Nathan der Weise
vom Schriftsteller und Kritiker Gotthold Ephraim Lessing, der von 1729 bis 1781 lebte. Lessing studierte Medizin, Theologie, Philologie in Leipzig. Im Zusammenhang mit dem Thema des Internetbuches Gotteswahn.Info musss sein 1779 erschienenes sogenanntes dramatisches Gedicht »Nathan der Weise« (mit der für das deutsche Drama vorbildlich gewordenen Form der fünffüßigen Jamben - Blankvers genannt) gilt als beispielhaftes Zeugnis der Humanität und der Toleranz.
>Hier< zu einer Aufführung und einem Zitat aus
"Dem Glauben auf den Zahn gefühlt
- Ansichten eines Skeptikers" von David Parris
Zusammenfassung nach Philipp Hauer:
Jerusalem zur Zeit des Waffenstillstands nach dem 3. Kreuzzug. Der ebenso reiche wie weise und edelmütige jüdische Kaufmann Nathan kommt von einer langen Geschäftsreise zurück. Während seiner Abwesenheit brannte es in seinem Haus, und seine Pflegetochter Recha verdankt einem Christen ihr Leben. Von ihm wird erzählt, dass Sultan Saladin ihn als einzigen von zwanzig gefangenen Tempelherren am Leben ließ, weil er seinem verschollenen Bruder Assad ähnlich sehe. Nathan schickt Daja, die verwitwete christliche Erzieherin Rechas, um den Tempelherrn einzuladen, aber der lehnt es ab, mit Juden zu verkehren. Nathan passt ihn auf der Straße ab, und obwohl sich der Christ zunächst schroff abweisend verhält, gelingt es dem jüdischen Kaufmann allmählich, ihn durch seine tolerante Haltung für sich einzunehmen.
Sultan Saladin träumt davon, seine Schwester
Sittah mit einem Bruder und seinen Sohn Melek mit
einer Schwester des englischen Königs Richard
Löwenherz zu verheiraten, um Frieden zwischen
Christen und Muslimen zu stiften. Weil seine Kassen
leer sind, hat er allerdings nicht viel anzubieten.
Deshalb sucht er einen Kreditgeber.
Als Nathan zum Sultan gerufen wird, erwartet er,
dass dieser wissen wolle, was er während seiner
Reise beobachtet habe. Doch zu seiner Verblüffung
fragt ihn Saladin nach einiger Zeit, welche Religion
er für die wahre halte. Nathan wittert eine Falle
und antwortet mit einem Märchen, der berühmten
Ringparabel:
In einer bestimmten Familie gehörte es zur
Tradition, durch die Weitergabe eines kostbaren
Rings jeweils einen der Söhne als zukünftiges
Familienoberhaupt auszuwählen. Ein Vater aber konnte
sich nicht zwischen seinen drei rechtschaffenen
Söhne entscheiden und ließ deshalb zwei Duplikate
anfertigen, die er selbst nicht vom Original zu
unterscheiden vermochte. Nach seinem Tod kam es zum
Streit zwischen den drei Brüdern. Der Richter
weigerte sich, ein Urteil zu sprechen, riet aber
jedem der drei Männer, an die Echtheit seines Ringes
zu glauben und in vielen Jahren wiederzukommen.
Jede der drei großen Religionen kann die "echte"
sein. Jedenfalls sollten ihre jeweiligen Anhänger
davon ausgehen und es durch Sittlichkeit und
Nächstenliebe zu beweisen versuchen.
Saladin reagiert betroffen und bietet dem Juden
seine Freundschaft an.
Während Nathan noch beim Sultan ist, folgt der
Tempelherr seiner Einladung, weil er aber nur Recha
und Daja im Haus des Kaufmanns antrifft und sich
verwirrt eingesteht, wie sehr Recha ihm gefällt,
zieht er sich rasch wieder zurück. An Rechas
Reaktion merkt Daja, dass auch sie sich verliebt
hat.
Ungeachtet der verschiedenen Religionen und
seines Keuschheitsgelübtes hält der Tempelherr um
die Hand Rechas an. Nathan reagiert ausweichend und
erkundigt sich nach der Herkunft des Tempelherrn.
Daja trifft sich heimlich mit dem Tempelherrn, der
Nathans Zurückhaltung als durch den
Glaubensgegensatz motivierte Ablehnung missdeutet,
und verrät ihm, dass Recha nicht die leibliche
Tochter Nathans ist, sondern ein christlich
getauftes Kind, das dieser aufgezogen habe. Die
Vorstellung einer von einem Juden erzogenen Christin
entsetzt den Tempelherrn. In seiner Verwirrung
denunziert der Tempelherr den jüdischen Kaufmann
beim Patriarchen.
Ein Klosterbruder warnt Nathan. Es handelt sich
um den Mann, der ihm vor 18 Jahren in Darun ein Kind
anvertraute, dessen Mutter -- eine Schwester des
Tempelherrn Conrad von Stauffen -- gestorben war.
Der Vater, Wolf von Filnek, fiel wenig später vor
Askalon. Nathan hatte wenige Tage zuvor seine Frau
und seine sieben Kinder bei einem Pogrom verloren.
Sie waren im Haus seines Bruders in Darun verbrannt.
Im Palast des Sultans klärt Nathan den Tempelherrn
über dessen Herkunft auf. Sein Vater war Wolf von
Filnek, seine Mutter eine Schwester des Tempelherrn
Conrad von Stauffen. Bevor Wolf von Filnek nach
Palästina ging, vertraute er seinem Schwager die
Erziehung seines Sohnes Leu an. Recha heißt in
Wirklichkeit Blanda von Filnek und ist die Schwester
des Tempelherrn.
Saladin vergewissert sich durch einen Blick in das
Brevier Wolf von Filneks, das der Klosterbruder
Nathan überbracht hat, und weiß nun, dass es sich
beim Vater von Leu und Blanda um niemand anderen
handelte als um seinen Bruder Assad, der vor vielen
Jahren von einem Ausritt nicht zurückgekehrt war.
Ein christlicher Tempelherr und die Pflegetochter
eines Juden sind also in Wahrheit Neffe und Nichte
eines muslimischen Herrschers: Obwohl sie drei
verschiedenen Religionen angehören, sind sie
Mitglieder ein und derselben Familie.
Stammbaum:

Quelle:
Wikipedia ←
dort mehr!
Hinweis
auf eine Aufführung im Kursaal von Bad Honnef (am
Rhein)
»Nathan der Weise
Dramatisches Gedicht von Gotthold Ephraim Lessing
Kleines Theater Bad Godesberg
Inszenierung: Stephanie Jänsch
Walter Ullrich als Nathan
Das berühmte Stück von Lessing – der Traum von einer besseren Welt?
Die Geschichte der Weltreligionen ist die Geschichte ihres Missbrauchs, angefangen bei den Kreuzzügen bis zu den Konflikten unserer Tage. Noch immer morden Menschen einander im Namen des Gottes, der ihnen doch als Schöpfer gilt. Lessings Traum, dass wir einander nur als Menschen sehen, das Trennende überwinden, uns auf Gemeinsames besinnen und miteinander leben, wartet noch immer auf seine Erfüllung.
Sonntag, 13. März 2011
20 00 Uhr«
In diesem Zusammenhang sei auf die Broschüre: "Dem Glauben auf den Zahn gefühlt - Ansichten eines Skeptikers" hingewiesen und eine Leseprobe wiedergegeben aus Kapitel:
»10.
Ein angemessenes Denkmal
In den Kirchen und Tempeln der Welt stehen Denkmäler
für diejenigen, die ihre Glaubensstärke dadurch
bewiesen, daß sie für sie starben. Die entschiedene
Schlußfolgerung daraus ist, daß die Kräfte des Todes
und der Zerstörung von außen, vielleicht von den
Areligiösen kommen. So gut wie nie sterben Märtyrer
tatsächlich im allgemeinen nicht nur im Namen der
Religion, sie werden auch im Namen der Religion
getötet (in der Regel einer anderen Religion -
Anmerkung W.Rath). Obgleich ein paar ganz frühe
Mitglieder der Kirche wohl auch für den Glauben
gestorben sein mögen, war die Kirche auch für den
Tod vieler anderer verantwortlich. Die rächende,
mörderische Kirche wird nicht oft erwähnt. Die
Kirche hat das Glück, eine institutionelle Rolle
gespielt zu haben, die ausreichend wichtig genug
war, um die Tagesordnung für die Geschichte zu
bestimmen... So hat sie sich entschieden, sich
lieber als Opfer denn als Ausführende zu
präsentieren.
In einem Zeitalter, das mehr der Objektivität
verpflichtet ist, kommt die Frage auf, ob es nicht
ein Denkmal für die Opfer der Religion geben
sollte...« ("Fett" hervorgehoben von W.Rath)
(>hier< zur Broschüre obigen Titels von David Parris)
Dieses Beispiel "Nathan der Weise" zeigt, dass Lessings Werke immer noch hoch aktuell sind!