
>Hier< zur Sozialen Marktwirtschaft,
>hier< zu Alfred Müller-Armack, Mitbegründer der Sozialen Marktwirtschaft
Die katholische Soziallehre geht (nach "Wikipedia) vom Grundgedanken eines Ordo
Socialis (“Soziale Ordnung”) aus, also einer vernünftigen Ordnung
des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Je mehr Sozial-, Rechts- und
Wirtschaftsordnung an die Prinzipien der Personalität, Solidarität,
Subsidiarität, Nachhaltigkeit und des Gemeinwohls angenähert werden,
umso mehr entspricht die politische oder wirtschaftliche Realität dem
prinzipiell erreichbaren Ideal sozialer Gerechtigkeit. Die katholische
Kirche hat zu allen Zeiten bestimmte
Tugenden
für das Zusammenleben der Menschen gelehrt. Darin findet sich auch der
Ursprung der Lehre von „gottgewollter Ordnung“.
Die neuere Soziallehre
kam mit der Enzyklika "Rerum novarum" von Papst
Leo
XIII. 1891 zum Durchbruch, v.a. unter dem Eindruck der unübersehbar
negativen Auswirkungen der
industriellen Revolution und der
Verstädterung für die soziale Lage der Arbeiterschaft (Soziale
Frage). Im Zusammenhang mit der lehramtlich bedeutsamen Hinwendung
der katholischen Kirche zur Sozialtätigkeit in Staat und Gesellschaft
verwies Papst Leo XIII. auf Bischof
von Ketteler, auf den zusammen mit
Adolph Kolping der institutionelle Ansatz der katholischen
Sozialbewegung in Praxis und Theorie zurückgeführt wird.
Die Sozialethik ergibt sich – unter praktischer Anwendung
philosophischer und theologischer Vorgaben – aus den oben genannten
Prinzipien. Zur Gesamtschau der Lehrschriften der
römisch-katholischen Kirche treten die
Päpstlichen
Lehrschreiben hinzu, die
Sozialenzykliken:
-
Rerum Novarum 1891
-
Quadragesimo Anno 1931
-
Mater et Magistra 1961
-
Pacem in terris 1963
-
Populorum Progressio 1967
-
Laborem exercens 1981
-
Sollicitudo Rei Socialis 1987
-
Centesimus Annus 1991
-
Caritas in veritate 2009
Papst
Pius
XII. (1939-1958) widmete der Soziallehre zwar keine eigene
Enzyklika, traf jedoch bedeutende Entscheidungen (Hinwendung zur
Demokratie, 1944) und hielt zahlreiche sozialethische Ansprachen (sog.
"Soziale Summe" Pius XII.). Papst
Paul
VI. veröffentlichte zwar nur die Enzyklika von 1967, mit der er die
Soziallehre in die Dimension der
Globalisierung hob, verfasste jedoch 1971 noch den Apostolischen
Brief
Octogesima Adveniens und etliche kürzere Stellungnahmen zu sozialen
und politischen Fragen. Insbesondere führte Paul VI. ein, dass der
Neujahrstag in der katholischen Kirche seit 1968 zugleich als
Hochfest der Gottesmutter Maria und als Weltfriedenstag gefeiert wird.
Die wohl größte Aufmerksamkeit in jüngerer Zeit erzielte die
Friedensenzyklika "Pacem in terris" von Papst
Johannes XXIII. im Jahre 1963.
Wie das heutige Lehramt (bestätigt durch
Benedikt XVI.) argumentieren zahlreiche Vertreter der christlichen
Gesellschaftslehre mit den Begriffen
Vernunft und
Naturrecht. Dieses philosophische Naturrechtsverständnis ergibt sich
aus dem natürlichen Sittengesetz (lex naturalis) und hat nichts mit dem
aufklärerischen Naturrechtsverständnis gemeinsam. Sie verfolgen einen
Ansatz, indem sie von Erkenntnissen innerhalb der
Philosophia perennis (Aristoteles, Albertus Magnus, Thomas von Aquin
u.a.) ausgehen und von einem personalen Grundverständnis aus ethische
Schlussfolgerungen ziehen, die aber auch an den Methoden und
Erkenntnissen der modernen Sozial- und Wirtschaftswissenschaften zu
überprüfen sind. Ein Vertreter dieser Richtung ist z.B.
Eberhard Schockenhoff. Historisch hat in dieser Weise sehr abgewogen
Joseph Höffner (1906-1987) einen Vorlesungszyklus der Christlichen
Sozialwissenschaften (Grundlegung, Sozial-, Wirtschafts-, Arbeits- und
Berufs-, Staatsethik in Verbindung mit Soziologie, Sozialgeschichte,
Sozialpsychologie, Ökonomik, Sozialpädagogik) konzipiert. Die späteren
Lehrstuhlinhaber der Christlichen Gesellschaftslehre haben dieses
umfassende Spektrum von Christlichen Sozialwissenschaften nicht mehr
aufrechterhalten können. Auch wegen dieser wissenschaftlichen Verkürzung
ist der Einfluss der Christlichen Gesellschaftslehre in Politik und
Öffentlichkeit zurückgegangen.
Eine weitere Linie der christlichen Sozialethik (z.B. Franz Furger,
Dietmar Mieth) versucht, diese im Dialog mit philosophischen
Konzepten und den Humanwissenschaften zu entwickeln. Denn auch
theologische Ethik müsse nach diesem Ansatz argumentativ zu
nicht-theologischen Ethikkonzepten konkurrenzfähig und rezipierbar sein.
Der systematische Ansatz der bei Thomas von Aquin verankerten Lehre vom
„natürlichen Sittengesetz“ (lex naturae) blieb aber für Furger „doch
bedenkenswert“. Von Seiten des Lehramts wurde diese Linie bislang jedoch
kaum rezipiert, weil sie nicht hinreichend lang reflektiert wurde.
Prinzipien der katholischen Soziallehre sind traditionell
Gemeinwohl,
Solidarität und
Subsidiarität, deren Auslegung im Einzelfall stets größere
Anstrengung erfordert als im politischen Alltagsgeschäft häufig
zugebilligt wird. Von
Personalität und der
Gerechtigkeit wird man ebenso sprechen können. Hinzu kommen heute
die Prinzipien der
Nachhaltigkeit und der
Option für die Armen, die ebenfalls in die Soziallehre integriert
wurden. Über die Grenzen der Kirche hinaus wird der katholischen
Soziallehre zugebilligt, dass sie sich überhaupt mit der ganzen
Bandbreite des Zusammenlebens der Menschen unter übergeordneter
Perspektive beschäftigt, sich also weder auf prophetische Agitation noch
auf kurzfristige Tagesparolen einlässt. Daher wurden die „Väter“ der
katholische Soziallehre von mehreren politischen Richtungen gern
zitiert, z.B. der namhafte
Jesuit
Oswald von Nell-Breuning.
Wegen der in
Deutschland geringer werdenden faktischen Relevanz des katholischen
Bevölkerungssegments wird die katholische Soziallehre inzwischen aber
weniger beachtet als in der unmittelbaren
Nachkriegszeit der Bundesrepublik (1949–1969). In der
Schweiz
hat die katholische Sozialdoktrin keine nennenswerte Bedeutung gehabt,
da dort die
calvinistische
Arbeitsethik und das
Leistungsprinzip dominieren; in
Österreich führten unangenehme Erinnerungen an den
Austrofaschismus vor 1938, der fälschlich zum katholischen
Modellstaat ausgerufen wurde, zu Vorbehalten. Trotzdem gewannen
Sozialethiker wie
Johannes Messner,
Alfred Klose und
Rudolf Weiler erheblichen Einfluss.
Im südafrikanischen Raum ist der katholischen Soziallehre wieder eine
neue Rolle zugewachsen: Durch einen breiten gemeinschaftlichen Prozess
für ein „Neues Simbabwe“ wird die ethische Instanz des Staates in der
diktatorischen Herrschaft von
Robert Mugabe in
Simbabwe in Frage gestellt und die Staatspartei in eine neue Art von
Auseinandersetzung gezwungen.
Dazugehörig:
-
Befreiungstheologie,
-
Religiöser Sozialismus,
-
Philosophische Anthropologie,
Theologische Anthropologie,
-
soziale Gerechtigkeit,
soziale Sicherheit,
-
Sozialethik,
-
Heinrich-Brauns-Preis,
-
Franz Hitze,
Heinrich Pesch,
Joseph Höffner,
Paul Jostock,
Wilhelm Emmanuel von Ketteler,
Adolph Kolping,
Karl von Vogelsang,
Johannes Messner,
Oswald von Nell-Breuning,
Karl Lugmayer,
Gustav Gundlach,
Alfred Klose,
Rudolf Weiler,
Johannes Michael Schnarrer,
Josef Anton Stüttler,
Heinrich Weber.
Einzelnachweise
- Kirche
und Arbeiterschaft (Beschluss der Gemeinsamen Synode der
Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland ), 1975, in
„Texte zur katholischen Soziallehre I I, 2. Halbband“, Seite
1471, hrsg. vom Bundesverband der Katholischen
Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), 1976 ( Kevelaer)
- Vgl. näher:
Jung, Harald, Soziale Marktwirtschaft und Weltliche Ordnung,
EThD Bd. 21, Berlin 2009
Alfred Müller-Armack
(
Alfred August Arnold Müller;) (* 28. Juni
1901 in Essen; † 16. März 1978 in Köln) war ein deutscher
Nationalökonom,
Kultursoziologe, Urheber des Begriffs und Mitbegründer der
Sozialen Marktwirtschaft (
>hier<
auf dieser Seite)
.
Inhaltsverzeichnis
Leben und
Wirken
In den 1920er Jahren fügte er seinem Namen den Geburtsnamen
seiner Mutter hinzu und veröffentlichte ab 1929 unter dem Namen
„Müller-Armack“.
1933 trat er der
NSDAP bei und veröffentlichte im gleichen Jahr seine Schrift
Staatsidee und Wirtschaftsordnung im Neuen Reich, die dem
Nationalsozialismus (>hier<) ideologisch nahestand. 1940 wurde er
ordentlicher Professor und geschäftsführender Direktor des
Instituts für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der
Westfälischen Wilhelms-Universität
Münster, wo er Beratungsaufgaben für das NS-Regime und die
Wehrmacht übernahm.
In vertraulichen Gesprächskreisen der Wirtschaft, in denen man
nicht unbedingt von einem totalen „Endsieg“ des Deutschen
Reiches ausging und wo er auch auf
Ludwig Erhard traf, arbeitete er an Konzepten für eine
Wirtschaftsordnung nach dem Krieg. Ab 1943 wirkte er in
Vreden-Ellewick, wohin seine Forschungsstelle für
Allgemeine und Textile Marktwirtschaft ausgelagert worden
war.
Nach dem Zweiten Weltkrieg trat er der
CDU bei und entwarf 1946 in seinem Buch
Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft (erschienen 1947) die
Idee und den Begriff der „Sozialen
Marktwirtschaft“ (dabei schrieb er sozial stets mit
großem „S“) als einer mit „sozialer Gerechtigkeit ... in einem
komplementären Verhältnis“ stehenden
Marktwirtschaft.
Mit seiner Studie Das Jahrhundert ohne Gott versuchte er
1948 auch eine
religionssoziologische Deutung des
Nationalsozialismus, den er als
Ersatzreligion in einer Zeit des Glaubensabfalls ansah.
Ab 1952 arbeitete er im
Wirtschaftsministerium unter
Ludwig Erhard als Leiter der Grundsatzabteilung. Von 1958
bis 1963 war er
Staatssekretär für Europäische Angelegenheiten.
Müller-Armack war sowohl vom
Neoliberalismus der
Freiburger Schule als auch von der
christlichen Soziallehre beeinflusst.[3]
1971 veröffentlichte er seine Erinnerungen unter dem Titel
Auf dem Weg nach Europa. 1972 erhielt er den
Ernst-Hellmut-Vits-Preis der Westfälischen
Wilhelms-Universität (WWU) in Münster.
Fortleben
Nach ihm ist der Müller-Armack-Preis benannt, der an
der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der
Westfälischen Wilhelms-Universität Münster seit 2002 an die
besten Absolventen des Studienganges
Volkswirtschaftslehre vergeben wird.
Der größte Hörsaal im Wiso-Gebäude der
Universität zu Köln – der Hörsaal I – trägt den Namen
Müller-Armack-Hörsaal. Das Berufskolleg Köln Zollstock trägt
den Namen Alfred-Müller-Armack Berufskolleg - kurz
AMA-Berufskolleg Köln.
Veröffentlichungen
- Entwicklungsgesetze des Kapitalismus. Ökonomische,
geschichtstheoretische und soziologische Studien zur
modernen Wirtschaftsverfassung. Junker & Dünnhaupt,
Berlin 1932
- Staatsidee und Wirtschaftsordnung im Neuen Reich.
Junker & Dünnhaupt, Berlin 1933
- Genealogie der Wirtschaftsstile. Die
geistesgeschichtlichen Ursprünge der Staats- und
Wirtschaftsformen bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts.
Kohlhammer, Stuttgart 1941
- Zur Diagnose unserer wirtschaftlichen Lage.
Küster, Bielefeld 1947
- Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft. Verlag
für Wirtschaft und Sozialpolitik, Hamburg 1947; Kastell,
München 1990,
ISBN 3-924592-28-4 (auch in Wirtschaftsordnung und
Wirtschaftspolitik enthalten)
-
Soziale Marktwirtschaft: Ökonomie als Instrument, nicht
als Selbstzweck, Rezension von Thomas Strobl ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. April 2009
- Das Jahrhundert ohne Gott. Zur Kultursoziologie
unserer Zeit. Regensberg, Münster 1948; Schmitt,
Siegburg 2004,
ISBN 3-87710-324-3
- Diagnose unserer Gegenwart. Zur Bestimmung unseres
geistesgeschichtlichen Standorts. Bertelsmann, Gütersloh
1949; 2. erweiterte Auflage: Haupt, Bern/Stuttgart 1981,
ISBN 3-258-03023-5
- Religion und Wirtschaft. Geistesgeschichtliche
Hintergründe unserer europäischen Lebensform.
Kohlhammer, Stuttgart 1959; Haupt, Bern/Stuttgart 1981,
ISBN 3-258-03024-3
- Studien zur sozialen Marktwirtschaft. Institut
für Wirtschaftspolitik an der Universität Köln, 1960
- Wirtschaftsordnung und Wirtschaftspolitik. Studien
und Konzepte zur sozialen Marktwirtschaft und zur
europäischen Integration. Rombach, Freiburg 1966; Haupt,
Bern/Stuttgart 1976,
ISBN 3-258-02515-0
- Wirtschafts- und Finanzpolitik im Zeichen der
sozialen Marktwirtschaft. Festgabe für
Franz Etzel. Seewald, Stuttgart 1967
- Auf dem Weg nach Europa. Erinnerungen und Ausblicke.
Wunderlich, Tübingen 1971,
ISBN 3-8052-0202-4
- Genealogie der Sozialen Marktwirtschaft.
Frühschriften und weiterführende Konzepte. Haupt,
Bern/Stuttgart 1974,
ISBN 3-258-01198-2; 2. erweiterte Auflage ebd. 1981,
ISBN 3-258-03025-1 (versammelt Frühschriften 1945–1948 –
außer Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft – sowie
Beiträge zu den geistigen Grundlagen und zur Fortentwicklung
der Sozialen Marktwirtschaft von 1953 bis 1973)
- Die zentrale Frage der Forschung. Die Einheit von
Geistes- und Naturwissenschaften. In:
ORDO. Bd. 28, 1975, S. 13-23.
- Die Grundformel der Sozialen Marktwirtschaft. In:
Ludwig-Erhard-Stiftung (Hrsg.): Symposion I: Soziale
Marktwirtschaft als nationale und internationale Ordnung.
VErlag Bonn Aktuell, Bonn 1978, S. 9-18.
Literatur
- Daniel Dietzfelbinger: Soziale Marktwirtschaft als
Wirtschaftsstil. Alfred Müller-Armacks Lebenswerk.
Kaiser, Gütersloh 1998,
ISBN 3-579-02617-8
- ders.: Von der Religionssoziologie zur Sozialen
Marktwirtschaft: Leben und Werk Alfred Müller-Armacks.
In:
Hanns-Seidel-Stiftung (Hrsg.): Politische Studien.
373, 51. Jahrgang, September/Oktober 2000, S 85–99 (.pdf-Datei)
- Rolf Kowitz: Alfred Müller-Armack. Wirtschaftspolitik
als Berufung. Zur Entstehungsgeschichte der Sozialen
Marktwirtschaft und dem politischen Wirken des
Hochschullehrers. Deutscher Instituts-Verlag, Köln 1998,
ISBN 3-602-14440-2
- Bernhard Löffler: Soziale Marktwirtschaft und
administrative Praxis. Das Bundeswirtschaftsministerium
unter Ludwig Erhard. Steiner, Stuttgart 2002,
ISBN 3-515-07940-8
- Friedrun Quaas: Soziale Marktwirtschaft. Wirklichkeit
und Verfremdung eines Konzepts. Haupt,
Bern/Stuttgart/Wien 2000,
ISBN 3-258-06012-6
-
Bertram Schefold: Vom Interventionsstaat zur sozialen
Marktwirtschaft. Der Weg Alfred Müller-Armacks. Verlag
Wirtschaft und Finanzen, Düsseldorf 1999,
ISBN 3-87881-135-7
- Fest- und Gedenkschriften
- Franz Greiss & Fritz W. Meyer (Hrsg.): Wirtschaft,
Gesellschaft und Kultur. Festgabe für Alfred Müller-Armack.
Duncker & Humblot, Berlin 1961
- Fritz W. Meyer & Hans Willgerodt (Hrsg.): Beiträge
zur Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft. Festgabe für
Alfred Müller-Armack. Institut für Wirtschaftspolitik an
der Universität Köln, 1966
-
Christian Watrin & Hans Willgerodt (Hrsg.):
Widersprüche der Kapitalismuskritik. Festschriften zum 75.
Geburtstag von Alfred Müller-Armack. Haupt,
Bern/Stuttgart 1976, ISBN 3-258-02567-3
-
Ludwig-Erhard-Stiftung (Hrsg.): Europa als
Wertegemeinschaft. Wege und Irrwege. Zum 100. Geburtstag von
Alfred Müller-Armack. Sinus-Verlag, Krefeld 2002, ISBN
3-88289-419-9
Weblinks
-
-
Literatur von und über Alfred Müller-Armack im Katalog
der
Deutschen Nationalbibliothek
-
Tabellarischer Lebenslauf von Alfred Müller-Armack
im
LeMO (DHM
und
HdG)
-
Alfred Müller-Armack – Nationalökonom und Soziologe,
Kurzdarstellung von Silvio Schmidt auf der Website der
Universität Frankfurt
-
Alfred Müller-Armack: Aufhebung eines natürlichen Trade-Offs
oder Die Soziale Marktwirtschaft, Aufsatz von Malte
Lindner auf der ECOCHRON-WebSuite zur Geschichte der
Wirtschaftstheorie
-
Agenda: Soziale Marktwirtschaft aus der Klosterzelle
– „Eine Spurensuche“ von Claus Hecking in der Financial
Times Deutschland*, 23. Februar 2007
* ein paar Sätze
aus dem Schluss des Aufsatzes:
Bundeskanzler
Konrad
Adenauer
führt
1957 die
umlagefinanzierte
Rentenversicherung
unter
dem
Label
Soziale
Marktwirtschaft
ein -
obwohl
Erhards
Ministerium
heftig
dagegen
opponiert.
Müller-Armack
warnt
vor
einem
"Gefälligkeitsstaat",
der
nicht
mehr
viel mit
seinem
Konzept
zu tun
habe.
Doch
seine
Worte
verhallen.
Bis
Mitte
der
70er-
Jahre
schießt
die
Staatsquote
von 32
auf 50
Prozent
hoch,
CDU wie
SPD
finanzieren
die
Wohltaten
mit
immer
höheren
Schulden.
Müller-Armack
hat
schon
1963 den
Dienst
quittiert.
"Er hat
die
Erdrosselung
der
Wirtschaftsaktivität
durch
das
Sozialversicherungssystem
beklagt",
sagt
Starbatty.
Gegen
Ende
seines
Lebens
vergleicht
der
geistige
Vater
sein
Ideal
noch
einmal
mit der
politischen
Realität.
"Was
sich in
den
letzten
Jahren
in der
Bundesrepublik
vollzogen
hat
(...),
ist das
Vordringen
des
demokratischen
Sozialismus",
sagt er
1975.
Stück
für
Stück
würden
"antimarktwirtschaftliche
Elemente
in
unsere
wirtschaftspolitische
Umwelt
eingeführt".
Dazu
gehörten
die
paritätische
Mitbestimmung,
Forderungen
nach
einer
Kontrolle
multinationaler
Unternehmungen
sowie
die
"Verteufelung
des
Gewinns
ohne
Einsicht
in
dessen
ökonomische
Funktion".
Und
1977,
wenige
Monate
vor
seinem
Tode,
warnt
er,
"dass
diese
antimarktwirtschaftliche
Grundhaltung"
das
System
"zum
permanenten
Scheitern
verurteilt".
Als
Alfred
Müller-Armack
am 16.
März
1978
stirbt,
nimmt
die
Öffentlichkeit
davon
kaum
Notiz.
Denn in
jenen
Tagen
erscheinen
keine
Zeitungen:
Die IG
Druck
streikt
gerade.
Für mehr
soziale
Absicherung.
Fußnoten
- Ralf Ptak:
Vom Ordoliberalismus (eine Form des Neoliberalismus) zur
sozialen Marktwirtschaft. Stationen des Neoliberalismus in
Deutschland. Leske und Budrich, Opladen 2003, ISBN
3-8100-4111-4
- Friedrun
Quaas: Soziale Marktwirtschaft. Wirklichkeit und
Verfremdung eines Konzepts. Haupt, Bern 2000, S- 55.
- Daniel
Dietzfelbinger: Von der Religionssoziologie zur Sozialen
Marktwirtschaft: Leben und Werk Alfred Müller-Armacks. In:
Hanns-Seidel-Stiftung (Hrsg.): Politische Studien. 373, 51.
Jahrgang, September/Oktober 2000, S 85–99.
Soziale Marktwirtschaft
ist ein gesellschafts- und wirtschaftspolitisches
Leitbild mit dem Ziel, „auf der Basis der
Wettbewerbswirtschaft die freie Initiative mit einem
gerade durch die wirtschaftliche Leistung gesicherten
sozialen Fortschritt zu verbinden“.
Das Leitbild verband Elemente des deutschen
Neoliberalismus (Ordoliberalismus,
Soziologischer Neoliberalismus) und der
Christlichen Soziallehre. Die Bezeichnung Soziale
Marktwirtschaft geht zurück auf
Alfred Müller-Armack, der den Begriff als
irenische Formel ansah, welche das Prinzip der
Freiheit auf dem Markte mit dem des sozialen Ausgleichs
verbindet. Ludwig Erhard übernahm die Bezeichnung, auch
wenn sie für ihn ein
Pleonasmus war. Für ihn war der Markt an sich sozial
und brauchte nicht erst sozial gemacht zu werden. Erhard
erhob die von
Walter Eucken formulierten Prinzipien einer
marktwirtschaftlichen Wettbewerbsordnung zur Grundlage
seiner Wirtschaftspolitik.
Als weitere geistige „Gründerväter“ gelten
Franz Böhm,
Alexander Rüstow und
Wilhelm Röpke.
Die Soziale Marktwirtschaft wurde von einigen Autoren
als „Dritter
Weg“ zwischen Kapitalismus und Sozialismus
bezeichnet, andere Autoren grenzen sie ausdrücklich von
so genannten „Dritten Wegen“ ab.
Der Begriff Soziale Marktwirtschaft hat sich als
Bezeichnung für die Wirtschaftsordnung der
Bundesrepublik Deutschland und Österreichs
durchgesetzt und dabei „auch gegenüber Veränderungen im
Ordnungsgefüge als beständig erwiesen. Da der Begriff
keineswegs eindeutig und deshalb
interpretationsbedürftig ist, kann sehr Verschiedenes
unter Sozialer Marktwirtschaft verstanden
werden.“
Soziale Marktwirtschaft wird wegen der Vieldeutigkeit
oftmals als
politisches Schlagwort angesehen.
Der Begriff wurde – 1949-1966 und wieder 1982-1998 – zur
Richtschnur der Regierungspolitik erhoben, die reale
Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung entsprach den
Prinzipien des Erhardschen Leitbildes nur annähernd.
Die Soziale Marktwirtschaft wurde im Staatsvertrag von
1990 zwischen der Bundesrepublik und der DDR als
gemeinsame Wirtschaftsordnung für die Währungs-,
Wirtschafts- und Sozialunion vereinbart.