Konformität und Gehorsam

im Rahmen von sozialen Interaktionen

 


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>Hier< zum Milgram-Experiment: Einer Autoritätsperson gehorchen Versuchspersonen.

Kritik am Experiment >hier<,

Nachfolgeexperimente >hier<.


Konformität

 

Solomon Asch (etwas aus seinem Leben >hier< am Ende dieser Seite) hat (wahrscheinlich als erster) Versuche unternommen, wie sich die Konformität (als Gruppendruck) auf ein Individuum auswirkt.

 

Versuchspersonen (Probanden) wurden die beiden (links gezeigten) Karten vorgelegt und gefragt, welche Strichlänge entspricht der "Standardkarte" (ganz links) auf der "Vergleichskarte"? War der Proband mit dem Versuchsleiter allein, (kam in der Regel) die richtige Antwort. Nun wurde ein Proband in die Gesellschaft von 6 weiteren Personen gebracht, deren Aussagen mit dem Versuchsleiter vorher (also ohne den Probanden) abgesprochen worden waren. Sagten alle 6 "Handlanger" (des Versuchsleiters) einstimmig: "Nr. 1 auf der Vergleichkarte ist gleich lang, dann stimmten 37% der (nicht in die abgesprochene Falschaussage eingeweihten) Probanten zu, wenn auch mehr oder weniger zögerlich. Sie beugten sch dem objektiv falschen "Mehrheitsdruck".

 

Allerdings gaben - in anschließenden Gesprächen mit dem Versuchsleiter - die meisten der sich dem Gruppendruck gebeugten Versuchspersonen zu, daß sie ihr eigenes (ursprüngliches) Urteil angezweifelt und sich korrigiert hätten, um "sich nicht der Lächerlichkeit preiszugeben".

 

Leider ist nicht bekannt, aus welchem Umfeld die Versuchspersonen kamen: Grundsätzlich (ideologisch gebunden) autoritätsgläubig, Bildungsniveau, Alter usw.


 

Gehorsam

 

Das Milgram*-Experiment: Einer Autoritätsperson (Versuchsleiter mit weißem Kittel) gehorchen Versuchspersonen, Mitmenschen zu foltern sogar mit Gefahr einer tödlichen Folge!

* Stanley Milgram, geboren 1933 in New York City, wo er im Alter von 51 Jahren starb; amerikanische Sozialpsychologe, dem vorgeworfen wurde, daß er sich stets mit Themen beschäftigte, die den "kleinen Mann/ die kleine Frau" betrafen. Als seine Schwiegermutter zum Beispiel fragte, warum die Menschen in der U-Bahn nicht mehr aufstehen würden, nahm Milgram an, daß die New Yorker an sich nicht kalte Stadtmenschen wären, sondern daß sie einander entfremdet seien. Er sandte seine Studenten aus, damit diese in der U-Bahn Daten sammelten. Er konnte mit diesen seine Hypothese bestätigen (uni-jena.de).

 

Solomon Asch beschäftigte sich (u.a.) . wie schon gesagt - mit dem Konformitätsverhalten von Menschen nicht nur in einer frei gewählten Gruppe (Gesellschaft, Gemeinschaft, Arbeitsplatz), sondern vor allem in der schon durch Geburt vorgegebenen (Familie, soziales Umfeld, Rasse, Ideologie). Der Mensch lernt, sich "dem sozialen Druck" (aus dem Umfeld) zu beugen, sich damit in Einklang zu halten. Er stimmt mit diesem Umfeld überein  (und damit konform, d.h. leichgerichtet bis schließlich zu gleichgesinnt). Er unterliegt ja auch einer Interdependenz, was auf Wechselwirkung beruhende Abhängigkeit bedeutet. Wer will denn schon (abgelehnter) Außenseiter sein. Die Abhängigkeit erfordert ein Mindestmaß an Gehorsam. Die Frau gehorcht dem Mann nach den "klassischen" (religiösen) Ideologien, der Mann zieht in den Krieg, sogar freiwillig und mit Begeisterung. Wie weit die "Autorität" (Begriffsbedeutung und immense Tragweite >hier< und etwas nach oben blättern) Macht (>hier<) und Einfluß auf Menschen haben kann, zeigt das gleich beschriebene Milgram-Experiment.

 

Ohne Autorität und Macht kein Gehorsam!


Leon Mann schreibt in seinem Buch "Sozialpsychologie" (>hier<): "In bezug auf die Konformität kann Gehorsam zuträglich und sozial erwünscht sein, seine Wirkung kann allerdings auch grausam und zerstörerisch sein, wie am Beispiel der Nazi-Offiziere und der Leiter der Konzentrationslager im Dritten Reich abzulesen ist."

 

Stanley Milgram, der sich 1965 in den USA eine Versuchsanordnung zur Erforschung des Gehorsams ausdachte, ging von seiner Ansicht aus, "daß es für die zwischenmenschlichen Beziehungen wahrscheinlich kein brennenderes Problem gibt als die Frage, wie Menschen, deren Verhalten normalerweise einwandfrei ist, unter der Anleitung oder dem Befehl anderer unmenschliche oder gar bestialische Handlungen begehen können."


Weiter mit Leon Mann: "Um dem Wesen des Gehorsams auf die Spur zu kommen, ermittelte Milgram die Reaktionen von Versuchspersonen auf die Aufforderung, einem anderen Schmerzen zuzufügen. Das Opfer wurde von einem Versuchsgehilfen dargestellt, dem ständig stärkere elektrische Schocks für jeden Fehler verabreicht werden sollten, den er während einer Lernaufgabe beging. Sollte nun die Versuchsperson gehorchen oder ihren Gehorsam verweigern, wenn man ihr befahl, dem Opfer einen äußerst gefährlichen Elektroschock zu versetzen? Es muß hinzugefügt werden, daß mit langsam intensiver werdenden Elektroschocks das „Opfer" überzeugend stöhnte, über Herzbeschwerden klagte und schließlich in Todesangst aufschrie. Man könnte annehmen, daß nur wenige Menschen sich dazu bereitfinden, einem anderen einen schmerzhaften Elektroschock zu versetzen, nur weil ein Herr im weißen Kittel ihm die Aufforderung dazu gibt. Doch 62% der Versuchspersonen (männliche Erwachsene) beugten sich schließlich dem Befehl, obwohl sie laute Protestschreie aus dem Nachbarraum vernahmen. Diese Untersuchung ist weniger eine eindringliche Demonstration der Tatsache, daß Menschen unter Umständen das tun, was man ihnen befiehlt, sondern sie eröffnet vielmehr den Weg, jene Bedingungen zu identifizieren, die den Gehorsam regulieren. In einer Variante dieser Versuchsanordnung befand sich das Opfer (das tatsächlich keine Schocks bekam) im selben Raum nur etwa einen halben Meter von der Versuchsperson entfernt. Bei dieser Bedingung leisteten etwa 40% der Versuchspersonen dem Versuchsleiter Gehorsam. In einer anderen Variante mußte die Versuchsperson die Hand des Opfers auf eine Kontaktplatte drücken, um ihr den Stromstoß versetzen zu können. Hier gehorchten nur 30% dem Versuchsleiter. Der Prozentsatz der gehorsamen Versuchspersonen war unter den Bedingungen, bei denen das Opfer „psychologisch" nahe war, weitaus geringer als in den Fällen, bei denen das Opfer im Nebenraum saß. In weiteren Experimenten untersuchte Milgram die Wirkung von zwei Partnern auf die Versuchsperson, die auch dem Opfer Stromstöße versetzen sollten, das Experiment dann aber mittendrin abbrachen. Wenn das geschah, folgten 90% der Versuchspersonen dem Beispiel und verweigerten dem Versuchsleiter den Gehorsam, was als Beweis dafür gelten kann, daß soziale Unterstützung dem Individuum die Möglichkeit einräumt, sich den Forderungen der Obrigkeit zu widersetzen. Wie aus den Asch-Experimenten hervorging, reduzierte die Anwesenheit von Partnern den Anteil der Konformisten auf 10%. Daß bei den Milgram-Untersuchungen die Präsenz von Partnern den Anteil der gehorsamen Versuchspersonen ebenfalls auf 10% herabsetzte, scheint zu beweisen, daß soziale Unterstützung das Widerstandsverhalten stärkt.


Die Befunde von Milgram sind sicherlich aufrüttelnder als die von Asch. Nicht nur, daß mehr Leute nachgaben, sondern der Akt der Konformität ist an und für sich schwerwiegender. Fast ohne Ausnahme ließen sich unbescholtene und verantwortungsbewußte Menschen von den Lockungen und Drohungen der Autorität (die von einem Mann im weißen Kittel repräsentiert wurde) einschüchtern und ließen sich ohne Widerrede auf eine Handlung ein, deren Härte und Verantwortungslosigkeit sie eigentlich erkennen mußten. Milgram folgerte daraus, daß die heutige soziale Erziehung nicht dazu angelegt ist, böswillige Obrigkeiten daran zu hindern, Akte der Brutalität und Unmenschlichkeit auszulösen.

 

>Hier< heftige Kritik am Versuch, der jedoch - um der Kritik bereits jetzt schon zu begegnen - unglaublich wichtig, aufschlussreich und absolut notwendig war, um das Verhalten von Mitmenschen herauszufinden und einzuordnen...

 

Die erschreckende Zusammenfassung der Versuchsergebnisse zur Folterung ist folgende:

 

Grundsätzliche Folgeleistung einer Autorität

(weißer Kittel genügt):

über 60%

hört man den Gefolterten etwa 60%
Gefolterter im selben Raum etwa 40%
Ein Proband protestiert, Folterbereite nur noch 10%

 

Milgram mußte feststellen: „Ein nicht unwesentlicher Teil der Menschen folgt blindlings allem, was man ihnen aufträgt, ohne nach den Folgen zu fragen, solange für sie nur feststeht, daß der Befehl von einer legitimen Autorität (nochmals  >hier< die umfassende Bedeutung) stammt".


Schlußfolgerung von Leon Mann (>hier<): Sowohl Aschs Konformitätsexperimente als auch Milgrams Untersuchungen über Gehorsam zeigen eindeutig, daß die meisten Leute dem Druck des sozialen Einflusses nachgeben. Sie sind ein alarmierendes Beispiel dafür, daß selbst in relativ unbedeutenden Situationen die Macht der Gruppe und die Autorität einiger ihrer Mitglieder ein weniger starkes Mitglied dazu verleiten können, seinem Verantwortungsbewußtsein und seiner Unabhängigkeit zu entsagen und Handlungen wider sein besseres Wissen und Gewissen zu begehen.

 

Mehr zu den Arbeiten von Milgram: http://de.wikipedia.org/wiki/Stanley_Milgram und vor allem: Was kam bei der Untersuchung heraus?

Das ist zu lesen bei www2.uni-jena.de/.../Was_kam_bei_der_Untersuchung_heraus.htm


 

Stellungnahme: Wenn schon (über 60%) Menschen unter oben geschilderten Bedingungen (kein Eid zum Gehorsam, sondern unter offensichtlichen Versuchsbedingungen) bereit sind, Menschen einfach nur auf Befehl zu foltern und zu quälen, wie hoch muß der Prozentsatz derjenigen sein, die unter Gruppendruck stehen, auf Befehl gegen Lebewesen außerhalb der Gruppe äußerst grausam und zerstörerisch vorzugehen, die von den Autoritäten verteufelt worden sind. Der obige Versuch bestätigt die psychische Bereitschaft, jede Art von Befehlen fanatischer ideologischer Autoritäten auszuführen, sogar unter völliger Selbstaufopferung.

 

Der Versuch zeigt jedoch auch, warum - in welchem System auch immer - die Machthaber (Autoritäten >hier<) "Nein-Sager" mit allen Mitteln nicht öffentlich werden lassen und (möglichst sogar physisch) ausschalten wollen.

 

Es sei darauf hingewiesen, daß von Berufsgruppen - wie dem Militär, blinder Gehorsam, sogar in Demokratien (von "Wehrpflichtigen") unter erzwungenem eidlichen Versprechen verlangt wird. Das Ergebnis habe ich selbst noch erlebt, das kaum von den grausamsten Kriegsfilmszenen, die heute gerne angeschaut werden, wiedergegeben werden kann.


 

Kritik am Experiment: "...Ich kann mich aber auch erinnern, dass bereits damals (leider weiß ich nicht mehr genau, wie lange das her ist) über die Ethik und Moral des Experiments diskutiert wurde. Milgram wurde vor allem vorgeworfen, mit seinem Experiment Testpersonen hohem emotionalen Stress auszusetzen, sie mit dem eigenen Selbstbild und den eigenen moralischen Werten zu konfrontieren, Wertkonflikte zu erzeugen, in die Privatsphäre einzugreifen und sie grob über den Zweck des Experiments zu täuschen. Milgram wurde deswegen, allerdings erst einige Zeit später, sogar für längere Zeit aus der wissenschaftlichen Welt ausgeschlossen.

Umso mehr verblüfft es, dass das Experiment ohne großes Aufsehen vor zwei Jahren erneut durchgeführt wurde. (2006 wiederholt Jerry Burger von der Santa Clara Universität in Kalifornien das Milgram Experiment von 1961.) Dabei liest man nur großes Entsetzen darüber, dass sich das Ergebnis in den vielen Jahren nicht geändert hätte. Aber man hört keine Stimmen, die sich über die erneute Durchführung erheben." (Kritik erschienen bei iblog.ikarius.net, Text von Helmut Strasser, 1120 Wien [Name mitgeteilt am 7.5.2011, 17:30])

 

Gegenargumente:   Man muß sich nach dem erschreckenden Milgram-Experiment immer und immer wieder bewußt werden, daß über 60% der Mitmenschen - also weit mehr als die Hälfte - mit ihrem absoluten Gehorsam äußerst gefährlich werden können, und das erbarmungslos. Das Experiment wurde nicht mit unter Eid stehenden Wehrmachtsangehörigen oder unter Aufklärungsdruck stehen Strafermittlern durchgeführt, sondern mit Versuchspersonen, die sich jederzeit und ohne jegliche Folgen hätten weigern können, was auch ein Ergebnis des Experimentes gewesen wäre. Nochmal wegen der Wichtigkeit: Über 60% der Mitmenschen beteiligen sich - mit Menschwürde? mit eignen moralischen Werten? trotz Erzeugung von Wertekonflikten und Eingriff in die Privatsphäre? - in der Praxis, also bei gegebenen Umständen, wie kriegerischen Auseinandersetzungen und aufgehetzt durch Hassprediger, an jeglichem Wahn:

- Judenverfolgung- und vernichtung,

- Massenvergewaltigung,

- Blutrausch jeder Art!!!

 

Hat die Person, die den obigen "gutmenschlichen Blödsinn" geschrieben hat, davon nie etwas gehört?

 

Das Experiment von Milgram fand nicht unter Zwang oder Drohungen statt. Niemand der an der Untersuchung teilnehmenden Personen hatte bei eigener (moralisch/)ethischer Entscheidung nichts zu befürchten: Keinen Arbeitsplatzverlust, keine Strafverfolgung wegen Verletzung eines geleisteten Eides, absolut garnichts!

Die obige Person sollte sich lieber einmal damit beschäftigen, warum das "Milgram-Experiment" derart frustrierend und besorgniserregend ausgegangen ist und was daraus gelernt werden kann..

 

Endlich kann man verstehen, wie völlig unauffällige Menschen Grausamkeiten jeglicher Art begehen können - aus purem Gehorsamswahn und Mitmachwahn. Und damit ist es dann (erst einmal) wieder gut bis jemand sie eventuell erneut "verführt", einem Gehorsamen entsprechend befiehlt (z.B. >hier< dem "Schreibtischtäter" Eichmann durch den späteren Adenauerschen. Bundeskanzleramts- und BND-Chef Globke).

 

Übrigens hat Milgram selbst (u.a.) wie folgt Stellung bezogen:

"…Ist die Kritik nicht vielleicht ebenso sehr auf den unvorhergesehenen Ergebnissen aufgebaut wie auf der Methodik des Experiments? Die Ergebnisse bestanden darin, daß manche Versuchspersonen sich dem Anschein nach schockierend unmoralisch verhielten. Wenn statt dessen jede Versuchsperson bei einem „leichten Schock" oder beim ersten Anzeichen von Unbehagen beim Schüler abgebrochen hätte, dann wären die Resultate angenehm gewesen, beruhigend, und wer würde dann protestiert haben?"

 

Nein die meisten Mitmenschen sind nun mal genau so, wie man ihnen beim Terror, im Schachthaus, bei Tierexperimenten begegnet (jedoch besser nicht). Wer schützt uns vor diesen "Gutmenschen"? Dazu, zum Gutmenschentum gibt es den ausgezeichneten, 2007 erschienener Roman von Richard Wagner, dem 1952 in Rumänien geborenen Autor: "Das reiche Mädchen", in dem das Gutmenschentum als Weg in die Katastrophe gesehen wird.

 

Endlich kann man verstehen, wie völlig unauffällige Menschen Grausamkeiten jeglicher Art begehen können und warum - nämlich einfach aus Gehorsam; "wir haben doch nur unsere Pflicht getan!" hört man. Und damit ist es dann (erst einmal) wieder gut bis jemand sie wieder "verführt" und die nächste Pflicht ruft.

 

Das Experiment ist weitgehend mit "isolierten" Einzelpersonen durchgeführt worden. Wehe, wenn da noch ein Druck aus einer größeren Gruppe dazu gekommen wäre!

 

Übrigens hat Milgram selbst (u.a.) wie folgt Stellung bezogen:

"…Ist die Kritik nicht vielleicht ebenso sehr auf den unvorhergesehenen Ergebnissen aufgebaut wie auf der Methodik des Experiments? Die Ergebnisse bestanden darin, daß manche Versuchspersonen sich dem Anschein nach schockierend unmoralisch verhielten. Wenn statt dessen jede Versuchsperson bei einem „leichten Schock" oder beim ersten Anzeichen von Unbehagen beim Schüler abgebrochen hätte, dann wären die Resultate angenehm gewesen, beruhigend, und wer würde dann protestiert haben?"

 

Man muß sich immer und immer wieder bewußt werden, daß über 60% (ja sogar 95% - wie in Nachfolgeexperimenten aufgedeckt) der Mitmenschen - also weit mehr als die Hälfte - mit ihrem absoluten Gehorsam äußerst gefährlich werden können, völlig erbarmungslos. Das Experiment wurde nicht mit unter Eid stehenden Wehrmachtsangehörigen oder Strafermittlern durchgeführt, sondern mit Versuchspersonen, die sich jederzeit und ohne jegliche Folgen hätten weigern können, was auch ein Ergebnis des Experimentes gewesen wäre, wie Milgram oben selbst gesagt hat. Nein die Mitmenschen sind nun mal genau so, wie man ihnen beim Terror, im Krie, im Schachthaus, bei Tierexperimenten begegnet (oder jedoch besser nicht).

 

Wer schützt uns vor diesen "Gutmenschen"? Zum Gutmenschentum gibt es den ausgezeichneten, 2007 erschienener Roman von Richard Wagner, dem 1952 in Rumänien geborenen Autor: "Das reiche Mädchen", in dem das Gutmenschentum als Weg in die Katastrophe gesehen wird.

 

Da man weiß, wie der Großteil der Mitmenschen reagiert - aus welchen psychologischen/soziologischen Gründen auch immer, müssen wir Wege finden, um den Folgen des "blinden" Gehorsams zu entgehen. Ich weiß heute, warum das Buch des größten Verbrecher aller Zeiten, "Mein Kampf" genannt, verboten ist; denn dort steht als Kernsatz (>hier<):

 

Wie aber im Wirtschaftsleben die fähigsten Menschen nicht von oben zu bestimmen sind, sondern sich selbst durchzuringen haben und so wie hier die unendliche Schulung von kleinsten Geschäft bis zum größten Unternehmen selbst gegeben ist und nur das Leben dann die jeweiligen Prüfungen vornimmt, so können natürlich auch die politischen Köpfe nicht plötzlich "entdeckt" werden. Genies außerordentlicher Art lassen keine Rücksicht auf die normale Menschheit zu.

 

Dieser  obige und viele andere "Irrlehren" und "Lehrsätze" sind in diesem Buch zu finden, die gerne bei den Verantwortlichen und Machern der derzeitigen politischen Religion "Global-Kapitalismus" Eingang gefunden haben.

 

Also von Hitler aktiv lernen, war ja wohl das allerdümmste, was gemacht worden ist! Statt dessen hätten diese psychopatisch/soziopatischen Auslassungen bereichernd für ein Umdenken diskutiert werden müssen.

 

Alle "Führungsangelegenheiten" müssen aufgeteilt werden in Fachgremien von mindestens 3 sachlich und fachlich nachweislich befähigten, d.h. kompetenten Personen, die Entscheidungen treffen, denen jeder widersprechen kann, wenn der Widerspruch fachliche und sachliche Argumente, insbesondere solche, die bei einer Entscheidung nicht berücksichtigt worden sind, enthält.

 

Es kann doch nicht sein, daß derzeit ein angeblich juristisch ausgebildeter Fachminister (der Verteidigung), wie dieser Freiherr von und zum Gutenberg, einfach Leute auf Grund eines Verdachtes rausschmeist, während die legale Prozedur erst einmal eine "Beurlaubung" gewesen wäre bis zur rechtlichen Klärung der Beschuldigungen. Aber diesem Verteidigungsminister hat das deutsche Volk mehrheitlich zugejubelt. Genau diese Mehrheit hat Stanley Milgram in seinem Versuch zum bedingungslosen Gehorsam quantifiziert (d.h. zahlenmäßig herausgefunden).

 

Dann hat eine Bundeskanzlerin, wie Angela Merkel, ein Lynchen* eines vermutlichen Planers von terroristischen Aktionen bejubelt ("Ich freue mich..."). Es gibt für solche Fälle inzwischen den Internationalen Gerichtshof in in Den Haag, und nur dieser wäre zuständig gewesen.

* nach dem 1946 geborenen amerikanischen Filmmacher, David Lynch, dessen Filme, zwar mit intellektuellem Anspruch aber die Lust an Gewalt, Perversion, Obszönität und Voyeurismus zeigen.
 

Was haben wir denn für Führungskräfte? © 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG: "Lynchjustiz" ist das "gesetzwidrige Töten oder Misshandeln eines (vermeintlichen oder tatsächlichen) Täters ohne gerichtliches Verfahren, meist durch eine erregte Menge."
 

Es ist Aufgebe der Schulen (Erziehung) das bisherige Führungsprinzip in Frage zu stellen!

Walter Rath


Nachfolgeexperimente (Unveränderte Kopie von http://www2.uni-jena.de/.../Nachfolgeexperimente.htm )

Milgrams Experiment ist in Australien, Südafrika und verschiedenen europäischen Ländern mit ähnlichen oder noch dramatischeren Ergebnissen wiederholt worden. In einer anderen Studie gehorchten sogar 85 % der Versuchspersonen dem Versuchsleiter.

Milgram führte zusätzliche Studien durch, um die Variablen genauer bestimmen zu können, die den Gehorsam im Experiment beeinflussen. Es gab verschiedene Faktoren, die die Versuchspersonen ermutigt haben konnten, den Anweisungen des Versuchsleiters Folge zu leisten. Zum einen wurde das Experiment an der Yale- Universität durchgeführt, einer prestigeträchtigen Institution, die einen guten Ruf genießt. Da Yale die Studie finanzierte, mochte das einige Versuchspersonen zum Gehorsam motiviert haben. Zum zweiten schien das experimentelle vorgehen zumindest auf den ersten Blick sinnvoll zu sein; möglicherweise ließen sich die Versuchspersonen überreden, weil sie dachten, sie würden einen wichtigen Beitrag zum Fortschritt der Wissenschaft leisten. Und zum dritten wußten die Versuchspersonen, daß sowohl sie selbst als auch der Schüler freiwillig gekommen waren. Zumindest zu Beginn zwang sie niemand, am Experiment teilzunehmen. Man erzählte den Versuchspersonen, daß die Schocks schmerzhaft, aber nicht gefährlich seien, und eine Zeitlang schien der Schüler das Spiel mitzuspielen. Viertens schließlich waren die Schüler außer Sicht und die Versuchspersonen konnten das Leiden des Opfers zwar hören, aber nicht sehen. Die ersten beiden Faktoren konnten die Autorität des Versuchsleiters gestärkt, die letzten beiden dafür gesorgt haben, daß das Leiden des Opfers ihnen nicht so bewußt war.

In mehreren Nachfolgeexperimenten wurde untersucht, wie sich die Versuchspersonen verhalten, wenn sie dem Leiden des Opfers unmittelbar ausgesetzt sind. Vier Bedingungen wurden experimentell kontrolliert, jede beinhaltete eine andere Beziehung zwischen Lehrer und Schüler. Unter der Bedingung "entfernte Rückmeldung" befanden sich Lehrer und Schüler in getrennten Räumen. Der Schüler war nicht zu hören, und das einzige Signal, das den Lehrer von der Verzweiflung des Opfers erreichte, war ein Klopfen an der Wand, als die Schockstärke 300 Volt erreichte. Die Bedingung "Stimm-Rückmeldung" wurde im klassischen Experiment verwandt. Der Schüler war zu hören, nicht aber zu sehen. Unter der dritten Bedingung: "Nähe", wurde der Schüler neben den Lehrer gesetzt und war sowohl zu sehen wie zu hören. In der vierten, der sogenannten "Berührungs"- Bedingung wurde vom Lehrer sogar verlangt, die Hand des widerstrebenden Opfers auf eine "Schock- Platte" zu drücken, um ihm die Schocks über 150 Volt zu verabreichen.

Milgram stellte dabei wie erwartet fest, das unter der "Berührungs"- Bedingung die wenigsten Versuchspersonen bereit waren, dem Versuchsleiter zu gehorchen. Der Prozentsatz der gehorsamen Versuchspersonen sank auf 65 % bei der "Stimm- Rückmeldungs"- Bedingung, auf 40 % bei der "Nähe"- Bedingung und auf nur 30 % bei der "Berührungs"- Bedingung. Es scheint leichter zu sein, jemandem Schmerzen zuzufügen, wenn man das Opfer nicht sehen kann- eine Tatsache, die auch den meisten Soldaten bekannt sein dürfte. Zwar sank der Gehorsam mit wachsender Nähe zum Opfer dennoch ist es ernüchternd, daß immerhin noch 30 % der Versuchspersonen dazu bereit waren, einem laut durch Schmerz schreiendem Opfer die Hand auf eine Metallplatte zu drücken und ihm schwere Schocks zu verabreichen.

Abgesehen davon, daß er die Beziehung zwischen den Versuchspersonen und ihren Opfern veränderte, führte Milgram auch Experimente durch, in denen die Beziehung zwischen Versuchsleiter und Versuchsperson manipuliert wurde. In einer Version zum Beispiel verließ der Versuchsleiter den Raum, nachdem er erklärt hatte, was zu tun sei. Das restliche Experiment über fand die gesamte Kommunikation zwischen Lehrer und Versuchsleiter über Telefon statt. Nur 23 Prozent der Versuchspersonen waren in dieser Situation gehorsam, über 60 % dagegen, wenn der Versuchsleiter anwesend war. Einige Versuchspersonen lösten den Konflikt zwischen Gehorsam und Menschlichkeit in dieser Situation, indem sie dem Versuchsleiter am Telefon erklärten, sie würden die Stromstärke erhöhen, während sie in Wirklichkeit immer nur den Schalter mit der niedrigsten Voltzahl betätigten.

Diese Experimente weisen darauf hin, daß die Gehorsamsbereitschaft zwar von der Nähe zu den Opfern und der Autoritätsperson abhängig sein kann, die Rolle des Versuchsleiters als Autoritätsperson wird dabei allerdings grundsätzlich nicht in Frage gestellt. Da aber auch diese Experimente an der Yale-Universität stattfanden, war es immer noch möglich, daß die Versuchspersonen glauben konnten, in einer solchen renommierten Institution könne niemals etwas vor sich gehen, das unmoralisch oder schädlich sei. Um die Bedeutung des "Settings" zu untersuchen, baute Milgram seine Apparatur daraufhin in einem heruntergekommenen Bürogebäude im nahegelegenen Bridgeport, Connecticut, auf. Den Versuchspersonen wurde diesmal nicht erklärt, die Yale-Universität führe die Untersuchung durch, sondern eine Privatfirma mit dem fiktiven Namen Research Associates. Unter dieser Bedingung gehorchten zwar nur 48 % - im Vergleich zu über 60 % im ursprünglichen Experiment -, dennoch verteilte fast die Hälfte der Versuchspersonen bis zum Schluß lebensbedrohliche Elektroschocks.

Milgram hatte den Eindruck, seine Ergebnisse seien von Bedeutung für das Verständnis solcher Verhaltensweisen wie die Naziverbrechen und die Massaker in Vietnam. So versuchten die Nazis nicht nur in Propagandakampagnen, ihre Opfer zu entmenschlichen oder abzuwerten, um " Bestrafungen zu rechtfertigen, sondern sie beschrieben sich selbst auch häufig als unbedeutende kleine Rädchen in einer großen Maschine. Solche Tendenzen fand Milgram in gewisser Weise auch bei den Versuchspersonen seiner Experimente: Viele beschrieben den Schüler beispielsweise als dumm und langsam, einer meinte sogar, er sei so dämlich, daß er "es verdiente, geschockt zu werden".

Milgrams Experimente zum Gehorsam geben sicherlich genügend Anlaß zum Nachdenken, und dennoch ist es ein weiter Weg von psychologischen Labor zum deutschen Faschismus oder zu Vietnam. Die Versuchspersonen in Milgrams Experiment wurden gebeten, zu Bereicherung menschlichen Wissens beizutragen, ein kulturell positives Ziel, während der Massenmord Nazideutschlands ein Verbrechen an der Menschheit war. Auch hörten die Versuchspersonen Milgrams auf, dem Versuchsleiter zu gehorchen, sobald dieser außer Sichtweite war, während viele Kriegsverbrechen es gar nicht erforderten, daß einer die Ausführenden überwachte. Ein weiterer Unterschied: Während manche Kriegsverbrecher sadistische Vergnügen an ihren Verbrechen zu haben schienen waren die Versuchspersonen Milgrams sehr betroffen über das, was sie taten. Und schließlich handelten Milgrams Versuchspersonen allein. Die Nazi- Mitläufer handelten in großen, gleichgesinnten Gruppen und unterstützten sich gegenseitig. Soziale Unterstützung kann Konformität sehr begünstigen. Milgram selbst zeigt die Bedeutung sozialer Unterstützung in einem weiteren Nachfolgeexperiment, in den zwei Vertraute des Versuchsleiters dem Lehrer "halfen": Wenn sich dieser weigerte weiterzumachen, weigerten sich auch 90 % der Versuchspersonen.

Milgrams Forschung wurde zwar als "künstlich" kritisiert, doch Experimente anderer Psychologen legen den Schluß nahe, daß er seine Ergebnisse auch unter natürlichen Bedingungen erhalten hätte. In einem Experiment erhielten diensthabende Krankenschwestern verschiedener Krankenhäuser den Telefonanruf eines Arztes, dem sie nie persönlich begegnet waren. Der Arzt nannte seinen Namen und sagte, er sei am selben Tag vor einigen Stunden im Krankenhaus gewesen, um einen Patienten zu untersuchen. Er käme später zurück, wolle aber, daß der Patient in der Zwischenzeit ein bestimmtes Medikament bekäme. Der Arzt bat die Schwester, im Medizinschrank nachzusehen, ob er das Medikament Astroten enthielte. Die Schwester sah nach und fand eine Packung mit der Aufschrift: ASTROTEN, 5 mg-Kapseln, Durchschnittsdosis 5 mg, Tägliche Höchstmenge 10 mg.

Als die Schwester zum Telefon zurückkehrte, ordnete der Arzt an, sie solle dem Patienten 20 mg Astroten geben. Er käme in 10 min, um die Anweisung zu unterschreiben, das Medikament solle aber sofort verabreicht werden. Ein beobachtender diensthabender Arzt beendete das Experiment, nachdem er das Verhalten der Krankenschwester notiert hatte.

Die Aufforderung des Arztes widersprach einigen Krankenhausregeln. Nicht nur, das die verschriebene Menge das Doppelte der täglichen Höchstmenge war – es ist auch nicht erlaubt, medizinische Anordnungen per Telefon zu geben. Astroten stand außerdem nicht auf der Medikamentenliste des Krankenhauses und wurde von jemandem verschrieben, den die Schwester nicht kannte. Dennoch begannen 95 % der Schwestern, das Medikament zu verabreichen.


 

Solomon E. Asch (1907 in Warschau geboren, lebte bis 1996) war ein polnisch-amerikanischer Gestaltpsychologe und Pionier der Sozialpsychologie. Er emigrierte 1920 von Polen in die USA. 1932 schloss er sein Studium an der Columbia University ab. Für mehr als 19 Jahre war Asch am Swarthmore College Professor für Psychologie. Bekannt wurde Asch in den 1950er Jahren mit Experimenten, die zeigten, wie Konformitätsdruck eine Person so beeinflussen kann, dass sie eine offensichtlich falsche Aussage als richtig bewertet.