Moral und Ethik
sind rein philosophische Begriffe.
>Hier< direkt zur Ethik (auf dieser Seite);
>hier< zu Immanuel Kant,
>hier< Seiffert: ethisches Denken...,
>hier< zu Moral und Wandel,
>hier< Literatur zu Welt-Ethos.
>Hier< kurze Unterscheidung von Theorie und Hypothese.
"Moral und Ethik" wurden ursprünglich in der Regel deckungsgleich im Rahmen des jeweils gültigen religiösen Umfeldes - der Tradition - gesehen. Juristisch haben diese Begriffe keine (direkte) Bedeutung, aber in Form von "Sitte" als "eine soziale Norm" (>hier<), die in einem Gesellschaftsbereich in ihrem Geltungsanspruch und der damit verknüpften Durchsetzbarkeit durch alltägliche Anwendung verankert ist und durch Verweis auf jeweils gültige Wertevorstellung. Gesetze berufen sich dementsprechend auf: "...das ist gegen die guten Sitten". So ist beispielsweise nach §138 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) ein Rechtsgeschäft, das gegen die guten Sitten verstößt, nichtig. Das nur am Rande.
Aber beschäftigen wir uns mit der
Unterscheidung, der sogar "moderne" Philosophen nur schwer folgen wollen
( - Philosophen der Frühzeit hatten kaum eine Ahnung von anderen Völkern und
Kulturen):
Moral bedeutet aus dem
lateinischen "mos, moris" = Sitte, Brauch, Gewohnheit, Vorschrift, Mode,
Denkart, Herkunft, Charakter und einiges mehr.
Zur Moral gehören
- die, der jeweiligen gesellschaftlichen Prägung und daraus folgenden Anwendung zugrunde liegenden und als verbindlich festgelegten Normen(systeme) des Handelns; (Beispiel: In fast allen Kulturen - Lebensformen größerer Menschengruppen einschließlich ihrer geistigen Aktivitäten, besonders ihrer Wertenormen, d.h. -einstellungen - ist es unmoralisch, oft sogar strafbar, nackt umher zu laufen);
- die vorausgesetzte und damit erwartete Haltung eines Einzelnen oder einer Gruppe, das gewohnheitsmäßige Zusammengehörigkeitsgefühl (Solidarität) einer Gruppe und damit die erwartete Bereitschaft, sich einzusetzen bis dazu, (unter Lebensgefahr) in den Krieg zu ziehen. (Feigheit ist unmoralisch und wird streng bestraft, beispielsweise als Fahnenflucht.)
- Auch die Moral einer Geschichte, d.h. die lehrreiche Nutzanwendung, der sittliche Gehalt von etwas fallen darunter.
Bei der Moral geht es um eine (isolierte) Verhaltensnorm vor einem kulturellen Hintergrund, um "Sitten und Gebräuche" von und in einer bestimmten Gruppe, die sich jedoch unterscheiden in Einzelheiten jeweils von Parallel-Gruppen (mehr oder weniger zahlenmäßigen Großgruppen) - man spricht auch von Gesellschaften - , die sich abschotten, ja sogar anfeinden: evangelische "Kirchen" (lutherisch, altlutherisch, reformiert, z.B. calvinistisch), Sekten untereinander, römisch und orthodoxe Katholiken, islamische Glaubensrichtungen (Sunniten, Schiiten, Allewiten - mehr unter ...alaturka.info/.../alewiten-islam ), Hinduisten (vorwiegend in Indien), Buddhisten, Shintoisten (Japan), Marxisten (... eine seitenfüllende Auflistung; einiges >hier< auf der ausführlichen Seite "Welt der Religionen").
Beispiel einer Moralvorstellung: Meine calvinistische Mutter fand sexuelle Entgleisungen, z.B. sich gleichgeschlechtlich betätigen, onanieren, ein uneheliches Kind zeugen, schlimmer als Diebstahl oder sogar als Totschlag. Ein Adeliger durfte noch vor einem Jahrhundert keine nichtadelige Person problemlos heiraten. Auch heute noch verliert man in der "Kaste* der Akademiker" - gemeint ist die "modern westliche Gesellschaftsform - wahrscheinlich alle Freunde, wenn man sich mit jemandem von der Müllabfuhr zusammentut. Homosexualität war bis vor wenigen Jahren noch strafbar. Es gab sogar noch dis Bestrafung der so genannten Kuppelei, als "Förderung" (sogar bei einer unbewussten Zulassung) "zwischenmenschlicher sexueller Handlungen". Als Student bekam ich von der Vermieterin als erstes zu hören: "Damenbesuch" ist streng verboten! Ist das klar?" Heutzutage ist Kuppelei (juristisch) auf "Gewohnheitsmäßigkeit oder Eigennutz" eingeschränkt und das auch nur im Zusammenhang mit Menschen unter 16 Jahren.
* Latein: castus = rein, gemeint ist die inzwischen tausendfache "Überschichtung" in Indien.
Ein moralische denkender pakistanischer Vater bringt seine Frau um, weil sie ihm ein drittes Mal ein Mädchen geboren hatte. Man weiß heute - wenn schon eine Verantwortlichmachung, war der Mörder (ethisch gesehen) "der Schuldige". (Nur der Mann hat im Samen ein Y-Chromosom für einen Jungen, die Frau nur X-Chromosome! Das 23. Chromosomenpaar muss für ein männliches Kind ein XY-Chromosom sein, das nur vom Mann kommen kann! So etwas weiß ein gläubiger, durch traditionelle Überlieferung Irregeführter nicht))
Bildausschnitt: Vorbereitungen zu einer Hochzeit, mit Aphrodite (= Venus), Braut, die aussieht, als stünde
sie vor ihrer Hinrichtung, dazu Dionysos (Sohn des Zeus und Gott der Fruchtbarkeit und der Ekstase), um
Beginn der Zeitrechnung (Kaiser Augustus) gemalt (von unbekannt), 1605 in Rom gefunden und von Kar-
dinal Aldobrandini einkassiert, seit 1818 in den Vatikanischen
Sammlungen in Rom.

Moralisch richtig ablaufende Hochzeit...
Im "Dritten Reich" war jeder "kriegsverwendungsfähige" (K.V.-gestempelte) junge Mann aus moralischen Gründen verpflichtet, für "Führer, Volk und Vaterland" in den Krieg zu ziehen, außer er gehörte - unter anderen - zum "Reichsnährstand", heute wie der Bauer genannt. Er gehörte zu den "Unabkömmlichen".
Jetzt der Übergang von Moral zur Ethik: Es ist unethisch, jemandem "Böses" zu tun, der eigentlich nichts mit dem ganzen ideologischen Aufgehetztsein zu tun hatte. Aber könnte man auch beim "Feind" ein ethisches Bewusstsein voraussetzen? War er - außerhalb des damaligen "Großdeutschen Reiches" lebend - dort nicht der "Gute", der als angegriffener Feind seinerseits sein Vaterland verteidigen musste?
Die "Zeugen Jehovas" verweigerten konsequent den Kriegsdienst, wurden im "Dritten Reich" deswegen getötet und in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) eingesperrt. Albert Einstein ((1879-1955) hatte bereits in Ersten Weltkrieg zur Wehrdienstverweigerung aufgerufen. ("...Die Pioniere einer Welt ohne Kriege sind die Jugendlichen, die den Kriegsdienst verweigern...") Einstein war damals absolut unmoralisch aber nach heutiger Auffassung standhaft ethisch.
Ethisch handeln bedeutet keineswegs nur die eigenen Bedürfnisse, Interessen, Wünsche und die der eigenen Gruppenzugehörigen zu berücksichtigen, sondern auch immer Rücksichtnahme, auf andere Lebewesen, auf das Umfeld. Es gibt inzwischen die Menschenrechtskonvention >hier<, die Kinderrechtskonvention >hier<, den Tierschutz >hier<, den Umweltschutz >hier<. Das alles ist zwar überholungsbedürftig; denn der Schutz des Individuums ist vernachlässigt und Pflichten von menschlichen Lebewesen, sogar von Kindern gibt es überhaupt nicht. Aber - immerhin - die genannten Konventionen (Übereinkünfte) sind gute Ansätze in einer bisher nie gehabten allgemeinen Verbreitung und von den meisten Staaten (leider außer den USA z.B.) anerkannt. Sie entsprechen der derzeitigen Ethik, werden aber - leider immer noch nicht - überall angewandt.
Griechisch "éthos" bedeutet "Sitte" (sittliche Gesinnung), und Ethik ist die Sittlichkeit, die Sittenlehre (Lehre vom sittlichen Verhalten, wobei sich Sittlichkeit auf die Gesamtheit des menschlichen Tuns bezieht), nach Immanuel Kant* ganz einfach und für jedermann (grob gesehen) verständlich definiert als: »Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.« Das ist Kants "Formel für das oberste, a priori** gültige Sittengesetz", bekannt als sein kategorischer Imperativ***, die Formel, wahrscheinlich zu einem ersten Mal überhaupt aufgestellt, für »das oberste, a priori gültige Sittengesetz«. Diese (Grund-)Formel ist zwar richtig, aber aus heutiger Sicht viel zu einfach und eigentlich unbedeutend, wenn die ethischen Grundlagen (noch) nicht festgelegt sind (kurz >hier< zum "Wandel" auf dieser Seite schauen); denn nach dem zweiten Weltkrieg gab es einige "Rechtswissenschaftler" in der Bundesrepublik Deutschland, die behaupteten: Juristen, die im Dritten Reich nach den damals gültigen nationalsozialistischen Gesetzen, etwa den so genannten Nürnberger Gesetzen (z.B. das "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre"), Recht gesprochen hatten, dürften deshalb nicht verfolgt werden, weil - nochmals hervorgehoben - diese Gesetze - als von den damaligen Inhabern der Staatsgewalt in Deutschland erlassen - rechtmäßig gewesen seien und ihre Anwendung daher nicht nachträglich beanstandet werden könne." Man berief sich auf den wichtigen Begriff der Rechtssicherheit. Das kann tatsächlich nicht beanstandet werden, wenn man vom (demokratischen) Mehrheitsprinzip ausgeht; denn 80% der Deutschen standen hinter diesen Gesetzen und das noch vor (oder sogar nach) Ende des "Zweiten Weltkrieges", wie US-amerikanische Meinungsforscher herausgefunden haben (wollen).
* seit 1770 Professor für Logik und Metaphysik (griechisch: tà metà tà physiká »das, was hinter der Natur steht«) in Königsberg, 1804 im Alter von 80 Jahren gestorben
** a priori: vorrangig; Imperativ (griechisch: Aussage) Kategorie
*** absolut angeforderte Befehlsform (befehlend, zwingend, bindend)
Wen wollte Kant also ansprechen? Wegen der Sklaverei in den USA (zu Kants Zeiten noch existierend) musste zu deren Beseitigung erst Krieg geführt werden ("angeregt" vom Präsidenten Abraham Lincoln im Sezessionskrieg 1861-65). Bis heute sind die "Neger" noch "Bürger zweiter Klasse". Mir wurde in Kenia vorgeworfen, dass ich meine Hausangestellten nach europäischen Richtlinien eingestuft hatte (40 Stundenwoche, Überstundenbezahlung usw.), mit der Argumentation, dass es "ethisch und moralisch" unvertretbar sei; denn nach meinem Weggang wären die Leute "verdorben" und würden keine weitere Beschäftigung mehr finden. Leider war daran sogar etwas Wahres: Ethisch sicher durchaus gut gemeint, aber realistisch...? Die ganze Geschichte würde hier zu lang werden.
Die oben zitierte Definition der kantschen Ethik ist für damalige Verhältnisse gut gemeint gewesen, aber nach neueren Erkenntnissen anders zu sehen, d.h. zu relativieren (denn nur für die damaligen Gesichtspunkte gültig). Unser Wille, unser Wollen sind zwar uneingeschränkt, aber leider ist unser Handeln nicht frei, sondern abhängig vom kulturellen Umfeld und von individuellen Bedürfnissen (>Hier< mehr zur Willens und Handlungsfreiheit). >Hier< zu sei auf das Buch des (heutigen) Philosophen Schmidt-Salomon "Jenseits von Gut und Böse" verwiesen.
Aristoteles (384 bis 322 vor der
Zeitrechnung) soll den Begriff "Ethik"
zuerst entwickelt haben, verbunden mit seiner Tugendlehre (Tugendethik), wobei unterschieden
wurde zwischen den Verstandes-Tugenden und den (ethischen) Charakter-Tugenden.
Gefordert war Einhaltung der jeweils richtigen Mitte zwischen Extremen.
Ethisches handeln "hängt von vielen konkreten Umständen ab, ob eine Handlung gut
ist und die Steigerung des Glücks zur Folge hat", meint Aristoteles.
Jedoch muss endlich mal eine Klarstellung der Definitionen erfolgen: Ethik steht über Weltanschauungen und Religionen, welche jeweils eigene moralische Vorstellungen haben. So war es im "Dritten Reich" (1933 bis 1945) in Deutschland unmoralisch, mit jüdischen Staatsbürgern in irgend einer Form zu verkehren, sexuell schon gar nicht. Im Islam und bei den gläubigen Juden ist es unmoralisch, als Mann unbeschnitten zu sein und Fleisch von Tieren zu essen, denen man nicht - ohne Narkose - die Kehle (und damit die Halsschlagadern) durchgeschnitten hatte zum völligen Ausbluten oder die durch einmal festgelegte Definition "unrein" sind, wie Schweine (und Hunde). Bei den Buddhisten ist es unmoralisch, ein Lebewesen zu töten. Doch sagte der Dalai-Lama (heißt "Ozean des gelehrten Wissens" - religiöses und politisches Oberhaupt Tibets) einmal auf eine Frage: "Dulden Sie es, wenn sie eine Stechmücke unaufhörlich belästigt?" "Dann ist mir auch schon mal die Hand ausgerutscht," war seine Antwort.
Wie oft bei mutmaßlich klaren Begriffen, ist Moral nicht gleich Moral und sogar Ethik nicht gleich Ethik. Es hängt vom jeweiligen Kulturkreis und von "modischen" Denkgewohnheiten und von Machbarkeiten ab. Eine absolute Objektivität* gibt es nicht, nicht in den Naturwissenschaften: In der Biologie war man bisher der Meinung, neue "höhere" Tiere könne man nur aus Samenfaden und Ei (durch vertikalen Gentransfer, zeitlich nach unten) bekommen. Inzwischen geht es auch horizontal, also als Quervererbung (>hier<) wie beim Klonieren (oder Klonen) zur Erzeugung genetisch identischer Nachkommen aus einer Zelle, theoretisch in beliebiger Zahl. Es wird (noch) als unethisch angesehen, so etwas bei Menschen zu versuchen. Aber die Versuchung wird wahrscheinlich zu groß sein, um insbesondere psychopatische >hier< Kämpfer zu erschaffen.
* Gemeint ist eine unabhängig vom einzelnen Menschen
bestehende Wahrheit über einen bestimmten Gegenstand (Objekt), eines
Sachverhalts oder einer Aussage. Zur Objektivität gehört auch die Wahrheit aus
einer Unabhängigkeit von "individuellen Umständen, historischen Zufällen oder
beteiligten Personen". Objektivität soll eine allgemeingültige Bedeutung und
Richtigkeit haben, die jeder Überprüfung stand hält. (Ein Apfel fällt immer nach
Reifung zu Boden. Er könnte nach dem physikalischen Energieerhaltungssatz auch
durch Abkühlung im Weltraum verschwinden. Wahrscheinlich nicht jedermann
einsichtig: Jedes empfindsame Lebewesen darf - aus bloßen Vernunftgründen (a
priori, nach Kant) - nicht gequält werden.)
Dennoch gab und gibt es durchaus eine übergeordnete Moral und auch (eingeschränkt) Ethik (wieder mal fälschlich ein wenig in einen Topf geworden), z.B.: Ich habe in vielen Ländern gearbeitet - in Japan, Indonesien, arabischen Ländern, Afrika, Karibik, USA, abgesehen von Europa. Ich bin nie mit Menschen oder Gesetzen in Konflikt geraten, abgesehen von Kenia, wo ich einige Stunden in ein höllenartiges Gefängnis geworfen wurde, weil mein Auto wegen Falschparkens abgeschleppt worden war, ich es jedoch sogleich ausgelöst hatte und den Fall für erledigt hielt. Eines Tages rief mich jemand von der Verkehrspolizei an, um mir mitzuteilen, dass ich die Geldstrafe bzw. Geldbuße ("the fine") wegen des Falschparkens nicht bezahlt hätte, und in der Diskussion erklärte man mir, dass ich lediglich die Abschleppkosten bezahlt hätte. Die Geldbuße würde im Gericht durch einen Richter festgelegt. Ich fuhr mit einer Polizistin zum Gerichtsgebäude, wo wir durch mehrere Büros und "Dienststellen" liefen. Dem jeweiligen Palaver (endloses Gerede) in der Landessprache KiSwahili konnte ich nicht folgen. Ich wurde schließlich mit einer weiteren uniformierten Person aufgefordert, ihnen zu folgen. Es ging in den Keller. Eine Tür wurde aufgestoßen und ich hindurch geschuppst. Ich befand mich in einer nahezu völlig dunklen Umgebung und fand erst nach etwas länger dauernden Orientierungsversuchen, dass ich in einem Gefängnis war. Es gab keine Möglichkeit, die Gründe herauszufinden oder Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen. Nach etwa 6 Stunden wurde ich aufgerufen und wieder herausgelassen, in einen Gerichtssaal geführt und einem Richter vorgestellt, der sich auf meine Proteste und Vorwürfe hin vielmals entschuldigte und erklärte, dass alle Richter zu meiner "Aburteilung" besetzt oder abwesend gewesen seien, weswegen ich festgesetzt werden musste ("had to be arrested")... Nach einer Bußgeldfestsetzung von 5 Kenya-Shillingi (= 0,45 DM), Zahlung bei der Gerichtskasse und Abstempelung durch einen Gerichtsdiener, konnte ich nach Hause fahren. Nebenbei: Kann ein Land sich überhaupt entwickeln, in dem solche Verwaltungsvorschriften existieren?
Natürlich gibt es Verhaltensregeln, die überall zumindest Ärgernis erregen: Jemandem etwas wegnehmen oder einen Menschen anzurempeln, oder in Indonesien die Arme auf die Hüftknochen abstützen (eine Angriffshaltung) oder die Zunge herausstrecken, in einem islamischen Land im Minirock rumzulaufen (zumindest hat die Person dann eine Menge, sich belustigender junger Männer um sich, bis eventuell die Polizei kommt).
Ein freundliches Gesicht und keine Aufdringlichkeit, sondern Verhaltensbeobachtung und (vornehme) Zurückhaltung reichen in der Regel immer. Man sollte in einem fremden Kulturkreis versuchen, so rasch wie möglich jemanden zu finden, der als Übersetzer (Dolmetscher) behilflich sein und den man bitten kann, einen darauf aufmerksam zu machen (zurecht zu weisen), wenn etwas aus althergebrachter Gewohnheit nicht gut ankommt.
Der folgende Witz ist international: Zwei befreundete Personen sind zu Kaffee mit Kuchen eingeladen. Die eine Person legt sich rasch das größte Stück auf den Teller. Dann sagt die andere Person: "Das ist ja wohl nicht richtig!" Frage: "Ja, was hättest du denn gemacht?" Antwort: "Ich hätte mir das kleinere genommen." Die Person mit dem größeren Stück auf dem Teller ist erfreut: "Also, was regst du dich auf?! Du hast doch jetzt das kleinere."
Es führt zu weit, in einer Art Vorlesungsmanuskript die Unterteilungen der Ethik im Einzelnen vorzustellen und zu erläutern, nur die Termini (Fachausdrücke) seien einmal (nicht ganz spaßenshalber) aufgezählt:
absolute und relative Ethik,
biologische und medizinische Ethik,
empirische Ethik,
formale und materielle Ethik,
Friedensethik (insbesondere der "Kirchen"),
Gesinnungsethik,
Individual- oder Erfolgsethik,
Pflichtethik und Neigungsethik,
Sozialethik, Verhaltensethik (>hier< der katholischen Kirche),
Tierethik, Umweltethik,
Werteethik,
Weltethik oder Weltethos (>hier< zum Buch "Friedenspolitik - ethische Grundlagen internationaler Beziehungen" oder direkt zu www.weltethos.org).
H. Küng, Projekt Weltethos, Piper, München 1990; TB Serie Piper 1659, München 1992.
H. Küng, Weltethos für Weltpolitik und Weltwirtschaft, Piper, München 1997; TB Serie Piper 3080, München 2000.
H. Küng, Wozu Weltethos? Religion und Ethik in Zeiten der Globalisierung (im Gespräch mit J. Hoeren), Herder, Freiburg 2002.
H.Küng und D.Senghaas (Friedens- und Konfliktforscher), Friedenspolitik - Ethisches Grundlagen internationaler Beziehungen, Piper Verlag, München *
H. Küng – K.-J. Kuschel (Hrsg.), Wissenschaft und Weltethos, Piper, München 1998; TB Serie Piper 3247, München 2001.
H. Küng (Hrsg.), Dokumentation zum Weltethos, TB Serie Piper 3489, München 2002.
H. Küng (Hrsg.), Globale Unternehmen – globales Ethos. Der globale Markt erfordert neue Standards und eine globale Rahmenordnung, Frankfurter Allgemeine Buch, Frankfurt a.M. 2001.
H. Schmidt (Hrsg.), Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten. Ein Vorschlag, TB Serie Piper 2664, München 1997; Neudruck in: H. Küng (Hrsg.), Dokumentation zum Weltethos.
G. Picco, R. v. Weizsäcker, H. Küng (u. a.), Crossing the Divide. Dialogue among Civilizations, Seton Hall University, South Orange/NJ 2001. dt.: Brücken in die Zukunft. Ein Manifest für den Dialog der Kulturen. Eine Initiative von Kofi Annan, S. Fischer, Frankfurt a.M. 2001.
* >Hier< zum Buch und folgend etwas zum Lebenslauf von Hans Küng (1928 im Kanton Luzern geboren): Schweizer Theologe, römisch-katholischer Priester, emeritierter Professor für Ökumenische Theologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen und Präsident der von ihm gegründeten Stiftung Weltethos, Kirchenkritiker, dem 1979 die kirchliche Lehrbefugnis entzogen worden ist. (Mehr bei Wikipedia.)
Zu den beiden, oben in der Liste ("Unterteilungen der Ethik") genannten Begriffen: "Tierethik, Umweltethik" und "biologische und medizinische Ethik" doch einige Beispiele, die zur Diskussion gestellt sind - also zur Auseinandersetzung über die Stichworte, mit Aussprache, mit Meinungsaustausch: Embryonenforschung? Leihmutterschaft? Sterilisation/Kastration, freiwillig oder als Vorbeugung gegen Überbevölkerung oder als körperverletzendes Verbrechen)? Schwangerschaftsabbruch? Sterbehilfe? Organtransplantation? Tier- und Menschenversuche? Herstellung von Klons (ungeschlechtliche Vermehrung?
Am letzten Beispiel soll aufgezeigt werden, dass die Unterteilung doch nicht ganz unsinnig ist und sich Ethikkommissionen durchaus mit einzelnen Punkten beschäftigen sollten bzw. schon beschäftigen; denn die Fragezeichen (?) bedeuten, dass es noch nichts zu den einzelnen Punkten gibt als vernünftiges und "ethisch" machbares.
Überholt halte ich die religiösen sogenannten ethischen Vorschriften, die meines Erachtens fast alle zum Komplex der (nicht allgemein gültigen) Moral gehören.
Noch ein bemerkenswerter Hinweis von Ulrich Kühne* in einer Ausgabe der Wochenzeitung "Freitag" im Februar 2009: "Dass Menschen zu sozialen Wesen geworden sind, die Fortpflanzung nicht an das vermeintliche Recht des Stärkeren binden, ist ein Zeichen unserer Macht und Anpassungsfähigkeit, nicht, wie blinde Ideologen meinten, von Degeneration."
* Hinweis auf das Buch: Die Methode des Gedankenexperiments - Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN-10 3518293427: Ein Gespenst geht um in den Wissenschaften - das Gespenst des Gedankenexperiments. Gedankenexperimente verheißen Erkenntnisgewinn ohne empirische Arbeit - was vor dem Selbstverständnis der modernen Naturwissenschaften jedoch einer Unmöglichkeit gleichkommt. Und doch zieht sich das Forschen mit Gedankenexperimenten wie ein roter Faden durch die lange Tradition in den empirischen Wissenschaften von ihren Anfängen bei Stevin [flämischer Mathematiker, Physiker und Ingenieur, 1620 gestorben]), Galilei und Newton bis heute (dem Klappentext entnommen)
Der 2000 73jährig verstorbene, deutsche Philosoph und wissenschaftliche Autor, Helmut Seiffert* gibt ein sehr gutes Beispiel für Ethik etwa so: Ein Wissenschaftler brütet über einen Satz einer Abhandlung. Seine Frau kommt zu ihm und fragt etwas. Er antwortet kurz angebunden und fast ungehalten. Sie geht und kommt nach einiger Zeit wieder, sagt aber nichts und wartet einfach nur. Er erinnert sich an seine knappe Beantwortung ihrer vorhin gestellten Frage und hat nun ein "schlechtes Gewissen". Sie hat auch ein "schlechtes Gewissen", weil sie eigentlich meint, ihren Mann nicht stören zu dürfen... Dieses (belanglose) schlechte Gewissen ist der Ansatz für ethisches Denken. "Ethisches Denken ist weder juristisch einklagbar, noch entspricht es kaum konventionellen, d.h. moralischen Regeln!"
* Einführung in die Wissenschaftstheorie, Band 3: Handlungstheorie, Modallogik, Ethik, Systemstheorie, C.H. Beck, München, 3. Aufl. 2002 ISBN 978-3-406-36450-1, den meine Frau, Sigrid Neumann, für mich "ausgegraben" hat
Jedoch gibt es bereits im Rahmen der beginnenden Übereinkünfte zu einem Weltethos - einer sich hoffentlich allgemein gültig werdenden menschenwürdigen "sittlichen Gesinnung" - den internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag, durch den Kriegsverbrechen, Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, völkerrechtliche Aggression abgeurteilt werden können. Es gibt sogar einen Haftbefehl gegen den Sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir (vom 4. März 2009) durch diesen Internationalen Strafgerichtshof "wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und wegen Kriegsverbrechen in Darfur". Es ist das erste Mal, dass der IStGH ein amtierendes Staatsoberhaupt anklagt. Der Haftbefehl benennt die mutmaßliche persönliche Verantwortung al Bashirs für Morde, Vertreibungen, Folterungen und Vergewaltigungen in der Darfurregion. In zwei Fällen von Kriegsverbrechen werden ihm gezielte militärische Angriffe auf die Zivilbevölkerung sowie Plünderungen vorgeworfen" (nach einem Bericht von Peter Girke für die Konrad-Adenauer-Stiftung - www.KAS.de. Darfur liegt im zentralen Westen der Republik Sudan, 496.371 km2, 3,09 Mio. Einwohner; Hauptort ist Al-Faschir).
Ferner sind bei Seiffert einige bemerkenswerte Erkenntnisse zu finden: Er ist der Meinung, dass sich die Moral der Menschen seit Tausenden von Jahren nicht geändert habe, im Gegenteil. Dazu möchte ich ein Beispiel nennen: Es gab die britische "Premier Ministerin" (also erste Ministerin 1979 bis 1990 ), Margret Hilda Thatcher, die, als argentinische Truppen die Falklandinseln (spanisch Islas Malvinas), eine britische Kronkolonie, ein paar hundert Kilometer vor der argentinischen Küste, mit Schafzucht als dem einzigen Erwerbszweig von Bedeutung (neben etwas Fischerei), besetzt hatten, den Antrag im Parlament gestellt haben soll, Atombomben auf Argentinien absetzten zu dürfen, nach Vorstellungen einiger Großbriten durchaus moralisch gedacht im Interesse des Erhaltes des britischen kolonialen Systems, aber dennoch völlig unethisch!
Im Gegensatz zum moralischen Verfall ist im ethischen Denken, also der Ethik als der Wissenschaft von der Moral (wie Seiffert definiert), genau so viel geschehen, wie im Bereich der Naturwissenschaften; denn vor 20 Tausend Jahren dachte man noch nicht an Tierschutz. Es gab kein Umweltbewusstsein, keine Menschrechte, ... keine Vereinten Nationen. Die "Fortschritte" liefen mit nahezu gleicher Geschwindigkeit wie die Naturwissenschaften ab, erst in den letzten Jahren sprunghaft (nach dem Abebben der Macht der Religionen in den sogenannten westlichen Demokratien).
Kurz erwähnen möchte ich den Begriff "Utilitaristische Ethik" bei Seiffert, eine oder sogar DIE Nützlichkeitsethik. Sie ist die Anknüpfung an Aristoteles mit seinem Schlagwort: "Das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl". Das bedeutet, dass Aristoteles von einer Art Glückskalkül ausgeht, "durch den die Summe des »sozialen Nutzens« bestimmt werden soll. Eine Handlung wird nicht nach ihrem sittlichen Wert in sich, sondern nach ihren sozialen Folgen bestimmt" usw.
Ferner wird diskutiert, ob "sittliche Willensantriebe und
Wertschätzungen angeboren, also in gewissem Ausmaß allen Menschen gemeinsam sind
oder ob sie aus der Erfahrung gewonnen werden und daher nach Völkern und
Zeitaltern wechseln."
Erwähnt werden müssen jedoch noch Darlegungen, wie:
Der ethische Relativismus, nach einer groben Definition von
Carolin Römer (Studienarbeit aus dem Jahr 2002 im Fachbereich Philosophie -
Praktische Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...):
"Der griechische Philosoph Protagoras unterteilte den ethischen Relativismus schon im 5. Jahrhundert vor der Zeitrechnung in drei Behauptungen (frei formuliert):
1. Verschiedene Individuen oder Gruppen haben unterschiedliche ethische Urteile. Diese unterscheiden und widersprechen sich oft grundlegend.
2. Wenn die Urteile verschiedener Individuen oder Gruppen sich widersprechen, kann man nicht immer diese Urteile als unrichtig beweisen. Manchmal sind Prinzipien, die voneinander abweichen, gleichermaßen richtig bzw. gültig.
3. Die Menschen sollten nach ihren jeweils eigenen moralischen Prinzipien und Überzeugungen leben, bzw. zu leben versuchen."
Dazu Zitat aus Seiffert: »Oft hört man den Einwand, es gebe überhaupt keine allgemeingültigen ethischen Prinzipien. Man verweist dann gern auf die Tatsache, daß die Ethnologen« (Völkerkundler) »immer wieder neue Völkerschaften entdeckten, in denen völlig andere Normen herrschten als bei uns.
Demgegenüber sei zunächst festgestellt, daß die Zahl derjenigen moralischen« (richtiger ethischen) »Überzeugungen, die auf der ganzen Welt übereinstimmen, recht groß ist. So werden etwa Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft und Wahrheitsliebe in jeder denkbaren menschlichen Gesellschaft hohes Ansehen genießen.
Es gibt sogar Fälle, in denen die Übereinstimmung viel größer ist als man auf den ersten Blick annimmt. So ist wohl jeder, der sich nicht näher mit Ethnologie beschäftigt hat, der Überzeugung, daß in „primitiven" Gesellschaften wesentlich laxere sexuelle Normen herrschten als bei uns, daß insbesondere etwa Beziehungen zwischen Eltern und Kindern oder zwischen Geschwistern vielfach selbstverständlich seien. Tatsache ist jedoch, daß auch das Inzestverbot zu den moralischen« (nicht besser ethischen?) »Konstanten zählt, die für praktisch jede Gesellschaft gelten. Ausnahmen wurden und werden nur aus besonderen Gründen zugelassen, wie etwa der Fall der königlichen Geschwisterehen im alten Ägypten zeigt.
Dem ethischen Relativismus setzen also schon die Tatsachen recht enge Schranken. Wie aber sieht es nun mit solchen Tatsachen aus, die den ethischen Relativismus zu stützen scheinen?
Nehmen wir als Beispiel eine Gesellschaft, in der es üblich ist, daß die Kinder ihre alternden Eltern zu einem bestimmten Zeitpunkt töten.
Folgt hieraus die Relativität des Tötungsverbotes?
Gehen wir den möglichen Gründen für eine solche konventionelle Elterntötung nach.
Ein Grund wäre: die Nahrung ist knapp, und die arbeitsunfähigen Alten sollen den
Kindern und arbeitsfähigen Erwachsenen nichts wegessen.
Hier gilt: Umstände, die so karg sind, daß ein Teil der Bevölkerung regelmäßig
vernichtet werden muß, um den übrigen das Überleben zu sichern, sind
menschenunwürdig und müssen daher durch Versorgung vonseiten reicherer Völker,
durch Erschließung neuer Nahrungsquellen und so fort verbessert werden. Hier
geht es also einfach um Entwicklungshilfe, die eben auch den Zweck hat,
allgemeingültige moralische Normen durchzusetzen.
Ein anderer Grund für das Umbringen der Eltern wäre ein rein ritueller: die betreffende Religion gebietet es eben so. In diesem Fall wird der ethische Relativist vielleicht die Achseln zucken und sagen: „Da kann man nichts machen - die Religion dieser Leute will es so, und da die Religionsausübung frei ist, muß es dabei eben bleiben."
In dieser Toleranz ist man aber bezeichnenderweise gar nicht konsequent. So ist es durchaus denkbar, daß jemand, der in der „horizontalen" Dimension (wenn es um den Vergleich gleichzeitig auf der Welt existierender menschlicher Gesellschaften geht) außerordentlich großzügig ist, in der „vertikalen" Dimension (wenn es um den Vergleich verschiedener historischer Stadien der eigenen Gesellschaft geht) dagegen sich plötzlich als ausgesprochen rigoros erweist und etwa die Sklaverei in der Antike oder der amerikanischen Kolonialzeit streng verurteilt. Hier gilt dann der Relativismus auf einmal nicht mehr. Was den Eskimos recht ist, ist es nicht den eigenen Urgroßvätern.
Hieraus geht hervor, daß auch eine rituelle Elterntötung nicht sakrosankt sein kann, sondern durchaus „absoluten" Normerwägungen unterliegen kann und muß. Selbst der Menschenopfer vollziehende Priester, der keinerlei subjektives Unrechtsbewußtsein hat (hatte es auch Abraham nicht?), handelt objektiv unmoralisch. Und das muß er mit der Zeit eben lernen.« Zitat Ende.
Jetzt sind wir doch wieder zu sehr bei der Moral gelandet ("Ethik als Wissenschaft von der Moral") und daher möchte ich endlos werdende philosophische Auseinandersetzungen abbrechen, aber dennoch an dieser Stelle die Definitionen wiederholen:
Moralisch handeln bedeutet: Sich an jeweiliges Brauchtum halten
und
sich ethisch verhalten bedeutet: Sittlich handeln nach übergeordneten Sittengesetzen im Rahmen der Gesamtheit menschlichen Tuns, Wollens und Wohlergehens. Vergessen wir nicht die Einbeziehung allen Lebens! (Meines Erachtens ist es beispielsweise völlig unethisch, Lebewesen für irgend etwas zu opfern für ideologisch, d.h. spirituell begründete Riten!)
Moralisch handeln bedeutet in der Regel heute sogar oft, gegen das Welt-Ethos zu handeln, z.B. Menschenrechtskonvention gegen Scharia, das islamische Recht.
Anstatt bisheriger engbegrenzter Interessen-, Macht- und Prestige, Ich- und
Kleingruppenbezogenheit müssen die Ziele der Gestaltung des öffentlichen Lebens
und das Verhalten von Individuen, Gruppen, Organisationen, Parteien, Klassen,
Parlamenten und Regierungen verstärkt auf Versöhnung, Verständigung und
Annäherung ausgerichtet werden unter Berücksichtigung der verschiedenen
Interessen. Dazu gibt es inzwischen eine kaum übersehbare
Zahl an Empfehlungen. Die immer noch in den Köpfen festsitzenden Denkweisen der
Konfrontation, d.h. Trotzhaltung und dem Gegenüber die Stirn bieten (mit der
Person spreche ich nicht), der
Angriffshaltung und Rachegelüste müssen durch wechselseitigen
Zusammenarbeitswillen, Übereinkunft unter Berücksichtigung gegenseitiger
Zugeständniserfordernisse, Interessenausgleich und Eingliederung in eine
Weltbürgerschaft umprogrammiert werden über eine Veränderung der Geisteshaltung,
durch ein Erkennen der "Wirklichkeit", nämlich dass es eine Vielzahl von sich
sogar bekämpfender Weltanschauungen (und Religionen) gibt, die rein individuell im Schulunterricht gelehrt
werden, anstatt einer übergeordneten Ethik. Nur so kann das
individuelle und schließlich auch das kollektive Verhalten als
Orientierungshilfe eingepasst werden in global, also überall auf der Welt
gültige Sittengesetze. Diese sollten dann aufgelistet als
Weltbürgergesetzbuch (von mir aus WGB) eingesehen werden können.
Hans Küng schreibt im von ihm mit
herausgegebenen Buch "Friedenspolitik" (>hier<,
Seite 23):
– Nationale, ethnische, religiöse Verschiedenheit darf nicht mehr grundsätzlich als Bedrohung verstanden werden, sondern als mögliche Bereicherung.
– Während das alte Paradigma (die veraltete gültige und akzeptierte Auffassung) immer einen Feind, gar Erbfeind voraussetzte, braucht das neue Paradigma keinen Feind mehr, wohl aber Konkurrenten und oft auch Opponenten, die jedoch als Partner akzeptiert werden. An die Stelle militärischer Konfrontation tritt wirtschaftlicher Wettbewerb.
– Denn es hat sich gezeigt, dass die nationale Wohlfahrt auf die Dauer nicht
durch Krieg, sondern nur durch Frieden befördert wird, nicht im Gegen- oder
Nebeneinander, sondern im Miteinander.
Doch wie könnte man die vielen (wahrscheinlich die Mehrheit der) Politiker und Führungskräfte mit abnormer Persönlichkeitsstörung (insbesondere Psychopathen genannt >hier<) zu ethischem Handeln bringen?
Das scheint mir ein kaum lösbares Kernproblem zu sein.
Psychopathen sind bisher nicht wirksam therapiefähig, vor allem nicht willig; denn sie kennen keinen "Leidensdruck".
Walter Rath, 25.12.2009
Diese beiden Begriffe werden - Moral und Ethik - auch gerne vertauscht, da den meisten Mitmenschen der Unterschied nicht klar ist.
Hypothese - altgriechisch hypóthesis = ‚,Unterstellung‘', ‚,Voraussetzung‘', ‚,Grundlage'' - bedeutet eine wohl begründete Annahme, eine Idee, welche noch nicht bewiesen ist. Nach dem (naturwissenschaftlichen) wissenschaftlichen Beweis ist aus der Hypothese eine Theorie geworden (nach Verifizierung = Wahrmachung [aus lateinisch veritas und facere], d.h. Bewahrheitung). Eine Falsifizierung der Hypothese führt zu ihrer Verwerfung. (Hypothesen kann man als Basis für wissenschaftliche Theorien ansehen.)
Eine bloße Behauptung oder ein einfach festgelegter Leitsatz, "der durch wissenschaftliche Beweisführung bewiesen oder widerlegt werden soll", wird eine These genannt - altgriechisch thésis = ,,aufgestellter Satz'' - und bleibt in der Regel eine pure Behauptung.
Theorie -
griechisch theorein = ,,beobachten'', ,,betrachten'', ,,anschaulich
beweisen'' (durch Experimente und wissenschaftliche Untersuchungsmethoden) hat
allgemeine Gültigkeit wie die Evolutionstheorie, die Relativitätstheorie. Nach ©
2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG ist die (wissenschaftliche)
Theorie die "Bezeichnung für ein wissenschaftliches Lehrgebäude über Grundlagen,
Prinzipien, Ordnungsgefüge und Gesetze eines Wissenschaftsgebiets".
Walter Rath, 18.1.2012