Nationalsozialismus

wird als politische Religion eingestuft: »Händchen falten, Köpfchen senken und an Adolf Hitler denken. Er gibt uns täglich Brot, er hilft aus aller Not. Amen«, damaliges "reichsdeutsches" Kindergartengebet.


>Hier> zu einem ausführlichen Artikel zum 2. Weltkrieg

(von da zu: 1. Weltkrieg, Hitlers Lebenslauf, Festungshaft, Machtergreifung,

ferner:  NSDAP-Finanzierung,  Reicharbeitsdienst,

Jugendorganisationen, Vorsehung, Heil, Idole, HJ).

>Hier< zu den SS-Wirtschaftsunternehmen und vieles mehr.


>Hier< zum eigentlichen Inhaltsverzeichnis dieser Seite.

>Hier< einiges zu Konrad Adenauer (1. Bundeskanzler).

>Hier< zur CDU (Gründung, Leitsätze - BHE, Alt-NAZIS).

>Hier< zur Besessenheit ob Nazis oder Kirchgänger (aus

Die Nacht von Lissabon von Remark)

 


Die Nationalflagge des (Groß-)Deutschen (des III.) Reiches (1935–1945) mit NS-Hakenkreuz; heute u. a. in Deutschland, Österreich und der Schweiz verboten. Die Abbildung als „Berichterstattung über die Geschichte“ ist laut § 86 Absatz 3 des StGB jedoch nicht strafbar

 

 

Ausschnitt aus einem Bild von  11k2.wordpress.com/page/108/?pages-listDieses Hakenkreuz war Zugehörigkeitssymbol zur Partei der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP, kurz Nazis) - das Parteiabzeichen. Die Hakenkreuz-Armbinde wurde im Jahre 1920 von den frühen Nazis als „Kampfbinde“ eingeführt als Übernahme von der sogenannten Völkischen Bewegung, einer überwiegend männlichen und evangelisch-protestantischen Gefolgschaft (Klientel), vornehmlich bürgerlich, d.h. vom alten wie neuen Mittelstand geprägt.

 

In verschiedenen Gruppen des Neonazismus und des Rechtsextremismus leben nationalsozialistische Ideen und Ziele bis heute fort. Ihre Propaganda und politische Organisation – auch mit den damaligen Symbolen – gilt in der Bundesrepublik Deutschland als strafbare Volksverhetzung und in Österreich als strafbare Wiederbetätigung. In weiteren Staaten bestehen ähnliche Verbote.

 

Der Nationalsozialismus war (und ist immer noch) eine radikal antisemitische, antimarxistische, antidemokratische Weltanschauung und politische Bewegung, die in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg entstand. Seine in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) organisierten Anhänger gelangten unter  Adolf Hitler 1933 zur Herrschaft und errichteten eine totalitäre Diktatur, den „Führerstaat“ bzw. das „Dritte Reich“. Sie vollzogen die deutschen Eroberungskriege seit 1939, die den Zweiten Weltkrieg auslösten, und die Verbrechen des Holocaust. Hitler wurde katholisch getauft und blieb bis zu seinem Ende Katholik. (Eine ausgezeichnete Biographie gibt es bei Wikipedia.)

 

 Dieses Naziregime wäre ohne die Stimmen der katholisch Deutschen Zentrumspartei, d.h. ohne deren Zustimmung zum "Ermächtigungsgesetz", dem "Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich vom 24. März 1933", nicht zur absoluten Macht gelangt. Der Vorsitzender des katholischen Zentrums, Prälat Ludwig Kaas, begründete vor dem Deutschen Reichstag das „Ja“ seiner Partei zum „Ermächtigungsgesetz“:

„Die gegenwärtige Stunde kann für uns nicht im Zeichen der Worte stehen, ihr einziges, ihr beherrschendes Gesetz ist das der raschen, aufbauenden und rettenden Tat. Und diese Tat kann nur geboren werden in der Sammlung.
Die deutsche Zentrumspartei, die den großen Sammlungsgedanken schon seit langem und trotz aller vorübergehenden Enttäuschung mit Nachdruck und Entschiedenheit vertreten hat, setzt sich zu dieser Stunde, wo alle kleinen und engen Erwägungen schweigen müssen, bewusst und aus nationalem Verantwortungsgefühl über alle parteipolitischen und sonstigen Gedanken hinweg. […]
Im Angesicht der brennenden Not, in der Volk und Staat gegenwärtig stehen, im Angesicht der riesenhaften Aufgaben, die der deutsche Wiederaufbau an uns stellt, im Angesicht vor allem der Sturmwolken, die in Deutschland und um Deutschland aufzusteigen beginnen, reichen wir von der deutschen Zentrumspartei in dieser Stunde allen, auch früheren Gegnern, die Hand, um die Fortführung des nationalen Aufstiegswerkes zu sichern.“

Das war zwar ein schwerwiegende, ja fatale Fehleinschätzung gewesen. Klaas verließ Deutschland im Frühjahr 1933 und wurde im Vatikan aufgenommen. Sein Heimatland hat er nie mehr betreten. Erstaunlich, dass nach Ende der Hitler-Diktatur, die neu gegründeten Christlichen Parteien - man könnte fast sagen als Auffangbecken vieler Nazis - sogar führende "Persönlichkeiten", zumindest ehemalige NSDAP-Mitglieder ungeniert mit hohen Ämtern betrauten:

- Hans Josef Maria Globke (auch >hier<), Kommentator der "Nürnberger Rassegesetze" wurde 1953 unter Bundeskanzler Konrad Adenauer Chef des Bundeskanzleramts.

- Gerhard Schröder, ab 1. April 1933 Mitglied der NSDAP, wurde dann ab 20. Oktober 1953 Bundesinnenminister.

- Heinrich von Brentano di Tremezzo, ab 1932 Rechtsanwalt beim Oberlandesgericht Darmstadt, wurde 1943 als Staatsanwalt nach Hanau dienstverpflichtet und 1955 Außenminister.

- Reinhard Gehlen, General der Hitler-Wehrmacht, Leiter der "Abteilung Fremde Heere Ost (FHO)" des deutschen Generalstabs, gründete und leitete ab 1946 die "Organisation Gehlen", aus der 1956 der Bundesnachrichtendienst (BND) hervorging, dessen Präsident er wurde. - "Wer kannte die Kommunisten besser als ihre erbittertsten Feinde, die Nazis?" war Adenauers Argument zur Wiederbelebung vieler Nazis (mehr zu Adenauer >hier<), und "Gehlen hatte sich bereits im Mai 1945 mit seinem Stab, unter denen sich auch zahlreiche Veteranen von SS, SD und Gestapo befanden, sowie seinem gesamten Archiv den Amerikanern gestellt und ihnen seine Dienste angeboten. Einige dieser Leute wurden als Kriegsverbrecher gesucht und erhielten neue Identitäten und Papiere," ist unter obigem Link zu lesen.

- Franz Josef Strauß seit Ende November 1943 als Nationalsozialistischer Führungsoffizier (NSFO - zuständig für "die politisch-weltanschauliche Erziehungsaufgabe im nationalsozialistischen Sinn"),  1953 bis 1955 Bundesminister für besondere Aufgaben, von 1955 bis 1956 Bundesminister für Atomfragen, von 1956 bis 1962 Bundesminister der Verteidigung und von 1966 bis 1969 Bundesminister der Finanzen. Von 1978 bis zu seinem Tod 1988 amtierte er als (CSU-)Ministerpräsident des Freistaates Bayern.

- Hans Karl Filbinger war von 1966 bis 1978 war er Ministerpräsident des Bundeslandes Baden-Württembergs, von 1971 bis 1979 zudem Landesvorsitzender, von 1973 bis 1979 auch ein stellvertretender Bundesvorsitzender seiner Partei (Christlich Demokratischen Union). Als Richter während der Nazi-Zeit wurden vier ausgesprochene Todesurteile entdeckt, an denen Filbinger zumindest beteiligt gewesen war. Andere Akten waren - wie in solchen Fällen nicht selten - einfach verschwunden, so auch die des bereits nach dem Ende des Krieges von ihm angeblich ausgesprochenen Todesurteils über einen deutschen Matrosen, was von einem der bekanntesten Dramatikers, Rolf Hochhut in die Öffentlichkeit gebracht worden war. (An dieser Stelle sei vermerkt, dass viele ehemalige Nazi-Richter rasch nach dem Kriege wieder in Amt und Würden waren.)

- Kurt Georg Kiesinger, ehemaliges Nazi-Parteimitglied war von 1958 bis 1966 Ministerpräsident von Baden-Württemberg, von 1966 bis 1969 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und von 1967 bis 1971 Bundesvorsitzender der CDU.

- Heinrich Lübke, von 1959 bis 1969 der zweite Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, war im Nazi-Regime, war von 1939 bis 1945 Vermessungsingenieur und Bauleiter beim Architektur- und Ingenieurbüro Walter Schlempp (Architekt, Mitglied des Nazi-Studentenbundes und schon seit 1931 der NSDAP), das dem „Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt“ Berthold Konrad Hermann Albert Speer unterstand (einem der führenden Architekten und zentralen Organisatoren des Nationalsozialismus). Lübkes Unterschrift findet sich unter Bauzeichnungen von Konzentrationslagern (deren Echtheit jedoch angezweifelt wurde/wird). Aber immerhin war Herr Lübke kein "unbeschriebenes Blatt" zur Stützung des Nazi-Regimes, wie z.B. zeitweise als Bauleiter in der Heeresversuchsanstalt Peenemünde, wo Raketen und Flugbomben entwickelt und gebaut wurden.

- Friedrich-Wilhelm Lübke (älterer Bruder des oben genannten Herrn) war von 1951 bis 1954 Ministerpräsident und Landesvorsitzender der CDU des Landes Schleswig-Holstein. Zur Nazi-Zeit war er beim Oberkommando der Marine als Dienststellenleiter in Aarhus (Arenhausen zu deutsch) in Dänemark.

 

Liste der "Nazi-Größen", die nach dem Ende der Nazi-Zeit wieder Fuß fassen konnten >hier<

 

Wenn auch die Herrschaft des Verbrechens im "3. Reich" unter Führung von Adolf Hitler am 8. Mai 1945 nach der erzwungenen, bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht zu Ende gegangen war, fanden US-amerikanische Untersuchungen heraus, dass danach immerhin noch etwa 80% der Deutschen die Nazi-Ideologie hofierten, d.h. schönredeten. Jahre später konnte man (auch ich - Walter Rath - als Autor dieser Internetbuch-Seiten) noch hören: "Wenn das unser Führer gewusst hätte..." Die Idolisierung, also schwärmerischer Verehrung (Idolatrie: griechisch die Bilderverehrung) einer in der Öffentlichkeit gesehenen Person - Schauspieler bis zu Königskindern, aber auch Kultfiguren vom Heiligen bis zum Gott oder zu Göttern entspricht einem menschlichen Bedürfnis.
 

Auch heutzutage noch sind Herrscher, insbesondere Herren in "demokratischen" Spitzenpositionen, gleich welcher Parteizugehörigkeit oder in der Wirtschaft nur dann bestens akzeptiert, wenn sie Charisma haben [griechisch: »Gnadengabe«]. © 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG sagt dazu: dass als charismatisch, "eine als nicht alltäglich, übernatürlich geltende Eigenart eines Menschen, um derentwillen er als übermenschlich, gottgesandt, vorbildlich und deshalb als Autorität oder Führerpersönlichkeit angesehen wird."
 

Leider sind diese charismatischen Führungspersönlichkeiten überwiegend dem psycho-/soziopatischen Personenkreis zuzuordnen (>hier<). Die bewunderten Herrscher haben selten Fach- und Sachkenntnisse, auf keinen Fall von Psychologie und Soziologie. Daher können sie Leitungen, Zuständigkeits- und Geschäftsbereiche einer Organisation, Firma oder Behörde, insbesondere eines Ministeriums wechseln wie die Hemden. Sie halten nichts von Mitbestimmung, Bürgerbegehren udgl. Die althergebrachte, universell verbreitete, institutionalisierte Form der Machtausübung, der sozialen Über- und Unterordnung haben sich kaum geändert. Ansätze sind weitgehend erstickt worden.
 

 

Inhaltsverzeichnis (stark angelehnt an Wikipedia)

Begriff „Nationalsozialismus“

Die Person Adolf Hitler gilt oft als

Inbegriff des Nationalsozialismus

Die Propagandabezeichnung „Nationalsozialismus“ (auch „Nationaler Sozialismus“) stammt aus der Programmatik der 1919 gegründeten Deutschen Arbeiterpartei (DAP), die ein Jahr später in NSDAP umbenannt wurde. Der Nationalsozialismus sollte einen völkisch-rassistischen Nationalismus mit einzelnen, dem Sozialismus entlehnten, antikapitalistischen Forderungen verbinden. Damit grenzte er sich von konservativen und linksgerichteten Parteien ab und bot ihren Wählerschichten – Arbeitern und Mittelstand – eine Alternative. Zudem stellten die Nationalsozialisten sich als „Bewegung“, nicht als Partei dar, um so Protestwähler und Politikverdrossene zu erreichen.

Heute bezeichnet der Begriff meist die besondere Ideologie Adolf Hitlers und seiner Gefolgschaft in der NSDAP. Dabei definierte Hitler die Begriffe Nationalismus und Sozialismus auf ungewöhnliche Art und Weise: Nationalismus nannte er die Hingabe des Individuums für seine Volksgemeinschaft, während er Sozialismus als Verantwortung der Volksgemeinschaft für das Individuum definierte. Besonders die Vergesellschaftung der Produktionsmittel, die ein Hauptziel originärer Sozialisten war und ist, lehnte Hitler entschieden ab.

Zudem wollten die Ideologen der NSDAP sich mit dem Begriff Nationalsozialismus vom italienischen Faschismus unterscheiden. Der Faschismusbegriff wurde jedoch vor allem in der Sowjetunion seit 1925, nach 1945 im ganzen Ostblock, aber auch in westdeutschen Forschungsansätzen, als gemeinsamer Oberbegriff für den Nationalsozialismus („Hitlerfaschismus“), den italienischen Faschismus und andere ihnen verwandte antikommunistische Ideologien, Regimes und Systeme verwendet.

Besonders in den USA, teilweise auch in der Bundesrepublik, wurde der Nationalsozialismus nach 1945 als eine Form von Totalitarismus begriffen. Die Totalitarismustheorie stellt ihn mit Ideologie und System des Stalinismus auf eine Ebene und betont deren gemeinsame Herrschaftsformen. Die verallgemeinernden Einordnungen als Faschismus und Totalitarismus werden in der Forschung kontrovers diskutiert, vielfach wird der Nationalsozialismus als eigenständiges und singuläres Phänomen betrachtet.

Der Begriff Nazismus ist die eingedeutschte Version des englischen Wortes nazism. Es wird in Deutschland jedoch kaum verwendet; als negativ besetztes Kurzwort dient oft der Begriff Nazi oder Neonazi für einen alten oder neuen Anhänger des Nationalsozialismus.

Siehe auch: Nationaler Sozialismus bei "Wikipedia" (auch die weiteren farbig hervorgehobenen und unterstrichenen Begriffe sind bei "Wikipedia" näher erklärt).

Entstehung

Das Gedankengebäude des Nationalsozialismus entstand nach dem Ersten Weltkrieg als Verschmelzung von Ideologemen und Zielen mehrerer älterer Gruppen aus der Völkischen Bewegung des Deutschen Kaiserreichs und der Österreich-Ungarischen Monarchie. Dazu gehörten u.a.

  • rassistische und okkulte, sektenartige Vereine, die, ausgehend von den österreichischen Ariosophen Guido von List und Lanz von Liebenfels seit 1900 gegründet worden waren: u.a. die Guido-von-List-Gesellschaft (1905) oder die Armanenschaft (gegründet 1907). Aus diesen stammten u.a. Runensymbole und das Hakenkreuz. Sie vertraten auch Ideen wie die „Menschenzucht“ von „Ariern“.
  • betont antisemitische, auf kommunaler Ebene überparteilich organisierte Vereine und Verbände, vor allem der Reichshammerbund von Theodor Fritsch. In seinem Umfeld hatte sich nach der Niederlage der Antisemitenparteien bei den Reichstagswahlen von 1912 auch ein Verband gegen die Überhebung des Judentums gegründet. Zum Reichshammerbund gehörte der geheime Germanenorden, aus dem 1918 die Münchner Thulegesellschaft hervorging. Aus ihrer Zeitschrift, dem Münchener Beobachter mit dem Hakenkreuz als Titelsymbol, wurde das Parteiorgan der NSDAP Völkischer Beobachter. Die Thulegesellschaft finanzierte die DAP, unterstützte in ihr Funktionäre wie Adolf Hitler und inszenierte 1923 den Hitler-Ludendorff-Putsch mit. Sie förderte so den Aufstieg der NSDAP von einer bayerischen Splitterpartei zu einer reichsweit organisierten Massenpartei.
  • radikal-nationalistische und imperialistische Verbände wie der 1891 gegründete Alldeutsche Verband. Er verstand sich unter Heinrich Claß als überparteiliche Sammlungsorganisation und vertrat die Erweiterung des deutschen „Lebensraums“ durch kriegerische Expansions- und Unterwerfungspolitik. Er gewann im Verlauf des Ersten Weltkriegs trotz geringer Mitgliederzahl großen publizistischen Einfluss und war Hauptinitiator der Judenzählung von 1916. Nach 1918 forderte er eine „nationale Diktatur“ gegen „Fremdvölkische“.
  • ältere antisemitische Verbände und Parteien wie der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband und die Deutschvölkische Partei, gegründet 1914 als Vereinigung zweier Antisemitenparteien. Sie vereinte sich im Kriegsverlauf mit dem Alldeutschen Verband. Auf dessen Initiative hin vereinten sich gegen Kriegsende aufgelöste mit neugegründeten völkischen Gruppen wie dem Deutsch-Österreichischen Schutzverein Antisemitenbund, der Deutschvölkischen Beamtenvereinigung und dem Bund völkischer Frauen zum Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund. Dieser hatte 1920 rund 200.000 Mitglieder in 600 Ortsgruppen, wurde aber nach dem Hitler-Ludendorff-Putsch verboten. Nach der Wiederzulassung der NSDAP verlor er ihr gegenüber an Einfluss und wurde 1933 ganz aufgelöst.

Zu den geistig-politischen Wurzeln dieser Gruppen zählten der Rassismus, Militarismus und Imperialismus, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besonders im Kaiserreich und in Österreich verbreiteten und schubweise zunahmen. Das stärkste tragende Bindeglied ihrer heterogenen Ideologien war jedoch der Antisemitismus, der sich im Verlauf der Novemberrevolution von 1918 und in den Folgejahren zugleich als radikale Ablehnung der Weimarer Verfassung äußerte. Die Weimarer Republik wurde dort allgemein als von Novemberverbrechern geschaffene „Judenrepublik“ denunziert. Die Völkischen definierten ihre Weltanschauung als strikten Gegensatz zum Marxismus der Linksparteien, zum politischen Katholizismus der Zentrumspartei und zu ihrer Fiktion eines „Weltjudentums“.

Programmatik

25-Punkte-Programm

Der Nationalsozialismus bildete als Sammelbewegung völkischer, rassistischer und revisionistischer Gruppen zunächst keine konsistente Ideologie. Hans Frank erklärte daher später in den Nürnberger Prozessen, es habe „so viele Nationalsozialismen wie Nationalsozialisten“ gegeben. Doch das bei der Gründung der NSDAP 1920 beschlossene 25-Punkte-Programm sollte über seine praktische Erfüllung hinaus gelten, war also zugleich Ausdruck dauerhafter nationalsozialistischer Weltanschauung.

An erster Stelle standen außenpolitische Ziele. Aus dem „Zusammenschluss aller Deutschen... zu einem Groß-Deutschland“ mit Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker leitete Punkt 2 die Aufhebung des Versailler Friedensvertrages, Punkt 3 „Land und Boden (Kolonien) zur Ernährung unseres Volkes und Ansiedlung unseres Bevölkerungsüberschusses“ ab. Dem folgten innenpolitische Forderungen nach Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsteile durch eine rassistische Fremdengesetzgebung:

Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksichtnahme auf die Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein.

Daraus folgerte Punkt 6 den Ausschluss von Juden aus allen Staats- und Parteiämtern, Punkt 8 ein Einwanderungsverbot und sofortige Zwangsausweisung aller als „Nichtdeutsche“ definierten Personen, die seit 2. August 1914 eingewandert waren.

Die Leitidee der rassischen Volksgemeinschaft wurde also nach außen expansiv, nach innen als Entrechtung eines Teils der Deutschen ausformuliert. Dem folgten in Punkt 9-17 einige plakative und ressentimentgetränkte wirtschafts- und sozialpolitische Forderungen, die den Anspruch der Partei, die Interessen deutscher Arbeiter zu vertreten, zeigen sollten:

  • allgemeine Arbeitspflicht
  • „Abschaffung des Arbeits- und mühelosen Einkommens“
  • „Brechung der Zinsknechtschaft“
  • „Einziehung aller Kriegsgewinne“
  • „Verstaatlichung aller (bisher) bereits vergesellschafteten (Trusts) Betriebe“
  • „Gewinnbeteiligung an Großbetrieben“
  • „Ausbau der Altersversorgung“
  • „Schaffung eines gesunden Mittelstandes und seine Erhaltung“
  • „Kommunalisierung der Groß-Warenhäuser und ihre Vermietung zu billigen Preisen an kleine Gewerbetreibende“
  • „eine unentgeltliche Enteignung von Boden für gemeinnützige Zwecke“
  • „Abschaffung des Bodenzinses und Verhinderung jeder Bodenspekulation“.

Punkt 18 forderte die Todesstrafe für „gemeine Volksverbrecher, Wucherer, Schieber usw... ohne Rücksichtnahme auf Konfession und Rasse“: erneut ein deutlicher Hinweis auf die gemeinte Zielgruppe, die Juden. Punkt 19 forderte den Ersatz eines angeblich „materialistischen“ römischen Rechtes durch ein „deutsches Gemeinrecht“.

Der Idee einer Einheit von Volk und Staat folgten Forderungen nach staatlichem Ausbau der Volksbildung (20), „Hebung der Volksgesundheit“ durch „körperliche Ertüchtigung“ (21), Bildung eines „Volkesheeres“ (22). Die angestrebte Abschaffung der Pressefreiheit und Einführung von Pressezensur wurde als „gesetzlicher Kampf gegen die bewußte politische Lüge und ihre Verbreitung“ (23) bemäntelt. Indem nur „Volksgenossen“ Zeitungsredakteure und Verlagseigentümer sein sollten, zeigte sich auch hier ein antisemitischer Impuls: Der Topos von der „jüdischen Weltpresse“ war unter Antisemiten seit langem üblich. Zugleich sollte auch Kunst und Kultur von dem „zersetzenden Einfluß auf unser Volksleben“ gereinigt werden: Dem entsprach die NS-Kulturpolitik gegen die Entartete Kunst.

Im scheinbaren Widerspruch dazu bekräftigte Punkt 24 die Religionsfreiheit „im Staat“, allerdings nur, „soweit sie nicht dessen Bestand gefährden oder gegen das Sittlichkeits- und Moralgefühl der germanischen Rasse verstoßen.“ Mit dem Bekenntnis zu einem „positiven Christentum“ ohne Bindung an eine bestimmte Konfession, aber in einheitlicher Frontstellung gegen einen „jüdisch-materialistischen Geist in und außer uns“ war eine Voraussetzung für den späteren Kirchenkampf genannt. Die spätere antichristliche Einstellung der SS widersprach diesem Programmpunkt offensichtlich.

Das Programm gipfelte in der Parole „Gemeinnutz vor Eigennutz“ und der Forderung nach einer „starken Zentralgewalt des Reiches“, deren in „unbedingter Autorität“ erlassene „Rahmengesetze“ neugebildete Stände- und Berufskammern in den Bundesstaaten durchführen sollten. Damit deutete sich die spätere Gleichschaltungspolitik gegenüber föderalen Institutionen schon an. Die Parteiführer würden „wenn nötig unter Einsatz des eigenen Lebens“ für die Programmverwirklichung eintreten.

Während die außen- und innenpolitischen Hauptforderungen in Punkt 1-8 präzise und konkret formuliert waren und tatsächlich ab 1933 staatlich großenteils umgesetzt wurden, blieben viele der wirtschafts- und kulturpolitischen Forderungen in Punkt 9-20 vage (11), unklar (13), skurril (etwa die Behauptung eines „römischen“ Rechts in Punkt 19) oder praktisch unrealisierbar (etwa der „Einzug aller Kriegsgewinne“ in Punkt 14). Diese Unklarheiten führten zu einer teilweise heftigen internen Ideologiedebatte und verschiedenen Wirtschaftsprogrammen. Otto Wagener etwa forderte die Unterstützung des Mittelstandes, Richard Walther Darré die der Bauern, Gottfried Feder verlangte die von ihm erfundene „Brechung der Zinsknechtschaft“. Hitler trug diesem Streit als Parteiführer später zum Teil Rechnung, indem er einige Programmforderungen revidierte, reduzierte oder ignorierte. 1928 reduzierte er die angekündigte Bodenreform auf Enteignung „jüdischer“ Bodenspekulationsgesellschaften. Wie die „Zinsknechtschaft gebrochen“ werden sollte, ließ er jedoch offen.

„Mein Kampf“

In Mein Kampf (>hier<) bekräftigte Hitler vor allem die außen- und bevölkerungspolitischen Ziele des NSDAP-Programms, allen voran den Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Im Unterschied zum Kaiserreich, das mit dem britischen Weltreich als Kolonialmacht in Afrika und Fernasien zu konkurrieren versuchte, wollte Hitler Lebensraum nicht in Westeuropa und in Übersee, sondern in Osteuropa gewinnen. Damit schloss er sich wahrscheinlich geopolitischen Theorien von Rudolf Kjellén, Halford Mackinder und Karl Haushofer an, die die Eroberung und Beherrschung der Landmasse von „Eurasien“ als Schlüssel zur Weltherrschaft sahen. Auch der mittelalterliche Mythos mancher Ordensritter von einem deutschen „Drang nach Osten“ stand hinter dieser Idee.

Dabei dachte Hitler an „Russland und die ihm untertanen Randstaaten“. Um sie zu erobern, wollte er zuerst den Versailler Vertrag revidieren, dann Frankreich mit Hilfe eines Bündnisses mit Großbritannien und Italien isolieren, später ganz vernichten. Damit revidierte er Punkt 3 des NSDAP-Programms: Das Erobern von Kolonien würde England zu Protesten herausfordern. Dessen Kolonialmacht müsse Deutschland garantieren, dann würden die Briten es auf dem Kontinent gewähren lassen. Polen erwähnte Hitler hier nicht, auch die USA und Japan kamen nur am Rande vor. Diese Prioritäten waren gegenüber den Vorlieben kaiserlicher Imperialisten neu.

Zur Wirtschaftspolitik äußerte sich Hitler in Mein Kampf nur auf fünf Seiten. Den Punkt der Volksgesundheit dagegen führte er breit aus und brachte dabei den auch die wirtschafts- und kulurpolitischen Vorstellungen tragenden Rassismus der NS-Ideologie deutlich zur Geltung. Seine beiden untrennbar miteinander verknüpften Grundgedanken waren

  • die These von höheren und niederen Rassen, die miteinander im Kampf liegen
  • die These, dass eine „Rassenvermischung“ schädlich für die höhere Rasse sei und diese unweigerlich schwäche und langfristig auflöse.

Diese Axiome hatten Sozialdarwinisten und Rassetheoretiker des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wie Francis Galton, Ernst Haeckel, Alfred Ploetz, Wilhelm Schallmayer begründet. Neu war nur, dass „Rassenhygiene“ erstmals zum umfassenden politischen Programm gemacht wurde. Hitler sah die „Arterhaltung“ als Hauptaufgabe des Staates und folgerte, dass dieser die „unvermischten Bestände an nordisch-germanischen Menschen“ im deutschen Volk konsequent schützen und so „langsam aber sicher zur beherrschenden Stellung emporführen“ müsse. Der starke Führerstaat müsse „den Sieg des Besseren, Stärkeren“ und die Unterordnung des „Schlechteren und Schwächeren“ fördern. Dies bedeutete konkret etwa Zwangssterilisation von Behinderten und Erbkranken, zugleich Kindergeld, billige Wohnungen und materielle Vergünstigungen für „deutsche Familien“. Die „Träger höchster Rassenreinheit“ sollten ein „Siedlungsattest“ erhalten und in noch zu erobernden „Randkolonien“ angesiedelt werden. Hitler betonte am Schluss nochmals seine Zielvorstellung:

Ein Staat, der sich im Zeitalter der Rassenvergiftung der Pflege seiner besten rassischen Elemente widmet, muß eines Tages zum Herrn der Erde werden.

Das Gegenbild zu dieser Vision bildete die Verschwörungstheorie des Weltjudentums. Dieses sah Hitler als Urheber aller negativen Zeiterscheinungen, etwa des Ersten Weltkriegs, der Niederlage darin, der Novemberrevolution und der Inflation. Dabei identifizierte er das Judentum sowohl mit dem „Finanzkapital“ in den USA als auch mit dessen weltpolitschem Gegner, dem „Bolschewismus“. Dieser globalen Übermacht scheinbar widersprechend betonte Hitler jedoch zugleich die absolute Minderwertigkeit und unterlegene Abhängigkeit der Juden von ihren arischen „Wirtsvölkern“ und beschrieb sie als Schmarotzer, Parasiten, Bazillen, Blutegel, Spaltpilze, Ratten usw. In allen seinen Erscheinungsformen strebe das Judentum die „Zersetzung“, „Bastardisierung“ und „Blutvergiftung“ des deutschen Volkes an: etwa durch Prostitution, Verbreitung von Geschlechtskrankheiten, Verführung ahnungsloser arischer Mädchen. Dieses pornografische Bild zu propagieren wurde Hauptaufgabe des eigens dazu gegründeten Hetzblattes Der Stürmer des Gauleiters von Franken, Julius Streicher.

Im zweiten Band von Mein Kampf sprach Hitler zuletzt auch die Idee einer stellvertretenden, präventiven Judenvernichtung offen aus:

Hätte man zu Kriegsbeginn und während des Krieges zwölf- oder fünfzehntausend dieser hebräischen Volksverderber so unter Giftgas gehalten, wie hunderttausende unserer allerbesten deutschen Arbeiter aus allen Schichten und Berufen es im Felde erdulden mussten, dann wäre das Millionenopfer an der Front nicht vergeblich gewesen. Im Gegenteil: Zwölftausend Schurken zur rechten Zeit beseitigt, hätte vielleicht einer Million ordentlicher, für die Zukunft wertvoller Deutscher das Leben gerettet.

Diese Aufgabe künftig zu vollstrecken, dazu sah Hitler sich von der „Vorsehung“ – so sein Ausdruck für Gott – bestimmt:

Indem ich mich des Juden erwehre, erfülle ich das Werk des Herrn.

Deshalb spricht der Historiker Saul Friedländer im Blick auf die nationalsozialistische Bewegung und ihre unmittelbaren Vorläufer von einem besonderen, über traditionelle christliche, aber auch völkische und sozialdarwinistische Judenfeindschaft hinausgehenden „Erlösungsantisemitismus“. (>Hier< mehr zu der "NS-Bibel"!)

Führerkult und Führerstaat

In allen Staaten Europas gab es seit Beginn des 20. Jahrhunderts starke Tendenzen zu autoritativen, antidemokratischen Politikkonzepten, deren Akzeptanz sich nach 1918 auch aus Enttäuschung über die pluralistische Demokratie und Massenelend speisten. Als „Führerkult“ ließ sich schon die Verehrung des Herrschers in einer Monarchie, begründet etwa mit der Idee des Gottesgnadentums, auffassen. Der Erste Weltkrieg enttäuschte das Bild vom Heldenkaiser, verstärkte bei Nationalisten aber noch die Sehnsucht nach dem heldischen Führer. Zu einem parteipolitischen Konzept machte dies erst der aufstrebende Faschismus: zuerst mit dem Duce Benito Mussolini in Italien, dann dem Caudillo General Franco in Spanien, aber auch im Kult um „Väterchen“ Stalin in der Sowjetunion.

Anders als in Italien begann der Hitlerkult schon zehn Jahre vor der Machtergreifung nach dem Hitlerputsch von 1923, aus dessen Scheitern Hitler folgerte, dass die NSDAP eine straff geführte Führerpartei sein müsse und er selbst zu Deutschlands „Rettung“ bestimmt sei. Dem kam die Erwartung der Parteibasis an ihn entgegen. Der deutsche Führerkult ging also mit der Entwicklung der NSDAP zur Massenpartei einher und diente ihrer Integration, Schlagkraft und Ausdehnung. Er wurde 1933 auch nicht wie in Spanien oder Russland einer bestehenden zentralisierten Militärdiktatur zu deren Absicherung aufgepropft, sondern zum Organisationsprinzip eines durch ersatzlose Gleichschaltung aller bestehenden Verwaltungs- und Regierungsinstitutionen geschaffenen Führerstaates. Nach dem Tode des Reichspräsidenten von Hindenburg (1934) wurde Hitler als Führer und Reichskanzler auch oberster Befehlshaber der Wehrmacht; seit 1938 trat auch das Regierungskabinett nicht mehr zusammen.

Anders als in der Sowjetunion, die nach Stalins Tod noch Jahrzehnte fortbestand, untergrub das Prinzip der „charismatischen Führerpersönlichkeit“ (Max Weber), die die rivalisierenden Kräfte in Staat und Partei durch ihren „Willen“ lenkte und orientierte, das selbständige Funktionieren der Bürokratie in Deutschland. Denn der lange Zeit mit Führererlassen und -Verordnungen direkt regierte Staat konnte Kriegsniederlage und Tod Hitlers nicht mehr überdauern. Nach Ian Kershaw stand und fiel der deutsche NS-Staat daher mit der Person des Führers.

Weitere Merkmale und Entwicklungen der NS-Ideologie

Weitere Hauptmerkmale des Nationalsozialismus waren:

  • die zentrale Rolle von Propaganda und Massen-Inszenierungen als Mittel zur Herrschaft und ihrer Sicherung nach innen und außen.
  • Totalitarismus: Zerschlagung der Demokratie, Einparteienherrschaft, Aufhebung der Gewaltenteilung, Instrumentalisierung aller politischen Kontrollinstanzen und Medien, weitreichende Vollmachten für Geheimdienste und Denunzianten, Polizeistaat
  • Militarismus und Imperialismus: Schon während des Aufstiegs der NSDAP wurden Waffenlager eingerichtet, bewaffnete Schlägerbanden ausgebildet, die Straßengewalt einübten, um politische Gegner einzuschüchtern. In den Jahren der Weimarer Republik konzentrierte sich die nationalsozialistische Propaganda zunächst auf den Vertragsrevisionismus, also die Forderung nach Wiederaneignung der infolge der deutschen Kriegsniederlage verlorenen Gebiete und damit nach Aufhebung oder Bruch des Versailler Vertrags. Dieser wurde als „Schmach von Versailles“ oder „Versailler Schanddiktat“ diffamiert. Von 1933 an wurde Aufrüstung betrieben, zunächst geheim, dann offen, und die vertraglichen Bindungen an Völkerbund und Völkerrecht erst unterlaufen, dann gebrochen. Sobald die Wehrmacht stark genug sein würde, plante Hitler gezielte Angriffskriege zur Wiederherstellung und Erweiterung eines auf militärische Machtentfaltung gebauten Großdeutschlands. Dabei sollte ein Land nach dem anderen isoliert und einzeln niedergekämpft werden. Das Endziel war nach Meinung einiger Historiker die Eroberung des kontinentalen Festlands, der Sowjetunion bis zur Linie Archangelsk–Uralgebirge–Kaukasus sowie die Besiedelung dieser Gebiete durch die Deutschen, andere Forscher glauben Belege dafür zu haben, dass Hitler die (utopische) Weltherrschaft anstrebte. Die Herrschaft über die besetzten Gebiete sollte durch Vertreibung unerwünschter Bevölkerungsgruppen gestärkt werden.
  • Der „Blut-und-Boden-Mythos“, die Verherrlichung des Bauernstandes (des „Nährstands“). Viele Nationalsozialisten lehnten die Verstädterung und die zunehmende Industrialisierung ab und sehnten sich nostalgisch nach einem Land, das wie eh und je von Bauern bestellt wurde. Auch Heinrich Himmler hatte solche Gedanken, als er vorschlug, die eroberten Gebiete der Sowjetunion mit Bauern zu besiedeln, die zugleich Soldaten („Wehrbauern“) sein sollten. Russen, Ukrainer und Polen sollten die Landarbeiter, das Hauspersonal, die Bauarbeiter oder die Hilfsarbeiter stellen.
  • Männerherrschaft und Männlichkeitskult, also Propagierung von Werten wie Tapferkeit und soldatischer Härte. „Weibliche Werte“ werden bei Männern als Feigheit, Krankheit und „Zersetzung der Wehrkraft“ denunziert.
  • Verschwörungstheorie: Die wahnhafte Idee, das internationale Judentum hätte sich verschworen, um die Weltherrschaft zu erringen, wird von verschiedenen Historikern  als Kern des Nationalsozialismus angesehen. Diese Verschwörungstheorie tritt bereits in einem 1924 von Dietrich Eckart veröffentlichten Gespräch mit Hitler zu Tage, in dem eine ungebrochene Kontinuität der angeblichen jüdischen Machenschaften vom zweiten vorchristlichen Jahrtausend an behauptet wird. In der Bildsprache der nationalsozialistischen Propaganda, etwa in den Wahlplakaten vor 1933 oder in den Karikaturen des Stürmer wurde „der“ Jude regelmäßig in verschwörungstheoretischen Metaphern wie dem Drahtzieher hinter den Kulissen des Weltgeschehens oder der weltumspannenden Krake oder Spinne dargestellt. Und während des Kriegs gegen die Sowjetunion begründete die Wehrmacht die Unmsetzung der verbrecherischen Befehle wie des Kommissarbefehls oder des Kriegsgerichtsbarkeitserlasses verschwörungstheoretisch mit der These vom Jüdischen Bolschewismus: Hinter dem Sowjetsystem stehe in Wahrheit das Judentum. So wies General von Manstein am 20. November 1941 seine Truppen an, „Verständnis“ aufzubringen für die „harte Sühne am Judentum“:
„Das Judentum bildet den Mittelsmann zwischen dem Feind im Rücken und den noch kämpfenden Resten der Roten Armee und der Roten Führung ... Das jüdisch-bolschewistsische System muß ein für allemal ausgerottet werden.“

Verhältnis zum Kapitalismus

Theorie vor und Praxis nach 1933

Die geforderte „Brechung der Zinsknechtschaft“ stand für eine antikapitalistische Ausrichtung der NSDAP. Das „raffende“ (böse) Kapital manifestiere sich symbolisch in Großbanken, Börsen- und Bodenspekulationen. Diese setzten die Nationalsozialisten wiederum mit dem Judentum gleich, so dass ihr Antikapitalismus auch Ausdruck ihres Antisemitismus war.

Die Alternative, der „nationale Sozialismus“, wurde als „Volksgemeinschaft“ definiert. Diese wurde als „Einheit von Volk und Staat“ unter der einheitlichen NS-Ideologie und einem „starken Staat“, gelenkt von einem „Führer“, verstanden. Die Einordnung aller Staatsbürger in die Arbeitspflicht und die rassisch definierten nationalen Interessen ließ offen, ob dazu die Produktionsverhältnisse umgestürzt werden sollten: Dieses Stichwort fehlte im 25-Punkte-Programm. Als Gegenkonzept zur Leitidee der internationalen klassenlosen Gesellschaft im Marxismus, aber auch zur individuelle Freiheiten schützenden pluralen und parlamentarischen Sozialdemokratie gedacht, unterschied es die NSDAP von den damaligen Programmen aller sozialistischen Parteien.

Die Realisierung der „Brechung der Zinsknechtschaft“ wurde nicht näher erklärt. Auch Hitler nahm in „Mein Kampf“ keine Stellung dazu. Er beschrieb die Mängel des Kapitalismus nicht wissenschaftlich-analytisch, sondern klischeehaft als Degeneration des preußischen, von geistigen Ideen geleiteten Staates durch einen Aufstieg des „Götzen Mammon“ und der „Bankjuden“, deren „materialistische“ Einstellung die Gesellschaft „durchseucht“ habe.

Zwar vertraten Nationalsozialisten wie Otto und Gregor Strasser sowie Joseph Goebbels sozialistische Forderungen wie z. B. die Verstaatlichung der Banken und der Produktionsmittel. Dem steht jedoch Hitlers Bekenntnis zum Privateigentum gegenüber, das er schon 1919 privat vertrat und 1926 im Hamburger Industrieklub öffentlich ablegte. Erst 1931, auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise, forderte die NSDAP staatliche Arbeitsbeschaffungsprogramme, die sie aus dem Programm der SPD übernahm. Sie sollten die Arbeiterschaft als NSDAP-Wähler anwerben, wurden nach 1933 aber zum Teil tatsächlich umgesetzt: vor allem von Fritz Todt und Hjalmar Schacht.

Doch zuvor zerschlug das NS-Regime die organisierte Arbeiterbewegung in Form der Linksparteien und der Gewerkschaften. Die rassische Volksgemeinschaft unter Führung einer einzigen Partei konnte marxistische und kommunistische Gruppen und Ziele nicht neben sich dulden, sondern betrachtete diese innenpolitisch als Hauptgegner, so wie außenpolitsch der Bolschewismus der Hauptfeind war. Dem „internationalen Finanzjudentum“ sollte kurz darauf durch den Judenboykott der erste Schlag versetzt werden. Die angestrebte Autarkie einer „deutschen“, vom Ausland unabhängigen Wirtschaft ließ sich jedoch mit der Verdrängung von Juden aus dem Wirtschaftsleben nicht erreichen. Im Zuge der Umstellung auf eine Kriegswirtschaft wurden planwirtschaftliche und staatsinterventionistische Elemente bei gleichzeitiger Beibehaltung der Großbanken, der privatwirtschaftlichen Groß- und Rüstungsindustrie immer bestimmender.

Forschungsansätze

Das Verhältnis von Nationalsozialismus und Kapitalismus wird daher seit 1933 sehr verschieden beurteilt. Der deutsche Soziologe Max Horkheimer vertrat 1939 noch vor Kriegsbeginn die bekannte marxistische Position: Wer vom Kapitalismus nicht reden will, soll vom Faschismus schweigen.

Dem stellte etwa Ludwig von Mises 1947 die Gegenposition gegenüber: The philosophy of the Nazis, the German National Socialist Labour Party, is the purest and most consistent manifestation of the anticapitalistic and socialistic spirit of our age. („Die Ideologie der Nazis, der deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei, ist die reinste und konsistenteste Manifestation unseres antikapitalistischen und sozialistischen Zeitgeistes.“)

Nach dem Ende des Kalten Krieges wurden die von ideologischen Vorgaben dominierten älteren Faschismustheorien zunehmend differenziert. Neuere historischen Forschungen untersuchen das Verhältnis von Nationalsozialismus zu Kapitalismus auf drei Ebenen:

  • als Frage nach den Finanzquellen der NSDAP und den Kreisen, die Hitler an die Macht brachten,
  • als Frage nach der Bedeutung antikapitalistischer Elemente für die Ideologie der Nationalsozialisten,
  • als Frage nach der tatsächlichen Wirtschaftspolitik des NS-Regimes 1933–1945. Dabei werden zum einen staatliche Maßnahmen, zum anderen deren privatwirtschaftliche Nutznießer untersucht.

Finanzquellen der NSDAP

Marxisten sehen die Spendenpraxis deutscher Industrieller wie Fritz Thyssen und Emil Kirdorf und die Industrielleneingabe vom November 1932, die Reichspräsident Paul von Hindenburg aufforderte, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen, meist als Belege für die Verantwortung der Großindustrie für die Machtübergabe an Hitler. Der ostdeutsche Historiker Eberhard Czichon etwa meinte deshalb, dass „eine Mehrheitsgruppe deutscher Industrieller, Bankiers und Großagrarier Hitlers Kanzlerschaft gewollt und organisiert“ habe.

Sein westdeutscher Kollege Reinhard Neebe betonte dagegen, dass die meisten deutschen Unternehmer und ihr Dachverband, der Reichsverband der Deutschen Industrie, nicht Hitler, sondern die Vorgängerregierungen von Heinrich Brüning, Franz von Papen und Kurt von Schleicher unterstützten. Diese Sicht untermauerte der US-amerikanische Historiker Henry Ashby Turner mit Untersuchungen, wonach die NSDAP ihre Finanzmittel nicht vorwiegend aus Industriespenden, sondern Mitgliedsbeiträgen und Eintrittsgeldern bezog. Die Großindustrie habe ihr immer deutlich weniger Geld zukommen lassen als ihren Konkurrenten DNVP (Deutschnationale Volkspartei. Gründung 1918. Auflösung 27. Juni 1933), DVP (Deutsche Volkspartei, die 1918 die Nachfolge der Nationalliberalen Partei antrat) und Zentrum. Sie habe sich damit auch nur für den unerwünschten Fall einer NS-Machtergreifung absichern wollen. Die Großunternehmer gelten daher heute kaum noch als Hauptverursacher des Aufstiegs der Nationalsozialisten und der Machtübergabe an Hitler.

Antikapitalismus in der NS-Ideologie

Die Frage nach der Rolle des Antikapitalismus in der NS-Ideologie wird aufgrund der widersprüchlichen Quellen sehr verschieden beurteilt und die Widersprüche werden verschieden aufgelöst:

  • Man interpretiert Hitlers Äußerungen zu Wirtschaftsfragen als rein opportunistisch, d.h. dass er über keine konsistenten ökonomischen Überzeugungen verfügt habe, sondern immer nur seinem Publikum nach dem Munde geredet habe.
  • Man verweist auf die schrittweise Ausschaltung des sozialistischen Parteiflügels zwischen 1930 und 1934 und deutet die antikapitalistischen Töne als verkappten Antisemitismus.
  • Der Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von Hayek begreift den Nationalsozialismus nicht als Entartung von Nationalismus und Kapitalismus, sondern hebt vielmehr die Gemeinsamkeiten von Nationalsozialismus, Sowjetkommunismus und englischem Sozialismus hervor. Hayek zeigt auf, dass wirtschaftliche Freiheit und politische Freiheit untrennbar sind. 
  • Henry A. Turner kommt zu dem Ergebnis, dass Hitler das „liberale Konkurrenzprinzip“ und auch das Privateigentum durchaus bejaht habe, wenn auch nur, „weil er sie in durchaus entstellter Weise in seine sozialdarwinistische Sicht des innerstaatlichen Wirtschaftslebens einbauen konnte“.
  • Dass der Nationalsozialismus dem Liberalismus nahe stand oder ihn begünstigte war die Meinung des katholischen Widerstandskämpfers Nikolaus Groß und des Historikers Ralf Ptak.
  • Rainer Zitelmann dagegen versteht Hitler als „Revolutionär“, dem die Verbesserung der Aufstiegschancen der Arbeiter, soweit sie seinen Rassevorstellungen entsprachen, ein ehrliches Anliegen gewesen sei. Dabei sei es ihm nicht „um die Ermöglichung der bestmöglichen Entfaltung des Individuums, sondern um die Optimierung des Nutzens für die deutsche Volksgemeinschaft“ gegangen. Gegenüber der Wirtschaft habe er einen „Primat der Politik“ angestrebt, der „auf eine Revolutionierung des Verhältnisses von Politik und Ökonomie“ hinausgelaufen sei:
Anstelle des kapitalistischen Wirtschaftssystems wollte Hitler eine gemischte Wirtschaftsordnung etablieren, in welcher markt- und planwirtschaftliche Elemente zu einer neuen Synthese vereint wären.

Wenn auch Hitlers oberstes Ziel „seine sozialdarwinistische Idee vom ewigen Kampf und das völkische Prinzip“ gewesen sei, sei die „vom Nationalsozialismus ausgelöste soziale Revolution, deren Inhalt die Modernität war“, durchaus ernst zu nehmen.

Gegen diese These wandten etwa Wolfgang Wippermann und Michael Burleigh indirekt ein, dass sie den rassistischen und damit reaktionären Charakter des NS-Regimes über Gebühr herunterspiele. Der Berliner Wirtschaftshistoriker Albrecht Ritschl, der in der Kontroverse eine vermittelnde Position einnimmt, macht dagegen auf Äußerungen Hitlers aufmerksam, die er im März 1942 im Kreise seiner Adjutanten machte, d.h. ohne Zwang, seine wahren Ansichten zu kaschieren. Hitler wandte sich hier grundsätzlich „gegen anonymen Privatbesitz der Aktie. Ohne selbst etwas dazu zu tun, erhalte der Aktionär mehr Dividende, wenn die Arbeiter der Aktiengesellschaft fleißig statt faul seien oder wenn ein genialer Ingenieur an der Spitze des Betriebs stehe“. Demnach wäre die häufige Ablehnung eines „raffenden“ im Gegensatz zum lobenswerten „schaffenden Kapitalismus“ von ihm durchaus ernst gemeint gewesen.

Wirtschaftspolitik des NS-Regimes

Für die von 1933 bis 1945 praktizierte Wirtschaftspolitik des NS-Regimes sind die Befunde ebenfalls widersprüchlich. Auf der einen Seite steht das faktische Lohndumping, denn die Löhne blieben in vielen Sektoren auf ihrem Niedrigststand der Weltwirtschaftskrise; auch die Reprivatisierung der in der Bankenkrise 1931 de facto verstaatlichten Großbanken spricht eher für eine prokapitalistische Haltung der Regierung, ebenso die massiven Profitmöglichkeiten, die sich mehreren Unternehmen in den nach 1939 eroberten Gebieten boten. Die Arbeiten u.a. von Avraham Barkai, Timothy Mason und Dieter Petzina dagegen zeigen, dass die dirigistischen Eingriffe in die Wirtschaft unter Reichsbankpräsident Hjalmar Schachts „Neuem Plan“ (1934), unter dem Vierjahresplan (1936) und vollends die Kriegswirtschaft unter Rüstungsminister Albert Speer (ab 1942) vom freien Unternehmertum der Weimarer Jahre wenig übrig ließen. Der Historiker Klaus Hildebrand fasst den Stand der Forschung in Oldenbourg "Grundriss der Geschichte" zusammen:

Zwar blieben die Betriebe in privaten Händen der Unternehmer, ohne Zweifel stiegen auch die finanziellen Erträge aus der Rüstungskonjunktur. Doch wurde das für eine kapitalistische Wirtschaft verbindliche Prinzip der Zweck-Mittel-Rationalität im Banne der Rüstungsanforderungen und des Autarkieprinzips auf Befehl Hermann Görings mehr und mehr außer Kraft gesetzt.

Gestützt wird diese These von aktuellen ordnungstheoretischen Untersuchungen: Markus Albert Diehl kommt zu dem Ergebnis:

Die deutsche Wirtschaftsordnung unter der nationalsozialistischen Herrschaft entfernte sich immer weiter vom Idealtyp der Marktwirtschaft und entsprach schließlich weitgehend dem Idealtyp der Zentralplanwirtschaft.
(Dissertation von Diehl: "Von der Marktwirtschaft zur nationalsozialistischen Kriegswirtschaft". Die Transformation der deutschen Wirtschaftsordnung 1933-1945 -- Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte 104 --. Steiner-Verlag, Stuttgart 2005. 195 Seiten; Rezensionen aus dem Archiv für Sozialgeschichte online)

Der Nationalsozialismus als politische Religion

Ob und wieweit auch religiöse Elemente für die nationalsozialistische Ideologie konstitutiv waren, ist in der historischen Forschung umstritten. Verschiedene Strömungen in der NSDAP reichten vom Atheismus und Nihilismus über Bestrebungen eines rassistischen Neopaganismus bis zur Bejahung oder taktischen Vereinnahmung eines „positiven Christentums“ (siehe dazu Kirchen und Religionsgemeinschaften im Nationalsozialismus, Deutsche Christen und Kirchenkampf). Dass Elemente der NS-Propaganda, etwa der Führerkult, religionsähnliche Züge trugen, wurde oft beobachtet. Auf den Reichsparteitagen wurde der Nationalsozialismus zelebriert, was durch den Film Triumph des Willens der Regisseurin Leni Riefenstahl besonders herausgearbeitet und verstärkt wurde. Das Verhältnis des Nationalsozialismus zur christlichen Religion blieb daher auch zwiespältig. Einerseits gab es den Versuch, mit der evangelische Kirche ein „Deutsches Christentum“ zu begründen. Andererseits aber gab es antichristliche Elemente bei Alfred Rosenberg und eine völlige Abwendung vom Christentum durch die Bezugnahme auf germanische Mythologie, Okkultismus, Hinduismus und Buddhismus durch Heinrich Himmler, den Reichsführer SS. Die bereits bei Rosenberg vorhandenen Bezugspunkte zu Indien wurden in den SS-Einrichtungen wie den „Ordensburgen“ (die Himmler als Elite des Systems verstand) ausgebaut. Esoterische Lehren mit deutlichen östlichen Einflüssen wurden teilweise von der SS übernommen. Himmler betrieb auch eine Europäisierung der Ideologie. Ein bekanntes Produkt dessen sind die Freiwilligen-Einheiten der „Europäischen SS“ aus vielen Ländern.


 

Im Folgenden ein Bericht aus

http://nachrichten.t-online.de/machtergreifung-1933-der-reichstag-entmuendigt-sich-selbst/id_14549470/index

darüber, was damals geschah und welche Rolle die "bürgerlichen Parteien" gespielt haben (die weitgehend dann nach 1945 vor allem mit der CDU zu einem Auffangbecken von NAZIs wiederauflebten):

Das Parlament entmündigt sich selbst

vom 18.03.2008 | Von Joachim Schucht, dpa

Um kurz vor 20 Uhr gab Hermann Göring mit großem Pathos das Ergebnis bekannt. "Mit 444 gegen 94 Stimmen ist das Ermächtigungsgesetz mit der verfassungsmäßigen Mehrheit angenommen. Der Reichstag des neuen nationalen Deutschlands hat in effektiver Arbeit in wenigen Stunden eine Leistung vollbracht, zu der er früher in Jahren nicht im Stande gewesen wäre", rief der Parlamentspräsident unter Heil-Rufen der Nationalsozialisten.

"Jetzt sind wir die Herren"

Damit war es zur Tatsache geworden: Der Reichstag hatte sich vor 75 Jahren am 23. März 1933 mit den dafür notwendigen Stimmen aller bürgerlichen Parteien selbst entmündigt. Die Sozialdemokraten standen mit ihrem Nein zu den diktatorischen Vollmachten für Adolf Hitler allein - und damit unter massivem Druck der Nazis. "Jetzt sind wir auch verfassungsmäßig die Herren des Reiches", notierte Joseph Goebbels zufrieden in sein Tagebuch.

Freie Hand

Mit der Verabschiedung des "Gesetzes zur Behebung der Not von Volk und Reich" im provisorischen Sitzungssaal in der Berliner Kroll-Oper gegenüber dem ausgebrannten Reichstagsgebäude erreichten die NS-Machthaber ihre Ziele formal legal: Ausschaltung von Parlament und Verfassung und freie Hand beim Übergang zur Alleinherrschaft. Es folgten die Gleichschaltung aller Behörden, Institutionen und Organisationen und die Auflösung aller Parteien außer der NSDAP.

Geschäftsordnung manipuliert

Um die Zweidrittel-Mehrheit zu sichern und die Beschlussunfähigkeit durch Fernbleiben der Linksparteien zu verhindern, manipulierten die Nazis zunächst mit Billigung der bürgerlichen Fraktionen die Geschäftsordnung: Inhaftierte oder ausgeschlossene Abgeordnete wurden für anwesend erklärt. Die 81 KPD-Parlamentarier, die zum großen Teil bereits verhaftet oder auf der Flucht waren, wurden zur Sitzung nicht mehr eingeladen. Um das Gesetz durchzubringen, waren die Nazis aber trotzdem zumindest auf die Stimmen der katholischen Zentrumspartei und der Bayerischen Volkspartei angewiesen.

Spießrutenlauf für die SPD

Die 94 der 120 SPD-Abgeordneten, die noch teilnehmen konnten, waren bereits beim Hereingehen einem Spießrutenlauf ausgesetzt: Auf dem Weg zum Sitzungssaal mussten sie durch eine Gasse von SA-Trupps. Totenstille herrschte, als Göring dann dem 60-jährigen SPD-Vorsitzenden Otto Wels das Wort erteilte.

Furchtlose Gegenrede

Die furchtlose Rede des gelernten Tapezierers aus Berlin gipfelte in dem Bekenntnis: "Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht." Höhnisches Gelächter aus den NSDAP-Reihen übertönte Sätze, die bereits wie ein resignierter Abschied klangen: "Kein Ermächtigungsgesetz gibt Ihnen die Macht, Ideen, die ewig und unzerstörbar sind, zu vernichten." Viele bewegte besonders sein Schlusswort: "Wir grüßen die Verfolgten und Bedrängten ... ihr Bekenntnis, ihre ungebrochene Zuversicht verbürgen eine hellere Zukunft."

"Sie werden nicht mehr benötigt"

In höchster Erregung stürzte Hitler im Braunhemd ans Rednerpult. "Sie, meine Herren, werden nicht mehr benötigt", schleuderte er den Sozialdemokraten entgegen. "Ich will gar nicht, dass sie für das Gesetz stimmen. Deutschland soll frei werden, aber nicht durch Sie."

Die Kapitulation

Danach folgte die fast kampflose Kapitulation des übrigen demokratischen Lagers. Mit sorgenerfüllter Stimme begründete der Vorsitzende des Zentrums, Prälat Ludwig Kaas, das Ja der Fraktion. Für die kleine liberale Staatspartei schloss sich Reinhold Maier, der nach dem Krieg FDP-Vorsitzender wurde, diesem Schritt an. Der spätere FDP-Politiker Theodor Heuss, der einmal Bundespräsident werden sollte und eigentlich ablehnen wollte, beugte sich dem Willen seiner Kollegen.

Nicht nachvollziehbar

"Nicht die Tatsache, dass die Parteien der Mitte vor einem stärkeren Gegner und einem skrupellosen Willen kapitulierten, hat die Erinnerung an den Tag so verdunkelt, sondern die schwächliche Art, in der sie an ihrer eigenen Ausschaltung mitwirkten", resümierte der Historiker Joachim Fest. Auch für Fests Kollegen Golo Mann war nicht nachvollziehbar, warum die bürgerlichen Parteien nicht wenigstens einen letzten "würdigen Protest" wagten, anstatt Hitlers Umsturz den legalen Schein zu geben. (Entschuldigung: die Sozialdemokraten haben nicht für die "Ermächtigung" gestimmt, wahrscheinlich für Joachim Fest und Golo Mann nicht "bürgerlich" sondern "proletisch"!)
Die CDU (Christdemokratische Union) (>Hier< pdf-Datei zur Gründung in Berlin und >hier< in Köln) hat im deutschen Bundesstaat Bayern nichts zu sagen und umgekehrt. Sie konnte im Laufe ihrer Existenz durchaus als Nachfolgeorganisation des Nationalsozialismus betrachtet werden.

Vor- oder paralleldenkend für die Gründung einer Partei war der Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE). Dort war einer der Gründer Waldemar Kraft (1898 - 1977). Er war Mitglied der NSDAP (bekleidete hohe Ämter in der CDU - s. unten) und ab 1939 außerdem zum Ehren-Hauptsturmführer der allgemeinen SS (mehr >hier<) ernannt. Sein Stellvertreter war das jahrelange NSDAP-Mitglied, Theodor Oberländer, der im Herbst 1953 in das zweite Kabinett Konrad Adenauers eintrat. Oberländer war bis zu seinem spektakulären Rücktritt im Frühjahr 1960 zuständig für "die Bewältigung der Folgen einer historischen Großkatastrophe", der Vertreibung von fünfzehn Millionen Deutschen, die ein Bundespräsident Mitte der achtziger Jahre bereits so leichtfertig wie zynisch als "erzwungene Wanderschaft" bezeichnen hatte. (Oberländer und Kraft traten 1955 zur CDU über.)

Weitere Gründungsmitglieder des BHE waren die ehemaligen NSDAP-Mitglieder Frank Seiboth. Dasselbe galt für die meisten Landesvorsitzenden. Man kann  nicht alle aufzählen, doch einige Beispiele: Ein BHE-Mandatsträger war im "Dritten Reich" Stabschef der SA (Wilhelm Schepmann), ein anderer General der Waffen-SS (Heinz Reinefahrt) gewesen, ein dritter (Friedrich Christian Prinz zu Schaumburg-Lippe) hatte Goebbels als persönlicher Referent gedient und ein vierter (Paul Beck) eine entsprechende Position bei Fritz Sauckel inne gehabt, dem Generalbevollmächtigten Hitlers für den Arbeitseinsatz, der 1946 in Nürnberg gehängt worden war.

Gewiß sah der BHE sich selbst nicht als NSDAP-Nachfolgeorganisation. "Wir sind die Partei auch der ehemaligen Nazis", beschrieb Kraft die Seinen gerne, "aber nicht derjenigen, die heute noch Nazis sind." Allerdings läßt sich in der Partei manch wohlvertrautes Gedankengut ausmachen, oft durchaus originell den neuen Zeiten angepaßt. Auch forderte der BHE kategorisch, die Vergangenheit nun endlich ruhen zu lassen: "Schluß mit der Naziriecherei, Schluß mit der Diffamierung!" Und zum Thema Ostpolitik hieß es 1950 kurz und bündig: "Das außenpolitische Ziel ist die Wiedergewinnung der uns widerrechtlich genommenen Ostgebiete." (Mehr in Die ZEIT. und auch Sprüche von Franz Josef Strauss >hier<)

Die Kristallisationskerne von CDU und CSU sind häufig als „spontane“ Reaktionen auf die geistige und materielle Katastrophe bezeichnet worden, die das Dritte Reich hinterlassen hatte. Tatsächlich aber waren schon während der Gewaltherrschaft überall evangelische und katholische Christen, Gewerkschafter, ehemalige Anhänger der konfessionellen (Zentrum, BVP, Christlich-Sozialer Volksdienst), liberalen (DDP/DStP und DVP) und konservativen (DNVP u.a.) Parteien zusammengekommen, um die Gestaltung des künftigen Deutschland zu beraten und vorzubereiten. Treffend hat einer der Kölner CDU-Gründer (Leo Schwering) vom „Katakombengeist“ gesprochen, der die Anfänge der Partei geprägt habe. Man war sich einig im Willen, die für Kapitalismus wie Marxismus gleichermaßen verantwortlich gemachte materialistische Weltanschauung sowie totalitäre und kollektivistische Tendenzen zu bekämpfen. Der zu schaffende neue Staat sollte den Gesetzen von Recht und Sittlichkeit unterworfen sein, die Grundsätze der christlichen Ethik sollten erneuert, und die Würde der einzelnen Person und die Freiheit des Einzelnen sollten gegen übertriebene Machtbefugnisse des Staates wiederhergestellt werden. In bewusster Abkehr vom traditionellen deutschen Parteiensystem und seiner Zersplitterung, die als mitverantwortlich für das Scheitern der Weimarer Republik galt, zog man die Konsequenz und rief zur Sammlung all jener Kräfte auf, die „nicht in den Programmen der KPD und SPD ihre politische Heimat finden“ (Gründungsaufruf vom 26. Juni 1945 in Berlin, ) und die bereit waren, „alte Bahnen und Denkweisen zu verlassen“ („Kölner Leitsätze“, 17. Juni 1945). (Mehr zur Gründungsphase der CDU.)

Nimmt man noch das sogenannte Ahlener Programm (>hier< fast am Seitenende Kabarettistische Bemerkung) der CDU hinzu, könnte man glauben, es wäre wirklich zu einem völligen Umdenken gekommen. Aber wie weiter zu sehen sein wird, wurde alles aufgeweicht und statt des verbrecherischen Christentums des Mittelalter, sogar Religionsschutz für alle festgeschrieben und vor allem der Politischen Global-Kapitalistischen Religion Alleinvertretung alles Irdischen eingeräumt

Liste der "Nazi-Größen", die nach dem Ende der Nazi-Zeit wieder Fuß fassen konnten:

Kopiert am 23.3.2011 von

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_ehemaliger_NSDAP-Mitglieder,_die_nach_Mai_1945_politisch_t%C3%A4tig_waren

 

Name NSDAP Parteimitgliedschaften ab 1945 Amt bzw. Ämter
Achenbach, Ernst 1937–1945 FDP ab 1950 Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen
Mitglied des Deutschen Bundestages (1957–1976)
Mitglied des Europaparlaments (1964–1977)
Albrecht, Erwin 1936–1945 CDU ab 1955 Landtag des Saarlandes, ab 1957 Vorsitzender der CDU-Fraktion daselbst
Asbach, Hans-Adolf 1933–1945 GB/BHE bzw. GDP ab 1950 Minister für Soziales, Arbeit und Flüchtlingsfragen bzw. Stellvertretender Ministerpräsident in Schleswig-Holstein
Bading, Harri 1937–1939 (Austritt) SPD ab 1945 Mitglied des Deutschen Bundestages für die SPD
Bartram, Walter 1937–1945 CDU ab 1946 1950–1951 Ministerpräsident in Schleswig-Holstein
Becher, Walter 1931–1945 DG ab 1947, ab 1954 GB/BHE, ab 1967 CSU 1956–1958 Vorsitzender des Witikobundes, 1968–1982 Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, 1950–1962 Landtagsabgeordneter in Bayern für DG und GB/BHE, 1965–1980 Mitglied des Deutschen Bundestages für die CSU
Birrenbach, Kurt 1933–1945 CDU ab 1953 Mitglied des Deutschen Bundestages für die CDU
Bismarck, Otto von 1933–1945 CDU ab 1946 Mitglied des Deutschen Bundestages
Blankenhorn, Herbert 1938–1945 CDU ab 1946 Leiter der Politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes
Buchka, Karl von bis 1945 DVP, ab 1948 CDU Mitglied des Deutschen Bundestages (1953–1958)
Bucher, Ewald bis 1945 FDP/DVP 1950–1972, ab 1984 CDU 1962–1965 Bundesminister der Justiz, 1965–1966 Bundesminister für Wohnungswesen und Städtebau
Böhme, Herbert 1931–1945 NPD ab 1965  
Carstens, Karl

Ab 1933 SA,

1940–1945 auch NSDAP

CDU ab 1953 Deutscher Bundespräsident (1979 bis 1984)
Conring, Hermann 1937-1945 CDU Mitglied des Deutschen Bundestages (1953–1969)
Dahlgrün, Rolf bis 1945 FDP ab 1949 1962–1966 Bundesminister der Finanzen
Deist, Heinrich ab 1938 SPD Mitglied des Deutschen Bundestages (1953–1964)
Dorls, Fritz 1929–1945 CDU ab 1946, 1949 GuD / DKP-DRP, ab 1949 SRP Vorsitzender der SRP
Duckwitz, Georg 1932–1945   Botschafter, Staatssekretär
Ehmke, Horst 1944–1945 SPD ab 1947 SPD Parteivorstand 1973–1991, Bundesminister der Justiz, Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes, Bundesminister für Forschung und Technologie, Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen
Elsner, Martin 1930er–1945 GB/BHE Mitglied des Deutschen Bundestages (1953–1957)
Engell, Hans Egon 1931–1945, auch 1933–1945 SS GB/BHE ab 1950 Mitglied des Deutschen Bundestages
Eppler, Erhard 1944-45 Gesamtdeutsche Volkspartei ab 1952, seit 1956 SPD 1968 - 1974 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit
Etzdorf, Haso von 1933–1945   Deutscher Botschafter in Großbritannien
Fassbender, Heinrich 1931–1933 NDP ab 1945, ab 1946 FDP, ab 1955 DP, ab 1962 DNVP, ab 1964 NPD Mitglied des Deutschen Bundestages (1949–1957)
Fiedler, Eduard bis 1945 GB/BHE, ab 1962 FDP Mitglied des Deutschen Bundestages (1953)
Filbinger, Hans 1937–1945 CDU ab 1951 Ministerpräsident von Baden-Württemberg
Fischer, August 1937–1945 parteifrei Bürgermeister von Kempten im Allgäu
Franken, Paul 1933–1940 CDU erster Direktor der Bundeszentrale für politische Bildung
Gemein, Heinz 1930-1945 GB/BHE Mitglied des Deutschen Bundestages (1953-1957)
Genscher, Hans-Dietrich 1945 LDPD 1946–1952, ab 1952 FDP Mitglied des Deutschen Bundestages (1965–1998), Bundesaußenminister (1974–1992)
Giesecke, Gustav 1925–1945 SRP 1949–1952 Mitglied des Niedersächsischen Landtages (1951–1952)
Gille, Alfred 1937–1945, auch SA ab 1933 GB/BHE ab 1950, ab 1961 GDP Bürgermeister von Lötzen
Glüsing, Hermann 1928-1933 (gleichzeitig SA-Mitglied) CDU ab 1945 1949–1972 Mitglied des Deutschen Bundestages für die CDU
Goppel, Alfons 1937 oder. 1939–1945, ab 1933 auch SA CSU bayerischer Innenminister(1958-1962), Ministerpräsident von Bayern(1962-1978)
Grewe, Wilhelm 1933–1945 Völkerrechtler im Beraterstab Konrad Adenauers 1955 Leiter der politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes
Güde, Max 1940–1945 CDU Mitglied des Deutschen Bundestages
Halt, Karl Ritter von 1933–1945   Präsident des westdeutschen Olympischen Komitees
Hellwing, Günter 1938-1945 SPD 1939 SS; 1940 SD; 1943-44 Gestapo Marseille; 1957 MdL NRW; 1958 Bundesvorstand der SPD
Henckel von Donnersmarck,  Graf Georg 1937-1945 CDU Mitglied des Deutschen Bundestages (1953–1957, 1959-1961)
Höcherl, Hermann 1931–1932 und 1935–1945 CSU ab 1949 1961–1965 Bundesminister des Innern, 1965–1969 Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Hopf, Volkmar ab 1933 bis 1945 CSU ab 1959 Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung, ab 1964 Präsident des Bundesrechnungshofs
Hunke, Heinrich ab 1923 bis 1945 BHE ab 1955 Landtagsmitglied und Beamter des Landes Niedersachsen, zuletzt Ministerialdirigent, bis 1967
Hütter, Margarete 1943-1945 DVP/FDP Mitglied des Deutschen Bundestages (1949–1953, 1955-1957)
Joel, Georg 1926 bis 1945 DRP 1955 bis 1959 Mitglied des Niedersächsischen Landtages
Jordan, Pascual ab 1933-1945, SA ab 1933 CDU 1957 bis 1961 Mitglied des Deutschen Bundestages
Kempferl, Friedrich 1932–1945 CSU ab 1949 1957 bis 1976 Mitglied des Deutschen Bundestages
Kohlhase, Hermann 1937–1945 FDP 1956 bis 1958 Wirtschaftsminister in NRW, 1966-1970 Minister für Landesplanung in NRW
Kiep, Walther Leisler 1944–1945 CDU Mitglied des Deutschen Bundestages (1965–1976), Bundesschatzmeister der CDU (1971-1992)
Kiesinger, Kurt Georg 1933–1945 CDU ab 1946 1958-1966 Ministerpräsident von Baden-Württemberg,1966–1969 deutscher Bundeskanzler
Klausner, Wolfgang 1940-1945 CSU Mitglied des Deutschen Bundestages (1953–1958)
Köhler, Otto 1933–1945 FDP ab 1955 1957 bis 1960 Mitglied des Deutschen Bundestages
Körner, Georg 1929–1945 GB/BHE, FDP, FVP, DP, GDP und NPD ab 1950 1953 bis 1957 Mitglied des Deutschen Bundestages
Kracht, Ernst 1933–1945   1950–1958 Leiter der Staatskanzlei der schleswig-holsteinischen Landesregierung
Kraft, Waldemar 1943–1945 1950–1955 GB/BHE, ab 1956 CDU 1950–1953 Finanzminister in Schleswig-Holstein, 1951–1953 geschäftsführender Justizminister in Schleswig-Holstein, 1953–1956 Bundesminister für besondere Aufgaben
Krapf, Franz ab 1936, ab 1933 auch SS   bis 1976 Ständiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland beim NATO-Rat in Brüssel
Krüger, Hans 1933–1945 CDU 1963–1964 Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte
Kuntscher, Ernst 1938-1945 CDU Mitglied des Deutschen Bundestages (1949–1969)
Kunz, Lothar 1938-1945 GB/BHE Mitglied des Deutschen Bundestages (1953–1957)
Lange, Heinz SS Division Das Reich bis 1945 FDP MdL NRW seit 1954, dort stellv. Vorsitzender der FDP-Fraktion 1966-69 und Vorsitzender dieser Fraktion 1969-70; später CDU
Lemke, Helmut bis 1945 CDU, ab 1950 Ministerpräsident in Schleswig-Holstein
Leverkuehn, Paul 1937-1945 CDU Mitglied des Deutschen Bundestages (1953–1960)
Lindrath, Hermann 1937-1945 CDU Mitglied des Deutschen Bundestages (1953–1960), Bundesminister für den wirtschaftlichen Besitz des Bundes (1957-1960)
Maunz, Theodor 1933–1945 CSU 1957–1964 Bayerischer Kultusminister
Meyer, Philipp 1932-1945 CSU Mitglied des Deutschen Bundestages (1953–1962)
Mix, Erich 1932–1934 und 1939–1945 FDP Mitglied und Vizepräsident des Landtages Hessen; zuvor SS-Standartenführer
Neumann, Erich Peter bis 1941 CDU 1961 bis 1965 Mitglied des Deutschen Bundestages
       
Oberländer, Theodor 1933–1945 FDP, ab 1950 GB/BHE, ab 1955 CDU 1953–1960 Bundesminister für Angelegenheiten der Vertriebenen, Mitglied des Deutschen Bundestages (1953-1961)
Petersen, Helmut bis 1945 GB/BHE bzw. GDP ab 1950 Mitglied des Deutschen Bundestages (1953-1957)
Pohle, Wolfgang 1933-1945 CDU, später CSU Mitglied des Deutschen Bundestages (1953–1957, 1965-1971)
Reichmann, Martin ab 1. August 1932 FDP Mitglied des Deutschen Bundestages, 4. u. 5. Wahlperiode, Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
Rieger, Alfred ab 1. Oktober 1931 FDP 1956 Hauptgeschäftsführer des FDP-LV Nordrhein-Westfalen, 2. Oktober 1961 MdL NRW (Nachrücker) bis 25. Juli 1970
Röder, Franz-Josef 1933-1945 CDU Ministerpräsident des Saarlandes (1959-1979), Mitglied des Deutschen Bundestages (1957)
Rößler, Fritz (Dr. Franz Richter) 1930–1945 DKP-DRP, 1950 DRP und SRP Mitglied des Deutschen Bundestages
Samwer, Adolf Franz 1936–1945 GB/BHE, CDU 1953 bis 1957 MdB
Schachtschabel, Hans Georg 1937–1945, ab 1933, SS ab 1935 SPD ab 1946 1969 bis 1983 Mitglied des Deutschen Bundestages, ab 1974 Mitglied des Europäischen Parlaments
Scheel, Walter 1941 - 1945 FDP ab 1946 1974–1979 deutscher Bundespräsident
Scheringer, Richard 1923–1931 ab 1931 KPD/DKP 1972–1982 Gemeinderat in Kösching
Schild, Heinrich 1932–1945 DP/CDU 1953 bis 1961 MdB
Schiller, Karl 1937–1941/45 SPD 1966–1972 Bundeswirtschaftsminister, 1971/72 auch Bundesfinanzminister
Schleyer, Hanns Martin 1937–1945, SS ab 1933 (zuletzt Untersturmführer der Waffen-SS) CDU ab 1970 1973–1977 Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände
Schneider, Heinrich 1930–1937 DPS bzw. FDP ab 1950 Stellv. Ministerpräsident des Saarlandes
Schneider, Ludwig   DVP, später FDP Landtagsabgeordneter in Hessen
Schönhuber, Franz 1941–1945 Die Republikaner 1983–1995 2005 Kandidat der NPD; Europaabgeordneter
Schranz, Helmuth 1925–1945 DP/GDP 1953 bis 1961 MdB
Schröder, Gerhard 1933–1941 (Austritt) CDU ab 1950 1953–1961 Bundesminister des Innern, 1961–1966 Bundesminister des Auswärtigen, 1966–1969 Bundesminister der Verteidigung
Schütz, Hans 1938–1945 CDU 1949 bis 1963 MdB
Schwann, Hermann 1933–1945 FDP, ab 1961 VDNV, ab 1965 AUD Mitglied des Deutschen Bundestages
Seiboth, Frank 1939–1945 GB/BHE ab 1952, ab 1961 GDP, ab 1967 SPD Mitglied des Deutschen Bundestages
Seidl, Alfred 1937–1940 CSU 1958–1986 Mitglied des bayrischen Landtages, 1970–1972 stellvertretender Fraktionsvorsitzender, 1972–1974 Fraktionsvorsitzender, 1974–1978 Staatssekretär im Justizministerium Bayern, 1977–1978 Innenminister
Siemer, J. Hermann 1933–1945 CDU 1953 bis 1972 MdB
Stegner, Artur 1931–1945 FDP ab 1945, ab 1957 GB/BHE) Mitglied des Deutschen Bundestages, Landtagsabgeordneter in Niedersachsen, Landesvorsitzender der FDP in Niedersachsen
Stücklen, Richard 1939–1945 CSU Bundestagspräsident (1979-1983), Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen (1957-1969), Mitglied des Deutschen Bundestages (1949-1990)
Taubert, Eberhard 1931–1945   ab 1950 Volksbund für Frieden und Freiheit
Weirauch, Lothar 1934–1945 FDP 1950 bis 1954 FDP-Bundesgeschäftsführer; danach Ministerialbeamter und Agent des Stasi der DDR in Bonn
Weyer, Willi 1937–1945 FDP ab 1950 Landtag von Nordrhein-Westfalen; 1953 bis 1954 MdB; 1954 bis 1958 und 1962 bis 1975 Minister in NRW, zeitweise stv. Ministerpräsident; seit 1957 Präsident des Landessportbundes NRW; 1974 bis 1986 Präs. des Deutschen Sportbundes
Willeke, Friedrich Wilhelm 1933–1945 CDU 1953 bis 1965 MdB
Wittenburg, Otto 1937–1945 DP 1949 bis 1957 MdB
Zimmermann, Friedrich 1943–1945 CSU Mitglied des Deutschen Bundestages (1957-1990), Bundesinnenminister 1982-1989, Verkehrsminister 1989-1991
Zoglmann, Siegfried ab 1934 FDP, ab 1974 CSU 1963–68 stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP in Nordrhein-Westfalen, ab 1972 Bundestagsabgeordneter (CSU)

Sowjetische Besatzungszone und Deutsche Demokratische Republik

Name NSDAP Parteimitgliedschaften ab 1945 Amt bzw. Ämter
Adam, Wilhelm 1923–1926; 1933 wurde Adam Mitglied des Stahlhelms und SA-Oberscharführer. Er war Träger des Blutordens. National-Demokratische Partei Deutschlands ab 1948 1950–1952 sächsischer Finanzminister; 1949 bis 1963 Abgeordneter der Volkskammer der DDR. Adam war ab 1952 bei der KVP im Rang eines Obersten tätig. 1968 wurde er mit dem Orden Banner der Arbeit ausgezeichnet und am 7. Oktober 1977 zum Generalmajor a.D. ernannt.
Bartsch, Karl-Heinz 1940–1945 Soldat/Offizier der Waffen-SS SED ab 1949 1954–1960 Mitglied der SED-Bezirksleitung Erfurt; ab 1963 stellvertretender Landwirtschaftsminister, Vorsitzender des Landwirtschaftsrats beim DDR-Ministerrat, Mitglied des Präsidiums des Ministerrats, Kandidat des Politbüros und Mitglied des ZK; 1981–1988 LPG-Vorsitzender eines Färsenaufzuchtbetriebs
Behrend, Werner 1937–1945 CDU Vorsitzender des Bezirksverbandes Suhl der CDU, Abgeordneter des Bezirkstages Suhl und Nachfolge-Kandidat des Hauptvorstandes der CDU
Beil, Gerhard 1944–1945 SED ab 1953 1986–1990 Minister für Außenhandel
Bentzien, Hans 1944–1945 SED ab 1946 1961–1965 Minister für Kultur
Biermann, Wolfgang 1944 SED ab 1956 Seit 1976 Mitglied des Zentralkomitees der SED. Er war langjährig als Generaldirektor im VEB Werkzeugmaschinenkombinat „7. Oktober“ in Berlin tätig und wurde 1966 mit dem Ehrentitel Held der Arbeit ausgezeichnet.
Blecha, Kurt 1941–1943 SED ab 1946 1958–1989 Leiter des Presseamtes beim Vorsitzenden des Ministerrates
Bock, Siegfried 1944–1945 SED nach 1946 bis 1984 DDR-Botschafter in Rumänien und anschließend bis 1990 Leiter der Abteilung Rechts- und Vertragswesen im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten
Briz, Fritz seit 1. April 1932, SA-Führer DBD Erster Vorsitzender des Bezirksverbandes Suhl der DBD, Abgeordneter des Bezirkstages Suhl
Dallmann, Siegfried 1934–1945, 1934 Gaustudentenführer von Thüringen NDPD ab 1946 1950 bis 1990 Abgeordneter der Volkskammer; 1967–1989 Fraktionsvorsitzender der NDPD;
Debes, Kurt seit 1. Mai 1937 NDPD Abgeordneter der Volkskammer
Dumke, Harry seit 1. Dezember 1932 NDPD Erster Vorsitzender des Bezirksverbandes Gera der NDPD, Mitglied des Hauptausschusses der NDPD
Eckardt, Ernst seit 1. September 1940 CDU Stv. Vorsitzender des Bezirksverbandes Suhl der CDU, Abgeordneter des Bezirkstages Suhl
Eichler, Heinz 1944 SED 1946 1971 Sekretär des Staatsrates der DDR; bis 1989 Präsidiumsmitglied der Volkskammer der DDR und Sekretär des Staatsrates.
Ewald, Manfred 20. April 1944 (vormals NAPOLA-Zögling) SED 1946 Von 1952 bis 1960 war er Vorsitzender des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport (Stako). 1961 wurde Ewald Präsident der wenige Jahre zuvor gegründeten, zentralen Sportorganisation der DDR, des Deutschen Turn- und Sportbunds (DTSB). 1973 übernahm er außerdem die Präsidentschaft des Nationalen Olympischen Komitees der DDR. Ab 1963 war Ewald Mitglied des Zentralkomitees der SED.
Frankenberg und Proschklitz, Egbert von 1931–1945, 1932 Eintritt in die SS, Legion Condor NDPD 1949 seit 1957 Militärpolitischer Kommentator des staatlichen Komitees für Rundfunk; 1951 bis 1990 gehörte er dem Hauptausschuss der NDPD an; 1952 Präsident der Sektion Motorrennsport, später bis 1978 des ADMV der DDR
Gellert, Johannes 1.5.1935–1945, 1933 – 1939 Politischer Leiter, Oberscharführer der SA, Verfasser von NS-Schriften NDPD Mitglied des Präsidiums der Deutsch-Afrikanischen Gesellschaft. Erster stellv. Vorsitzender des Deutschen Kulturbundes im Bezirk Potsdam. Professor mit Lehrstuhl für physische Geographie an der Pädagogischen Hochschule Potsdam. Vaterländischer Verdienstorden in Bronze.
Gerstner, Karl-Heinz 1935–1945 SED Chefreporter der „Berliner Zeitung“
Gießmann, Ernst-Joachim 1937–1945 SED SED-Staatssekretär für das Hoch- und Fachschulwesen
Gorzynski, Hans seit 1. Mai 1933 CDU CDU-Funktionär in Weimar, Mitglied des Nationalrats der Nationalen Front, Abgeordneter der Volkskammer
Großmann, Ernst vom 1.Oktober 1938–1945 Mitglied der SS (zuletzt Unterscharführer), 1940 in einem SS-Totenkopf-Verband, Bewacher im KZ Sachsenhausen, Mitglied des Sudetendeutschen Freikorps, seit 1.November 1938 Mitglied der NSDAP (Nr. 6855320) SED Mitglied des ZK der SED (1959 ausgeschlossen), weiterhin SED-Mitglied und LPG-Vorsitzender in Merxleben
Heyl, Wolfgang 1939–1945 CDU ab 1949 1976–1989 Mitglied des Präsidiums der Volkskammer
Homann, Heinrich 1933–1945 NDPD ab 1948 1954–1963 stellvertretender Präsident der Volkskammer, 1960 stellvertretender Vorsitzender des Staatsrates der DDR
Kegel, Gerhard 1934–1945; 1941 durch Hitler zum Legationssekretär im Auswärtigen Amt befördert und laut Simon Wiesenthal, dem Leiter des Jüdischen Dokumentationszentrums in Wien, hat er für die Gestapo gearbeitet SED ab 1946 1950/51 stellvertretender Chefredakteur „Neues Deutschland“, 1967–1971 Kandidat des ZK der SED,1973–1976 Botschafter beim Sitz der UN in Genf
Kröger, Herbert seit dem 1. Mai 1937, Eintritt in die SA: 3.Oktober 1933, SS-Oberscharführer SED Direktor des Instituts für Internationale Beziehungen der Deutschen Akademie für Staats-und Rechtswissenschaft „Walter Ulbricht“ in Potsdam-Babelsberg. 1950–1963 Abgeordneter der Volkskammer. Verteidiger der KPD im Prozess vor dem Bundesgericht in Karlsruhe. Vaterländischer Verdienstorden in Silber. Ernst-Moritz-Arndt-Medaille.
Lang, Otto seit dem 1. April 1933 SED Abgeordneter des Bezirkstages Erfurt, Generalintendant des Nationaltheaters Weimar
Lenski, Arno von seit 1940 ehrenamtliches Mitglied des Volksgerichtshofes NDPD seit 1950 Vorstandsmitglied der NDPD, General der NVA und Chef der Panzertruppen im Ministerium für Nationale Verteidigung, Abgeordneter in der Volkskammer, u.a. Medaille für Kämpfer gegen den Faschismus 1933 bis 1945, verliehen im Jahre 1958
Lietz, Bruno 1943–1945 SED 1982–1989 Minister für Land-, Forst- und Nahrungsgüterwirtschaft
Merkel, Curt-Heinz 1938–1945 SED Handels- und Versorgungsminister bis 1963; 1969 bis 1986 Direktor der HO-Bezirksdirektion Berlin; 1959 erhielt er die Verdienstmedaille der DDR, 1977 den Orden "Banner der Arbeit" Stufe II und 1980 den Vaterländischen Verdienstorden (VVO) in Silber
Müller, Fritz 1938–1945 SED Abteilungsleiter Kaderfragen im ZK der SED 1960–1990
Nier, Kurt Mitglied der NSDAP im Gau Sudetenland SED stellvertretender DDR-Außenminister
Otto, Adolf 1937–1945 LDP Mitglied des Zentralvorstandes der LDP, Abgeordneter der Volkskammer
Reichelt, Hans 1943–1945 DBD ab 1950 1972 stellvertretender Vorsitzender des DDR-Ministerrates
Schill, Gerhard 1943–1945 SED nach 1946 1961 Oberbürgermeister der Stadt Dresden
Schmidt-Wittmack, Karlfranz 1938–1945 bis 1954 West-CDU, ab 1962 Ost-CDU 1953 bis 1955 MdB (als Mitarbeiter der Staatssicherheit); nach seiner Enttarnung 1955 Entziehung des Mandats, ab 1964 Mitglied im Hauptvorstand der Ost-CDU, 1955 bis 1976 Vizepräsident der Kammer für Außenhandel der DDR
Schmieder, Werner ab 1944 wohl ab 1946 SED Minister für Finanzen der DDR 1980/1981
Schröder, Wilhelm ab 1940 DBD ab 1948 1952–1953 Minister für Land- und Forstwirtschaft
Steger, Otfried 1944–1945 CDU ab 1947, ab 1950 SED 1965–1983 Minister für Elektrotechnik und Elektronik
Stechbarth, Horst 1943–1945   1976–1989 ZK der SED, 1972 bis 1989 Stellvertretender Minister für Nationale Verteidigung und Chef der Landstreitkräfte der NVA
Trappen, Friedel 1942–1945 SED DDR-Botschafter in Chile und anschließend stellvertretender Leiter der Abteilung Internationale Verbindungen im SED-Zentralkomitee, seit 1984 Träger des Vaterländischen Verdienstordens der DDR in Gold
Uhse, Bodo 1927–1930, auch Bund Oberland SED 1950–1954 SED-Volkskammerabgeordneter, 1950–1952 Vorsitzender des Schriftstellerverbandes in der DDR
Vorthmann, Philipp seit dem 1. Oktober 1930 NDPD Stv. Vorsitzender des Rates des Bezirkes Suhl, Abgeordneter des Bezirkstages Suhl, Erster Vorsitzender der Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse des Bezirkes Suhl
Weitz, Hans Jürgen 1942–1945 und Mitglied der SS SED Seit 1981 war Weitz Botschafter in Ägypten, vorher im Irak und in Kuwait, zeitweise auch führender Mitarbeiter im DDR-Außenministerium.
Weiz, Herbert 1942–1945 KPD/SED ab 1945/46 1958 ZK der SED, 1967 stellvertretender Vorsitzender des DDR-Ministerrates
Wiesner, Kurt 1. Mai 1933, 1931–1932 und 1933–1934 Angehöriger der SA. Mitglied der NS-Studentenkampfhilfe. CDU Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Christliche Kreise" beim Nationalrat der Nationalen Front. Ernst-Moritz-Arndt-Medaille. Deutsche Friedensmedaille.
Winkler, Werner 1931–1945 SED Minister für chemische Industrie seit dem 26. November 1955; stellvertretender Vorsitzender der Staatlichen Plankommission

Österreich

Name NSDAP Parteimitgliedschaften ab 1945 Amt bzw. Ämter
Frühbauer, Erwin (1926–2010) 1945 SPÖ 1965–73 Nationalratsabgeordneter, 1970–73 Verkehrsminister
Haiden, Günter (1926-2004) 1944–1945 SPÖ 1976-86 Landwirtschaftsminister
Kamitz, Reinhard (1907-1993) 1940–1945 ÖVP 1952–60 Finanzminister
Kopf, Rudolf (1890-1971) 1938-40 Landesstatthalter in Vorarlberg VdU, FPÖ 1949-54 Abgeordneter zum Nationalrat, 1954-1959 Landesrat in Vorarlberg
Kos, Wilhelm (1910-1995) 1930–1945, auch SS 1931-1945 FPÖ 1959-66 Abgeordneter zum Nationalrat
Kery, Theodor (1918-2010) 1945 SPÖ 1966-87 Landeshauptmann im Burgenland
Mahnert, Klaus (1913-2005) Mitgliedsnr. 512.506,
SA (Brigadeinspekteur für Tirol), später SS,
Gauinspekteur von Tirol
FPÖ 1959-66 Abgeordneter zum Nationalrat
Moser, Josef (1919–2003) 1938–1945 SPÖ 1959–79/80 Nationalratsabgeordneter, 1970–79/80 Bautenminister
Franz Murer (1917–1994) 1938–1945,
auch SS („Schlächter von Vilnius“)
ÖVP Bezirksbauernvertreter
Öllinger, Johann (*1914) 1938–1945 (seit 1933 bei der SA) SPÖ 1970 Landwirtschaftsminister vor Oskar Weihs (28 Tage)
Peter, Friedrich (1921–2005) 1938–1945 VdU, FPÖ 1958–1978 Parteiobmann der FPÖ
Reinthaler, Anton (1895–1958) 1930–1945,
SS (Obergruppenführer),
1938 Landwirtschaftsminister
1939-1945 Reichstagsabgeordneter
FPÖ 1956-58 Bundesobmann der FPÖ
Rösch, Otto (1917–1995) 1938–1945 SPÖ 1970–77 Bundesminister für Inneres, 1977–83 Bundesminister für Landesverteidigung
Scrinzi, Otto (*1918) 1938–1945 VdU, FPÖ 1984 Gründer der „National-Freiheitlichen Aktion“
Wallnöfer, Eduard (1913–1989) 1941–1945 ÖVP 1963–1987 Tiroler Landeshauptmann
Weihs, Oskar (1911-1978) 1932-1934, 1939-1945 SPÖ 1970-76 Landwirtschaftsminister

Weitere Länder

Name NSDAP Andere Parteimitgliedschaften Amt bzw. Ämter
zur Lippe-Biesterfeld, Bernhard bis 1936, auch Mitglied der Reiter-SS   Prinz der Niederlande

 



"Wer kannte die Kommunisten besser als ihre erbittertsten Feinde, die Nazis?" war das Argument des Herrn  Adenauer (Doktor aller Fakultäten, wie er gerne betonte) zur wieder auf den Thron-Setzung vieler "bewährter Nationalsozialisten" (Die ZEIT von 1998). (>Hier< zu dieser Besessenheit, gleich ob Nazis oder Kirchgänger.)

Frage des Korrespondenten einer US-Nachrichtenagentur 1963: "Herr Bundeskanzler, rückblickend auf Ihre erfolgreiche Politik sei die Frage gestattet, ob es nicht doch ein Fehler war, Personen wie Hans Josef Maria Globke" (nach 1935 erfolgreich beteiligt an der Verschärfung der Nürnberger Rassengesetze und Chef des in Israel hingerichteten Eichmann und nun wieder Chef des Bundeskanzleramtes) "zu Ihren engsten Mitarbeitern zu machen ?" (siehe auch >hier< unter Wannsee-Konferenz zum Artikel "Judenverfolgung".)

Adenauer antwortete gelassen: "Diese Frage und auch andere Namen habe ich ja immer wieder gehört. Aber meine Herren, das merken Sie sich gut, um einen demokratischen Staat aufzubauen, da benötigt man auch fähige und zuversichtliche Leute. Demokratie lebt nämlich vom Willen, der Bereitschaft und den Fähigkeiten der Menschen, Freiheit und Moral in gesetzlicher Ordnung zu sichern." (© Text EKS-Archiv/Ka1963, mehr bei meaus.com).

"Adenauer behauptete, der Sozialismus sei Ursache des NS-Faschismus und seiner unvorstellbaren Verbrechen gewesen. Der Widerstand der organisierten Arbeiterbewegung, war ihm keine Zeile wert. Ebenso der Blutzoll von Kommunisten und Sozialdemokraten. Kein Wort fand er über die Verquickung der Kirchen mit der NS-Herrschaft, kein Wort zum Reichskonkordat", aus einem Artikel von Jan Korte (vom 13.02.2008 "Bundesdeutsche Vergangenheitspolitik und Antikommunismus").

Dieser Konrad Hermann Joseph Adenauer wurde am 5. Januar 1876 in Köln geboren und verstarb am 19. April 1967 in Rhöndorf (nicht weit entfernt von seinem Geburtsort). Er hatte Jura studiert und bereits im Kaiserreich Beachtung gefunden, dann anschließend in der Weimarer Republik. Als Mitglied der katholischen Zentrumspartei ab 1906 gehörte er beispielsweise dem Preußischen Herrenhaus an, die erste Kammer des Parlamentes (entspricht in etwa dem heutigen "Bundesrat"), welche zusammen mit dem Abgeordnetenhaus die Legislative, also die gesetzgebende Körperschaft bildete.

Ab 1918 bemühte sich Adenauer um eine Selbstständigkeit des Rheinlandes vom vorwiegend "protestantischen" Preußen. Ihm wurde sogar der Vorwurf gemacht, das Rheinland ganz von Deutschland trennen zu wollen als Rheinische Republik. Außerdem war er als Verfechter des Kolonialgedankens von 1931 bis 1933 als Vizepräsident der Deutschen Kolonialgesellschaft. 1927 erklärte er: »Das Deutsche Reich muss unbedingt den Erwerb von Kolonien anstreben. Im Reiche selbst ist zu wenig Raum für die große Bevölkerung. Gerade die etwas wagemutigen, stark vorwärts strebenden Elemente, die sich im Lande selbst nicht betätigen konnten, aber in den Kolonien ein Feld für ihre Tätigkeit finden, gehen uns dauernd verloren. Wir müssen für unser Volk mehr Raum haben und darum Kolonien.«

[Horst Gründer (Hg.): »... da und dort ein junges Deutschland gründen«. Rassismus, Kolonien und kolonialer Gedanke vom 16. bis 20. Jahrhundert. München 1999. S. 327]

Wegen der Rückholung von Nazis in die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland sei dieses Thema etwas näher beleuchtet unter dem Thema Kolonialpläne der Nazis:

Der französischer Philosoph und Schriftsteller Jean Paul Sartre (1905 bis 1980) zum Kolonialismus und Neokolonialismus: »Weil keiner Seinesgleichen ausplündern, unterjochen und töten kann, ohne ein Verbrechen zu begehen, erheben sie es zum Prinzip, dass der Kolonisierte kein Mensch ist.«

Zitat: »1934, ein Jahr nach dem Machtantritt der Nazis, druckten deutsche Kolonialpolitiker Propaganda auf Postkarten: "Auch hier liegt unser Lebensraum!" prangte auf der Weltkugel, die den afrikanischen Kontinent zeigte. Darauf waren die Konturen der vier ehemaligen deutschen Kolonien abgebildet: Togo und Kamerun, Deutsch-Ostafrika und Deutsch-Südwest. Am rechten Bildrand ragte eine Kokospalme empor, deren reiche Fächer Afrika Schatten spendeten. Davor wehten die Reichsfahne und – besonders hervorgehoben – die Hakenkreuzfahne. Ein Zitat des "Führers" verlieh dem Idyll höhere Weihen: "Es gibt ein große Menge Dinge, die Deutschland aus den Kolonien beziehen muss, und wir brauchen Kolonien genau so nötig wie irgendeine andere Macht."«...

»Gemäß der nationalsozialistischen "Rassenlehre" sollte in den Kolonien scharf zwischen dem »Herrenvolk« mit "Herrenpflichten" und den geistig zurückgebliebenen Massen der schwarzen "Untermenschen" unterschieden werden. Die "Rassenhygiene" verlangte strenge Segregation in Wohngebieten und allen öffentlichen und privaten Bereichen. Die afrikanischen Arbeiter sollten sich nur zum Arbeiten in die Nähe von Europäern begeben dürfen, keine europäische Sprache lernen und die "widernatürlich" gebildeten Schwarzen, zum Beispiel die "Zivilisationskaffern" Südafrikas, "die zu unangemessenem Eigendünkel und sogar blasierter Geringschätzung des Weißen gelangt sind" wenn möglich "beseitigt" werden.« Aus: H.E. Pfeiffer: Eigenleben und Eigenkultur der afrikanischen Eingeborenen. In: Deutsche Kolonialzeitung 11, 1936.

Es reicht. Mehr bei freiburg-postkolonial.

Buchempfehlung: Rheinisches JournalistInnenbüro - »Unsere Opfer zählen nicht« - Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg, Hrg. von Recherche International e.V., 444 Seiten mit 400 Fotos und 10 Karten, erschienen März 2005, 29.50 €

Adenauer (rechts) beim Stapellauf des Kreuzers Köln

Von 1917 bis 1933 war Adenauer Oberbürgermeister (OB) von Köln und zugleich von 1920 bis 1933 Präsident des preußischen Staatsrates, zwischen 1817 und 1918 ein Beratungsgremium des Throns des Königreichs Preußen und dann in der Weimarer Republik von 1920 bis 1933 die Zweite Kammer neben dem Preußischen Landtag (Preußen ein Gliedstaat der Weimarer Republik).

Nach der Zustimmung u.a. auch der Katholischen Zentrumspartei zum "Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich", d.h.  zur diktatorischen Machtergreifung von Adolf Hitler 1933, wurde Adenauer jedoch seiner Ämter enthoben und wurde nach dem Attentatsversuch auf Hitler am 20. Juli 944 sogar für einige Monate inhaftiert. Als ehemaliges Zentrumsmitglied war er wiederholt von Widerstandskämpfern angesprochen worden. Er lehnte aber jede Beteiligung strikt ab. In einem Auffanglager auf dem Kölner Messegelände inhaftiert, nahm sich der Kölner Kommunist Eugen Zander, der als Kapo, d.h. zwar selbst Häftling, aber Mitarbeiter der Lagerleitung zur Beaufsichtigung anderer Häftlinge, seiner an. Adenauer konnte zwar fliehen, wurde jedoch erneut gefasst und schließlich Ende November 1944 entlassen.

Adenauer  war von 1949 bis 1963 erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, sowie von 1951 bis 1955 zugleich Bundesminister des Auswärtigen.

Adenauer gehörte zu den Gründern der Christlich Demokratischen Union (CDU u.a. als Nachfolgepartei der nicht erneut Fuß fassen könnenden Katholischen Zentrumspartei), deren Parteichef er bis 1966 war. Als Vorsitzender des Parlamentarischen Rates wie als erster Bundeskanzler und Außenminister der Bundesrepublik Deutschland prägte er eine ganze Ära nicht nur seiner Amtszeit, sondern bis heute. Der zum Amtsantritt 73-jährige setzte Bonn als Bundeshauptstadt durch, stand für eine Politik der Westbindung und der Europäischen Einigung und eine aktive, auch militärische Rolle der Bundesrepublik in der NATO (North Atlantic Treaty Organization, also Organisation des Nordatlantikvertrags). Adenauer stand wirtschaftspolitisch für das System der Sozialen Marktwirtschaft, jedoch nur halbherzig >hier< zum "Ahlener Programm" (Kommentar am Seitenende beachten!). Er verfolgte einen streng antikommunistischen Kurs im Inland wie gegenüber der Sowjetunion und ihren Verbündeten.

Der Hass des antikommunistischen, ja sogar antisozialdemokratischen Herrn Adenauer betraf alle deutschen sozialdemokratischer Politiker, vor allem Willi Brandt, den 1913 in Lübeck als uneheliches Kind namens Herbert Ernst Karl Frahm geborenen. Während der Hitlerzeit hatte er Deutschland verlassen. ("Wegen Hitler ging Willy Brandt ins Exil. Und wir hatten gehofft, die Zeiten sind vorbei, in dem das einem Menschen angekreidet werden konnte", war bei ZEIT ONLINE zu lesen.) Von 1957 bis 1966 war Brandt Regierender Bürgermeister von Berlin, von 1966 bis 1969 Bundesaußenminister und Stellvertreter des Bundeskanzlers im Kabinett Kiesinger sowie von 1969 bis 1974 vierter Bundeskanzler, der für seine Ostpolitik, die auf Entspannung und Ausgleich mit den osteuropäischen Staaten ausgerichtet war, am 1971 den Friedensnobelpreis erhielt. Das Wochenblatt DER SPIEGEL schrieb in seiner Ausgabe 51/1970 über den "berühmten" Kniefall am 14.12.1090 im ehemaligen Warschauer Ghetto: "Er hat mit zeremoniellem Griff die beiden Enden der Kranzschleife zurechtgezogen, obwohl sie kerzengerade waren. Er hat einen Schritt zurück getan auf dem nassen Granit. Er hat einen Augenblick verharrt in der protokollarischen Pose des kranzniederlegenden Staatsmanns. Und ist auf die Knie gefallen, ungestützt, die Hände übereinander, den Kopf geneigt. - Da, wo er kniet, war Hölle. Hier war das Warschauer Getto. Hier hat die Geschichte einen Tobsuchtsanfall gehabt -- unsere Geschichte. Sie steht schon in den Büchern, hat auch Ihre Bilder: das halbverhungerte Judenkind, das vor dem SS-Mann die Hände hebt; die Leichenberge auf kaputten Handkarren; die SS mit Flammenwerfern. Eine halbe Million ist hier umgekommen, getilgt worden, wie Wanzen..."

Dieser Willi Brandt musste sich Schmähungen wie Vaterlandsverräter, Mörder, Opportunist, Feigling, Hochstapler, Kriegsgewinnler, Schwindler, Denunziant, insbesondere Herr Brandt alias Frahm mehr oder weniger vor allem auf Wahlveranstaltungen gefallen lassen. Ausdrücklich Vaterlandsverräter und grundsätzlich "Herr Brandt alias Frahm" titulierte ihn Konrad Adenauer.

"Bisweilen resignierte Willy Brandt. Bisweilen war er müde, zu müde, um sich unentwegt zu verteidigen und sich gegen die Anschuldigungen zur Wehr zu setzen. Wären da nicht seine Wähler gewesen, die ihm durch ihre Stimme 1969 ihre Solidarität signalisierten und wäre nicht sein Wissen darum gewesen, dass er weder Vaterlandsverräter, noch Heuchler, noch Opportunist ist – sondern ein Mann, der das Hitlerregime weder erdulden wollte, noch konnte," zitiert neben obigen "Schmähungen" aus einem Manuskript von Bayern2 Radio - radioWissen unter dem Titel Alias Frahm! Die Angriffe gegen den Rückkehrer Willy Brandt - Autorin: Nicole Ruchlak, Redaktion: Hildegard Hartmann (.pdf-Datei - leider ohne Datumsangabe)

Brandt starb am 8. Oktober 1992.

Zurück zu Adenauer: 1952 erhielt er von Stalin (>hier< dessen Lebenslauf) eine Note, in der eine deutsche Einheit angeboten wurde, wenn die Bundesrepublik kein Militärbündnis mit dem westlichen Bündnissystem eingehen werde und neutral bliebe. Adenauer ignorierte diese Note. Er wollte keine Neutralität. Jedoch wurde zwar nicht eindeutig aber ziemlich klar, dass die Stalin-Noten nur ein Störmanöver waren, nach einer teilweisen Öffnung und Auswertung der Archive der ehemaligen Sowjetunion, insbesondere aus nachgelassenen Papieren von Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow, dem damaligen Außenminister der UdSSR (Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken) ab 1939. Er wurde aber am 5. März 1949 als "Volkskommissar des Äußeren" entlassen, nachdem seine jüdische Frau Polina Schemtschuschina mit Frau Golda Meir, der späteren Ministerpräsidenten von Israel (1969 - 74), die Synagoge zum jüdischen Neujahrstag Ende November 1948 besucht habe. Polina wurde vom fanatisch antireligiösen Ideologen Stalin für 5 Jahre nach Kasachstan verbannt und das Jüdische Antifaschistische Komitee in der Sowjetunion aufgelöst... Molotow war dann jedoch wieder von 1953 bis 1956 Außenminister. Dann entließ ihn Chruschtschow... Mehr dazu bei Wikipedia - ein wenig bei den Namen "springen").

1955 erreichte Adenauer in Moskau die Rückkehr der letzten deutschen Kriegsgefangenen, als die sogenannten Spätheimkehrer, gegen die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der UdSSR. Im Juni 1955 hatte die sowjetische Botschaft in Paris mit der dortigen deutschen Botschaft Kontakt aufgenommen und eine Einladung an Bundeskanzler Konrad Adenauer nach Moskau übergeben, was im Hinblick auf die bereits erfolgte insbesondere militärische Westbindung als Sensation galt. Doch Adenauer flog am 8. September 1955 zu einem Staatsbesuch in die Sowjetunion, wobei er bereits vor seiner Abreise angekündigt hatte, die Heimkehr der Gefangenen werde das wichtigste Thema in Moskau sein; denn zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch knapp 10 Tausend deutsche Wehrmachts- und Waffen-SS-Soldaten (mehr zur SS >hier<) sowie rund 20 Tausend politisch inhaftierte Zivilisten in sowjetischer Gefangenschaft. (Allerdings hatte die sowjetische Führung dieses Problem in der Vorbereitung des Staatsbesuchs nicht offiziell erwähnt, sondern vor allem auf eine mögliche Aufnahme diplomatischer Beziehungen hingewiesen.)

Adenauer soll mit großem diplomatischem Geschickt vorgegangen sein und sich vor allem dahingehend durchgerungen haben, in die üblichen "alkoholisch begleitenden Maßnahmen" einzusteigen. Man sagt, dass er dabei vorher geübt und schließlich sehr gut mitgehalten habe. Auf dem Bild ist er mit dem im selben Jahr vom Verteidigungsminister zum Ministerpräsidenten aufgestiegenen Nikolai Alexandrowitsch Bulganin - links - und  mit Nikita Sergejewitsch Chruschtschow zu sehen, dem Parteichef zur damaligen Zeit.

Walter Rath, November 2011


Leseprobe (aus - siehe unten):

"Ich ging durch die am wenigsten belebten Straßen zum Dom. Es war nicht weit. In der Krahnstraße kam eine Kompanie marschierender Soldaten an mir vorbei. Sie sangen ein Lied, das ich nicht kannte. Auf dem Domplatz sah ich wieder Soldaten. Etwas weiter fort, von den drei Kreuzen der Kleinen Kirche standen etwa zwei- oder dreihundert Personen dicht beieinander. Fast alle waren in Parteiuniform. Ich hörte eine Stimme und suchte nach dem Redner, aber ich fand keinen. Nach einer Weile entdeckte ich auf einem Podium einen schwarzen Lautsprecher. Er stand dort, beleuchtet, kahl und allein, ein Automat, und schrie über das Recht der Wiedereroberung allen deutschen Bodens, das größere Deutschland, Rache und die Tatsache, daß der Frieden der Welt gesichert sei, wenn die Welt das täte, was Deutschland wolle, und das sei das Recht.

Es war wieder windig geworden, und die schwankenden Zweige warfen ihre unruhigen Schatten über die Gesichter, die schreiende Maschine und die stillen Steinskulpturen auf der Kirchenwand dahinter: Christus und die beiden Schächer am Kreuze. Die Gesichter der Zuhörer waren gesammelt und verklärt. Sie glaubten, was der Automat ihnen zuschrie, und es war bezeichnend für die sonderbare Hypnose, die hier vorging, daß sie ihm, der sie nicht hören oder sehen konnte, zuklatschten, als sei er ein Mensch. Es schien mir auch bezeichnend zu sein für die leere, finstere Besessenheit unserer Zeit, die voll Furcht und Hysterie Schlagworten folgt, ganz gleich, ob jemand von rechts oder von links sie schreit, wenn er der Masse nur das lästige Denken und die Verantwortung abnimmt, für das einstehen zu müssen, was sie fürchtet und dem sie nicht ausweicht.

Ich hatte nicht erwartet, so viele Leute im Dom zu finden. Dann fiel mir ein, daß es die letzten Tage im Mai waren und daß in diesem Monat jeden Abend eine Andacht abgehalten wird. Einen Augenblick überlegte ich, ob ich nicht lieber in eine der protestantischen Kirchen gehen sollte; aber ich wußte nicht, ob sie abends offen waren. Ich drückte mich nahe am Eingang in eine leere Bank. Am Altar schimmerten die Kerzen; der Rest der Kirche war nur wenig erleuchtet, und ich war nicht leicht zu erkennen.

Der Priester wanderte am Altar in einer Wolke von Weihrauch, Brokat und Licht langsam hin und her, um ihn herum die Meßdiener in roten Röcken mit weißen Überwürfen und dem dampfenden Weihrauchfaß. Ich hörte die Orgel und den Chorgesang, und plötzlich war mir, als sähe ich dieselben hingerissenen Gesichter wie draußen, Augen, die sich ebenso in einem entrückten, offenen Schlaf zu befinden schienen, voll von Glauben ohne Frage und Wunsch nach Sicherheit und Unverantwortlichkeit. Alles war sanft hier und milder als draußen; aber diese Religion der Liebe zu Gott und dem Nächsten war nicht immer so milde gewesen: auch sie hatte durch die finsteren Jahrhunderte viel Blut gekostet. Im Augenblick, wo sie selbst nicht mehr verfolgt wurde, hatte auch sie zu verfolgen begonnen mit Scheiterhaufen, Schwert und Folter. Helens Bruder hatte mir das hohnlachend im Lager erklärt: »Wir haben die Methoden eurer Kirche übernommen. Eure Inquisition mit ihren Folterkammern im Namen Gottes hat uns gelehrt, wie man Feinde des Glaubens behandeln muß. Wir sind sogar noch weniger scharf — wir verbrennen nur in seltenen Fällen lebendig.« Ich hing damals an einem Kreuz, während er mir das erklärte — es war eine der harmloseren Arten, Namen von Häftlingen zu erpressen.

Der Priester am Altar hob die goldene Monstranz und segnete die Menge. Ich saß sehr still, aber mir war, als schwämme ich in einem lauen Bade von Rauch, Trost und Licht. Dann begann das letzte Lied: >In dieser Nacht sei du mein Schirm und Wacht< — Ich hatte es als Kind gesungen, und damals war das Dunkel der Nacht mir als Gefahr erschienen — jetzt war es das Licht.

Die Menge begann den Dom zu verlassen. Ich hatte noch fünfzehn Minuten zu warten und rutschte in eine Ecke, neben einen der großen Pfeiler, die das Gewölbe stützten..."

Aus:

Remarque, Erich Maria
Die Nacht von Lissabon -
Roman.
Ungekürzte Ausg. — Frankfurt/ M, Berlin, Wien: Ullstein, 1978. (Ullstein-Bücher; Nr. 3450)
ISBN 3-548-03450-0

Ungekürzte Ausgabe
Umschlagentwurf:
Hansbernd Lindemann
Alle Rechte vorbehalten
Mit Genehmigung des Verlags Kiepenheuer & Witsch, Köln

© 1962 by Erich Maria Remarque
Printed in Germany 1983
Gesamtherstellung: Ebner Ulm
ISBN 3 548 03450 0
Januar 1984 66.-75. Tsd.

Kurze Inhaltsangabe: Es ist 1942. Am nächtlichen Kai von Lissabon starrt ein Mann auf ein Schiff. Der Mann ist deutscher Emigrant, und das Schiff ist das letzte nach New York. Aber der Mann hat weder Visum noch Geld. Da spricht ihn ein Unbekannter an. Er will ihm zwei Schiffskarten und zwei Pässe schenken — unter einer Bedingung: daß er in dieser Nacht nicht allein bleibt, daß er dem anderen seine Geschichte erzählen kann, die 1933 in Osnabrück begann und jetzt in Lissabon, dieser letzten Zuflucht europäischer Emigranten, enden wird. Denn die Frau, mit der er in die Freiheit strebte, hat er verloren; das Schiff da draußen in der Mündung des Tejo hätte ihre Rettung werden sollen vor dem deutschen Verhängnis, das Remarque hier in seinem ergreifendsten und wahrhaftigsten Buch noch einmal darstellt.

Vom selben Autor in der Reihe der Ullstein Bücher:
Im Westen nichts Neues (56)
Der Funke Leben (177)
Zeit zu leben und Zeit zu sterben (236)
Drei Kameraden (264)
Der schwarze Obelisk (325)
Liebe deinen Nächsten (355)
Der Weg zurück (2722)
Der Himmel kennt keine Günstlinge (3395)
Arc de Triomphe (3403)
CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek

Kurzbiographie von

Erich Maria Remarque, 1898 in Osnabrück geboren, war selbst Emigrant und lebte seit1929 in Frankreich, USA und in der Schweiz. Sein in zweiunddreißig Sprachen übersetzter Anti-Kriegsroman »Im Westen nichts Neues« hatte ihm 1929 Weltruhm gebracht, den er nach dem Zweiten Weltkrieg mit weiteren Romanen über die »verlorene Generation« noch mehrte (siehe oben). Remarque starb 1970 in Ascona.