(von da zu: 1.
Weltkrieg, Hitlers Lebenslauf,
Festungshaft, Machtergreifung,
Jugendorganisationen,
Vorsehung, Heil, Idole, HJ).

Dieses
Hakenkreuz war Zugehörigkeitssymbol zur Partei der
Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP, kurz
Nazis) - das Parteiabzeichen. Die Hakenkreuz-Armbinde
wurde im Jahre 1920 von den frühen Nazis als „Kampfbinde“
eingeführt als Übernahme von der sogenannten Völkischen
Bewegung, einer überwiegend männlichen und
evangelisch-protestantischen Gefolgschaft (Klientel),
vornehmlich bürgerlich, d.h. vom alten wie neuen Mittelstand
geprägt.
In verschiedenen
Gruppen des Neonazismus und des Rechtsextremismus leben
nationalsozialistische Ideen und Ziele bis heute fort. Ihre
Propaganda und politische Organisation – auch mit den damaligen
Symbolen – gilt in der Bundesrepublik Deutschland als strafbare
Volksverhetzung und in Österreich als strafbare
Wiederbetätigung. In weiteren Staaten bestehen ähnliche Verbote.
Der Nationalsozialismus
war (und ist immer noch) eine radikal
antisemitische, antimarxistische, antidemokratische
Weltanschauung und
politische Bewegung, die in Deutschland nach dem Ersten
Weltkrieg entstand. Seine in der Nationalsozialistischen
Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) organisierten Anhänger
gelangten unter Adolf Hitler 1933 zur Herrschaft und errichteten
eine totalitäre Diktatur, den „Führerstaat“ bzw. das „Dritte
Reich“. Sie vollzogen die deutschen Eroberungskriege seit 1939,
die den Zweiten Weltkrieg auslösten, und die Verbrechen des
Holocaust. Hitler wurde katholisch getauft und blieb bis zu
seinem Ende Katholik. (Eine ausgezeichnete Biographie gibt es
bei
Wikipedia.)
Dieses Naziregime wäre ohne die Stimmen der
katholisch Deutschen Zentrumspartei, d.h. ohne deren Zustimmung
zum "Ermächtigungsgesetz", dem "Gesetz zur Behebung der Not
von Volk und Reich vom 24. März 1933", nicht zur absoluten
Macht gelangt.
Der Vorsitzender des katholischen Zentrums, Prälat
Ludwig Kaas, begründete vor dem Deutschen Reichstag
das „Ja“ seiner Partei zum „Ermächtigungsgesetz“:
- „Die gegenwärtige Stunde kann für uns nicht
im Zeichen der Worte stehen, ihr einziges, ihr
beherrschendes Gesetz ist das der raschen,
aufbauenden und rettenden Tat. Und diese Tat kann
nur geboren werden in der Sammlung.
- Die deutsche Zentrumspartei, die den großen
Sammlungsgedanken schon seit langem und trotz aller
vorübergehenden Enttäuschung mit Nachdruck und
Entschiedenheit vertreten hat, setzt sich zu dieser
Stunde, wo alle kleinen und engen Erwägungen
schweigen müssen, bewusst und aus nationalem
Verantwortungsgefühl über alle parteipolitischen und
sonstigen Gedanken hinweg. […]
- Im Angesicht der brennenden Not, in der Volk
und Staat gegenwärtig stehen, im Angesicht der
riesenhaften Aufgaben, die der deutsche Wiederaufbau
an uns stellt, im Angesicht vor allem der
Sturmwolken, die in Deutschland und um Deutschland
aufzusteigen beginnen, reichen wir von der deutschen
Zentrumspartei in dieser Stunde allen, auch früheren
Gegnern, die Hand, um die Fortführung des nationalen
Aufstiegswerkes zu sichern.“
Das war zwar ein
schwerwiegende, ja fatale Fehleinschätzung gewesen. Klaas
verließ Deutschland im Frühjahr 1933 und wurde im Vatikan
aufgenommen. Sein Heimatland hat er nie mehr betreten.
Erstaunlich, dass nach Ende der Hitler-Diktatur, die neu
gegründeten Christlichen Parteien - man könnte fast sagen als
Auffangbecken vieler Nazis - sogar führende "Persönlichkeiten",
zumindest ehemalige NSDAP-Mitglieder ungeniert mit hohen Ämtern
betrauten:
- Hans Josef Maria Globke (auch
>hier<), Kommentator der "Nürnberger
Rassegesetze" wurde 1953 unter Bundeskanzler Konrad Adenauer
Chef des Bundeskanzleramts.
- Gerhard Schröder, ab 1. April 1933 Mitglied der NSDAP,
wurde dann ab 20. Oktober 1953 Bundesinnenminister.
- Heinrich von Brentano di Tremezzo,
ab 1932 Rechtsanwalt beim Oberlandesgericht Darmstadt,
wurde 1943 als Staatsanwalt nach Hanau dienstverpflichtet und
1955 Außenminister.
-
Reinhard Gehlen, General der
Hitler-Wehrmacht, Leiter der "Abteilung Fremde Heere Ost (FHO)"
des deutschen Generalstabs, gründete und leitete ab 1946
die
"Organisation
Gehlen", aus der 1956 der
Bundesnachrichtendienst (BND) hervorging, dessen Präsident
er wurde.
- "Wer kannte die Kommunisten besser als ihre
erbittertsten Feinde, die Nazis?" war Adenauers Argument zur
Wiederbelebung vieler Nazis (mehr zu Adenauer
>hier<), und "Gehlen hatte sich bereits im
Mai 1945 mit seinem Stab, unter denen sich auch zahlreiche
Veteranen von SS, SD und Gestapo befanden, sowie seinem gesamten
Archiv den Amerikanern gestellt und ihnen seine Dienste
angeboten. Einige dieser Leute wurden als Kriegsverbrecher
gesucht und erhielten neue Identitäten und Papiere," ist unter
obigem Link zu lesen.
- Franz Josef Strauß seit Ende November 1943 als
Nationalsozialistischer Führungsoffizier (NSFO - zuständig für
"die politisch-weltanschauliche Erziehungsaufgabe im
nationalsozialistischen Sinn"), 1953 bis 1955
Bundesminister für besondere Aufgaben, von 1955 bis 1956
Bundesminister für Atomfragen, von 1956 bis 1962 Bundesminister
der Verteidigung und von 1966 bis 1969 Bundesminister der
Finanzen. Von 1978 bis zu seinem Tod 1988 amtierte er als (CSU-)Ministerpräsident
des Freistaates Bayern.
- Hans Karl Filbinger war von 1966 bis 1978 war er
Ministerpräsident des Bundeslandes Baden-Württembergs, von 1971
bis 1979 zudem Landesvorsitzender, von 1973 bis 1979 auch ein
stellvertretender Bundesvorsitzender seiner Partei (Christlich
Demokratischen Union). Als Richter während der Nazi-Zeit wurden
vier ausgesprochene Todesurteile entdeckt, an denen Filbinger
zumindest beteiligt gewesen war. Andere Akten waren - wie in
solchen Fällen nicht selten - einfach verschwunden, so auch die
des bereits nach dem Ende des Krieges von ihm angeblich
ausgesprochenen Todesurteils über einen deutschen Matrosen, was
von einem der bekanntesten Dramatikers, Rolf Hochhut in die
Öffentlichkeit gebracht worden war. (An dieser Stelle sei
vermerkt, dass viele ehemalige Nazi-Richter rasch nach dem
Kriege wieder in Amt und Würden waren.)
- Kurt Georg Kiesinger, ehemaliges Nazi-Parteimitglied
war von 1958 bis 1966 Ministerpräsident von Baden-Württemberg,
von 1966 bis 1969 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland
und von 1967 bis 1971 Bundesvorsitzender der CDU.
- Heinrich Lübke, von 1959 bis 1969 der zweite
Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, war im
Nazi-Regime, war von 1939 bis 1945 Vermessungsingenieur und
Bauleiter beim Architektur- und Ingenieurbüro Walter Schlempp
(Architekt, Mitglied des Nazi-Studentenbundes und
schon seit 1931 der NSDAP), das dem „Generalbauinspektor
für die Reichshauptstadt“ Berthold Konrad Hermann Albert
Speer unterstand (einem der führenden
Architekten und zentralen Organisatoren des Nationalsozialismus).
Lübkes Unterschrift findet sich unter Bauzeichnungen von
Konzentrationslagern (deren Echtheit jedoch
angezweifelt wurde/wird). Aber immerhin war Herr Lübke
kein "unbeschriebenes Blatt" zur Stützung des Nazi-Regimes, wie
z.B. zeitweise als Bauleiter in der Heeresversuchsanstalt
Peenemünde, wo Raketen und Flugbomben entwickelt und gebaut
wurden.
- Friedrich-Wilhelm Lübke (älterer Bruder des oben
genannten Herrn) war von 1951 bis 1954 Ministerpräsident und
Landesvorsitzender der CDU des Landes Schleswig-Holstein. Zur
Nazi-Zeit war er beim Oberkommando der Marine als
Dienststellenleiter in Aarhus (Arenhausen zu deutsch) in
Dänemark.
Liste der "Nazi-Größen", die nach dem Ende der Nazi-Zeit
wieder Fuß fassen konnten >hier<
Wenn auch die Herrschaft
des Verbrechens im "3. Reich" unter Führung von Adolf Hitler am
8. Mai 1945 nach der erzwungenen, bedingungslosen
Kapitulation der deutschen Wehrmacht zu Ende gegangen war,
fanden US-amerikanische
Untersuchungen heraus, dass danach immerhin noch
etwa 80% der Deutschen die Nazi-Ideologie hofierten, d.h.
schönredeten. Jahre später konnte man (auch ich - Walter Rath -
als Autor dieser Internetbuch-Seiten) noch hören: "Wenn das
unser Führer gewusst hätte..." Die Idolisierung, also
schwärmerischer Verehrung (Idolatrie: griechisch die
Bilderverehrung) einer in der Öffentlichkeit gesehenen Person -
Schauspieler bis zu Königskindern, aber auch Kultfiguren vom
Heiligen bis zum Gott oder zu Göttern entspricht einem
menschlichen Bedürfnis.
Auch heutzutage noch sind
Herrscher, insbesondere Herren in "demokratischen"
Spitzenpositionen, gleich welcher Parteizugehörigkeit oder in
der Wirtschaft nur dann bestens akzeptiert, wenn sie Charisma haben [griechisch: »Gnadengabe«]. © 2003 Bibliographisches
Institut & F. A. Brockhaus AG sagt dazu: dass als charismatisch,
"eine als nicht alltäglich, übernatürlich geltende Eigenart
eines Menschen, um derentwillen er als übermenschlich,
gottgesandt, vorbildlich und deshalb als Autorität oder
Führerpersönlichkeit angesehen wird."
Leider sind diese
charismatischen Führungspersönlichkeiten überwiegend dem
psycho-/soziopatischen Personenkreis zuzuordnen (>hier<).
Die bewunderten Herrscher haben selten Fach- und Sachkenntnisse,
auf keinen Fall von Psychologie und Soziologie. Daher können sie
Leitungen, Zuständigkeits- und Geschäftsbereiche einer
Organisation, Firma oder Behörde, insbesondere eines
Ministeriums wechseln wie die Hemden. Sie halten nichts von
Mitbestimmung, Bürgerbegehren udgl. Die althergebrachte,
universell verbreitete, institutionalisierte Form der
Machtausübung, der sozialen Über- und Unterordnung haben sich
kaum geändert. Ansätze sind weitgehend erstickt worden.
Inhaltsverzeichnis
(stark
angelehnt an
Wikipedia)
|
Begriff
„Nationalsozialismus“
Die Person Adolf Hitler gilt oft als
Inbegriff des
Nationalsozialismus 
Die
Propagandabezeichnung „Nationalsozialismus“ (auch „Nationaler
Sozialismus“)
stammt aus der Programmatik der 1919 gegründeten
Deutschen Arbeiterpartei (DAP), die ein Jahr später in NSDAP
umbenannt wurde. Der Nationalsozialismus sollte einen
völkisch-rassistischen
Nationalismus mit einzelnen, dem
Sozialismus entlehnten, antikapitalistischen Forderungen
verbinden. Damit grenzte er sich von konservativen und
linksgerichteten Parteien ab und bot ihren Wählerschichten –
Arbeitern und Mittelstand – eine Alternative. Zudem stellten die
Nationalsozialisten sich als „Bewegung“, nicht als Partei dar,
um so
Protestwähler und Politikverdrossene zu erreichen.
Heute bezeichnet der
Begriff meist die besondere Ideologie Adolf Hitlers und seiner
Gefolgschaft in der NSDAP. Dabei definierte Hitler die Begriffe
Nationalismus und
Sozialismus auf ungewöhnliche Art und Weise: Nationalismus
nannte er die Hingabe des Individuums für seine
Volksgemeinschaft, während er Sozialismus als Verantwortung der
Volksgemeinschaft für das Individuum definierte. Besonders die
Vergesellschaftung der
Produktionsmittel, die ein Hauptziel originärer Sozialisten
war und ist, lehnte Hitler entschieden ab.
Zudem wollten die Ideologen der NSDAP sich mit dem Begriff
Nationalsozialismus vom italienischen
Faschismus unterscheiden. Der Faschismusbegriff
wurde jedoch vor allem in der
Sowjetunion seit 1925, nach 1945 im ganzen
Ostblock, aber auch in westdeutschen Forschungsansätzen, als
gemeinsamer Oberbegriff für den Nationalsozialismus
(„Hitlerfaschismus“), den italienischen Faschismus und andere
ihnen verwandte antikommunistische Ideologien, Regimes und
Systeme verwendet.
Besonders in den
USA, teilweise auch in der Bundesrepublik, wurde der
Nationalsozialismus nach 1945 als eine Form von
Totalitarismus begriffen. Die Totalitarismustheorie stellt
ihn mit Ideologie und System des
Stalinismus auf eine Ebene und betont deren gemeinsame
Herrschaftsformen. Die verallgemeinernden Einordnungen als
Faschismus und Totalitarismus werden in der Forschung kontrovers
diskutiert, vielfach wird der Nationalsozialismus als
eigenständiges und singuläres Phänomen betrachtet.
Der Begriff Nazismus ist die eingedeutschte Version
des
englischen Wortes nazism. Es wird in Deutschland
jedoch kaum verwendet; als negativ besetztes Kurzwort dient oft
der Begriff
Nazi
oder
Neonazi für einen alten oder neuen Anhänger des
Nationalsozialismus.
Siehe auch:
Nationaler Sozialismus bei "Wikipedia" (auch die
weiteren farbig hervorgehobenen und unterstrichenen Begriffe
sind bei "Wikipedia" näher erklärt).
Entstehung
Das Gedankengebäude des Nationalsozialismus entstand nach dem
Ersten Weltkrieg als Verschmelzung von Ideologemen und
Zielen mehrerer älterer Gruppen aus der
Völkischen Bewegung des
Deutschen Kaiserreichs und der
Österreich-Ungarischen Monarchie. Dazu gehörten u.a.
- rassistische und okkulte, sektenartige Vereine, die,
ausgehend von den österreichischen
Ariosophen
Guido von List und
Lanz von Liebenfels seit 1900 gegründet worden waren:
u.a. die Guido-von-List-Gesellschaft (1905) oder die
Armanenschaft (gegründet 1907). Aus diesen stammten u.a.
Runensymbole und das
Hakenkreuz. Sie vertraten auch Ideen wie die
„Menschenzucht“ von „Ariern“.
- betont antisemitische, auf kommunaler Ebene
überparteilich organisierte Vereine und Verbände, vor allem
der
Reichshammerbund von
Theodor Fritsch. In seinem Umfeld hatte sich nach der
Niederlage der Antisemitenparteien bei den Reichstagswahlen
von 1912 auch ein
Verband gegen die Überhebung des Judentums gegründet.
Zum Reichshammerbund gehörte der geheime
Germanenorden, aus dem 1918 die Münchner
Thulegesellschaft hervorging. Aus ihrer Zeitschrift, dem
Münchener Beobachter mit dem Hakenkreuz als
Titelsymbol, wurde das Parteiorgan der NSDAP
Völkischer Beobachter. Die Thulegesellschaft finanzierte
die DAP, unterstützte in ihr Funktionäre wie Adolf Hitler
und inszenierte 1923 den
Hitler-Ludendorff-Putsch mit. Sie förderte so den
Aufstieg der NSDAP von einer bayerischen Splitterpartei zu
einer reichsweit organisierten Massenpartei.
- radikal-nationalistische und imperialistische Verbände
wie der 1891 gegründete
Alldeutsche Verband. Er verstand sich unter
Heinrich Claß als überparteiliche Sammlungsorganisation
und vertrat die Erweiterung des deutschen „Lebensraums“
durch kriegerische Expansions- und Unterwerfungspolitik. Er
gewann im Verlauf des Ersten Weltkriegs trotz geringer
Mitgliederzahl großen publizistischen Einfluss und war
Hauptinitiator der
Judenzählung von 1916. Nach 1918 forderte er eine
„nationale Diktatur“ gegen „Fremdvölkische“.
- ältere antisemitische Verbände und Parteien wie der
Deutschnationale Handlungsgehilfenverband und die
Deutschvölkische Partei, gegründet 1914 als Vereinigung
zweier Antisemitenparteien. Sie vereinte sich im
Kriegsverlauf mit dem Alldeutschen Verband. Auf dessen
Initiative hin vereinten sich gegen Kriegsende aufgelöste
mit neugegründeten völkischen Gruppen wie dem
Deutsch-Österreichischen Schutzverein Antisemitenbund,
der Deutschvölkischen Beamtenvereinigung und dem
Bund völkischer Frauen zum
Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund. Dieser hatte
1920 rund 200.000 Mitglieder in 600 Ortsgruppen, wurde aber
nach dem Hitler-Ludendorff-Putsch verboten. Nach der
Wiederzulassung der NSDAP verlor er ihr gegenüber an
Einfluss und wurde 1933 ganz aufgelöst.
Zu den geistig-politischen Wurzeln dieser Gruppen zählten der
Rassismus,
Militarismus und
Imperialismus, die sich in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts besonders im Kaiserreich und in Österreich
verbreiteten und schubweise zunahmen. Das stärkste tragende
Bindeglied ihrer heterogenen Ideologien war jedoch der
Antisemitismus, der sich im Verlauf der
Novemberrevolution von 1918 und in den Folgejahren zugleich
als radikale Ablehnung der
Weimarer Verfassung äußerte. Die Weimarer Republik wurde
dort allgemein als von
Novemberverbrechern geschaffene „Judenrepublik“ denunziert.
Die Völkischen definierten ihre Weltanschauung als strikten
Gegensatz zum
Marxismus der Linksparteien, zum politischen
Katholizismus der
Zentrumspartei und zu ihrer Fiktion eines „Weltjudentums“.
Programmatik
25-Punkte-Programm
Der Nationalsozialismus bildete als Sammelbewegung
völkischer, rassistischer und revisionistischer Gruppen zunächst
keine konsistente Ideologie. Hans Frank erklärte daher später in
den Nürnberger Prozessen, es habe „so viele Nationalsozialismen
wie Nationalsozialisten“ gegeben. Doch das bei der Gründung der
NSDAP 1920 beschlossene
25-Punkte-Programm sollte über seine praktische Erfüllung
hinaus gelten, war also zugleich Ausdruck dauerhafter
nationalsozialistischer Weltanschauung.
An erster Stelle standen außenpolitische Ziele. Aus dem
„Zusammenschluss aller Deutschen... zu einem Groß-Deutschland“
mit Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker leitete
Punkt 2 die Aufhebung des Versailler Friedensvertrages, Punkt 3
„Land und Boden (Kolonien) zur Ernährung unseres Volkes und
Ansiedlung unseres Bevölkerungsüberschusses“ ab. Dem folgten
innenpolitische Forderungen nach Ausgrenzung bestimmter
Bevölkerungsteile durch eine rassistische Fremdengesetzgebung:
- Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist.
Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne
Rücksichtnahme auf die Konfession. Kein Jude kann daher
Volksgenosse sein.
Daraus folgerte Punkt 6 den Ausschluss von Juden aus allen
Staats- und Parteiämtern, Punkt 8 ein Einwanderungsverbot und
sofortige Zwangsausweisung aller als „Nichtdeutsche“ definierten
Personen, die seit 2. August 1914 eingewandert waren.
Die Leitidee der rassischen Volksgemeinschaft wurde also nach
außen expansiv, nach innen als Entrechtung eines Teils der
Deutschen ausformuliert. Dem folgten in Punkt 9-17 einige
plakative und ressentimentgetränkte wirtschafts- und
sozialpolitische Forderungen, die den Anspruch der Partei, die
Interessen deutscher Arbeiter zu vertreten, zeigen sollten:
- allgemeine Arbeitspflicht
- „Abschaffung des Arbeits- und mühelosen Einkommens“
- „Brechung der Zinsknechtschaft“
- „Einziehung aller Kriegsgewinne“
- „Verstaatlichung aller (bisher) bereits
vergesellschafteten (Trusts) Betriebe“
- „Gewinnbeteiligung an Großbetrieben“
- „Ausbau der Altersversorgung“
- „Schaffung eines gesunden Mittelstandes und seine
Erhaltung“
- „Kommunalisierung der Groß-Warenhäuser und ihre
Vermietung zu billigen Preisen an kleine Gewerbetreibende“
- „eine unentgeltliche Enteignung von Boden für
gemeinnützige Zwecke“
- „Abschaffung des Bodenzinses und Verhinderung jeder
Bodenspekulation“.
Punkt 18 forderte die Todesstrafe für „gemeine
Volksverbrecher, Wucherer, Schieber usw... ohne Rücksichtnahme
auf Konfession und Rasse“: erneut ein deutlicher Hinweis auf die
gemeinte Zielgruppe, die Juden. Punkt 19 forderte den Ersatz
eines angeblich „materialistischen“ römischen Rechtes durch ein
„deutsches Gemeinrecht“.
Der Idee einer Einheit von Volk und Staat folgten Forderungen
nach staatlichem Ausbau der Volksbildung (20), „Hebung der
Volksgesundheit“ durch „körperliche Ertüchtigung“ (21), Bildung
eines „Volkesheeres“ (22). Die angestrebte Abschaffung der
Pressefreiheit und Einführung von Pressezensur wurde als
„gesetzlicher Kampf gegen die bewußte politische Lüge und ihre
Verbreitung“ (23) bemäntelt. Indem nur „Volksgenossen“
Zeitungsredakteure und Verlagseigentümer sein sollten, zeigte
sich auch hier ein antisemitischer Impuls: Der Topos von der
„jüdischen Weltpresse“ war unter Antisemiten seit langem üblich.
Zugleich sollte auch Kunst und Kultur von dem „zersetzenden
Einfluß auf unser Volksleben“ gereinigt werden: Dem entsprach
die NS-Kulturpolitik gegen die Entartete Kunst.
Im scheinbaren Widerspruch dazu bekräftigte Punkt 24 die
Religionsfreiheit „im Staat“, allerdings nur, „soweit sie nicht
dessen Bestand gefährden oder gegen das Sittlichkeits- und
Moralgefühl der germanischen Rasse verstoßen.“ Mit dem
Bekenntnis zu einem „positiven Christentum“ ohne Bindung an eine
bestimmte Konfession, aber in einheitlicher Frontstellung gegen
einen „jüdisch-materialistischen Geist in und außer uns“ war
eine Voraussetzung für den späteren Kirchenkampf genannt. Die
spätere antichristliche Einstellung der SS widersprach diesem
Programmpunkt offensichtlich.
Das Programm gipfelte in der Parole „Gemeinnutz vor
Eigennutz“ und der Forderung nach einer „starken Zentralgewalt
des Reiches“, deren in „unbedingter Autorität“ erlassene
„Rahmengesetze“ neugebildete Stände- und Berufskammern in den
Bundesstaaten durchführen sollten. Damit deutete sich die
spätere Gleichschaltungspolitik gegenüber föderalen
Institutionen schon an. Die Parteiführer würden „wenn nötig
unter Einsatz des eigenen Lebens“ für die Programmverwirklichung
eintreten.
Während die außen- und innenpolitischen Hauptforderungen in
Punkt 1-8 präzise und konkret formuliert waren und tatsächlich
ab 1933 staatlich großenteils umgesetzt wurden, blieben viele
der wirtschafts- und kulturpolitischen Forderungen in Punkt 9-20
vage (11), unklar (13), skurril (etwa die Behauptung eines
„römischen“ Rechts in Punkt 19) oder praktisch unrealisierbar
(etwa der „Einzug aller Kriegsgewinne“ in Punkt 14). Diese
Unklarheiten führten zu einer teilweise heftigen internen
Ideologiedebatte und verschiedenen Wirtschaftsprogrammen. Otto
Wagener etwa forderte die Unterstützung des Mittelstandes,
Richard Walther Darré die der Bauern, Gottfried Feder verlangte
die von ihm erfundene „Brechung der Zinsknechtschaft“. Hitler
trug diesem Streit als Parteiführer später zum Teil Rechnung,
indem er einige Programmforderungen revidierte, reduzierte oder
ignorierte. 1928 reduzierte er die angekündigte Bodenreform auf
Enteignung „jüdischer“ Bodenspekulationsgesellschaften. Wie die
„Zinsknechtschaft gebrochen“ werden sollte, ließ er jedoch
offen.
„Mein Kampf“
In Mein Kampf (>hier<) bekräftigte Hitler vor allem die außen-
und bevölkerungspolitischen Ziele des NSDAP-Programms, allen
voran den Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Im
Unterschied zum Kaiserreich, das mit dem britischen Weltreich
als Kolonialmacht in Afrika und Fernasien zu konkurrieren
versuchte, wollte Hitler Lebensraum nicht in Westeuropa und in
Übersee, sondern in Osteuropa gewinnen. Damit schloss er sich
wahrscheinlich geopolitischen Theorien von Rudolf Kjellén,
Halford Mackinder und Karl Haushofer an, die die Eroberung und
Beherrschung der Landmasse von „Eurasien“ als Schlüssel zur
Weltherrschaft sahen. Auch der mittelalterliche Mythos mancher
Ordensritter von einem deutschen „Drang nach Osten“ stand hinter
dieser Idee.
Dabei dachte Hitler an „Russland und die ihm untertanen
Randstaaten“. Um sie zu erobern, wollte er zuerst den Versailler
Vertrag revidieren, dann Frankreich mit Hilfe eines Bündnisses
mit Großbritannien und Italien isolieren, später ganz
vernichten. Damit revidierte er Punkt 3 des NSDAP-Programms: Das
Erobern von Kolonien würde England zu Protesten herausfordern.
Dessen Kolonialmacht müsse Deutschland garantieren, dann würden
die Briten es auf dem Kontinent gewähren lassen. Polen erwähnte
Hitler hier nicht, auch die USA und Japan kamen nur am Rande
vor. Diese Prioritäten waren gegenüber den Vorlieben
kaiserlicher Imperialisten neu.
Zur Wirtschaftspolitik äußerte sich Hitler in Mein Kampf
nur auf fünf Seiten. Den Punkt der Volksgesundheit dagegen
führte er breit aus und brachte dabei den auch die wirtschafts-
und kulurpolitischen Vorstellungen tragenden Rassismus der
NS-Ideologie deutlich zur Geltung. Seine beiden untrennbar
miteinander verknüpften Grundgedanken waren
- die These von höheren und niederen Rassen, die
miteinander im Kampf liegen
- die These, dass eine „Rassenvermischung“ schädlich für
die höhere Rasse sei und diese unweigerlich schwäche und
langfristig auflöse.
Diese Axiome hatten Sozialdarwinisten und Rassetheoretiker
des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wie Francis Galton, Ernst
Haeckel, Alfred Ploetz, Wilhelm Schallmayer begründet. Neu war
nur, dass „Rassenhygiene“ erstmals zum umfassenden politischen
Programm gemacht wurde. Hitler sah die „Arterhaltung“ als
Hauptaufgabe des Staates und folgerte, dass dieser die
„unvermischten Bestände an nordisch-germanischen Menschen“ im
deutschen Volk konsequent schützen und so „langsam aber sicher
zur beherrschenden Stellung emporführen“ müsse. Der starke
Führerstaat müsse „den Sieg des Besseren, Stärkeren“ und die
Unterordnung des „Schlechteren und Schwächeren“ fördern. Dies
bedeutete konkret etwa Zwangssterilisation von Behinderten und
Erbkranken, zugleich Kindergeld, billige Wohnungen und
materielle Vergünstigungen für „deutsche Familien“. Die „Träger
höchster Rassenreinheit“ sollten ein „Siedlungsattest“ erhalten
und in noch zu erobernden „Randkolonien“ angesiedelt werden.
Hitler betonte am Schluss nochmals seine Zielvorstellung:
- Ein Staat, der sich im Zeitalter der Rassenvergiftung
der Pflege seiner besten rassischen Elemente widmet, muß
eines Tages zum Herrn der Erde werden.
Das Gegenbild zu dieser Vision bildete die
Verschwörungstheorie des Weltjudentums. Dieses sah Hitler als
Urheber aller negativen Zeiterscheinungen, etwa des Ersten
Weltkriegs, der Niederlage darin, der Novemberrevolution und der
Inflation. Dabei identifizierte er das Judentum sowohl mit dem
„Finanzkapital“ in den USA als auch mit dessen weltpolitschem
Gegner, dem „Bolschewismus“. Dieser globalen Übermacht scheinbar
widersprechend betonte Hitler jedoch zugleich die absolute
Minderwertigkeit und unterlegene Abhängigkeit der Juden von
ihren arischen „Wirtsvölkern“ und beschrieb sie als Schmarotzer,
Parasiten, Bazillen, Blutegel, Spaltpilze, Ratten usw. In allen
seinen Erscheinungsformen strebe das Judentum die „Zersetzung“,
„Bastardisierung“ und „Blutvergiftung“ des deutschen Volkes an:
etwa durch Prostitution, Verbreitung von Geschlechtskrankheiten,
Verführung ahnungsloser arischer Mädchen. Dieses pornografische
Bild zu propagieren wurde Hauptaufgabe des eigens dazu
gegründeten Hetzblattes Der Stürmer des Gauleiters von Franken,
Julius Streicher.
Im zweiten Band von Mein Kampf sprach Hitler zuletzt
auch die Idee einer stellvertretenden, präventiven
Judenvernichtung offen aus:
- Hätte man zu Kriegsbeginn und während des Krieges
zwölf- oder fünfzehntausend dieser hebräischen
Volksverderber so unter Giftgas gehalten, wie
hunderttausende unserer allerbesten deutschen Arbeiter aus
allen Schichten und Berufen es im Felde erdulden mussten,
dann wäre das Millionenopfer an der Front nicht vergeblich
gewesen. Im Gegenteil: Zwölftausend Schurken zur rechten
Zeit beseitigt, hätte vielleicht einer Million ordentlicher,
für die Zukunft wertvoller Deutscher das Leben gerettet.
Diese Aufgabe künftig zu vollstrecken, dazu sah Hitler sich
von der „Vorsehung“ – so sein Ausdruck für Gott – bestimmt:
- Indem ich mich des Juden erwehre, erfülle ich das
Werk des Herrn.
Deshalb spricht der Historiker Saul Friedländer im Blick auf
die nationalsozialistische Bewegung und ihre unmittelbaren
Vorläufer von einem besonderen, über traditionelle christliche,
aber auch völkische und sozialdarwinistische Judenfeindschaft
hinausgehenden „Erlösungsantisemitismus“. (>Hier<
mehr zu der "NS-Bibel"!)
Führerkult und Führerstaat
In allen Staaten Europas gab es seit Beginn des 20.
Jahrhunderts starke Tendenzen zu autoritativen,
antidemokratischen Politikkonzepten, deren Akzeptanz sich nach
1918 auch aus Enttäuschung über die pluralistische Demokratie
und Massenelend speisten. Als „Führerkult“ ließ sich schon die
Verehrung des Herrschers in einer Monarchie, begründet etwa mit
der Idee des Gottesgnadentums, auffassen. Der Erste Weltkrieg
enttäuschte das Bild vom Heldenkaiser, verstärkte bei
Nationalisten aber noch die Sehnsucht nach dem heldischen
Führer. Zu einem parteipolitischen Konzept machte dies erst
der aufstrebende Faschismus: zuerst mit dem Duce Benito
Mussolini in Italien, dann dem Caudillo General Franco in
Spanien, aber auch im Kult um „Väterchen“ Stalin in der
Sowjetunion.
Anders als in Italien begann der Hitlerkult schon zehn Jahre
vor der Machtergreifung nach dem Hitlerputsch von 1923, aus
dessen Scheitern Hitler folgerte, dass die NSDAP eine straff
geführte Führerpartei sein müsse und er selbst zu Deutschlands
„Rettung“ bestimmt sei. Dem kam die Erwartung der Parteibasis an
ihn entgegen. Der deutsche Führerkult ging also mit der
Entwicklung der NSDAP zur Massenpartei einher und diente ihrer
Integration, Schlagkraft und Ausdehnung. Er wurde 1933 auch
nicht wie in Spanien oder Russland einer bestehenden
zentralisierten Militärdiktatur zu deren Absicherung
aufgepropft, sondern zum Organisationsprinzip eines durch
ersatzlose Gleichschaltung aller bestehenden Verwaltungs- und
Regierungsinstitutionen geschaffenen Führerstaates. Nach dem
Tode des Reichspräsidenten von Hindenburg (1934) wurde Hitler
als Führer und Reichskanzler auch oberster Befehlshaber
der Wehrmacht; seit 1938 trat auch das Regierungskabinett nicht
mehr zusammen.
Anders als in der Sowjetunion, die nach Stalins Tod noch
Jahrzehnte fortbestand, untergrub das Prinzip der
„charismatischen Führerpersönlichkeit“ (Max Weber), die die
rivalisierenden Kräfte in Staat und Partei durch ihren „Willen“
lenkte und orientierte, das selbständige Funktionieren der
Bürokratie in Deutschland. Denn der lange Zeit mit
Führererlassen und -Verordnungen direkt regierte Staat konnte
Kriegsniederlage und Tod Hitlers nicht mehr überdauern. Nach Ian
Kershaw stand und fiel der deutsche NS-Staat daher mit der
Person des Führers.
Weitere Merkmale und Entwicklungen
der NS-Ideologie
Weitere Hauptmerkmale des Nationalsozialismus waren:
- die zentrale Rolle von Propaganda und
Massen-Inszenierungen als Mittel zur Herrschaft und ihrer
Sicherung nach innen und außen.
- Totalitarismus: Zerschlagung der Demokratie,
Einparteienherrschaft, Aufhebung der Gewaltenteilung,
Instrumentalisierung aller politischen Kontrollinstanzen und
Medien, weitreichende Vollmachten für Geheimdienste und
Denunzianten, Polizeistaat
- Militarismus und Imperialismus: Schon während des
Aufstiegs der NSDAP wurden Waffenlager eingerichtet,
bewaffnete Schlägerbanden ausgebildet, die Straßengewalt
einübten, um politische Gegner einzuschüchtern. In den
Jahren der Weimarer Republik konzentrierte sich die
nationalsozialistische Propaganda zunächst auf den
Vertragsrevisionismus, also die Forderung nach
Wiederaneignung der infolge der deutschen Kriegsniederlage
verlorenen Gebiete und damit nach Aufhebung oder Bruch des
Versailler Vertrags. Dieser wurde als „Schmach von
Versailles“ oder „Versailler Schanddiktat“ diffamiert. Von
1933 an wurde Aufrüstung betrieben, zunächst geheim, dann
offen, und die vertraglichen Bindungen an Völkerbund und
Völkerrecht erst unterlaufen, dann gebrochen. Sobald die
Wehrmacht stark genug sein würde, plante Hitler gezielte
Angriffskriege zur Wiederherstellung und Erweiterung eines
auf militärische Machtentfaltung gebauten Großdeutschlands.
Dabei sollte ein Land nach dem anderen isoliert und einzeln
niedergekämpft werden. Das Endziel war nach Meinung einiger
Historiker die Eroberung des kontinentalen Festlands, der
Sowjetunion bis zur Linie Archangelsk–Uralgebirge–Kaukasus
sowie die Besiedelung dieser Gebiete durch die Deutschen,
andere Forscher glauben Belege dafür zu haben, dass Hitler
die (utopische) Weltherrschaft anstrebte. Die Herrschaft
über die besetzten Gebiete sollte durch Vertreibung
unerwünschter Bevölkerungsgruppen gestärkt werden.
- Der „Blut-und-Boden-Mythos“, die Verherrlichung des
Bauernstandes (des „Nährstands“). Viele Nationalsozialisten
lehnten die Verstädterung und die zunehmende
Industrialisierung ab und sehnten sich nostalgisch nach
einem Land, das wie eh und je von Bauern bestellt wurde.
Auch Heinrich Himmler hatte solche Gedanken, als er
vorschlug, die eroberten Gebiete der Sowjetunion mit Bauern
zu besiedeln, die zugleich Soldaten („Wehrbauern“) sein
sollten. Russen, Ukrainer und Polen sollten die
Landarbeiter, das Hauspersonal, die Bauarbeiter oder die
Hilfsarbeiter stellen.
- Männerherrschaft und Männlichkeitskult, also
Propagierung von Werten wie Tapferkeit und soldatischer
Härte. „Weibliche Werte“ werden bei Männern als Feigheit,
Krankheit und „Zersetzung der Wehrkraft“ denunziert.
- Verschwörungstheorie: Die wahnhafte Idee, das
internationale Judentum hätte sich verschworen, um die
Weltherrschaft zu erringen, wird von verschiedenen
Historikern
als Kern des Nationalsozialismus angesehen. Diese
Verschwörungstheorie tritt bereits in einem 1924 von
Dietrich Eckart veröffentlichten Gespräch mit Hitler zu
Tage, in dem eine ungebrochene Kontinuität der angeblichen
jüdischen Machenschaften vom zweiten vorchristlichen
Jahrtausend an behauptet wird.
In der Bildsprache der nationalsozialistischen Propaganda,
etwa in den Wahlplakaten vor 1933 oder in den Karikaturen
des Stürmer wurde „der“ Jude regelmäßig in
verschwörungstheoretischen Metaphern wie dem Drahtzieher
hinter den Kulissen des Weltgeschehens oder der
weltumspannenden Krake oder Spinne dargestellt. Und während
des Kriegs gegen die Sowjetunion begründete die Wehrmacht
die Unmsetzung der verbrecherischen Befehle wie des
Kommissarbefehls oder des Kriegsgerichtsbarkeitserlasses
verschwörungstheoretisch mit der These vom Jüdischen
Bolschewismus: Hinter dem Sowjetsystem stehe in Wahrheit das
Judentum. So wies General von Manstein am 20. November 1941
seine Truppen an, „Verständnis“ aufzubringen für die
„harte Sühne am Judentum“:
-
- „Das Judentum bildet den Mittelsmann zwischen dem
Feind im Rücken und den noch kämpfenden Resten der Roten
Armee und der Roten Führung ... Das
jüdisch-bolschewistsische System muß ein für allemal
ausgerottet werden.“
Verhältnis zum Kapitalismus
Theorie vor und Praxis nach 1933
Die geforderte „Brechung der Zinsknechtschaft“ stand für eine
antikapitalistische Ausrichtung der NSDAP. Das „raffende“ (böse)
Kapital manifestiere sich symbolisch in Großbanken, Börsen- und
Bodenspekulationen. Diese setzten die Nationalsozialisten
wiederum mit dem Judentum gleich, so dass ihr Antikapitalismus
auch Ausdruck ihres Antisemitismus war.
Die Alternative, der „nationale Sozialismus“, wurde als
„Volksgemeinschaft“ definiert. Diese wurde als „Einheit von Volk
und Staat“ unter der einheitlichen NS-Ideologie und einem
„starken Staat“, gelenkt von einem „Führer“, verstanden. Die
Einordnung aller Staatsbürger in die Arbeitspflicht und die
rassisch definierten nationalen Interessen ließ offen, ob dazu
die Produktionsverhältnisse umgestürzt werden sollten: Dieses
Stichwort fehlte im 25-Punkte-Programm. Als Gegenkonzept zur
Leitidee der internationalen klassenlosen Gesellschaft im
Marxismus, aber auch zur individuelle Freiheiten schützenden
pluralen und parlamentarischen Sozialdemokratie gedacht,
unterschied es die NSDAP von den damaligen Programmen aller
sozialistischen Parteien.
Die Realisierung der „Brechung der Zinsknechtschaft“ wurde
nicht näher erklärt. Auch Hitler nahm in „Mein Kampf“ keine
Stellung dazu. Er beschrieb die Mängel des Kapitalismus nicht
wissenschaftlich-analytisch, sondern klischeehaft als
Degeneration des preußischen, von geistigen Ideen geleiteten
Staates durch einen Aufstieg des „Götzen Mammon“ und der
„Bankjuden“, deren „materialistische“ Einstellung die
Gesellschaft „durchseucht“ habe.
Zwar vertraten Nationalsozialisten wie Otto und Gregor
Strasser sowie Joseph Goebbels sozialistische Forderungen wie
z. B. die Verstaatlichung der Banken und der Produktionsmittel.
Dem steht jedoch Hitlers Bekenntnis zum Privateigentum
gegenüber, das er schon 1919 privat vertrat
und 1926 im Hamburger Industrieklub öffentlich ablegte.
Erst 1931, auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise, forderte
die NSDAP staatliche Arbeitsbeschaffungsprogramme, die sie aus
dem Programm der SPD übernahm. Sie sollten die Arbeiterschaft
als NSDAP-Wähler anwerben, wurden nach 1933 aber zum Teil
tatsächlich umgesetzt: vor allem von Fritz Todt und Hjalmar
Schacht.
Doch zuvor zerschlug das NS-Regime die organisierte
Arbeiterbewegung in Form der Linksparteien und der
Gewerkschaften. Die rassische Volksgemeinschaft unter Führung
einer einzigen Partei konnte marxistische und kommunistische
Gruppen und Ziele nicht neben sich dulden, sondern betrachtete
diese innenpolitisch als Hauptgegner, so wie außenpolitsch der
Bolschewismus der Hauptfeind war. Dem „internationalen
Finanzjudentum“ sollte kurz darauf durch den Judenboykott der
erste Schlag versetzt werden. Die angestrebte Autarkie einer
„deutschen“, vom Ausland unabhängigen Wirtschaft ließ sich
jedoch mit der Verdrängung von Juden aus dem Wirtschaftsleben
nicht erreichen. Im Zuge der Umstellung auf eine
Kriegswirtschaft wurden planwirtschaftliche und
staatsinterventionistische Elemente bei gleichzeitiger
Beibehaltung der Großbanken, der privatwirtschaftlichen Groß-
und Rüstungsindustrie immer bestimmender.
Forschungsansätze
Das Verhältnis von Nationalsozialismus und Kapitalismus wird
daher seit 1933 sehr verschieden beurteilt. Der deutsche
Soziologe Max Horkheimer vertrat 1939 noch vor Kriegsbeginn die
bekannte marxistische Position:
Wer vom Kapitalismus nicht reden will, soll vom Faschismus
schweigen.
Dem stellte etwa Ludwig von Mises 1947 die Gegenposition
gegenüber: The
philosophy of the Nazis, the German National Socialist Labour
Party, is the purest and most consistent manifestation of the
anticapitalistic and socialistic spirit of our age. („Die
Ideologie der Nazis, der deutschen Nationalsozialistischen
Arbeiterpartei, ist die reinste und konsistenteste
Manifestation unseres antikapitalistischen und sozialistischen
Zeitgeistes.“)
Nach dem Ende des Kalten Krieges wurden die von ideologischen
Vorgaben dominierten älteren Faschismustheorien zunehmend
differenziert. Neuere historischen Forschungen untersuchen das
Verhältnis von Nationalsozialismus zu Kapitalismus auf drei
Ebenen:
- als Frage nach den Finanzquellen der NSDAP und den
Kreisen, die Hitler an die Macht brachten,
- als Frage nach der Bedeutung antikapitalistischer
Elemente für die Ideologie der Nationalsozialisten,
- als Frage nach der tatsächlichen Wirtschaftspolitik des
NS-Regimes 1933–1945. Dabei werden zum einen staatliche
Maßnahmen, zum anderen deren privatwirtschaftliche
Nutznießer untersucht.
Finanzquellen der NSDAP
Marxisten sehen die Spendenpraxis deutscher Industrieller wie
Fritz Thyssen und Emil Kirdorf und die Industrielleneingabe vom
November 1932, die Reichspräsident Paul von Hindenburg
aufforderte, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen, meist als
Belege für die Verantwortung der Großindustrie für die
Machtübergabe an Hitler. Der ostdeutsche Historiker Eberhard
Czichon etwa meinte deshalb, dass „eine Mehrheitsgruppe
deutscher Industrieller, Bankiers und Großagrarier Hitlers
Kanzlerschaft gewollt und organisiert“ habe.
Sein westdeutscher Kollege Reinhard Neebe betonte dagegen,
dass die meisten deutschen Unternehmer und ihr Dachverband, der
Reichsverband der Deutschen Industrie, nicht Hitler, sondern die
Vorgängerregierungen von Heinrich Brüning, Franz von Papen und
Kurt von Schleicher unterstützten.
Diese Sicht untermauerte der US-amerikanische Historiker Henry
Ashby Turner mit Untersuchungen, wonach die NSDAP ihre
Finanzmittel nicht vorwiegend aus Industriespenden, sondern
Mitgliedsbeiträgen und Eintrittsgeldern bezog. Die Großindustrie
habe ihr immer deutlich weniger Geld zukommen lassen als ihren
Konkurrenten DNVP (Deutschnationale Volkspartei.
Gründung 1918. Auflösung 27. Juni 1933), DVP
(Deutsche Volkspartei, die 1918 die Nachfolge der
Nationalliberalen Partei antrat) und Zentrum. Sie habe sich damit auch nur
für den unerwünschten Fall einer NS-Machtergreifung absichern
wollen. Die
Großunternehmer gelten daher heute kaum noch als
Hauptverursacher des Aufstiegs der Nationalsozialisten und der
Machtübergabe an Hitler.
Antikapitalismus in der
NS-Ideologie
Die Frage nach der Rolle des Antikapitalismus in der
NS-Ideologie wird aufgrund der widersprüchlichen Quellen sehr
verschieden beurteilt und die Widersprüche werden verschieden
aufgelöst:
- Man interpretiert Hitlers Äußerungen zu
Wirtschaftsfragen als rein opportunistisch, d.h. dass er
über keine konsistenten ökonomischen Überzeugungen verfügt
habe, sondern immer nur seinem Publikum nach dem Munde
geredet habe.
- Man verweist auf die schrittweise Ausschaltung des
sozialistischen Parteiflügels zwischen 1930 und 1934 und
deutet die antikapitalistischen Töne als verkappten
Antisemitismus.
- Der Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von
Hayek begreift den Nationalsozialismus nicht als Entartung
von Nationalismus und Kapitalismus, sondern hebt vielmehr
die Gemeinsamkeiten von Nationalsozialismus,
Sowjetkommunismus und englischem Sozialismus hervor. Hayek
zeigt auf, dass wirtschaftliche Freiheit und politische
Freiheit untrennbar sind.
- Henry A. Turner kommt zu dem Ergebnis, dass Hitler das
„liberale Konkurrenzprinzip“ und auch das Privateigentum
durchaus bejaht habe, wenn auch nur, „weil er sie in
durchaus entstellter Weise in seine sozialdarwinistische
Sicht des innerstaatlichen Wirtschaftslebens einbauen
konnte“.
- Dass der Nationalsozialismus dem Liberalismus nahe stand
oder ihn begünstigte war die Meinung des katholischen
Widerstandskämpfers Nikolaus Groß
und des
Historikers Ralf Ptak.
- Rainer Zitelmann dagegen versteht Hitler als
„Revolutionär“, dem die Verbesserung der Aufstiegschancen
der Arbeiter, soweit sie seinen Rassevorstellungen
entsprachen, ein ehrliches Anliegen gewesen sei. Dabei sei
es ihm nicht „um die Ermöglichung der bestmöglichen
Entfaltung des Individuums, sondern um die Optimierung des
Nutzens für die deutsche Volksgemeinschaft“ gegangen.
Gegenüber der Wirtschaft habe er einen „Primat der Politik“
angestrebt, der „auf eine Revolutionierung des Verhältnisses
von Politik und Ökonomie“ hinausgelaufen sei:
- Anstelle des kapitalistischen Wirtschaftssystems
wollte Hitler eine gemischte Wirtschaftsordnung etablieren,
in welcher markt- und planwirtschaftliche Elemente zu einer
neuen Synthese vereint wären.
Wenn auch Hitlers oberstes Ziel „seine sozialdarwinistische
Idee vom ewigen Kampf und das völkische Prinzip“ gewesen sei,
sei die „vom Nationalsozialismus ausgelöste soziale Revolution,
deren Inhalt die Modernität war“, durchaus ernst zu nehmen.
Gegen diese These wandten etwa Wolfgang Wippermann und
Michael Burleigh indirekt ein, dass sie den rassistischen und
damit reaktionären Charakter des NS-Regimes über Gebühr
herunterspiele.
Der Berliner Wirtschaftshistoriker Albrecht Ritschl, der in der
Kontroverse eine vermittelnde Position einnimmt, macht dagegen
auf Äußerungen Hitlers aufmerksam, die er im März 1942 im Kreise
seiner Adjutanten machte, d.h. ohne Zwang, seine wahren
Ansichten zu kaschieren. Hitler wandte sich hier grundsätzlich
„gegen anonymen Privatbesitz der Aktie. Ohne selbst etwas dazu
zu tun, erhalte der Aktionär mehr Dividende, wenn die Arbeiter
der Aktiengesellschaft fleißig statt faul seien oder wenn ein
genialer Ingenieur an der Spitze des Betriebs stehe“.
Demnach wäre die häufige Ablehnung eines „raffenden“ im
Gegensatz zum lobenswerten „schaffenden Kapitalismus“ von ihm
durchaus ernst gemeint gewesen.
Wirtschaftspolitik des NS-Regimes
Für die von 1933 bis 1945 praktizierte Wirtschaftspolitik des
NS-Regimes sind die Befunde ebenfalls widersprüchlich. Auf der
einen Seite steht das faktische Lohndumping, denn die Löhne
blieben in vielen Sektoren auf ihrem Niedrigststand der
Weltwirtschaftskrise; auch die Reprivatisierung der in der
Bankenkrise 1931 de facto verstaatlichten Großbanken spricht
eher für eine prokapitalistische Haltung der Regierung, ebenso
die massiven Profitmöglichkeiten, die sich mehreren Unternehmen
in den nach 1939 eroberten Gebieten boten. Die Arbeiten u.a. von
Avraham Barkai, Timothy Mason und Dieter Petzina dagegen zeigen,
dass die dirigistischen Eingriffe in die Wirtschaft unter
Reichsbankpräsident Hjalmar Schachts „Neuem Plan“ (1934), unter dem Vierjahresplan (1936)
und vollends die Kriegswirtschaft unter Rüstungsminister Albert
Speer (ab 1942) vom freien Unternehmertum der Weimarer Jahre
wenig übrig ließen. Der Historiker Klaus Hildebrand fasst den
Stand der Forschung in Oldenbourg "Grundriss der Geschichte"
zusammen:
- Zwar blieben die Betriebe in privaten Händen der
Unternehmer, ohne Zweifel stiegen auch die finanziellen
Erträge aus der Rüstungskonjunktur. Doch wurde das für eine
kapitalistische Wirtschaft verbindliche Prinzip der
Zweck-Mittel-Rationalität im Banne der Rüstungsanforderungen
und des Autarkieprinzips auf Befehl Hermann Görings mehr und
mehr außer Kraft gesetzt.
Gestützt wird diese These von aktuellen ordnungstheoretischen
Untersuchungen: Markus Albert Diehl kommt zu dem Ergebnis:
- Die deutsche Wirtschaftsordnung unter der
nationalsozialistischen Herrschaft entfernte sich immer
weiter vom Idealtyp der Marktwirtschaft und entsprach
schließlich weitgehend dem Idealtyp der
Zentralplanwirtschaft.
- (Dissertation von Diehl: "Von der
Marktwirtschaft zur nationalsozialistischen
Kriegswirtschaft". Die Transformation der deutschen
Wirtschaftsordnung 1933-1945 -- Beiträge zur Wirtschafts- und
Sozialgeschichte 104 --. Steiner-Verlag, Stuttgart 2005. 195
Seiten;
Rezensionen aus dem Archiv für Sozialgeschichte online)
Der Nationalsozialismus als
politische Religion
Ob und wieweit auch religiöse Elemente für die
nationalsozialistische Ideologie konstitutiv waren, ist in der
historischen Forschung umstritten. Verschiedene Strömungen in
der NSDAP reichten vom Atheismus und Nihilismus über
Bestrebungen eines rassistischen
Neopaganismus bis zur Bejahung oder taktischen Vereinnahmung
eines „positiven Christentums“ (siehe dazu Kirchen und
Religionsgemeinschaften im Nationalsozialismus, Deutsche
Christen und Kirchenkampf). Dass Elemente der NS-Propaganda,
etwa der Führerkult, religionsähnliche Züge trugen, wurde oft
beobachtet. Auf den Reichsparteitagen wurde der
Nationalsozialismus zelebriert, was durch den Film Triumph
des Willens der Regisseurin Leni Riefenstahl besonders
herausgearbeitet und verstärkt wurde. Das Verhältnis des
Nationalsozialismus zur christlichen Religion blieb daher auch
zwiespältig. Einerseits gab es den Versuch, mit der evangelische
Kirche ein „Deutsches Christentum“ zu begründen.
Andererseits aber gab es antichristliche Elemente bei Alfred
Rosenberg und eine völlige Abwendung vom Christentum durch die
Bezugnahme auf germanische Mythologie, Okkultismus, Hinduismus
und Buddhismus durch Heinrich Himmler, den Reichsführer SS. Die
bereits bei Rosenberg vorhandenen Bezugspunkte zu Indien wurden
in den SS-Einrichtungen wie den „Ordensburgen“ (die Himmler als
Elite des Systems verstand) ausgebaut. Esoterische Lehren mit
deutlichen östlichen Einflüssen wurden teilweise von der SS
übernommen. Himmler betrieb auch eine Europäisierung der
Ideologie. Ein bekanntes Produkt dessen sind die
Freiwilligen-Einheiten der „Europäischen SS“ aus vielen Ländern.