-Rosenzweigsche Bibel ist sprechbar, eine Phonographie der Bibelursprache. Nur dazu dient die sorgfältige Formung des Ausdrucks, die Benutzung einer Sprache, die nicht alltäglich, aber dem wirklichen Leben ... entliehen ist. Nicht Feierlichkeit, nicht Romantik, sondern ein gewaltiges Ringen um Form und Sinn ... Die Übersetzer sind in den Sinn des Bibelwortes eingedrungen, nicht um der Form willen, nicht um der Ästhetik willen, sondern um den wahren Sinn der Thora zu verdeutschen.«
Martin Cohen
Die Schrift: Die hebräische Bibel
Das Alte Testament
Verdeutscht von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig
Neubearbeitete Ausgabe in vier Bänden:
Die fünf Bücher der Weisung
Pentateuch. Die
fünf Bücher des Moses. 584 Seiten.
Mit einer Beilage: Martin Buber: Zu einer neuen Verdeutschung der Schrift.
44 Seiten.
Bücher der Geschichte 524 Seiten.
Bücher der
Kündung 784 Seiten.
Die Schriftwerke
704 Seiten. Mit einer Beilage: Martin Buber: Zur Verdeutschung des
letzten Bandes der Schrift. 26 Seiten.
Jeder Band der Bibelausgabe ist in sich abgeschlossen und kann auch einzeln
bezogen werden.
Verlag Lambert Schneider

Die Grundlage des Christentums und auch des Islam (ausschließlich) ist die Thora - hebräisch: »Lehre«, »Weisung«, »Gesetz«. Die Thora umfasst die schriftlich aufgezeichneten fünf Bücher des Moses (fast identisch mit denen der Bibel) für das Judentum. Diese fünf Bücher
- Genesis (1.Mose),
- Exodus (2.Mose),
- Levitikus (3.Mose),
- Numeri (4.Mose) und
- Deuteronomium (5.Mose)
werden als
Pentateuch (griechisch »Fünfrollenbuch«) bezeichnet. Der älteste Text
soll aus Aleppo in Syrien stammen und um die 930 Jahre vor
der Zeitrechnung
aufgezeichnet worden sein. Die aus 304 Tausend 805 (304 805) Buchstaben bestehende Thora
als Schriftenrolle in hebräischer* Schönschrift assyrischer Prägung, auf koscherer
(hebräisch kascher = »einwandfrei«) Tierhaut vieltausendfach als Kopie aufgezeichnet, ist Mittelpunkt einer
jeden Synagoge. Eine Abschrift heißt Sefer-Thora (»Sefer« ist der Schreiber).
(copia
bedeutet im Lateinischen »vielfach«; also ist eine Kopie ein
Vervielfältigung.)
* griechisch Hebraio, lateinisch Hebraeui bezeichnet Angehörige des Volkes Israel
Neben der schriftlichen
Thora gibt es noch den Talmud
[hebräisch »Lehre«] der, neben der "hebräischen Bibel" das Hauptwerk des
Judentums, entstanden in einem mehrhundertjährigen mündlichen und schriftlichen
Überlieferungsprozess. Amora (aramäisch - einer Untereinheit der
semitischen Sprachen: „die Sprechenden“ oder „die über etwas Berichtenden“)
waren jüdische Gelehrte, die sich über die Gesetze „unterhalten“ oder
über sie „erzählt“ haben. Ihre Diskussionen mündeten in einer »mündliche Thora«
und wurden in der Gemara [aramäisch »Vervollständigung«]
festgehalten in Form einer vielschichtigen Kommentierung, bestehend aus der
Haggada [hebräisch »Erzähltes«] und der Halacha
[hebräisch »Wandel«]. Das soll in der Zeit von ungefähr 200 bis 600 n. Chr. in
Babylonien (der geschichtlichen Landschaft am Unterlauf
der Flüsse Euphrat und Tigris, »südliches Zweistromland«, Irak)
und in
Palästina abgelaufen sein. Der Talmud besteht aus
der bereits erwähnten Gemara und der Mischna [hebräisch
»Wiederholung«, »Lehre«] dem in 6 »Ordnungen« - Sedarim - und 63
Traktaten thematisch geordneten jüdischen Religionsgesetz. (Sedarim ist
die Mehrzahl von der Seder [hebräisch »Ordnung«], der häuslichen
Mahlfeier mit Rezitation der Haggada am ersten Abend des Passahfestes, der
Sederfeier. Das Passah [Pessach, Pascha] ist das Fest zur Erinnerung an den
Auszug der Israeliten aus Ägypten).
"Inhaltlicher Schwerpunkt des Talmuds ist die Ableitung, Begründung, Diskussion und Formulierung von Grundsätzen für ein dem Willen Gottes (der Thora) entsprechendes Leben im umfassenden, über den kultisch-religiösen Bereich hinausweisenden Sinn. Charakteristisch für seinen Stil ist die dialektische Argumentationsweise und die abschließende Verdichtung des Diskussionsergebnisses in kurzen, prägnanten Lehrsätzen. Wirkungsgeschichtlich von Bedeutung war der babylonische Talmud. Als klassischer Talmudkommentar gilt der des Rabbi Raschi." Der jüdische Gelehrte hieß eigentlich Salomo ben Isaak und lebte im französischen Départements Aube von1040 bis 1105. "Er wird in den rabbinischen* Textausgaben des Talmuds mit abgedruckt und bildet noch heute mit diesem zusammen die Grundlage der religionsgesetzlichen Entscheidungen im Judentum." So ist bei Wikipedia zu lesen
* Der Rabbiner war ursprünglich der unentgeltlich arbeitende Lehrer der Thora, ist seit dem 14.Jahrhundert der besoldete Gelehrte im Dienst einer jüdischen Gemeinde und inzwischen nicht nur Religionslehrer, sondern auch Prediger, Seelsorger und Gutachter in allen religionsgesetzlichen Fragen. Die erste Rabbinerin der Welt, Regina Jonas, 1937 in Berlin ordiniert, wurde 1944 in Auschwitz ermordet.
Im Herbst 2010 wurde erst wieder (nach 75 Jahren) in Deutschland eine Rabbinerin gewählt: die in der Ukraine 1979 geborene, liberale Alina Treiger.
Alina Treiger, deutsche Rabbinerin (Bild
aus http://www.123people.de/s/alina+treiger)
In der Thora bzw. dem
Talmud ist ursprünglich praktisch nichts über ein »Jenseits« zu finden im
Gegensatz zu den christlichen und islamischen »Heiligen Schriften«. Auch gibt es
keine Missionsaufträge in der Thora oder dem Talmud.
Die jüdische Religion betrifft auch nur das Judentum. Jude-Sein wird nur von der Mutter auf ein Kind übertragen. Der ganze Kram mit Halbjude usw. wurde zur Zeit der »Staatsreligion« des »Tausendjährigen Reichs« ins Leben gerufen und einem Hans Josef Maria Globke, der von 1898 bis 1973 lebte, als Kommentator der Nürnberger Rassegesetze festgeklopft. Globke war als deutscher Verwaltungsjurist Referent im Innenministerium vom, mit Hilfe der katholischen Zentrumspartei zur Macht gelangten Reichskanzler Adolf Hitler und ab 1953 beim bundesdeutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer Chef dessen Bundeskanzleramts. Ferner verlangte Adolf Eichmann* in seinem mit Hinrichtung (am 31.5.1962) endenden Prozesses in Israel, diesen Globke als - wie Eichmann behauptete - seinen damaligen Chef vorzuladen; denn Eichmann sei nur Befehlsempfänger gewesen Das wurde von der Adenauer-Regierung abgelehnt.
* Untersturmführer der SS (Schutzstaffel der NSDAP = nationalsozialistische deutsche Arbeiter-Partei)
Eine Betrachtung über die Thora des Judentums (in Anlehnung an die Serie in der Wochenzeitschrift Stern: DIE HEILIGEN SCHRIFTEN Ende 2010):
Die Thora die hebräische Bibel – die im Christentum, mit geringfügigen Variationen, das Alte Testament ausmacht (und die Grundlage des Islam ist). An Jesus, der den Juden als irregeleiteter Schwärmer gilt, spalten sich die Religionen. „Der Glaube Jesu eint uns, der Glaube an Jesus trennt uns", sagt der israelische Religionsphilosoph Schalom Ben-Chorin*. Und so hatten die Juden in ihrer Geschichte denn auch – jenseits der aktuellen politischen Lage – weit weniger Probleme mit dem Islam, dessen strikter Monotheismus ihrem Gottesbild viel mehr entsprach als der christliche Gott in drei Gestalten, der sie fatal an die antike Vielgötterei erinnerte.
* früher Fritz Rosenthal, Journalist, Schriftsteller und Religionswissenschaftler, in München am 1913 geboren und in Jerusalem 1999 gestorben, ist bekannt durch zahlreiche Publikationen zu jüdisch-christlichen Themen. Er gilt als einer der Wegbereiter der jüdisch-deutschen Verständigung und des jüdisch-christlichen Dialogs.
Die Thora, Kern der hebräischen Bibel, erzählt vor allem die Historie des
jüdischen Volks. Beginnend mit der Erschaffung der Welt und der Menschen durch
Jahwe, den „Ewigen", schildert sie die in den sogenannten westlichen
Zivilisationen bekannten Geschichten, wie Vertreibung von Adam und Eva aus dem
Garten Eden und die Sintflut. Dann den Bund Gottes mit Abraham, das Werden des
Volkes Israel. Die Zeit des Moses mit dem Auszug aus Ägypten, den jahrzehntelangen
Wanderungen durch die Wüste, die Verkündung der Zehn Gebote auf dem Sinai. Und
schließlich das Ende Moses, der mit dem Blick auf das Land Kanaan stirbt, es aber
nicht mehr selbst betreten darf. Der "allmächtige Gott", ausschließlich
zuständig für das "auserwählte" Volk Israel (das auf den Stammvater Jakob*
zurückgeht) braucht also 40 Jahre für dieses Volk unter unsäglichen Entbehrungen
von einem recht gut entwickelten Land Ägypten nach Kanaan zu gelangen (an der
syrisch-palästinensische Küste, damals das gesamte Land westlich des Jordan)
unter Unterwerfung und Mordung ganzer Völker.
* zweiter Sohn des Isaak, erkaufte sich von seinem Bruder Esau das Erstgeburtsrecht (1. Buch Mose 25, Vers 28 bis 34, wonach der todmüde Esau erst von Jacob zu essen bekam, nachdem er geschworen hatte, besagtes Recht aufzugeben. Später will dann Esau seinen Bruder Jacob ermorden...).
Jacob erschlich sich auch den väterlichen Erstgeburtssegen (1. Mose 27 überschrieben: Jacob gewinnt mit List den Erstgeborensegen). Dann aber erhielt nach dem nächtlichen Kampf am Jabbok den Namen Israel nach 1. Mose 32, Vers 23 - 31, in einem Kampf mit Gott, den Jacob gewonnen haben soll, aber von Gott an der Hüfte verletzt worden war. Daher dürfen Leute aus Israel bis heute kein Hüftfleisch essen.)
In der Thora (so wie im entsprechenden Alten Testament und dem Koran) wimmelt es von Mord und Totschlag, Verfluchungen durch den »Herrn«, Ehebruch, Vielweiberei, Betrug, Übervorteilung und List, Unterwerfung ganzer Völker und Ausrottung. Das jüdische Volk erlebte im 6. Jahrhundert vor Christus einen Tiefpunkt seiner Historie. "587 hatten die Babylonier das Königreich Judäa und den Tempel vernichtet; große Teile des Volkes werden fern der Heimat versklavt. Was hätte ihnen mehr Mut geben, sie stärker zusammenhalten können als eine göttlich offenbarte Rückschau auf ihre Geschichte? Auf Prüfungen, die bestanden wurden, Verheißungen, die sich erfüllten. Und auf eine Jahrhunderte umspannende exklusive Beziehung zu einem machtvollen Gott," ist im Stern zu lesen und weiter: "Der Bund, den Jahwe immer wieder mit seinem »Volk« schließt, zieht sich wie ein roter Faden durch große Teile der Thora. Jahwe, dein Gott, ist der Gott, er ist der treue Gott, noch nach tausend Generationen achtet er auf den Bund und erweist denen seine Huld, die ihn lieben und auf seine Gebote achten."
Todesurteile sind in allen fünf Büchern (Pentateuch) allgegenwärtig. Nicht nur für
Kapitalverbrechen wegen Mord oder Kardinalsünden wie die Verehrung fremder Götter.
Sein Leben hat auch verwirkt, wer Brennholz am Sabbat sammelt, wer homosexuell
liebt, wer mit einer Frau während der Menstruation schläft, wer unerlaubt
heiligen Boden betritt oder wiederholt gegen seine Eltern ungehorsam ist.
Für die Verurteilung bei einem todeswürdigen Delikt waren die Aussagen mehrerer
Zeugen nötig. Das Gericht hatte aus 23 Richtern zu bestehen, die mit zwei
Stimmen Mehrheit entscheiden mussten. Der Verurteilte hatte noch auf dem Weg zur
Hinrichtung die Möglichkeit, ein Wiederaufnahmeverfahren zu verlangen. „Das
Verhängen der Todesstrafe wurde an so viele Bedingungen geknüpft, dass es
praktisch unmöglich wurde, sie zu vollstrecken", erklärt Rabbi Homolka.
Übersetzt als Auge um Auge, oft zusammen mit Zahn um Zahn, wird das Teilzitat meist als Anweisung an das Opfer oder seine Vertreter aufgefasst, dem Täter Gleiches mit Gleichem „heimzuzahlen“ bzw. sein Vergehen zu sühnen („wie du mir, so ich dir“). Jedoch widerspricht der biblische Kontext dieser Auslegung, die ach Mose 2 (Exodus) 21,23 – 25 heißt es umfassender: „… so sollst du geben Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß, Brandmal für Brandmal, Wunde für Wunde, Strieme für Strieme.
Übersetzt als Auge um Auge, oft zusammen mit Zahn um Zahn, wird das Teilzitat meist als Anweisung an das Opfer oder seine Vertreter aufgefasst, dem Täter Gleiches mit Gleichem „heimzuzahlen“ bzw. sein Vergehen zu sühnen („wie du mir, so ich dir“). Jedoch widerspricht der biblische Kontext dieser Auslegung.
Nach überwiegender rabbinischer und historisch-kritischer Auffassung verlangte die sogenannte Talionsformel (von lateinisch talio: Vergeltung) einen angemessenen Schadensersatz in allen Fällen von Körperverletzung vom Täter, um die im Alten Orient verbreitete Blutrache einzudämmen und durch eine Verhältnismäßigkeit von Vergehen und Strafe abzulösen.
Sehr früh schon milderten Schriftgelehrte im Talmud die Härte der göttlichen Strafgesetze. Der berühmte Rechtssatz aus dem zweiten Buch Mose – „Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand ..." – wurde nicht konkret als Gebot zu ausgewogener Verstümmelung gedeutet, sondern lediglich als Gottes Anweisung, ein Gleichgewicht zwischen Schwere der Straftat und Schwere der Strafe herzustellen. Dies sei außer bei Mord auch durch das Zahlen von Schadenersatz zu erreichen. „Hand für Hand", so interpretierte der Rabbi Hiyya um 200 nach der Zeitrechnung etwas gewagt, wolle sagen, „dass aus einer Hand in die andere gegeben wird, nämlich eine Geldzahlung".
Insgesamt 613 Regeln – 248 davon Gebote, 365 Verbote legte der Talmud als
Richtschnur für ein gottgefälliges Leben des jüdischen Volks fest. Die große
Mehrheit bezog sich auf Bestimmungen für Opferrituale und den Tempeldienst. Sie
wurden mit der Zerstörung des Jerusalemer Tempels durch die Römer hinfällig.
Aber es blieben immer noch genügend Gebote, die die Juden von allen anderen
Völkern unterschieden – Fluch und Segen zugleich. Sie mögen geholfen haben, die
eigene Identität zu wahren, und gaben doch oft genug Anlass zu Diskriminierung
und Verfolgung, vor allem sich voll und ganz nur mit religiösen Dingen zu
beschäftigen.
»Zerstörung des Tempels von Jerusalem« des französischer Malers des Barock, Nicolas Poussin (1594-1665)

Ein Gläubiger muss auch heute noch etwa 60 bis 80 Grundregeln (!) befolgen, die je
nach Schule mehr oder weniger streng ausgelegt werden. Sie sind im Lauf der Jahrhunderte durch ausufernde Auslegungen und den
Einfluss regionaler Sitten zu einem feinmaschigen Netz religiösen Brauchtums
geworden, in dem das jüdische Leben gefangen ist. „Nicht gefangen, geborgen",
sagt jedoch der orthodoxe Münchner Rabbi Langnas. „Im Kern gehen sie alle auf
das zurück, was in der Thora geschrieben steht, also was Gott befohlen hat."
Zum Beispiel:
- „Du sollst das Böcklein nicht in seiner Mutter-Milch kochen", steht etwa an drei Stellen in der hebräischen Bibel. Historiker mutmaßen, der Satz richte sich gegen ein heidnisches Opferritual, von dem die Juden sich abgrenzen sollten. Die Schriftgelehrten haben im Talmud jedoch den weitreichenden Schluss daraus gezogen, dass Fleisch und Milch nie in Berührung kommen dürfen. In orthodoxen Haushalten gibt es also zwei Sätze von Geschirr, einen fürs „Milchige", einen fürs „Fleischige", und wenn möglich sogar zwei Spülbecken für den Abwasch.
- Wer Fleisch gegessen hat, muss je nach Weltgegend drei oder sechs Stunden warten, bis er Milchprodukte zu sich nehmen darf. Aber nur eine halbe Stunde, falls die Reihenfolge umgekehrt war; denn Joghurt ist schneller verdaulich als ein Steak. Die Ausnahme ist Hartkäse, schwer im Magen, Karenzzeit ebenfalls drei bis sechs Stunden. Vorsicht ist auch beim Kauf von Fertigsuppen geboten. Selbst wenn sie als harmlose Gemüsebrühen ausgewiesen sind, könnte ihnen doch Fleischsauce untergeschmuggelt worden sein.
Auch das Arbeitsverbot für Mensch und Vieh am Sabbat, in der Thora durch Gott
zum Gedenken an seinen eigenen Ruhetag nach sechs Tagen Schöpfung deutlich, aber
nur sehr allgemein befohlen, zerlegt die Talmud-Literatur in 39 äußerst
spezifische Verbote.
Am Sabbat darf etwa
- keine Gazelle gejagt werden,
- kein Knoten gebunden,
- nicht mit dem Hammer geschlagen und
- kein Feuer angezündet oder gelöscht werden.
Den Rabbinern ist klar, dass sie wenig in der Hand haben für ihre scharfsinnigen Ableitungen: „Berge von Vorschriften, die an einem dünnen Faden von wenig Schrift hängen", heißt es in einem Kommentar. Trotzdem fächern sie die Verbote weiter auf.
Allein das Verbot, Feuer zu machen oder zu löschen! Der Talmud beschäftigt sich
akribisch mit der Frage, wie man Speisen warm halten könne ohne Feuer – durch
Schutzhüllen um die Töpfe. Er fragt: Wie man sich bei einem Brand verhalten soll? Ein
Großfeuer, bei dem Menschen umkommen könnten, darf nach überwiegender
Lehrmeinung gelöscht werden, bei kleineren Feuern scheiden sich
die gelehrten Geister.
Wie geht man mit Elektro- und Verbrennungsmotoren um? Die Rabbis der Orthodoxie haben seit dem 19. Jahrhundert aus den alten Schriften abgeleitet, dass die Inbetriebnahme eines Motors sowohl Arbeit als auch Anzünden eines Feuers darstellt. Deswegen ist Autofahren am heiligen Tag für orthodoxe Juden verboten, deswegen halten die Aufzüge in Israels großen Hotels automatisch an allen Stockwerken, damit der Benutzer sie durch keinen Knopfdruck in Gang setzen muss, deswegen weigern sich sehr orthodoxe Juden, am Sabbat per Telefon einen Krankenwagen zu rufen. In Jerusalemer Vierteln mit besonders strenggläubigen Bewohnern laufen Autofahrer an diesem Tag Gefahr, mit Steinen beworfen zu werden. Wobei sich die Frage stellt, ob das Steinewerfen nicht selbst eine Verletzung der Sabbatruhe ist.
So eigenwillige Regeln lassen sich nur an wenigen Orten in der Welt umsetzen,
und ohnehin gibt es unter den Orthodoxen sehr unterschiedliche. Da sind die, die
am Sabbat keinen Brand löschen. Und die, die darauf bestehen, im Westjordanland
zu siedeln, weil das so in der Thora stehe. Gleich im ersten Buch nämlich
verheißt der ewige, allmächtige Gott dem jüdischen Stammvater Abraham und seinen
Nachkommen den halben Nahen Osten „vom Grenzbach Ägyptens bis zum großen Strom,
dem Euphrat" auf Kosten von elf fremden Völkern.
Aber wie die Aufklärung in der christlichen Welt die Aussagen der Bibel
relativierte, so setzte seit der Renaissance auch im Judentum eine kritische
Wertung der Thora ein. Heute
sind die Anhänger eines liberalen Judentums weltweit in der Mehrheit. Sie sehen
die fünf Bücher als Menschenwerk mit zeitbedingten Unzulänglichkeiten, mit
Irrtümern und historisch-kulturell gefärbten Aussagen.
Aber auch für sie ist die Thora ein heiliges Buch. „Der Verfasser des Textes ist
nicht Gott, sondern es sind Menschen", sagt der liberale, kanadische
Reformrabbiner und Autor, Rabbi Wolf Gunther Plaut (1912 in
Münster geboren) „Doch durch ihre Worte kann Gottes Stimme gehört werden, wenn wir
aufmerksam hinhören. Die Thora ist ein Buch über
menschliche Verstehensweisen von Gott und über Erfahrungen und Begegnungen mit
Gott." Auf die Regeln des Talmud stützt sich das liberale jüdische Lager jedoch
weit weniger als große Teile der Orthodoxie. Walter Homolka sagt: „Es geht von
der Vorstellung aus, dass sich der Wille Gottes fortwährend entfaltet und
abweichend von den Interpretationen der Vergangenheit gedeutet werden kann."
Eine Sichtweise, die im Übrigen auch für die fünf Bücher Mose gelte. „Wir
betrachten die Thora als göttlich inspiriert, aber nicht als unwandelbar." Jede
Generation müsse sich wieder neu mit ihr auseinandersetzen.
Ein weiteres und sehr mpfehlenswertes Buch:
Hans Küng/Walter Homolka*:
Weltethos aus den Quellen des Judentums.
Herder Verlag, 2008,
223 Seiten, 16,95 Euro.
Ein weltoffener katholischer Theologieprofessor und ein jüdischer Rabbi, sowie weitere Mitarbeiter betrachten die Religion des Judentums, die überwiegend als in einem starren Regelwerk gefangen gilt, auf deren Beitrag hin, in wie weit diese Religion mit einem universalen, allgemeinen Weltethos (>hier<) übereinstimmen könnte.* 1964 im bayrischen Landau geboren, gilt als liberal, ist Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs** an der Universität Potsdam und dort auch Honorarprofessor der Philosophischen Fakultät. Er ist Vizepräsident der European Union for Progressive Judaism in London, seit 2005 auch Vorstandsmitglied der World Union for Progressive Judaism in Jerusalem. Außerdem ist er Chairman der Leo Baeck Foundation, Vorstand des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks (eines der deutschen Begabtenförderungswerke, 2009 gegründet) und (sicher nicht zuletzt) Doctor of Humane Letters h.c. des Hebrew Union College – Jewish Institute of Religion (des ältesten Rabbinerseminars der USA).
** Walter Homolka
antwortete auf Fragen von Journalisten zur Ernennung von Alina Treiger zur
Rabbinerin an diesem Kolleg, »dass es sicher
für orthodoxe Juden ein unverständlicher Vorgang sei; denn die Thora weise der
Frau ihre Rolle als Gefährtin des Mannes und Hüterin des Hauses zu, Gott habe
seinen Bund mit Abraham und seinen Söhnen geschlossen, von Frau und Töchtern sei
in diesem Zusammenhang so wenig die Rede wie später vom Tempeldienst oder
anderen göttlich inspirierten Führungsaufgaben. Im vorgeschriebenen Morgengebet
danken die Männer sogar dem Herrn, „der mich nicht als Weib erschaffen"«.
Doch die moderne Erkenntnis sei: »Es würde in der Thora
für Frauen eine Ausschlussklausel für religiöse Ämter geben... Heute, wo Frauen Ministerpräsidentinnen,
Konzernchefinnen, Hochschulprofessorinnen werden, sei ihre Beschränkung auf die
traditionelle Rolle nach dem Talmud als Hausfrau und Mutter nicht mehr zeitgemäß.
Der Satz aus dem 1. Buch Mose: „Männlich und weiblich erschuf er sie ... und
nannte ihren Namen Mensch", bestätige ihre Gleichheit, auch in den Augen Gottes.
Also gleichberechtigt und gleich befähigt.«
Dem Einwand von orthodoxer Seite, mit dieser
modernen Interpretation der Thora setze man sich über die Lehren der
ehrwürdigen Autoritäten vergangener Tage hinweg, begegnet Rabbi Walter Homolka mit dem
Vergleich, den er immer gern gegen Stillstand in der jüdischen Lehre bringt: »Würden Sie sich heute lieber von Professor
Sauerbruch, vor hundert Jahren die Kapazität der Chirurgie, operieren lassen –
oder nicht doch vom Oberarzt eines modernen Kreiskrankenhauses?«