Umgang mit Tieren

Wer die Erlaubnis erteilt, ein Tier zu schlachten
Wer es zerteilt
Wer es tötet
Wer Fleisch kauft oder verkauft
Wer es kocht
Wer es anrichtet
Wer es isst
Der ist auch Schlächter des Tieres
 

Aus den Gesetzen des "Manu"*

* Sanskritübersetzung: "Mensch", ist in der indischen Mythologie der Stammvater der Menschheit und ihr Gesetzgeber.
 

>Hier< zu Stierkämpfen und anderen "Volksbelustigungen".

>Hier< zu Tierversuchen mit Verzweigungen, z.B. "Tierschutz"

>Hier< zu einem Buch zur vegetarischen Ernährung von Haustieren,

so revolutionär, als habe jemand zur Zeit der Leibeigenschaft

oder Sklaverei Argumente dagegen hervorgebracht.

>Hier< Interview mit den Vegetarier und Rap-Musiker Thomas Dürr.

Weiter auf dieser Internetbuchseite:

>hier< ein Interview mit Martin Trenk, Professor für Kulinarik-Ethnologie 

(Kochkunst-Völkerkunde) zum Thema: Fleisch spaltet Kulturen,

>hier< ein paar Definitionen
 und

>hier< ein Kommentar zum Text auf dieser Seite


Die Volksrepublik China erhält Entwicklungshilfe. Die Geberländer mahnen die Regierung an, die Menschrechte zu achten.

Die Chinesen verspeisen gerne Hunde und Katzen. Dazu werden beispielsweise die Hunde jeweils in einen Sack gesteckt und so lange mit Knüppeln traktiert bis sie tot sind - oder noch nicht ganz, jedoch nicht mehr beißen, wenn man ihnen das Fell über die Ohren zieht und sie ausweidet. Das Fleisch soll besonders gut schmecken, weil es mit Adrenalin angereichert ist. (Adrenalin - lateinisch ren = Niere - wird unter Stress im Nebennierenmark gebildet. es ist ein Hormon, das insbesondere die Leistung des Herzens  [Puls] steigert, sowie den Stoffwechsel [beispielsweise den Sauerstoffverbrauch und den Blutzuckerspiegel]. Diese unglaubliche Tiermisshandlung wird unter anderen von Simon Majumdar beschrieben, der die Welt bereiste, um einfach alles zu essen. (Sein Buch aus dem Ullstein-Verlag: "All you can eat").
 

Japan ist ein voll entwickeltes Land, macht Schlagzeilen wegen des grausamen Walfang und des Abschlachten der Delphine. Wenig bekannt sind die berühmten Kobe-Steaks aus der Stadt auf Honshu mit  1,49 Millionen Einwohnern, mit zwei Universitäten und anderen Hochschulen, mit Museen, buddhistischen Tempeln. Kobe hat den zweitgrößter Seehafen Japans, alle Arten von Industrie. Dort wird auch der beliebte Reiswein - Sake genannt - hergestellt. Obwohl die Japaner zu 80% der buddhistischen Weltanschauung (neben dem Shintoismus als Religion) folgen (offiziell), verzehren sie inzwischen alles, was lebt (jedoch noch keine Menschen). Steaks (Lendenschnitte von Rind) schmecken am besten wenn sie weich sind. In Kobe werden die Tiere lebendig und ohne Betäubung weich geklopft.

 

Die Babys von Robben (Heuler genannt) werden ohne Betäubung enthäutet, um die wertvollen Pelze (Seal) nicht zu beschädigen. Die enthäuteten Tiere werden liegen gelassen. Der Vorgang ihres "Verendens" kann unglaublich lange dauern. Immer wieder versuchen mutige Tierschützer das zu verhindern.

 

In Indonesien werden Enten auf heiße Herdplatten festgehalten, die dann unter wahnsinnigen Schmerzen schreiend tanzen. Wenn die Füßchen gar sind, werden sie zum Verspeisen abgehackt, die Tiere aus dem Fenster geworfen.

 

In HongKong (Sonderverwaltungsregion an der südchinesischen Küste) soll es sogar heute noch üblich sein, Affen in einer Tischmitte am Hals einzuklemmen, ihnen die Schädeldecke abzutrennen und dann das pulsierende Gehirn zu verzehren.



Michaela Krüger hat für das MAGAZIN AM WOCHENENDE des Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 158 (11./12. 7. 2009) folgenden Artikel geschrieben:

 

Der Kopf ist abgesägt. Die Kuh (Registrier-Nr. DE 053780120092) kann ausbluten. Die Muskeln zucken, die Hufe schlagen weiter aus, 13 Minuten lang. Die Kraft stirbt zuletzt. Werner Siller, 65, wetzt die Messer. 500 Kilogramm tote Kuh liegen vor ihm. Eine Stunde wird es dauern, dann wird DE 053780120092 zerlegt sein in ihre Einzelteile, gehäutet, ausgeweidet, sie ist zersägt, das starke Rückenkorsett mit der Säge, zehn PS. „Wenn ich für jede Kuh, die ich geschlachtet habe, einen Euro bekommen hätte", sagt Werner Siller, ein Typ von kleiner, drahtiger Statur, „dann könnte ich ganz Köln kaufen." Er wirft einen abgesägten Huf in den Mülleimer, die Luft durchzieht der Geruch von Blut und feuchtem Fell. Ketten rasseln, als der Seilzug den Torso gen Decke hievt. Der Kadaver hängt wie ein Sack. Siller setzt einen Schnitt, schnell und glatt durch den Bauch, aus der Kuh flatscht der Darm in die Plastikwanne und zieht den Pansen mit sich. Futter für die Bauernhunde. „Manche Kühe sind bekloppt. Aber die
hier war gut. Die hat nichts geahnt", sagt Werner Siller. Einen Bolzenschuss lang, den Bruchteil einer Sekunde, hat es gedauert, und das Vieh war in den Tiefschlaf betäubt. Der Hals ist schnell durchtrennt.
Vier Jahre hat es vorher gelebt, auf satten Wiesen im Bergischen Land. Es bleibt anzunehmen, dass sich hinter der Nummer ein recht glückliches Kuhleben verbarg. Ein Dasein, eingepfercht hinter schweren Gitterstäben, vollgestopft mit Billigfutter, blieb DE 053780120092 erspart. Ihr Kopf, aus dem die lange Zunge baumelt, ist aufgespießt am Fleischerhaken, neben Leber, Milz und Lunge.

 

„Herr Siller, sagen Sie, war Schlachter eigentlich ihr Traumberuf?" „Ach was", sagt Siller. „Ich musste das lernen. Ich hatte die Wahl zwischen Metzger, Schreiner und Bäcker. Na, da bin ich eben Schlachter geworden. Weil es da immer Wurst gab."


Im Bergischen waren viele Männer Metzger: Väter, Großväter, Urgroßväter. Auch Rolf Pfeifer, 60, dem der Familienbetrieb gehört, fuhr schon als Kind mit auf den Schlachthof. Während Siller die Kuh zerstückelt, dreht Pfeifer am Fleischwolf und füllt Därme mit Wurstbrei. Ab und an haut er einen Witz raus. Am Sonntag wollte er in den Zoo. Aber man kam nicht rein. Der war ja „zo" ("zu" im rheinischen Dialekt). Wursten ist Routine. Dabei kann Rolf Pfeifer durchaus melancholisch werden, wenn er an die mächtigen, nur mit Gras und Kraftfutter aufgewachsenen Rinder von früher denkt, damals, als Metzger zu sein, eine richtige Profession war: Nach dem Krieg gab es, so Rolf Pfeifer, in Odenthal (Gemeinde im Rheinisch-Bergischen Kreis, Nordrhein-Westfalen) an die zehn Metzger, bei 15 500 Einwohnern. Jetzt sind es noch zwei. Das meiste Fleisch in deutschen Haushalten kommt aus der Fabrik. „Das sind ja jetzt alles keine Schlachter mehr, also so mit Herz", sagt Pfeifer. „Nur noch billige Arbeitskräfte." Die Discounter haben die Branche verändert. Das Pfund Frischgeflügel für 2,99 Euro, bitte. 61,1 Kilo Fleisch verzehrt der Deutsche im Jahr - und das soll gut und günstig sein.
3 Rinder werden am Hals an einen Schiffskran

gehängt und lebend auf Seereise geschickt!
Die Einschüsse fallen schneller. In Großbetrieben gehen 130 Tiere pro Stunde „durch", wie es in der Branche heißt. Einschleusen, abdrücken, umkippen, ausnehmen, Fleischproduktion am laufenden Band. Im Gegensatz zu Familienbetrieb Pfeifer lassen sich die Marktriesen nicht hinter die Kulissen blicken. Man weiß um seine Klientel. Die ist unberechenbar, zerrissen, schließlich geht es um der Deutschen liebstes Kind: das Tier. Kaum ein anderes Thema weckt so viele Emotionen, kaum eine Geschichte ist so voller Doppelmoral. Sobald das Töten sichtbar wird, geht der Mensch auf die Barrikaden. Wir erinnern uns an die Aufschreie bei BSE, als das Keulen Konjunktur hatte. Plötzlich lief das, was sich sonst im Verborgenen abspielt, doch tatsächlich über den Äther. Und der Burger blieb uns im Halse stecken. Zumindest ein paar Wochen lang. Ganz schlimm wird es, wenn der Tod aber im Antlitz eines Kaninchens daherkommt. Oder einer Katze.


Deutschland lief Gefühls-Amok, als Sarah Wiener während ihres Kochprojekts mit Kindern ein kleines Hoppeltier ausnahm. Vor laufender Kamera auf dem Kultursender Arte. Die Nation stand
unter einem „Kaninchen-Schock", und Simon, 14, vor dem Trauma seines Lebens. „Das Schlimmste ist", sagte er, „dass sie aufgehängt werden wie Socken." Aber darum geht es doch. Eine Kuh ist nun mal nicht lila, das Leben kein Ponyhof, oder, wie Sarah Wiener meinte: „Ich will die Kinder nicht traumatisieren, aber sie sollen sich bewusst sein, dass ihr Essen gelebt hat."


Gerade hatten sich die Wogen ein wenig geglättet, da erlebten wir das Kater-Drama. Die niederländische Künstlerin Tinkebell, die ihr sterbenskrankes Tier Pinkeltje einschläfern ließ, verarbeitete es zu einer Handtasche. Und Menschen mutierten zu Monstern. „Wegsperren und exekutieren sollten sie dich!", schrieb eine Hausfrau und nach eigenen Angaben „liebevolle Mutter" zweier Kinder. „Stirb, Hure! Ich werde dich lange leiden lassen", drohte ein 17-jähriger Hardrock-Fan aus den Niederlanden. „Ich hoffe, du krepierst an Schmerzen und brennst in der Hölle!", verstieg sich ein weiterer Hassmail-Sender. Drei Beispiele von Tausenden. Kaum ein Biergartentisch blieb von der Debatte verschont. DARF MAN DAS?


„Meine Katze war todkrank", erklärte sich Tinkebell. „Da habe ich sie halt erlöst. Gehen Sie doch mal auf einen Bauernhof oder in einen Schlachthof und schauen, wie dort die Tiere umgebracht werden. Unser Verhältnis zu Tieren ist krank. In der westlichen Welt werden Tiere wie menschliche Wesen behandelt. Von Erwachsenen, die mittags in der Kantine ein halbes Hähnchen verspeisen. Ich habe Angst vor einer Gesellschaft, die sich mehr um Tiere kümmert als um Menschen."


Hat eigentlich schon jemand Morddrohungen erhalten, weil er in seinem Wohnzimmer einen Iltis an die Wand genagelt hat? Oder einen Fasan?


Gib dem Tier ein Kuschelfell, und die Menschheit ist wie von Sinnen. Große Gefühle sind in der globalen Ära wieder in Mode gekommen. Psychologen und Verhaltensforscher sprechen von einer „überproportional empfindsamen Zeit". In einer individualisierten Gesellschaft kann zu viel Gefühl allerdings schon mal belastend sein. Wohin mit all der Duselei? Wir schenken sie dem Tier. Wenn es gleichwarm ist, nicht in freier Wildbahn streunt und kulleräugig dreinblickt, sind wir automatisch der Überzeugung, es sei empfänglich für unsere Zärtlichkeit.

Zwei Drittel der Bundesbürger sind laut einer Umfrage der Zeitschrift „Senioren Ratgeber" davon überzeugt, dass Haustiere aufrichtigere Freunde sind als unsereins. Auch das „Bündnis Mensch & Tier" hat in seiner jüngsten Studie die „Mensch-Tier-Beziehung in Deutschland" unter die Lupe genommen. Danach wünscht sich der Deutsche vor allem, dass ein Tier Persönlichkeit erkennen lässt und dass man es streicheln kann: „Mit dem Streicheln verbinden viele eine angenehme haptische* Erfahrung, die im zwischenmenschlichen Kontakt nicht möglich ist." Das Tier als Partnerersatz?

* Haptik: Lehre vom Tastsinn


„Bei einigen Arten sind wir der Überzeugung, dass sie uns stellvertretend geben können, was wir gerne von unseren Artgenossen bekommen würden", erklärt Sozialforscherin Sylvia Greiffenhagen. „Treue, Beziehungsstabilität, Schutz und Obhut, Ehrlichkeit, seelische und körperliche Wärme. Diese Werte vermuten viele Menschen, die gerade den Abgesang auf das soziale Zeitalter miterleben, eher bei Tieren als bei der eigenen Spezies." Deshalb reden wir im Bus also lieber mit den Dackeln als mit deren Haltern? Und wenn wir schon die Wahl haben, nehmen wir nicht nur süß, sondern zuckerwattesüß? Wir stehen auf Flipper, nicht aber auf den Weißen Hai. Die Fruchtfliegenkolonie auf dem frischen Zwetschgenkuchen ist uns ein Ärgernis, während wir uns über Marienkäfer in unsern Blumenkästen freuen. Die Vorstellung eines mit lebendigen Mäusen gefütterten Pythons irritiert uns. Umgekehrt kredenzen wir der Schmusekatze zum Geburtstag kandierte (in Zuckersirup eingelegte?) Krevetten.


Für ein bisschen Liebe bringen wir Opfer. Die Vorstellung, mit einem umgestülpten Plastiksack körperwarme, feuchte Exkremente vom Bürgersteig zu klauben, wird bei Nichthundesbesitzern spontanen Würgereiz auslösen. Tierbesitzer tun dies mit einem Gleichmut, fast mit einer erhabenen Fröhlichkeit im Gesicht, als handele es sich um Muschelsuchen am Strand.


Macht das Tier dagegen blubb und hat womöglich Schuppen, ist es schnell vorbei mit der Freundschaft.

 

Nicht zuletzt wegen unserer stammesgeschichtlichen Verwandtschaft zu den Gesichtstieren richtet sich unsere Zuneigung primär an sie. Fische mögen zwar faszinieren, aber das menschliche Antlitz spiegelt sich im Aquarium. Nicht im Fischauge. Geschweige denn in acht Spinnenaugen hinter der Terrariumsscheibe. Tja, und die Kuh? Ein Nutztier ist zum Nutzen da?


Von DE 053780120092 ist nicht mehr viel übrig. Ein mächtiges Rückenskelett. Vier Plastikwannen mit Magen, Schlingen von Gedärm, Galle und der Schwanz. Die Haare daran sind ein bisschen verkotet. Kurz nachdem die Kuh tot war, hat sich noch einmal der Darm entleert. Das rote Muskelfleisch, durchzogen von kräftigen Sehnen, hat gezuckt, solange die Verbindungen zu den Adern noch existierten. Ein Gewicht von diesem Kaliber kühlt langsam aus. „Das ist wie bei einem Huhn", sagt Werner Siller. „Sie köpfen das, und dann läuft es mit abgehacktem Kopf ja auch noch weiter. Ist nur kleiner."


Wobei die Zeiten, in denen Hühner nach der Schlachtung weitergelaufen sind, ja eigentlich vorbei sind. Heute wird Geflügel kopfüber aufgehängt und in unter Strom stehendem Wasserbad getötet. En masse. „Geflügel ist der absolute Trend", formuliert es Klaus Hühne vom Deutschen Fleischer-Verband (DFV). So fettfrei, so gesund, so schön weiß und damit so unschuldig rein. Für den hiesigen Verbraucher schnippeln die Produzenten jede noch so kleine Blutsehne und jedes Knöchelchen ab. Das ist Psychologie: Auf dem Teller soll möglichst wenig daran erinnern, dass das Stück Fleisch mal ein Lebewesen war. In Deutschland rollen Tiertransporte meist nachts. Einmal Currywurst, bitte.

Ob sich im Zeichen der Aufklärung etwas an der gespaltenen Haltung der Zivilisation zu ihren Tieren ändern wird? So richtig? Oder sind wir dazu zu egoistisch? „Empathie mit Tieren ist Ausdruck menschlicher Egozentrik", glaubt der Psychologe und Zoologe Jürgen Körner. Ob Artenschutz, Haustierhaltung oder Steak-House - die Spielregeln, nach denen Mensch und Tier zusammenleben, definieren wir nach unseren Vorstellungen. Und wenn die Natur sich dann mit Krankheit wehrt, mit BSE, Salmonellen, Vogelgrippe und Schweinepest, wird gern und schnell nach dem Verbraucherschutz gerufen. Schuld sind doch nicht wir! Schärfere Gesetze müssen her! Flächendeckende Kontrollen sowieso.


Übrigens: In Deutschland standen bis in die 20er Jahre Hundegerichte auf dem Speiseplan. Wie man Hunde essen kann? Rein theoretisch? Bolzenschuss, abziehen, häuten, ausnehmen... Ähm, Entschuldigung, wir müssen mal kurz weg. Zum Zeitungskiosk. Die neue „Wuff" ist da, mit Rätseln und Gewinnspielen, Terminen aus der Hundewelt, Schnappschüssen und dem brandaktuellen Report über die Timmendorfer Pfarrhunde. „Wufl" liegt im Regal neben „Dogs", dem Hochglanzmagazin, das sich fragt, was tun, wenn fremde Hunde einem hinterherlaufen? Titel mit Tieren verkaufen sich blendend. „Wir haben unseren Hund jetzt seit einem halben Jahr", sagt Brigitte Michels, 39, und ihre Augen scannen die breite Auslage vor dem Kiosk. „Ich kann mich immer so schwer entscheiden." Brigitte Michels ist Versicherungskauffrau, ledig, keine Kinder, seit zehn Jahren lebt sie mit ihrem Freund zusammen. „Am Anfang frisst man alle Themen in sich hinein. Das ist so, als wenn man Eltern wird. Richtige Eltern lesen dann die Zeitschrift Eltern, wir jetzt die Hundezeitschriften, und man wartet ähnlich sehnsüchtig drauf wie früher auf die »Bravo«." Sie lacht und zwirbelt das blonde Haar. „Aber ich denke, das lässt mit der Zeit wieder nach. Unsere Freunde halten uns schon ein bisschen für verrückt." Vergangene Woche war sie zum ersten Mal im Hundesalon. Waschen, legen, föhnen für 65 Euro. Emma, die Terrierdame, soll schön aussehen, wenn sie kommende Woche auf Reise geht. „Es wird unsere erste Trennung sein", sagt Brigitte Michels und schaut, als hätte man ihr im Restaurant ein sehniges Schnitzel serviert. Dabei ist der Hund doch bestens aufgehoben. Er wird zwei Wochen im „Pfötchenhotel" verbringen, in Hilden (Kreis Mettmann, Nordrhein-Westfalen), in einem Komforthotel für Tiere. Wer hier absteigt, zählt zur Haustier-Oberschicht. Die Nacht kostet bis zu 60 Euro, die Preise staffeln sich nach Größe und Pflegeintensität des Tieres und, wie in jedem Hotel natürlich, nach Saison. 17 Angestellte, darunter Tierpfleger, Trainer, eine Putzfrau, ein Hausmeister und eine Tierärztin, sorgen für das Wohl der Hotelgäste. Und das sind, neben Hunden auch Katzen, Vögel, Meerschweinchen und Hamster, die die schönste Zeit des Jahres im Einzel-, Doppel oder Mehrbettzimmer verbringen, je nach Verträglichkeit des Tieres und Wunsch des Besitzers. 64 Räume beherbergt das Haus, alle Unterkünfte sind beheizt, klimatisiert, mit Musik beschallbar und bieten Room-Service. Der Wäschewechsel erfolgt täglich, Fressen gibt es à la carte: für die Kleinen den Welpen-Mix, für die etwas Betagteren den Seniorenteller und für die Empfindlichen die Allergikerschale oder aber das mitgebrachte Futter von Daheim. Im Hotelkühlschrank lagern diverse Feinkostartikel und Gefrierbeutel mit selbstgekochten Mahlzeiten. Die Kundschaft kommt längst nicht mehr allein aus Deutschland. Der Publikumsverkehr in Hilden ist international. Hausgenossen aus Spanien, Holland, Belgien, Frankreich, den USA, aus Österreich, der Schweiz und sogar von den Philippinen haben bereits eingecheckt. Seit zehn Jahren läuft der Betrieb in Hilden, 2002 eröffnete ein zweites „Pfötchenhotel" in Jade (22 km langer Küstenfluss in Niedersachsen?), 2003 folgte das dritte und gigantischste, ein „Fünf-Sterne-Hunde-Hilton" in Berlin, das Platz für 500 Tiere bietet. Inhaber Wolfgang Goergens hat einen „mehrfachen Millionenbetrag" investiert, die Gelder flossen unter anderem in ein 80 Quadratmeter großes Schwimmbad mit Sprungturm und Wasserrutsche für künftige Hunde-Kunden, in Tennisplätze mit Tenniskanonen, diverse Turnhallen und Massagepraxen. Warum? Ganz einfach: „Ich dachte mir, ein Komforthotel für Tiere könnte eine echte Marktlücke sein", sagt Goergens. Richtig. „Beim Tier sparen die Deutschen nicht", konstatiert Dieter Meyer, Marketingmanager beim Bremer Futterspezialisten Vitakraft. Drei Milliarden Euro investierten sie allein im vergangenen Jahr in Hund, Katze, Maus, Meerschwein und Co. Klagen fast alle Branchen über Einbußen, so verzeichnen die Haustierversorger kontinuierliche Zuwachsraten zwischen sechs und acht Prozent. Für die 22,5 Millionen Haustiere der Republik gibt es inzwischen das volle Humanisierungsprogramm. Möbelhäuser, Kochbücher, eigene Fluglinien, einen Fernsehkanal mit 24 Stunden Sendezeit, Casting-Shows, Catwalks, Beauty-Salons, Hochzeitsplaner, Beerdigungsinstitute, Krankenversicherer, Online-Dating-Portale. Weiblich, ledig, Yorkshire sucht...

Sollte es mit dem neuen Partner nicht klappen, lacht der Psychologe. „Akupunktur, Homöopathie und Verhaltenstherapie sind gängige Behandlungen", so Ute Tietjen von der Bundestierärztekammer. Logisch, denn Herrchen und Frauchen plagen heute dieselben Probleme wie Mütter und Väter: Jule hört nicht, Bruno ist zu dick, Herbert spielt nicht mit anderen. „Wenn ich all diese Probleme lösen könnte, dann wäre das sensationell", schwärmt Fressnapf-Chef Torsten Toeller. Tierarzt Teake van t'Riet, der eine Praxis im Kölner Norden betreibt, formuliert es eher so: „In manchen Fällen müsste eher der Halter therapiert werden als das Tier."


Aber gegen die Liebe gibt es kein Rezept. Und so wursteln wir weiter herum mit unseren Emotionen, ganz selektiv. Das Wilde und seine Kreaturen lieben wir lieber platonisch. In einem Safari-Urlaub mit Rückkehrgarantie. Oder im TV mit Ausschaltknopf. Denn Wildnis schmutzt, ist unübersichtlich. Ein Haustier nicht. Das kann man kaufen und besitzen und so richtig rundherum liebhaben. Ein Hund auf den Herrchen stundenlang eingeredet hat, wird niemals knurren: „Sag mal, wen interessiert eigentlich der ganze Quatsch?" Eine Katze, die man hinter den Ohren krault, wird niemals ihr Frauchen brüskieren: „Deine Taille wird auch immer schwammiger, und nimm bitteschön deine Wurstfinger aus meinem Fell."


Das Kuscheltier spricht uns deshalb so eindringlich an, weil es nicht spricht. Und könnte es, wäre eh alles für die Katz. Die emotionale Beziehung ist fragil, die Abhängigkeit aus biologischer Sicht einseitig. Tiere sind im Normalfall nicht auf den Menschen angewiesen. Nehmen wir Hundedame Daisy. Der Boulevard sorgte sich um Wohl und Wehe der Yorkshiredame, als ihr Mosi starb. Wird's ihr das Herz' zerreißen? Sie nimmer mehr fressen? I wo. Nichts dergleichen. Daisy blühte zwei Jahre vor ihrem eigenen Tod noch einmal richtig auf. „Tiere zur Projektionsfläche menschlicher Emotionen zu machen und dabei Gegenseitigkeit vorauszusetzen ist pure Selbsttäuschung", schreibt der amerikanische Tierforscher und Humanethiker James Serpell. „Wir humanisieren das Tier um unser selbst willen. Worin wir uns am wenigsten erkennen, ist uns am wesensfernsten. Wir teilen in privilegierte und ausgebeutete Tiere. Das eine verzehrt Hausfutter, das andere wird dazu verarbeitet."


Brigitte Michels hat sich für die neue „Dogs" entschieden. Hochglanz, fünf Euro. Sie verschwindet im Einkaufskorb neben dem Nasi-Goreng-Beutel. Und dem neuen Gummiball für Emma. Der kann quietschen.


Werner Siller wischt sich die Hände ab. Ein letztes Mal spritzt er den gekachelten Raum aus. Die weißen Fliesen glänzen wieder. Ein Blutspritzer auf seinem Gummistiefel ist eingetrocknet. Eigentlich ist Werner Siller in Rente. Aber ganz vom Schlachten lässt er nicht. „Was man einmal gemacht hat...", sagt er und schweigt wenige Sekunden. Er blickt in die Leere. „Tja, und mit den Millionen, das hat ja nicht geklappt." Schreiner, sagt er noch, Schreiner hätte er nie werden wollen. Das sei ihm ein zu toter Beruf gewesen. Bei dem Material. Das Kuhfell liegt in der Kiste. Es wird in die Verwertung gehen. Die Haut von DE 053780120092 wird ein zweites Dasein erfahren. Als Bettvorleger vielleicht. Als Lederschuh. Oder als Handtasche.
 


4 Definitionen aus (c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2007:

Schlachten: fachgerechtes Töten von Schlachttieren durch Blutentzug unter Einhaltung bestimmter gesetzlicher Vorschriften. So muss u. a. das Schlachttier vor der Tötung betäubt werden, z. B. mithilfe eines Bolzenschussapparates. Jede Schlachtung bedarf vorhergehender Schlachttieruntersuchung und anschließender Fleischuntersuchung (Fleischhygiene). Hausschlachtungen unterliegen im Allgemeinen den gleichen gesetzlichen Bestimmungen.

Schächten: [von hebräisch sahat »schlachten«], rituelle Schlachtmethode im Judentum, die durch einen Schächter (»Schochet«) mit vorschriftsmäßigem Schächtmesser (»Challaf«) ausgeführt werden muss. Mit einem Halsschnitt werden Schlagadern, Luft- und Speiseröhre durchtrennt, was die rasche Bewusstlosigkeit des Schlachttieres und sein völliges Ausbluten gewährleistet, um dem Blutgenussverbot (1. Mose 9, 4) zu entsprechen. - Als Art der rituellen Schlachtung ist die Schlachtmethode ebenfalls im Islam vorgeschrieben (Blutgenussverbot: Sure 2, 167 folgende); Bezeichnung dort: arabisch Dhabh.

Vegetarismus: [lateinisch] der, Ernährungsweise, die nur rein pflanzliche Kost gelten lässt und alle tierischen Produkte ablehnt (strenger Vegetarismus); eine gemäßigtere Form ist der:

Laktovegetarismus, der neben pflanzlicher Kost auch tierische Produkte wie Milch und Milcherzeugnisse erlaubt.

Veganismus (Kunstwort für weniger als dem englischen Vegtarian=Vegetarier). >Hier< mehr.
 


Fleisch spaltet Kulturen

Der Kulinarik-Ethnologie-Professor Martin Trenk entwickelt seit zwei Jahren an der Uni Frankfurt das Forschungsfach kulinarische Ethnologie. Gerade packt er die Koffer für einen Studienaufenthalt in Thailand. Er erklärt im folgenden Interview mit Maria Bueche vom Kölner Stadt-Anzeiger "Speisetabus und ihre Ausweitung":


KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Professor Trenk, warum essen wir Strauß, nicht aber Schwan?
MARIN TRENK: Schwan wurde früher auch hier gegessen. Er war aber immer ein Privileg der Oberschicht und wurde höchst zeremoniell - wie Pfaue - im Federkleid aufgetragen. Für normale Leute war Schwan tabu, er fiel unter Jagdwild. Warum sich das nach der Renaissance verloren hat, scheint mir trivial: Die meisten Menschen sehen heute im Schwan einen dekorativen Vogel, der ihre Parkspaziergänge mit seiner Anwesenheit verschönert.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Entscheidet die Sympathie über die Essgewohnheit?
TRENK: Manchmal ja. Warum essen wir Rind, aber kein Pferd? In einigen asiatischen Kulturen werden Hunde gegessen, obwohl man sie auch als Haustiere hält. Das Haustier, das einen Namen bekommt, bleibt verschont. Hunde, die man isst, werden extra gezüchtet.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Welche Mechanismen wirken bei Tabus bekanntermaßen?

TRENK: Jede Kultur kennt Speisetabus, sie dienen den unterschiedlichsten Zwecken. Oft stecken magische Grundvorstellungen dahinter, von denen man nicht weiß, woher sie kommen. Bisweilen liegen die Gründe auf der Hand. Bei den Komantschen, Indianern in Texas, aßen die Krieger keinen Truthahn, weil das Tier als ängstlich galt. Die Krieger, die ja mutig sein sollten, fürchteten, dass die Feigheit in sie überginge. Diesem Tabu liegt also die Vorstellung zugrunde, dass Gleiches Gleiches erzeugt.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Man ist, was man isst?
TRENK: Genau, das ist das gleiche Prinzip. Mit am bekanntesten ist das Speisetabu, wonach Muslime kein Schwein essen oder die Verbote bei den Juden. Sie unterstreichen sowohl die Zugehörigkeit als auch die Abgrenzung von anderen Gruppen.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Zeigt sich diese Motivation nur im religiösen Kontext?

TRENK: Nein. Chinesen, die kaum Nahrungstabus kennen, konsumieren keine Milchprodukte. Dahinter steckt: An der westlichen Landesgrenze lebten die »Barbarenvölker«, also die Mongolen. Deren Hauptnahrungsmittel waren entsprechend der Hirtenkultur Zentralasiens Milchprodukte: vergorene Stutenmilch, Ayran. Erst seit Chinesen Milch mit dem Westen und wirtschaftlichem Erfolg verbinden, hat der Konsum dort Einzug gehalten.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Treffen Tabus nur Tierisches?

TRENK: Es gibt nur wenige Pflanzen, die massiv tabuisiert werden. Weit verbreitetet ist das prekäre Verhältnis vieler Kulturen zu Pilzen. Eine Frucht, an der sich die Geschmäcker scheiden, ist die in Südostasien so beliebte Durian. Ihr Geruch erinnert manche Europäer an Aas, andere gehen vor Verzückung in die Knie und finden, das hat was von französischem Käse. Aber so gut wie immer ist es Fleisch, was die Kulturen spaltet.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Was eint Kulturen, wenn es ums Essen geht?
TRENK: In allen Kulturen gibt es definitiv eine Grenze, und die liegt bei Menschenfleisch. Es gab zwar Kannibalen, aber überall dort, wo in menschlichen Gesellschaften Kannibalismus vorkam, war das Verspeisen anderer Menschen immer nur im rituellen Kontext möglich. Menschenfleisch als Alltagsgericht - das gab es nie.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Die Essensgrenzen in Asien scheinen uns extrem ausgedehnt. Was verblüfft Sie dort?

TRENK: In Laos die angebrüteten Eier. Bei dieser Delikatesse isst man den Embryo, der aussieht wie ein niedliches Entenküken. Das ist für uns schwierig. Es gibt köstliche Currys aus Büffelhaut. Auch nicht ganz ein fach, schließlich könnte man ja auch Schuhe daraus machen. Aber die Haut wird so lange eingelegt und gekocht, bis sie die Konsistenz von einem delikaten Tintenfisch hat.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Konnte man Asien je mit unserem Kulturkreis vergleichen?

TRENK: Die Vorstellung, die man in Europa bis Ende des 19. Jahrhunderts hatte, dass alle anderen Speisetabus kennen und man selbst eigentlich alles essen würde - die hätte nicht falscher sein können. Es ist für mich aber nicht erklärungsbedürftig, warum wir in Europa keine Insekten essen. Bei uns war diese Tradition nie verbreitet. Was ich erklärungsbedürftig finde, ist, warum Sachen, die wir über Jahrhunderte mit viel Appetit verzehrt haben, heute bei uns zunehmend nicht mehr gegessen werden.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Speisetabus weiten sich aus?

TRENK: Genau. An einer normalen deutschen Frischfleischtheke im Supermarkt sehe ich fast nur Muskelfleisch, keine Innereien, kaum Extremitäten. Daraus lässt sich kein Tier zusammensetzen. Und das markiert die Richtung, in die sich Tabus heute entwickeln.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Sie zielen nur auf Innereien?

TRENK: Nicht nur. Aber selbst bei einer kleinen Umfrage unter 70 kulinarisch interessierten Leuten geben 75 Prozent an, nie Innereien zu essen. Vom übrigen Viertel sagt wieder die große Mehrheit, sie esse nur Leber. Die meisten Innereien sind auch nicht bekannt: Bries, Lunge, Kutteln. Das andere interessante Ergebnis ist die Ablehnung von erkennbarem Fett. Es wird genauso gemieden wie Innereien.


KÖLNER STADT-ANZEIGER: Sehen Sie Zusammenhänge?

TRENK: Zwei Aspekte fallen auf: Innereien haben einen kräftigen Eigengeschmack. Viel stärker als Muskelfleisch, vor allem von industriell gezüchteten Tieren. Gleiches gilt für Fett als Geschmacksträger. Eigengeschmack scheint etwas zu sein, was bei Fleisch zunehmend verpönt ist. Denken Sie, dass das beliebteste Fleisch bei uns Hähnchenbrust ist, am liebsten paniert oder als Chicken-Nuggets. Der Geschmack wird nicht nur völlig übertüncht, sondern es zeigt sich, dass am liebsten Fleisch gegessen wird, das keine Erinnerung an das Tier erkennen lässt: ein paniertes Stück, ein verformtes Nugget. Den Trend bezeichne ich als Invisibilisierung. Dieses Unsichtbarmachen spielt bei uns zunehmend eine große Rolle.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Gleiches gilt für die Innereien?

TRENK: Die Geschmacksintensität steht gegen sie. Und sie sind so erkennbar als das, was sie sind: ein Teil vom Tier. Sie erinnern uns an Verdauung, Ausscheidung - diesen Komplex des Tierhaften, den wir selbst haben. Daran will man beim Essen nicht erinnert werden.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Gibt es eine Globalisierung hin zum homogenisierten Einheitsgeschmack?
TRENK: Überhaupt nicht. Dem forschen meine Studenten und ich regelrecht entgegen. Die Regionalisierungsfaktoren sind zu stark. In Thailand kommen Insekten wieder in Mode, in Südkorea wird wieder mehr Hund gegessen. Und auch bei uns wird regionale Küche neu gedacht und das kann auch die Innereien in der Esskultur wieder stärken.
 

INTERVIEW wurde veröffentlicht im MAGAZIN des KÖLNER STADT-ANZEIGER Nr. 158 vom  11./12. Juli 2009


Kommentar:  Wenn man einmal Gelegenheit hatte, in einem Schlachthof zu arbeiten - wie ich als Werkstudent in der MKS-Station (zur Impstoff-Herstellung gegen die Maul- und Klauenseuche der Firme Bayer) auf dem Gelände des großen Schlachthofes von Köln, wenn man dann erlebt hat, wie die Tiere mit Elektrisierpistolen, also mit Stromstößen zur Abschlachtung getrieben wurden, nachdem sie zusammengepfercht in Transportwagen ohne Nahrung und Flüssigkeitszufuhr brutal herausgetrieben wurden, wie Menschen zur Vergasung nach Auschwitz, wenn man mit ansehen mußte, wie den stärksten und gesündesten Rindern die Kiefer der Mäuler mit Schraubzwingen erbarmungslos in Stücke brechend geöffnet wurden, weil sich die Kaumuskeln vollständig verkrampft hatten und auch Stromstöße nichts zur Entspannung nützten, wenn dann die Zunge herausgerissen wurde und mit unzähligen Stichen mit Krankheitserregern infiziert wurde, wenn man die Todesangst und die Schmerzen der Tiere miterleben musste, wenn man überhaupt keine Möglichkeit hatte, auf den vor sadistischer Lust keuchenden, Aufsicht führenden Tierarzt (Dr. med. vet. Schweckendiek) einzuwirken, der die Tierquälereien aktiv mitmachte, wenn dann die infizierten und erkrankten Tiere nach einigen Tagen ohne irgendeine Nahrung, ohne sich hinlegen zu können, endlich abgeschlachtet wurden, nachdem ihnen Blut zur Impfstoffherstellung abgezapft worden war, wenn man von Metzgern aus Tieren herausgeschnittene Fleischstücke und in alten Konservendosen gekocht angeboten bekommen hat, dann braucht man sich wohl nicht zu verzeihen, Menschen als Unmenschen zu verachten.

 

James A. Peden schreibt in seinem Buch "vegetarische Hunde- und Katzen-Ernährung" (>hier<) unter anderem "Tiere denken, überlegen, empfinden Schmerz, hoffen, gründen Familien und kommunizieren. Kommt Ihnen das bekannt vor?..." Wenn man - wie ich - einen Großteil des Lebens mit Tieren verbracht hat, kann einiges ergänzen: Tiere empfinden Trauer bei Verlust eines Mitlebewesens; sie suchen Nähe und Anerkennung; sie warten auf ein Mitlebewesen, ja sie suchen nach ihm; sie können sich unglaublich freuen, z.B. wenn man endlich nach Hause kommt; aber sie können auch beleidigt sein; sie können sogar schalkhaft sein, wie eine meiner Katzen, die mir gerne beim Gehen eine Sandale von hinten weg so weit vor den Fuß schlug, dass ich stolpern sollte; wenn ich das tat (oder vorgab), kratzte sie vor Freude auf dem Teppich; eine andere Katze konnte Rad schlagen. Es gibt unendlich viele Beispiele, nach denen Tiere ähnlich Verhaltensformen haben, wie kleine menschliche Kinder; aber andererseits sind sie - im Gegensatz zu Kleinstkindern voll selbstständig lebensfähig, wenn auch gefährdet durch Autos, vor allem bösartige Menschen, die Fallen aufstellen und sogar mit Giften hantieren.

Wichtig zu erwähnen ist, dass viele Tiere (zumindest ansatzweise) sozialisierbar sind, was bedeutet: Sie legen gewisse ihnen sozusagen angeborene Eigenschaften ab, wie den Jagdtrieb insbesondere bei Hunden und auch bei Katzen. Meine drei Katzen, denen ich mich in den letzten Jahre stärker widmen konnte, nachdem ich nicht mehr berufstätig zu sein brauchte, gaben das Jagen von Vögeln und Mäusen allmählich auf, nachdem sie mitbekommen hatten, dass mich dieses ihr Verhalten traurig stimmte. Weitere Ausführungen zu den Eigenschaften von Tieren führen an dieser Stelle zu weit.

 

Zu erwähnen ist jedoch noch, dass fleischfressende Tiere tatsächlich zu Vegetariern gemacht werden können. Das bereits erwähnte (leider nicht sehr wissenschaftlich geschriebene) Buch von James A. Peden beschreibt die Einzelheiten. Ein Bild soll das verdeutlichen: Der Löwe ekelt sich (so wie ich) vor Fleisch!


Walter Rath