Insekten-Staat

am Beispiel der Ameisen

>Hier< Die aggressivste Biomasse neben

der Menschheit auf der Erde,

>hier< Bild-Hinweise auf menschliches Verhalten

am Beispiel einer chinesischen Beerdigung,

>hier< zur Beschreibung von Einzelheiten der Ameise

anhand von 2 stark vergrößerten Ausschnitten.

Auf getrennter Seite:

>Hier< zum Bienenstaat (mit vielen Bildern,

auch verschiedener Fliegen).


Ameise "melkt" Blattläuse - Bild: neuropsychoanalyse.wordpress.com/

Königin, Arbeiterin, Männchen

Ein wesentliches Merkmal von Ameisen und anderen Staaten bildenden Insekten besteht darin, dass nur ein kleiner Teil der Individuen sich zu geschlechtsreifen Männchen oder Weibchen entwickelt. Der größte Teil der Ameisen in einem Nest sind flügellose Weibchen mit verkümmerten Eierstöcken, die Arbeiterinnen genannt werden. Diese legen selbst keine Eier, sondern versorgen in einer manchmal unglaublich komplexen Arbeitsteilung Eier, Larven und Puppen, beschaffen Nahrung und säubern, verteidigen und erweitern den Bau. Bei manchen Arten gibt es noch weitere Unterteilungen. Bei den umherziehenden Treiberameisen haben beispielsweise einige Arbeiterinnen einen deutlich größeren Kopf und einen kräftigeren Körperbau. Sie werden »Soldat« (korrekt wäre natürlich »Soldatin«) genannt; sie sind nicht wie bei den Termiten ausschließlich mit der Verteidigung des Nestes beschäftigt. Die Mandibel* der Treiberameisensoldaten sind so kräftig, dass sie ohne weiteres die menschliche Haut durchdringen können.

* Oberkiefer, Vorderkiefer; erstes, ursprünglich mehrgliedriges Mundgliedmaßenpaar der Gliederfüßer als Kauwerkzeug.
 

In den meisten Ameisennestern gibt es nur ein einziges geschlechtsreifes Weibchen, die Königin.

Bis auf die Anfangszeit einer Kolonie, in der noch nicht genügend Arbeiterinnen herangewachsen sind, beschränkt sich die Ameisenkönigin darauf, Eier zu legen, die von den Arbeiterinnen versorgt werden. Die Männchen dienen einzig und allein zu einer einmaligen Befruchtung des Weibchens. Das Weibchen speichert den einmal übertragenen Samen sein Leben lang; die Männchen sterben nach der Befruchtung. Die Kasten der Ameisen unterscheiden sich auch im Gehirnaufbau deutlich voneinander, die Gehirne der kurzlebigen Männchen sind am geringsten entwickelt.


Der Ameisenstaat

Die Ameisen einer Kolonie (oder eines Staates) stehen in vielfältiger sozialer Beziehung zueinander. Sie üben während ihres Lebens verschiedene Tätigkeiten aus: Dabei führt kein Individuum immer nur die gleichen und kein Individuum alle anfallenden Arbeiten aus. Findet eine Ameise eine neue Nahrungsquelle, so markiert sie auf dem Rückweg eine »Duftstraße«. Zurück im Nest macht sie die anderen Ameisen aktiv auf den neuen Weg aufmerksam, der dann häufig zur Ameisenstraße wird, auf der die Ameisen in schmalen Bahnen laufen. Überschüssige Nahrung wird verteilt oder gespeichert. Bei manchen nordamerikanischen Honigameisen gibt es die Kaste der »Honigtöpfe«-Ameisen mit einem sozialen Magen, der so groß ist, dass das Tier das Achtfache seiner normalen Größe erreicht und bewegungsunfähig wird. Diese Honigtöpfe werden in speziellen Kammern verwahrt und dienen als Nahrungsvorrat. Auch die gesamte Brutpflege ist arbeitsteilig organisiert, von der Abnahme der frisch gelegten Eier bis zum Schlüpfen der Puppen.


Lebenszyklus

Wie sieht nun das Leben einer Ameise bzw. in einem Ameisenstaat aus? Bei den meisten Arten vergräbt sich ein frisch befruchtetes Weibchen (Königin) in einer Erdhöhle oder einem anderen Versteck, wo es Eier ablegt und bei diesen ohne Nahrung ausharrt, bis die ersten Larven schlüpfen. Dies kann bei manchen Arten bis über ein Jahr dauern. Die Larven füttert es unter anderem mit eigenen Eiern.

 

Die beinlose, wurmartige Larve verpuppt sich nach zwei Wochen und spinnt sich in eine Art Kokon ein. Diese eingesponnenen Puppen werden oft fälschlich als Ameiseneier bezeichnet, da sie ebenfalls eiförmig und viel augenfälliger als die kleinen Eier sind.

 

Nach weiteren zwei Wochen schlüpfen die ersten Arbeiterinnen, welche die Königin zuerst bei der Arbeit unterstützen und diese ihr bald ganz abnehmen. In einem voll entwickelten Ameisenstaat nehmen Arbeiterinnen die frisch gelegten Eier am Hinterleib der Königin in Empfang, bringen sie in Brutkammern und sorgen für optimale Entwicklungsbedingungen. Die Ameisen halten die Temperatur in diesen Kammern aktiv konstant, indem sie zusätzliche Belüftungskanäle zur Kühlung bauen oder sich selbst in der Sonne aufwärmen, um die so gewonnene Energie in der Kammer wieder abzugeben.

 

Die geschlüpften Larven werden ebenso wie die Königin gefüttert und meist in neue Kammern gebracht. Auch die Puppen kommen wieder in neue Kammern. Meist arbeiten jüngere Arbeiterinnen im Inneren des Nestes. Den »Außendienst« versehen ältere Arbeiterinnen, die ihre Erfahrungen an Jüngere weitergeben. Aus einem normalen befruchteten Ei entwickelt sich immer eine Arbeiterin.

 

In bestimmten Jahreszeiten, bei uns im Frühjahr, legen die Weibchen aber spezialisierte Eier, mit an einer Stelle verdichtetem Eiplasma (griech. Plasma: Gebilde, wird nach außen von einer Membran begrenzt). Diese Eier entwickeln sich unbefruchtet zu Männchen, befruchtet (und mit einer besonderen Futterlösung versorgt) zu geschlechtsreifen Weibchen, den späteren Königinnen. Die erwachsenen Königinnen und Männchen tragen Flügel, mit denen sie »schwärmen«; dabei fliegen zahlreiche Ameisen vom Nest fort und paaren sich in der Luft. Die befruchteten Weibchen werfen die Flügel ab und beginnen mit der Gründung einer neuen Kolonie den Zyklus von neuem.

 

Während Arbeiterinnen meist zwei bis drei Jahre leben, können die Königinnen beispielsweise der Roten Waldameise bis zu 20 Jahre alt werden; entsprechend lange kann ein Ameisenstaat bestehen.

(c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2007


Einzelheiten der Ameise anhand von 2 stark vergrößerten Ausschnitten

 

 

 

Zwei in fast alle Richtungen ausrichtbare Antennen, oben nur eine zu sehen, die lebenswichtigsten und vielfältigsten Sinnesorgane der Ameisen, welche zum Tasten, Riechen und Schmecken dienen. Damit können sie Temperaturveränderungen, Luftströmungen und den Kohlendioxidgehalt der Luft wahrnehmen. Man vermutet, dass auch der Sinn zur Messung von Feuchtigkeit vorhanden ist. Über die Antennen erfolgt maßgeblich die Verständigung unter den Einzeltieren, indem sie sich mit ihren Antennen berühren.

 

Auf obigem Bild, einem Ausschnitt vom Kopf, erkennt man ein seitliches, im Vergleich zu Fliegen kleines Wabenauge. Ameisen besitzen meist verhältnismäßig kleine, aber gut ausgebildete Wabenaugen mit typischer- und bei Insekten üblicherweise einigen Hundert Einzelaugen. Ferner sind 3 Stirnaugen vorhanden, jedoch oben im Bild nur schwer ausfindig zu machen. Dieses und vieles mehr ist bei Wikipedia zu finden.


Menschliches (insektenähnliches) Verhalten während einer chinesischen Beerdigungszeremonie in Malaysia:

Schutzuniformen gegen Geisterangriffe. Die verschiedenen Formen symbolisieren die

verwandtschaftliche Beziehung zum Verstorbenen und den "Gefährdungsgrad"...

 

... Der "Beerdigungsunternehmer" ist nicht gefährdet. Ihn interessiert nur das Geld.

Die Leiche ist bereits im ausgehobenen Grab.

Jeder Angehörige weiß, was dem Toten für das Jenseits mitgegeben werden muss.

(Siehe auch >hier<:Konfuzianismus/Taoismus)


Die aggressivste Biomasse neben der Menschheit auf der Erde.

 

Weltweit gibt es 500 Myrmekologen: Ameisenforscher. Ihr Interesse gilt einer Tierart, deren Biogewicht dem der gesamten Menschheit entspricht. In den 90 Millionen Jahren ihrer Entstehungszeit haben die Ameisen eine aggressive Potenz organisiert, die zur Zerstörung des Planeten ausreichen würde, wären diese Tiere in der Lage, ihre Absichten auszuführen.

 

Zugleich gehören die Ameisen zu den interessanten Tieren, die Darwins These vom „Egoismus der Gene“ illustrieren.

 

Dr. Marianne Oertel, Zoologin, berichtete über die aggressivste Biomasse neben der Menschheit auf der Erde: "10.000 Billionen Ameisen" in der Sendung 10 vor 11 bei RTL am 2.12.1996

 

Siehe auch von Rembert Hüser: „Ameisen sind müßig“ in Christian Schulte (Herausgeber): Die Schrift an der Wand: Alexander Kluge: Rohstoffe und Materialien. Osnabrück: Universitätsverlag Rasch, 2000. Seiten 293-315. (Lebenslauf von Rembert Hüser)