Steuerbetrug in Milliardenhöhe
>Hier< ein Leserbrief über die Sinnlosigkeit der Rechnungshofaktivitäten
Verzweigung >hier< zu Zahlen und von dort Aufruf des vollständigen Original-Berichtes des Bundesrechnungshofes

Aus: Kölner Stadt-Anzeiger vom Donnerstag, 4. September 2003
Bundesrechnungshof: In einigen Wirtschaftszweigen herrscht Organisierte Kriminalität
Die Prüfer bemängeln, dass die Kontrollen bisher nicht greifen.
VON JÜRGEN SUSSENBURGER
Köln/Bonn - Der Bundesrechnungshof schlägt Alarm. Durch Betrug und Steuertricks von Unternehmen entgingen Bund und Ländern jährlich Einnahmen in zweistelliger Milliardenhöhe. In einigen Wirtschaftszweigen herrsche ,,Organisierte Kriminalität" mit einem ,,hohen ausländischen Anteil". In einem Sonderbericht fordert die Bonner Kontrollbehörde die Politik deshalb ,,dringend" auf, Gesetzeslücken zu schließen und die Kontrollen zu verstärken.
,,Die Besorgnis erregenden Praktiken werden durch geltende Regelungen ermöglicht oder sogar begünstigt", sagte Behörden-Chef Dieter Engels. Intern werden die von Finanzminister Hans Eichel (SPD) bisher vorlegten Gesetzentwürfe gegen den Steuerbetrug als ,,völlig unzureichend" kritisiert. Nach Angaben des Bundesrechnungshofes gehen den Finanzämtern allein fast zwölf Milliarden Euro im Jahr durch ,,Karussellbetrug" verloren. Dabei werden Waren von betrügerischen Unternehmen über eine Kette von Partnern und Scheinfirmen in andere EU-Länder geschleust und wieder an das Unternehmen zurückgeliefert. Die ,,Verkäufer" führen die von ihren Abnehmern erhaltene Umsatzsteuer jedoch nicht an den Fiskus ab, sondern verwenden sie, um den Warenpreis zu ermäßigen. Im Baugewerbe entsteht laut Bundesrechnungshof durch illegale Machenschaften ein Steuerschaden von 25 Milliarden Euro im Jahr. Ein Großteil davon gehe auf das Konto von ,,Kettenbetrügern". Dabei schalten Baufirmen eine Kette von Subunternehmen ein, um zu verschleiern, dass am Ende der Betrugskette weder Steuern noch Sozialabgaben gezahlt werden. Die deshalb eingeführte Bauabzugssteuer sei wirkungslos, weil die Finanzämter fast alle Leistungsempfänger von der Pflicht zum Steuerabzug freistellten. Die Finanzprüfer monieren auch, dass die Kontrollen ,,nicht richtig greifen", sagte eine Sprecherin. Die neue bundesweite Koordinierungszentrale für die Bekämpfung illegaler Beschäftigung in Köln könne hoffentlich künftig mehr ausrichten.
Betrug in großem Stil (Kommentar: Sussenburger)
Verkommt Deutschland zur Bananenrepublik? Fehlende Kontrollen und gesetzliche Schlupflöcher jedenfalls erlauben es Wirtschaftsbetrügern, dass zig Milliarden Euro an der Steuer vorbeigeschleust werden. Der Umsatzsteuerbetrug bei Warenlieferungen und die Hinterziehung von Sozialabgaben sowie Steuern im Baugewerbe haben ein unglaubliches Ausmaß angenommen. Wer noch mit Drogen handelt, ist dumm. Denn der Umsatzsteuerbetrug ist genauso einträglich, aber weniger riskant. Das Problem ist nicht allein, dass den ohnehin leeren staatlichen Kassen erhebliche Summen fehlen. Die betrügerischen Firmen bringen auch das gesamte wirtschaftliche Gefüge ins Wanken, weil ehrlich arbeitende Betriebe hoffnungslos in Nachteil geraten.
Doch was tut die Politik? Außer zaghaften Ansätzen ist bisher wenig geschehen, um den Betrügern das Handwerk zu legen. Auf der anderen Seite werden für den Normalbürger aus Geldmangel immer mehr ,,notwendige" Reformen proklamiert und Leistungen beschnitten. Ein solches Missverhältnis ruiniert das Vertrauen in den Staat.
JÜRGEN SUSSENBURGER
Bericht des Bundesrechnungshofes nach § 99 BHO vom 3. September 2003
Ca.-Ausfälle allein an Umsatzsteuer !!! in Euro im Jahr durch:
„Karussellbetrug“ 12 Mrd.
„Kettenbetrug“ 64 Mrd.
„Globalzession“ dreistelliger Millionenbetrag
„Grundstücksgeschäfte“ dreistelliger Millionenbereich
„Leasing und Mietkauf“ weit im dreistelligen Millionenbereich
„Insolvenzen“ (betrügerischer Konkurs) schwer bezifferbar
Außerdem: Einbehalte von Steuern und Sozialabgaben von Arbeitnehmern werden nicht abgeführt.
(>Hier< zum Original-Bericht des Bundesrechnungshofes als ziemlich große PDF-Datei, der 54 Seiten umfasst. Für die PDF-Datei [Portabel Datei File] wird der "Acrobat-Reader" benötigt, der - falls Sie ihn noch nicht haben - kostenlos aus dem Internet zu haben ist: http://eurostore.adobe.com/ .)
„RECHNUNGSHOF: Teure Behörde, die nichts ausrichtet
Berlin könnte 2,3 Milliarden Euro Sparen" ( vom 17.11.2010 in der
Tageszeitung »Kölner Stadt-Anzeiger«)
Wie alljährlich um diese Zeit hat der Bundesrechnungshof seinen Bericht
vorgelegt mit dem Ergebnis: Die Bundesregierung hat innerhalb eines einzigen
Jahres die gigantische und unglaubliche Summe von 25 Milliarden Euro
verschwendet. So geht das nun schon Jahr für Jahr. Die Regierung nimmt den
Bericht unter Blitzlichtgewitter entgegen, und dann verschwindet das
Elaborat in der Ablage im Keller. Die verschwendeten 25 Milliarden Euro sind
fast so viel wie der Haushaltsansatz des Bundesministeriums für Verkehr, Bau
und Stadtentwicklung mit 26 Milliarden Euro für 2010. Wer wird eigentlich
zur Rechenschaft gezogen, bestraft oder seines Amtes enthoben wegen dieses
Riesenschadens, der Deutschland Jahr für Jahr zugefügt wird? Wir leisten uns
mit dem Bundesrechnungshof mit seinen 600 überwiegend beamteten Mitarbeitern
und weiteren 700 nachgeordneten Angestellten eine riesige und teure Behörde,
die der Steuerzahler berappen muss, offenbar für nichts und wieder nichts.
Außerdem unterhält jedes der 16 Bundesländer einen eigenen
Landesrechnungshof „Oleum et operam perdidi", sagten die alten Römer, auf
gut Deutsch: alles für die Katz. Politiker können eben nicht, mit dem ihnen
anvertrauten Geld umgehen.
Dr. Henning Erfurth, Dormagen